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GOLFPUNK TOP TEN: MISIING LINKS


Golfpunk - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 27.09.2019

Nicht jeder Golfplatz ist für die Ewigkeit bestimmt. Über eine Menge einst großartiger Anlagen ist mittlerweile längst Gras gewachsen, es wurden Gebäude hochgezogen oder Kleingärtner frönen ihrem Hobby. Dies sind die Top Ten der versunkenen Golfplätze .


DRESDEN GOLF CLUB, BAD WEISSER HIRSCH

10 Im Osten Deutschlands sind Golfplätze rar gesät. Vor dem Zweiten Weltkrieg jedoch entstand im Dresdner Stadtteil Weißer Hirsch ein Platz, der heute vielleicht in einem Atemzug mit dem Hamburger GC Falkenstein genannt würde. Dessen Architekt Harry Colt errichtete schließlich auch diesen Neunloch-Heideplatz. Auch das ...

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Bildquelle: Golfpunk, Ausgabe 5/2019

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10 Im Osten Deutschlands sind Golfplätze rar gesät. Vor dem Zweiten Weltkrieg jedoch entstand im Dresdner Stadtteil Weißer Hirsch ein Platz, der heute vielleicht in einem Atemzug mit dem Hamburger GC Falkenstein genannt würde. Dessen Architekt Harry Colt errichtete schließlich auch diesen Neunloch-Heideplatz. Auch das Clubhaus entwarf ein Architekt von Rang und Namen: Bauhaus-Pionier Wilhelm Kreis. Wie im Rest Deutschlands legte der Zweite Weltkrieg auch in Dresden den Golfsport lahm und verhinderte, dass die Pläne für eine Erweiterung auf 18 Loch umgesetzt wurden. Nach dem Krieg wurde der Platz von der sowjetischen Besatzungsmacht für andere Zwecke verwendet und zerstört. Heute liegt auf den einstigen Fairways die Kleingärtneranlage Bühlauer Waldgärten.

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ROYAL ASCOT

9 In Großbritannien gingen Pferdesport und Golf lange Zeit Hand in Hand. Davon zeugen heute noch der Musselburgh Links oder der Ludlow Golf Club. Bis 2005 war es aber auch möglich, im Inneren der legendären Pferderennstrecke von Ascot Golf zu spielen. 1887 errichtete John Henry Taylor den 18-Loch-Platz, der von Queen Victoria unmittelbar royalen Status verliehen bekam. Doch das Prestige dieses Orts wurde dem Platz zum Verhängnis. 2000 erhielten die Betreiber aus heiterem Himmel eine Räumungsklage. Aufgrund der großen Popularität des Ascot-Rennens war auch der Platzbedarf gestiegen. 2005 musste der Golfclub für die Neugestaltung der Anlage weichen und wurde an neuer Stelle wiedereröffnet.

FRESH MEADOW COUNTRY CLUB

8 Flushing ist auch heute noch ein Mekka des Sports. Wo die New York Mets ihre Heimspiele austragen und die Tennisstars um die US Open kämpfen, existierte einst ein Golfplatz, der selber ganz große Turniere austrug, etwa die PGA Championship 1930 und die US Open 1932. Letztere wurde von Gene Sarazen gewonnen, der seine Brötchen als Head Pro in Fresh Meadows verdiente. Der Platz von Albert Warren Tillinghast war nach seiner Eröffnung im Jahr 1922 ein absoluter Test für die besten Golfer der Welt und nur unwesentlich kürzer als der Austragungsort der US Open 2013. Insbesondere die 528 Meter lange Bahn 5 würde wohl auch 2019 noch einigen Profis Kopfschmerzen bereiten. Doch das werden wir nicht mehr erfahren: 1946 wurde das Land verkauft und für Wohngebäude genutzt.

