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Google Cloud für die Fertigungsindustrie: INNOVATIONEN: DURCH CLOUD-LÖSUNGEN VORANTREIBEN


Digital Engineering Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 17.02.2021

Google Cloud stellt seinen Kunden ein umfangreiches Portfolio an Plattform-Services, Infrastruktur- und Branchenlösungen zur Verfügung. Wie Fertigungsunternehmen davon profitieren können und was sie bei der Digitalisierung beachten sollten, erläuterte uns Gregor von Jagow, Head of Manufacturing, Industrial & Transportation bei Google Cloud.


Artikelbild für den Artikel "Google Cloud für die Fertigungsindustrie: INNOVATIONEN: DURCH CLOUD-LÖSUNGEN VORANTREIBEN" aus der Ausgabe 1/2021 von Digital Engineering Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Digital Engineering Magazin, Ausgabe 1/2021

? Digital Engineering Magazin (DEM): Covid-19 hat die Fertigungsindustrie weltweit massiv beeinflusst und viele Unternehmen gezwungen, ihre Lieferketten und Geschäftsmodelle an die Situation anzupassen. Wie schätzen Sie die Lage der Fertigungsindustrie nach zwölf ...

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... Monaten Coronavirus-Pandemie ein?
GREGOR VON JAGOW: Covid-19 und die weltweit ergriffenen Schutzmaßnahmen sind auch an der Fertigungsindustrie nicht spurlos vorübergegangen. Laut Google Clouds Manufacturing Report war 2020 knapp die Hälfte der Hersteller (47 Prozent) weltweit nicht auf das Coronavirus und dessen Folgen vorbereitet, und nahezu alle Unternehmen der Fertigungsindustrie (95 Prozent) verzeichnen negative Effekte durch die Pandemie. Doch viele Fertigungsunternehmen haben auch die Gelegenheit genutzt, ihre Digitalisierungsstrategie zu überdenken und sich so den besonderen Umständen anzupassen.

? DEM: Wie sieht diese Anpassung aus?
VON JAGOW: Weltweit haben 76 Prozent dieser Unternehmen den Einsatz von „Digital Enablers“, also Schlüsseltechnologien zum Vorantreiben der digitalen Transformation wie Data Analytics, Big-Data-Lösungen und Mensch-Maschine-Interaktion sowie disruptive Technologien wie Cloud und KI deutlich gesteigert. Seit Covid-19 nutzt sogar fast die Hälfte (43 Prozent) der Fertigungsunternehmen Cloud-Dienste, um auch im Krisenfall handlungsfähig zu bleiben. In Deutschland haben sogar 86 Prozent der Hersteller vermehrt neue Technologien eingesetzt - damit liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich ganz vorn.

Aktuell fühlen sich vier von fünf Herstellern weltweit gewappnet für ähnliche Herausforderungen durch die im Zuge der Pandemie ergriffenen Maßnahmen und den vermehrten Einsatz neuer Technologien.

? DEM: Inwieweit kann ein höherer Digitalisierungsgrad die Auswirkungen der Pandemie auf die Fertigungsunternehmen minimieren?
VON JAGOW: Obwohl die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch nicht in Gänze zu erfassen sind, erleben viele Fabriken schon jetzt einen Rückgang von Arbeitskapazität und Ressourcen. Folglich ist es für Fertigungsunternehmen momentan wichtiger denn je, ihre Unternehmensagilität, die Digitalisierung der Lieferketten sowie betriebliche Abläufe voranzutreiben. Der Umstieg auf die Cloud ist eine gute Möglichkeit für Unternehmen, ihre Technologieausgaben weiter zu optimieren und effizienter zu werden. IT-Umgebungen können von „Altlasten“ befreit und modernisiert werden, Leistung und Skalierbarkeit verbessert und die Infrastrukturkosten reduziert werden.

Um den sich stetig ändernden Umständen bei Angebot und Nachfrage gerecht zu werden, bedarf es der Integration verschiedener Datenquellen und der Möglichkeit zu Echtzeit-Analysen. Durch die Anwendung intelligenter Analyseverfahren und KI können Hersteller die Nachfrage besser vorhersagen und ihre betrieblichen Abläufe entsprechend anpassen. Darüber hinaus ermöglicht KI auch, Probleme auf den letzten Kilometern der Lieferung, die mehr als die Hälfte aller Versandkosten ausmachten, zu verringern.

? DEM: Welche Vorteile bietet die Cloud den Produktionsunternehmen?
VON JAGOW: Durch die Verknüpfung von Betriebstechnologie (OT - Operational Technology) und Informationstechnologie (IT) über die Cloud lassen sich bestimmte Maschinen oder Anlagen mithilfe von Dashboards und Performance-Ansichten auch aus der Ferne überwachen und steuern, was besonders vor dem Hintergrund des derzeit gebotenen Physical Distancing relevant ist.

Und natürlich stehen auch Fertigungsunternehmen vor der Herausforderung, wie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - sowohl intern als auch mit dem Kunden - bestmöglich zusammenarbeiten, gemeinsam Projekte vorantreiben und in Kontakt bleiben können. Cloud-basierte Office-Lösungen wie Google Workspace (ehemals G Suite), die den kollaborativen Aspekt in den Vordergrund stellen, können zu einer besseren Vernetzung der Belegschaft beitragen und die Produktivität weiterhin sicherstellen.

Gregor von Jagow ist Head of Manufacturing, Industrial & Transportation bei Google Cloud.


