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GOLDGRÄBERSTADT IN KALIFORNIEN: Der Friedhof der Geisterstadt


Friedhofskultur - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 03.09.2018

Heiß und trocken ist es in Bodie. Unvorstellbar, dass dieser kalifornische Ort einst eine blühende, florierende Stadt war. Heute ist Bodie eine Geisterstadt. Der Friedhof zeugt bis heute von den einstigen Bewohnern.


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Die heutige Geisterstadt Bodie, vom Friedhof aus gesehen. Einst lebten bis zu 10.000 Menschen hier.


Foto: Evelin Mühle

Einst – das war etwa 1860 – wollten Goldgräber in Bodie „das große Los“ ziehen. Schnell wuchs die Stadt auf 7.000 bis 10.000 Einwohner. Verschiedene Quellen weisen verschiedene Zahlen aus; die Wahrheit liegt sicher irgendwo in der Mitte. Die Stadt hatte alles, was man zum Leben ...

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... brauchte: Arbeitsplätze in Bergwerken, eine Eisenbahn, Schulen, Kirchen (verschiedener Religionen), ein Postamt, eine Bank, Handwerker mehrerer Zünfte, Brauereien und sogar einen Stadtteil Chinatown. Außerdem mehr als 65 Saloons und Bordelle. Und so unterteilte man die Stadt in den sittlichen Süden und den sündhaften Norden. Schießereien und Mord waren an der Tagesordnung. Ranger erzählen heute die Geschichte eines kleinen Mädchens, das, als die Familie nach Bodie ziehen wollte, ins Tagebuch geschrieben haben soll: „Goodbye God. I’m going to Bodie.“

Die Stadt liegt auf 2.550 Meter Höhe im High Desert County in Kalifornien, nahe dem Salzsee Mono-Lake und dem Bundesstaat Nevada. Unwirtlich sind die Lebensbedingungen: im Winter reichlich Schnee und Minusgrade, im Juli 30 Grad Celsius und Trockenheit, dazu kalte Nächte und oft starker Wind. Die Menschen lebten in Holzhäusern mit einem noch kleineren Häuschen hinter dem Haus.

Das Ende des Goldrausches

Vermutlich um 1880 war die höchste Bevölkerungszahl erreicht. Als die Minen nicht mehr genug Profit abwarfen und der Goldpreis sank, zogen die Menschen fort. 1917 wurde die Eisenbahnlinie demontiert, 1932 brach ein Großfeuer aus, 1942 schloss die Post. Und im Jahr 1962 wohnten nur noch zehn Menschen in Bodie.

Heute ist die Stadt, besser gesagt die nach einem Brand übrig gebliebenen rund 170 Häuser, eine der besterhaltenen Geisterstädte der USA.

Schaurig schön an einem heißen Julitag und mit besten Fotomotiven. Dank der geringen Luftfeuchtigkeit blieben Häuser und Mobiliar gut erhalten. Manchmal wirkt es so, als seien die Einwohner gerade noch da gewesen – wäre da nicht die dicke Staubschicht auf Tellern, Stühlen und Büchern. Ein bisschen mulmig ist einem im Bauch, wenn man durch die Fensterscheiben schaut.

Der Friedhof von Bodie

Ein wenig abseits des Ortes liegt der Friedhof, ein ebenso wundersamer Ort wie die Stadt selbst. Zwischen lila und gelben Blumen, Gräsern und trockenen Kräutern sind Grabstellen, umzäunt wie kleine Gitterbettchen oder mit Holzlatten umfriedet, manches ist neu. Hier wird versucht Geschichte aufzuarbeiten: Altes Holz neben neuem, behutsame Restaurierung, manchmal auch ein neuer Stein, eine neue Einfassung. Am Eingang des Friedhofes können Besucher für drei Dollar ein Heftchen (Stand 2012) kaufen. Es beschreibt die Historie des Friedhofs und Geschichte wird plötzlich ganz nahe. Da gab es etwa Misses A. C. Friend, sie war eine der ersten Unternehmerinnen in Bodie. Kluge Frau: sie kümmerte sich um die Toten, öffnete und schloss die Gräber, verkaufte Grabsteine. Wenn gewünscht, wurde auch einbalsamiert.

„Gitterbettchen“: eine eisenumrandete und verwilderte Grabstelle.


Die Parkverwaltung versucht den Friedhof zu erhalten.


Drei Friedhofsteile waren entsprechend der Landbesitzer ursprünglich angelegt, eingefasst mit einem Zaun. Drinnen für die rechtschaffenen Leute (respectable citizens); draußen für die Mittellosen, Revolverhelden, Verurteilten, unehelichen Kinder und die Prostituierten. Eine von ihnen war Rosa May. Geboren im Januar 1855 in Pennsylvania, kam sie in den 1890er Jahren nach Bodie. Sie starb 1911 oder 1912 und man munkelte, sie sei an einer Lungenentzündung gestorben, nachdem sie erkrankte Minenarbeiter betreut hatte. Sie wurde trotzdem „outside“ beerdigt.

Viele Kindergräber zeugen vom Leid der Eltern, einige Erwachsenengräber von Krankheiten und Unfällen. Evelyn Myers, knapp drei Jahre alt, ist bekannt als der „Engel von Bodie“. Sie starb, als eine Drainageleitung um das Haus der Familie gelegt wurde und eine Spitzhacke sie am Kopf traf. Oder Pauline McKeough, die 26-jährig starb, als ihr Sohn Kenneth gerade neun Monate alt war. Viele der Männer starben früh. Und viele müssen relativ junge Frauen mit Kindern, eventuell vielen Kindern hinterlassen haben. Was wird aus ihnen geworden sein? Wie die Frauen unter diesen schwierigen Lebensbedingungen ihren Lebensunterhalt für sich und die Kinder verdienten haben oder ob sie wieder jemanden kennenlernten, bleibt ungewiss.

Die Geschichten bleiben

Die (vorerst) letzte Bestattung war 2003 die von Robert „Bobby“ Bell, geboren 1914 in Bodie. Er war einer aus der zweiten Generation, einer der letzten Minenarbeiter. Als Bodie begann, eine Geisterstadt zu werden, blieb er dort, half Gebäude zu erhalten und gab Wissen und Geschichten über den Ort und die Menschen an die neuen Aufseher des State Historic Parks weiter. Heute sind es weniger als zehn Menschen, die sich in Bodie noch bestatten lassen wollen.

Das Geschäft des Sargmachers.


Mein Tipp: Wer es bis nach Kalifornien schafft – der sollte zwischen Redwood-Bäumen, Yosemite National Park und Golden-Gate-Bridge unbedingt Zeit für Bodie einplanen.

Evelin Mühle, Friedhofsverwalterin des Städtischen Friedhofs in Görlitz

Blick in die Küche eines verlassenen Hauses.


Fotos: Evelin Mühle