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GOLDENES ZEITALTER: FABULOUS FOUR


BoxSport - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 24.06.2020

Vor fast genau 40 Jahren gab das Duell zwischen Sugar Ray Leonard und Roberto Duran den Startschuss für eine Rivalität zwischen vier Fightern, die in zehn Jahren insgesamt neun Mal gegeneinander antreten sollten. Für viele war es die letzte goldene Ära des Boxsports: Es war die Zeit der „Four Kings“.


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Bildquelle: BoxSport, Ausgabe 8/2020

MARVIN HAGLER


ROBERTO DURAN


SUGAR RAY LEONARD


THOMAS HEARNS


1984: Hearns (l.) schickt Duran in die Seile und knockt ihn kurze Zeit später brutal aus


1983: Hagler (r.) besiegt Duran in einem harten Fight nach Punkten


1981: Der Showdown zwischen Leonard (r.) und Hearns ist einer der besten Fights aller Zeiten

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Die fetten Jahre scheinen vorbei zu sein. Muhammad Ali ist nur noch ein Schatten seiner selbst und steht kurz vor dem Karriereende. Seine größten Ringschlachten, der „Thrilla in Manila“ gegen Joe Frazier und der „Rumble in the Jungle“ gegen George Foreman, sind fünf beziehungsweise sechs Jahre her. Alis Nachfolger als Dominator des Schwergewichts heißt Larry Holmes. Ein vorzüglicher und bis heute unterschätzter Fighter, dem es aber an Charisma und Starpower fehlt und der daher niemals auch nur ansatzweise die großen Fußstapfen Alis ausfüllen kann.

1980 ist der Boxsport daher verzweifelt auf der Suche nach neuen Helden. Nach Superstars, die ihn wieder auf die Titelseiten der Mainstream-Medien katapultieren können. Doch im Schwergewicht, der viel zitierten „Königsklasse des Boxens“, werden Bob Arum und Don King, die führenden Promoter der damaligen Zeit, nicht fündig. Dafür rücken vier andere Boxer in den Fokus. Vier Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten und deren Karrieren und einzigartigen Duelle ein ganzes Jahrzehnt prägen sollten: Sugar Ray Leonard, Roberto Duran, Thomas Hearns und Marvin Hagler. Die „Four Kings“ des Faustkampfs.

Alles beginnt im Sommer 1980 in Montreal, Kanada mit dem ersten Duell zwischen Roberto Duran und Sugar Ray Leonard um die WBC-Weltmeisterschaft im Weltergewicht. Duran, der langjährige Dominator des Leichtgewichts und Volksheld Panamas, gilt zum Zeitpunkt des Fights als einer der besten Boxer der Welt „pound for pound“. Doch seine Mission an diesem Frühsommerabend ist die schwerste seiner bislang so illustren Karriere. Denn ihm steht mit Sugar Ray Leonard der neue Posterboy des US-Boxens gegenüber. Ein Goldmedaillengewinner der Olympischen Spiele 1976 in ebenjenem Montreal. Mit Charisma, gutem Aussehen und herausragenden Boxqualitäten gesegnet, ist Leonard schon früh in seiner Karriere ein beliebtes Werbegesicht und der neue prognostizierte Superstar des Sports. Sugar Ray hatte den WBC-Gürtel sieben Monate zuvor mit einem spektakulären T.K.o.-Sieg gegen den bis dato ungeschlagenen Wilfred Benitez gewonnen und war von da an auf seinem Weg zum Ruhm nicht mehr zu stoppen. Es folgte ein humorloser Knockout gegen Dave Green in seiner ersten Titelverteidigung. Doch nun wartet Duran auf den 24-Jährigen. „Ich hatte ihn nicht mal auf meinem Radar“, gibt Leonard Jahre später zu. „Ich habe nie daran gedacht, gegen Duran zu kämpfen, weil er ein Leichtgewichtler war und es ein solches Gewichtsdefizit gab.“

DURANS PSYCHO-KRIEG

1972 entthronte Duran den damaligen Leichtgewichtsweltmeister Ken Buchanan per T.K.o. in Runde 13. Zwölf Mal verteidigte „Manos de Piedra“ (dt.: Hände aus Stein) den WBA-Titel und krönte sich 1978 mit einem Knockout von WBC-Champ Esteban De Jesus, dem einzigen Mann, gegen den Duran zuvor verloren hatte, zum unumstrittenen Champion in seinem Limit. Doch er sucht nach neuen Herausforderungen. Im Januar 1979 legt der Panamaer seine WM-Titel nieder und greift im Weltergewicht an. Nach mehreren klaren Siegen gegen mehr oder minder gute Contender erhält er am 20. Juni 1980 die Chance auf Leonards WM-Titel. Als Austragungsort für den Superfight der beiden wählen die Promoter Arum (Leonard) und King (Duran) das Olympiastadion in Montreal. Den Ort, an dem Leonard rund vier Jahre zuvor Gold gewonnen hatte. „Leonard war der große amerikanische Held – und dann war da Duran“, erinnert sich Arum. „Ein Latino, mit dem die Leute nicht viel anfangen konnten, aber auch eine echte Naturgewalt. Es war das Duell: American Hero gegen seltsamen Latino.“