MILL ROAD FARM

7 Werber Albert Lasker wollte Anfang der 1920er-Jahre eigentlich nur Golf spielen. Aber dem Juden gewährten die ebenso elitären wie rückständigen Clubs im Chicagoer Vorort Lake Forest keinen Zutritt. Also ließ Lasker kurzerhand einen Platz bauen, der die anderen in den Schatten stellte. Dreieinhalb Millionen Dollar steckte der „Mad Men“ 1925 in den Bau der Anlage, eine Million davon floss in den von William Flynn designten Platz. Und was für ein Layout es war: Der Pflegezustand erreichte ein Niveau, das heute nur Augusta National erreicht, und das Design war so hart, dass es einer US Open würdig gewesen hätte. Lasker hatte solch ein Vertrauen in den Anspruch seines Platzes, dass er 500 Dollar für denjenigen auslobte, der als Erstes unter Par blieb. Neun Jahre blieb das Geld unangetastet. Dann gelang US-Open- Champion Tommy Armour eine 69. Nach dem Tod seiner Frau schenkte Lasker das Anwesen der Universität von Chicago, die damit jedoch nichts anfangen konnte.

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TIMBER POINT

6 Der Club im Süden von Long Island gehörte 1925 mit seinen lediglich 100 Mitgliedern nicht nur zu den exklusivsten der USA, Architekt Charles Allison hatte auch einige der besten Löcher des Landes in den mit sandigem Untergrund gesegneten Boden gezaubert. Würde das New Yorker Layout heute noch existieren, würde man es vermutlich in einem Atemzug mit Pine Valley und Pinehurst #2 nennen. Wie die beiden Top-100-Plätze war Timber Point nicht nur ein faszinierendes, sondern auch ein sehr anspruchsvolles Layout. Zu den Höchstschwierigkeiten zählten dabei zwei von Bunkern geprägte Par 3, die ganz ohne Hilfe von Wasser zu Inselgrüns wurden. Eines davon, das Gibraltar-Loch, ist auch heute noch in modifizierter Form beeindruckend. Aber der Entschluss, den Platz in den 70ern in eine 27-Loch-Anlage zu verwandeln, war eine fatale Entscheidung.

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WEMBLEY PARK CLUB

5 Der Platz existierte nur zehn Jahre, aber seine Vorund Nachgeschichte machte ihn zum Stoff, aus dem Legenden sind. 1907 wollte Sir Edward Watkin den verhassten Franzosen zeigen, was eine Harke ist, und ein größeres Gegenstück zum Eiffelturm bauen. Der Watkin’s Tower wurde eine Geldverbrennungsmaschine und nie fertiggestellt. An seine Stelle trat der Wembley Park Club, der eines der ungewöhnlichsten Hindernisse besaß, die es jemals auf einem Golfplatz gab. Der einstige Fahrstuhlschacht des Watkin’s Tower konnte nicht geschlossen werden und fraß getoppte Bälle vom dritten Tee. Nicht das einzige Ärgernis, das von dem Luftschloss blieb. Noch Jahre später fanden sich überall auf dem Platz Bolzen des Turms, der mit Sprengstoff in die Luft gejagt wurde. Im Mai 1922 musste der Club letztlich schließen und dem ersten Wembley Stadion weichen.

DEEPDALE

4 Kaum ein Golfclub hatte ein prestigeträchtigeres Mitglieder- Register als der private Deepdale Golf Club auf Long Island. Acht Präsidenten der United States Golf Association, ein Präsident der Vereinigten Staaten (Dwight D. Eisenhower) und der aus Liebe abgedankte britische König Edward VIII. gehörten dem 1924 von William K. Vanderbilt II. gegründeten Club an. Auch für den Golfplatz selber war nur das Beste gut genug. Die für Architekt Charles Blair Macdonald typischen Redan- (Par 3, dessen Grün nach hinten und zur Seite hängt) und Alps-Löcher (Par 4, dessen zweiter Schlag blind über einen Hügel führt) sollen sogar die des legendären National Golf Links of America übertroffen haben. Doch den Fortschritt konnten auch die reichen Mitglieder nicht stoppen. 1954 wurde der Long Island Expressway gebaut und der Club musste sich einen neuen Ort für seinen Golfplatz suchen, der nicht einmal annähernd an die einstige Qualität heranreicht.