DEM: Haben Sie dazu ein paar Beispiele aus der Praxis?
VON JAGOW: Viessmann stellte beispielsweise nach 22 Jahren seine Kollaborations- und Produktivitätstools auf Google Workspace um. Weltweit arbeiten nun 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens miteinander in der Cloud. Die Umstellung brachte Vorteile sowohl für die IT-Abteilung als auch für die Anwenderinnen und Anwender mit sich: So funktioniert der Austausch zwischen den Ländern von Asien über Nordamerika bis nach Deutschland besser denn je. Gleichzeitig reduziert Workspace Kosten bei dem deutschen Mittelständler aus Allendorf.

Ein weiteres Beispiel ist ABB Information Systems: Hier arbeiten wir eng mit dem Hosting-Services-Team von ABB zusammen für eine optimierte Cloud-Migration, die auf die IT-Bedürfnisse der weltweiten ABB-Standorte zugeschnitten ist. Die Umsetzung erfolgt dabei strukturiert und abgestimmt auf das neue ABB-Betriebsmodell. Wir unterstützen hier besonders in den Bereichen Data Science, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, um die Qualitätssicherung zu vereinfachen und verbessern.

DEM: Was ist die richtige Strategie für Fertigungsunternehmen, um zukünftig für Krisen besser gerüstet zu sein?
VON JAGOW: Die wohl wichtigste Rolle spielt dabei die Digitalisierung, denn sie ermöglicht Unternehmen den Aufbau agiler und flexibler Strukturen, die im Krisenfall entscheidend sein können - wie etwa bei notwendigen Anpassungen an behördliche Anweisungen oder in erneuten Lockdown- Situationen. Um interne Prozesse und Abläufe dahingehend zu optimieren und auch den Kundendienst zu Peak-Zeiten zu verbessern, ist der Aufbau einer umfassenden Digitalisierungsstrategie für Fertigungsunternehmen unabdingbar.

DEM: Welche Lösungen bietet Google Cloud dafür an?
VON JAGOW: Google Cloud hat verschiedene Lösungen im Portfolio, um Unternehmen in der Fertigungsindustrie bei ihrer Produktentwicklung sowie Digitalisierung von Produktionsanlagen und Lieferketten zu helfen. Sie lassen sich in drei Themenbereiche clustern: Vernetzung in (Fertigungs-) Unternehmen, erweiterte Analysen und Informationen zur Verbesserung der Geschäftsergebnisse sowie die Optimierung des Betriebs durch KI-Anwendungen.

DEM: Welche Lösungen und Dienstleistungen stellt Google Cloud für die Bereiche Smart Analytics mit Echtzeitanalysen, maschinelles Lernen (ML) und künstliche Intelligenz (KI) seinen Kunden zur Verfügung?
VON JAGOW: Mithilfe von BigQuery, einem serverlosen, hoch skalierbaren und kostengünstigen Cloud Data Warehouse, gewinnen unsere Kunden Informationen aus ihren Daten und können basierend darauf fundierte Entscheidungen treffen. Es geht also darum, den vorhandenen Datenschatz zu heben. Mit unserer KI-gestützten- Lösung für visuelle Inspektion können Fertigungsbetriebe Kosten für Produktrückläufer und Nachbesserungen senken, den Produktertrag steigern und den Aufwand für manuelle Inspektion verringern. Contact Center AI wiederum bringt Google KI mit Callcenter-Software zusammen - und verbessert dadurch sowohl das Kundenerlebnis als auch die betriebliche Effizienz.

DEM: In der Fertigungsindustrie kommen häufig Geschäftsanwendungen von SAP zum Einsatz. Wie können SAP-Kunden von der Google Cloud profitieren?
VON JAGOW: Neben unseren Tools zur Analyse von Daten, verfügen wir auch über Machine-Learning-Modelle, die vollständig in SAP integriert sind.

Ein Beispiel dafür ist Kaeser Kompressoren, ein bekannter Anbieter von Druckluftprodukten und -dienstleistungen. Das Unternehmen benötigte eine Plattform für die Bereitstellung und Verwaltung vorhandener On-Premise-SAP-Workloads. Darüber hinaus wollte der Anbieter in der Lage sein, andere in der Google Cloud ausgeführte Dienste anzuzapfen, um mehr Nutzen aus diesen Umgebungen zu ziehen. Um integrierte Lösungen auch für die Automobilindustrie zu entwickeln, arbeiten wir zudem mit Herstellern von Fertigungssoftware wie Siemens, SAP, JD Edwards und vielen weiteren zusammen.

DEM: Wie sehen die zukünftigen Planungen von Google Cloud für den Bereich Manufacturing aus?
VON JAGOW: Das herstellende Gewerbe ist für Google Cloud von großer Bedeutung und spielt vor allem in Deutschland und anderen Ländern mit ähnlich starker oder stark wachsender Fertigungsindustrie eine entscheidende Rolle. Durch vernetzte Cloud-Lösungen können diese Unternehmen nicht nur ihre Umsätze steigern, sondern auch die eigene Innovationsstrategie gezielt vorantreiben, um agil auf unvorhergesehene Situationen wie Covid-19 zu reagieren.

Zukünftig werden das Angebot und die Lösungen für die Fertigungsindustrie noch stärker ausdifferenziert und konkreter auf die Bedürfnisse der Branche zugeschnitten. Wir wollen weiterhin entlang der Bedürfnisse der Fertigungsindustrie agieren und stets am Puls der Branche sein, um Anforderungen rechtzeitig zu erkennen. Auch deswegen kooperiert Google Cloud mit Partnern aus der Industrie und Verbänden, wie beispielsweise der OPC Foundation und der Rolls-Royce EMER2GENT Alliance.

DEM: Herr von Jagow, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Rainer Trummer.


Bilder: Google Cloud