Das spiegelt sich auch in den Börsen wieder. Duran kassiert 1,5 Millionen Dollar, den mit Abstand größten Betrag seiner bisherigen Karriere. Doch es sind nur Peanuts im Vergleich zu Leonard. Mit rund acht Millionen sackt Sugar die zum damaligen Zeitpunkt größte Börse eines Boxers aller Zeiten ein – als Weltergewichtler, wohlgemerkt. Das Duell generiert weltweit Aufmerksamkeit. Über 46.000 Zuschauer strömen ins Olympiastadion. Abertausende USAmerikaner sehen den Kampf in diversen Hallen als „Closed Circuit TV“ (quasi kostenpflichtiges Public Viewing) auf großen Leinwänden. Der Madison Square Garden in New York City ist ausverkauft, obwohl der Kampf dort nur auf der Videowand gezeigt wird. Vor dem Duell kündigt Leonard an, nicht vor Duran weglaufen zu wollen und sich ihm zum direkten Zweikampf zu stellen. Ein großer Fehler des Weltmeisters. Im direkten Schlagabtausch kann Duran so gut wie niemand das Wasser reichen. Doch Leonard ist sauer, richtig sauer. Duran provoziert ihn im Vorfeld bei jeder Möglichkeit. Er stellt sogar Leonards Ehefrau Juanita Wilkinson nach, wenn diese in Montreal einkaufen geht. „Er ließ sie von Spionen beobachten. Immer wenn sie losfuhr, stieg auch Roberto in sein Auto und folgte ihr. Dann sagte er verrückte Sachen, wie ‚Dein Ehemann ist ein Nichts. Wenn ich ihn geschlagen habe, dann f… cke ich dich.‘ Völlig verrückt. Leonard ist komplett ausgerastet“, erinnert sich Bob Arum.

Oben: Hearns (l.) und Hagler bei einem Foto-Shooting vor ihrem legendären Duell. Unten: Hagler wird nach seinem Sieg auf Händen durch den Ring getragen


„Er hat meine Männlichkeit herausgefordert“, erklärt der Provozierte. Im Ring geht Durans Plan auf. Leonard stellt sich einem Fuß-an-Fuß-Duell und muss in den ersten Runden dafür bezahlen. Duran landet die besseren Treffer, bestimmt den Kampf. Erst in den mittleren Runden findet Sugar zu seinem Rhythmus. Es entwickelt sich ein hochklassiges und dramatisches Duell. Beide wollen keinen Zentimeter herschenken, bekriegen sich 15 Runden lang. Am Ende bekommt Duran in einem sehr engen Duell das knappe Punkturteil und krönt sich zum König.

Der Fight sorgt nicht nur für hochklassigen Boxsport, sondern auch für volle Kassen. Schnell ist klar: Ein Rematch muss her. Nur fünf Monate später steigen Duran und Leonard erneut in den Ring. Diesmal im Superdome von New Orleans vor rund 30.000 Zuschauern. Der als „Super Fight“ titulierte Rückkampf erhält allerdings schon kurz nach dem Duell einen neuen Titel: „No Mas Fight“. Leonard beruft sich diesmal auf seine Stärken. Er tänzelt durch den Ring, nutzt seine schnelleren Hände und lässt den außer Form antretenden Duran immer wieder ins Leere laufen. Der Panamaer ist derart frustriert, dass er dem Ringgeschehen kurz vor Ende der achten Runde den Rücken zukehrt und zu Ringrichter Octavio Meyran die Worte „No mas“ (dt.: nicht mehr) spricht. Der beendet den Fight daraufhin. „Das war es. Ich habe genug. Das ist schrecklich“, tobt daraufhin Durans legendärer Coach Ray Arcel. „Ich habe mit tausenden Boxern gearbeitet und noch nie hat einer von ihnen aufgegeben. Dieser Typ braucht einen Psychiater.“ Duran verkündet kurz nach dem Kampf sogar seinen (nicht lange währenden) Rücktritt vom Boxsport. Wenige Monate nach seinem größten Sieg muss er seine bitterste Niederlage einstecken. Leonard hingegen steht wieder auf dem Thron.