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SHARP PARK

3 Bis 2017 tobte in Kalifornien ein erbitterter Streit zwischen Naturschützern und Golf-Enthusiasten. Während Erstere ein Schutzgebiet für Frösche und Schlangen forderten, wollten Letztere einen der wenigen bezahlbaren Golfplätze in San Francisco – noch dazu designt von Alister MacKenzie – retten. Die Golfer gewannen am Ende, aber der Triumph war ein Pyrrhussieg, denn Sharp Park ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst. Das Originaldesign verfügte 1932 über inselartige Abschlagboxen, Spielbahnen mit geteilten Fairways, brillante Bunker und aufwendige Grünkomplexe. Vor allem aber hatte Sharp Park eines, womit er heute in einem Atemzug mit Pebble Beach oder Bandon Dunes genannt würde: sieben Bahnen am Pazifik. Doch der Zweite Weltkrieg und Überflutungen setzten Sharp Park hart zu. Statt des Golfplatzes ist die größte Attraktion der Gegend jetzt ein paar Hundert Meter entfernt: die Klippen, von denen in der Schlussszene von „Harold und Maude“ das Auto stürzte.

LIDO GOLF CLUB

2 1914 rief das englische „Country Life Magazine“ einen Design-Wettbewerb unter Golfplatzarchitekten für die beste Gestaltung eines Par 4 aus. Alister MacKenzie, der später legendäre Plätze wie Augusta National oder Cypress Point bauen sollte, gewann den Preis mit einer auf fünf verschiedenen Wegen spielbaren Bahn. Als Einsatzort für sein Design hatte er den gerade im Bau befindlichen Lido Golf Course in Long Island im Sinn, auf dessen Schlussbahn MacKenzies Zeichnung in die Realität umgesetzt wurde. Mit Seth Raynor und Charles Blair Macdonald verewigten sich neben MacKenzie zwei weitere Architekturlegenden auf dem Layout, das Masters-Sieger Claude Harmon später als den „besten Golfplatz aller Zeiten“ bezeichnete. Der Lido Golf Club war einer der ersten Plätze, die komplett von Menschenhand erschaffen wurden. Für damalige Verhältnisse unglaubliche eineinhalb Millionen Kubikmeter Sand wurden für den Bau bewegt. Doch zwei Weltkriege und die mitten darin liegende Weltwirtschaftskrise verhinderten, dass der Lido Golf Club Fuß fasste. Heute steht eine High School auf dem besten Teil des Platzes.

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THE OLD COURSE ST. ANDREWS

1 Moment mal, was hat der älteste Golfplatz der Welt auf dieser Liste zu suchen? Doch was kaum einer weiß: Der Old Course von St. Andrews war lange Zeit zwei Plätze in einem. Zwischen 1872 und 1904 wurde der Platz im Wochenwechsel auch im Uhrzeigersinn gespielt – vom ersten Tee zum Grün der 17, weiter auf das Grün der 16 etc. Noch viele Jahrzehnte später wurde das Routing zur Saisoneröffnung reaktiviert, doch 2007 stoppte der Links Trust diese Tradition „und hat keine Pläne, es in der unmittelbaren Zukunft wieder einzuführen“, wie uns eine Sprecherin erklärte. Schade, denn so gerät das Bewusstsein über den ersten reversiblen Platz der Golfgeschichte langsam in Vergessenheit. Und immer weniger Golfer werden verstehen, warum so viele Fairway- Bunker auf dem Old Course nur scheinbar in die falsche Richtung gebaut wurden.

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