LEONARD KRÖNT SICH ZUM KÖNIG

In der Zwischenzeit sorgen auch zwei andere Top- Boxer für Schlagzeilen. Im August 1980 sichert sich ein gewisser Thomas Hearns aus Detroit den WBATitel im Weltergewicht. Hearns, aus der Kronk- Schule von Trainer-Legende Emanuel Steward, ist ein furchteinflößender Puncher, der sich mit jedem K.o.-Sieg für einen Mega-Showdown mit Leonard in Stellung bringt. Etwas abseits des Dramas im Welter krönt sich im September 1980 Marvin Hagler mit einem Sieg über Alan Minter zum neuen König des Mittelgewichts. Der Rechtsausleger mit dem Kampfnamen „Marvelous“ musste jahrelang um Anerkennung kämpfen. Selbst jetzt, als Champion, muss er noch auf die echten „Big Fights“ warten. Denn die Musik spielt zunächst weiter im Weltergewicht. Am 16. September 1981 kommt es zum mit Spannung erwarteten Duell zwischen Leonard und Hearns.

Der Mega-Showdown um die unumstrittene Weltmeisterschaft elektrisiert die Massen. Über 23.000 Zuschauer strömen in eine extra für den Fight errichtete Außenarena am Caesars Palace in Las Vegas. Der Kampf setzt über 35 Millionen Dollar um – eine gigantische Summe für die damalige Zeit. Im Ring bestimmt Hearns zunächst das Geschehen. Er, der gefürchtete Puncher, boxt Leonard aus. Die „Motor City Cobra“ sichert sich Runde um Runde. Nur vereinzelt kommt auch Sugar Ray zum Erfolg. Mit den verzweifelten Worten „You‘re blowing it, son, you‘re blowing it“ (dt.: Du vermasselst es, Junge) redet Leonards Coach Angelo Dundee seinem Schützling zwischen der zwölften und 13. Runde ins Gewissen. Mit Erfolg. Der WBC-Champ fasst neue Hoffnung, greift nun unerbittlich an. Noch in Runde 13 schickt Leonard Hearns auf die Bretter. In Runde 14 dreht er den dramatischen und spektakulären Kampf und siegt, nach Punkten klar zurückliegend, durch K.o. „Ich habe bewiesen, dass ich der beste Weltergewichtler auf dem Planeten bin. Dieser Sieg übertrifft alle meine bisherigen Erfolge“, gibt Leonard nach dem Fight stolz zu Protokoll.

Mit seiner vielleicht besten Karriereleistung bezwingt Duran (l.) Leonard 1980 in Montreal nach Punkten


„ICH HABE MICH AUF EINE SCHLACHT VORBEREI– TET. MEIN KÖRPER WAR WIE EINE RÜSTUNG.“
(MARVIN HAGLER)


Leonard, Duran, Hearns (v.l.) und Hagler (nicht auf dem Foto) sind heute gut befreundet


Doch Leonards Zeit als Undisputed Champ währt nicht lange. Nur ein Mal verteidigt er die WM. Am 15. Februar 1982 gegen Bruce Finch (T.K.o. in drei Runden). Danach stellen Ärzte eine Netzhautablösung an Sugar Rays linkem Auge fest. Der Olympiasieger lässt sich operieren und verkündet daraufhin seinen Rücktritt vom Boxen – mit gerade einmal 26 Jahren. Während Leonard den Sport nur noch von der Seitenlinie verfolgt, wechseln Hearns und Duran ins Halbmittelgewicht, wo sie beide Weltmeister werden. Erst am 10. November 1983 treffen sich wieder zwei der Four Kings im Ring. Duran ist mittlerweile ins Mittelgewicht aufgestiegen und fordert den unumstrittenen Champ Marvin Hagler heraus. In einem großartigen Duell, in dem „Hands of Stone“ nach 13 Runden sogar knapp nach Punkten führt, sichert sich Hagler nur durch einen starken Schlussspurt noch einen hauchdünnen Sieg.

DER ULTIMATIVE SHOWDOWN

Doch Duran gewinnt an Respekt. Schließlich ist es nicht gerade üblich, dass ein ehemaliger Leichtgewichtler dem besten Mittelgewichtler der Welt einen derart knappen Kampf liefert. Kein Wunder also, dass der Panamaer, mittlerweile 32 Jahre alt, direkt im nächsten Fight erneut gegen einen Top-Mann antritt – diesmal wieder im Halbmittel. Durans Gegner am 15. Juni 1984: Thomas Hearns. Rund vier Jahre nach dem größten Sieg seiner Karriere gegen Leonard muss Duran allerdings seine brutalste Niederlage einstecken. Der „Hitman“ landet schon zu Beginn dieses frühsommerlichen Freitagabends in Las Vegas seine harte Rechte fast nach Belieben. Nach mehreren Niederschlägen schickt Hearns seinen chancenlosen Kontrahenten brutal und mit dem Gesicht voran in den Ringstaub. Roberto Duran wird ausgeknockt – zum ersten Mal in seiner bis dato 17-jährigen und 82 Fights umspannenden Karriere.

Alle Welt wartet nun auf einen einzigen Kampf: Thomas Hearns vs. Marvin Hagler um die Weltmeisterschaft im Mittelgewicht. Von Top Rank nur als „The Fight“ promotet, wird das Duell später als „The War“ in die Geschichte eingehen. „Ich habe mich auf eine Schlacht vorbereitet. Mein Körper war wie eine Rüstung“, erinnert sich Hagler gegenüber dem US-Magazin „The Ring“. Am 15. April 1985 liefern sich Hagler und Hearns die wohl brutalste Drei-Runden-Schlacht in der Geschichte des Boxens. In weniger als acht Minuten landen beide zahlreiche Wirkungstreffer, ehe Hagler den „Shootout“ in Runde drei mit einem brutalen Finish für sich entscheidet. Heute sind beide gut befreundet, doch damals konnten sie sich nicht ausstehen. „Das böse Blut zwischen uns trieb uns zu Höchstleistungen“, berichtet Marvelous. „Wir haben den Fight 26 Tage lang promotet. Jeden Tag musste ich Tommys Gesicht sehen und in dieser Zeit standen wir uns regelrecht feindselig gegenüber. Ich habe schon vor dem Kampf angekündigt, dass es ein Krieg wird. Und genau das war es auch – Krieg!“

Hagler und Hearns pausieren nach dem harten Gefecht, in dem sich der Hitman die rechte Schlaghand brach, fast ein Jahr lang. Kurios: Beide steigen am 10. März 1986 wieder in Las Vegas in den Ring. Doch diesmal steht Hearns in Haglers Vorprogramm. Während Tommy nur 73 Sekunden benötigt, um sich James Shulers zu entledigen, steht Hagler in einem weiteren harten Kampf. Er trifft auf den von Wilfried Sauerland promoteten John „The Beast“ Mugabi aus Uganda und siegt durch Knockout in Runde elf. Am Ring sitzt ein prominenter Ruheständler und beobachtet Hagler mit Argusaugen: Sugar Ray Leonard. „Ich kann Hagler schlagen“, sagt Leonard der Legende nach während des Fights zu einem Sitznachbarn, dem Hollywoodstar Michael J. Fox. Und nur weniger als zwei Monate später verkündet Sugar, dass er für ein Duell gegen Hagler in den Ring zurückkehren werde. Es dauert fast ein Jahr, ehe die beiden Superstars am 6. April 1987 wirklich die Fäuste kreuzen. In einem hochklassigen Gefecht siegt Leonard, bis heute umstritten, per „Split Decision“. Auch wirtschaftlich sorgt das Duell für einen gigantischen Erfolg. Rund 78 Millionen Dollar soll der Fight umgesetzt haben. Selbst nach heutigen Standards gemessen wäre das eine mehr als beachtliche Summe.

Zu einem Rückkampf kommt es trotz aller Versuche von Leonard und Arum allerdings nicht mehr. Hagler beendet nach dem Kampf seine Karriere und wird nie wieder in den Ring zurückkehren. Die Ära der Four Kings neigt sich dem Ende zu. Leonard bestreitet 1989 noch ein Rematch gegen Hearns (Unentschieden) und einen dritten Fight gegen Duran (Punktsieg Leonard). Doch trotz weiterer Erfolge der drei in den Folgejahren ist der ganz große Glanz, den ihre Vierer-Rivalität versprühte, langsam verflogen. „Jeder der neun Kämpfe zwischen diesen vier Männern war auf seine eigene Art erinnerungswürdig und mindestens zwei stehen in jeder Liste der größten Fights aller Zeiten“, schreibt George Kimball später in seinem (sehr empfehlenswerten) Buch „Four Kings“. Sugar Ray Leonard, Roberto Duran, Marvin Hagler und Thomas Hearns hielten die Boxwelt mit ihren denkwürdigen Schlachten zehn Jahre lang in Atem. Drei ihrer Duelle wurden als „Fight of the Year“ ausgezeichnet. Sie waren keine Schwergewichtler. Aber dennoch hat ihnen die ganze Welt zugesehen.


Fotos: Getty Images (10), pa/ Seth Wenig (), twitter.com/@supsterjnr (1)