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Google Pixel 6a: Besser als das iPhone SE?


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Mac Life - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 01.09.2022

Smartphone-Vergleich

Es bewegt sich was im Smartphone-Markt: Lange Zeit unterschätzt, hat sich Google im Mutterland USA mittlerweile zum fünftgrößten Anbieter von Mobiltelefonen hochgearbeitet. Zwar grüßt Apples iPhone weit entfernt vom ersten Platz hinunter, trotzdem ist Googles Marktanteil von nunmehr 3 Prozent respektabel – immerhin führte der Suchmaschinenriese die Pixel-Smartphone-Serie erst 2016 ein.

Hauptgrund für den zunehmenden Erfolg: Die aktuelle Pixel- 6-Reihe bescherte Google in den USA im Jahr 2021 ein Absatzplus von fast 400 Prozent. Zum ersten Mal konnte das kalifornische Unternehmen den Slogan „Made by Google“ im Pixel 6 und Pixel 6 Pro wahr machen, denn die im vergangenen Oktober vorgestellten Geräte enthielten Googles selbstentwickeltes Tensor-Systemon-a-Chip. Der ARM-SoC ist quasi die Antwort aus Mountain View auf Apples A-Bionic-Serie für die iPhone-Modelle (siehe Kasten). ...

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Bildquelle: Mac Life, Ausgabe 10/2022

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Diese Frage wirft zumindest das Pixel 6a auf. Und es ist genau die Frage, die uns zu einem Testbericht eines Android-Smartphones in einer Apple-Zeitschrift bewogen hat. Denn Google scheint sehr clever an einigen zeitgemäßen Stellschrauben gedreht zu haben, um eine hohe Leistung mit einem attraktiven Preis zu verbinden: Knapp 460 Euro kostet das Pixel 6a – und ist damit noch einmal 60 Euro günstiger als das iPhone SE Jahrgang 2022, das bei 520 Euro startet.

Zum Vergleich: „Eine Etage höher“ kommt das Pixel 6 (ohne A) für 650 Euro, für die Pro-Klasse verlangt Google vergleichsweise gesittete 900 Euro. Grob simplifiziert liegt der „Aufstiegstakt“ bei der Pixel-Serie bei um die 200 Euro.

Da ist der Abstand vom „iPhone für die Massen“ zu Apples Beletage schon drastischer geraten: Knapp 300 Euro beträgt der Unterschied zum iPhone 13, das Pro ist gar über 600 Euro entfernt.

Rein äußerlich könnte der Unterschied zwischen dem iPhone SE und dem Pixel 6a größer kaum sein. Transportiert Ersteres mit seinen breiten Rändern oberhalb und unterhalb des 4,7 Zoll (11,9 Zentimeter) messenden Displays den – gönnerhaft ausgedrückt – klassischen Charme einer längst verblichenen Smartphone-Dekade, wirkt Googles 2022er-Modell wie ein Kind der heutigen Zeit: 6,1 Zoll (15,6 Zentimeter) weist das Vollbild-Display auf – und ist damit nur ein wenig kleiner als das mittlere Geschwisterchen, das Pixel 6 mit seinem 6,4 Zoll (16,3 Zentimeter) großen Panel.

LCD vs. OLED

LCD- gegen OLED-Display – oft ist die Wahl eine Frage des Geldbeutels, denn erstere Technologie findet sich vornehmlich noch in günstigen Smartphones. Dabei sind LCD-Bildschirme nicht in allen Fällen schlechter: Denn mit bis zu 2.000 Candela pro Quadratmeter (Nits) kann ein LC-Display heller strahlen als sein OLED-Äquivalent, das es meist auf maximal 800 Nits schafft. Bist du also viel draußen unterwegs, könnte dir das Lesen auf einem LCD-Smartphone einfacher fallen.

Dafür sind die Bilder auf einem OLED-Gerät kontrastreicher und schöner. Das liegt vor allem an der Anzeige von echtem Schwarz – die einzeln ansteuerbaren Bildpunkte leuchten bei dessen Darstellung schlichtweg nicht, während sich die Hintergrundbeleuchtung eines LC-Displays nicht ausschalten lässt. Deshalb gelten Smartphones mit OLED-Bildschirm auch als energieeffizienter.

Gut in der Hand liegen indes beide Geräte, wobei das iPhone SE noch einmal knapp eineinhalb Zentimeter weniger in der Höhe misst – es mag Nutzer:innen geben, die dieses Kleinformat bevorzugen. Und sogar die erwähnten Ränder mögen umgekehrt gedacht zu einer bewussten Kaufentscheidung beitragen. Denn wer hätte nicht schon einmal ein Vollbild-Display bei einer versehentlichen Berührung als zu „touchy“ empfunden – Chic hin oder her?

OLED hui, LCD pfui!

Kritik verdient Apple jedoch ob der Wahl der Displaytechnik: Im Jahr 2022 in einem 500-Euro-Handy noch ein LC-Display anzubieten, wäre im Android-Markt allenfalls einen mitleidigen Lacher wert. Denn in dieser Preisklasse ist ein OLED-Schirm dort fast schon als Standard zu bezeichnen.

So auch beim Pixel 6a: Das OLED-Display schafft es auf eine Full-HD-Plus-Auflösung von 1.080 mal 2.400 Bildpunkten, das iPhone SE 3 auf 750 mal 1.334 Pixel. Dies entspricht einer Pixeldichte von 429 respektive 326 ppi.

Auch bei der Leuchtdichte liegt Google spürbar vorn: Auf maximal 776 Candela pro Quadratmeter (Nits) bringt es das Pixel 6a, das iPhone SE 3 schafft es nur auf 625 Nits. Zudem wirkt der Pixel-Bildschirm kontrastreicher.

Wie du es auch drehst und wendest: Die Punkte für das Display gehen in diesem Vergleich ohne Ausnahme nach Mountain View.

In einer Hinsicht haben sich Apple und Google jedoch den Rotstift geteilt: Die Bildwiederholrate sowohl des Pixel 6a als auch des iPhone SE 3 beträgt lediglich 60 Hertz. Bei Modellen der oberen Mittel- oder der Spitzenklasse haben längst maximale Wiederholraten von 90 oder gar 120 Hertz Einzug gehalten – so eben auch bei Apple und Google.

Macht sich dies unangenehm bemerkbar? Die Antwort ist von deinen Gewohnheiten abhängig: Nutzt du bereits ein Smartphone mit einer höheren Bildfrequenz, wird dir die trägere Anzeige etwa beim Scrollen in deiner App-Liste oder auf Webseiten beim „Downgrade“ zumindest in den ersten Tagen durchaus auffallen. Spiele reagieren zudem nicht ganz so unmittelbar wie auf einem Spitzengerät – auch wenn die reine Rechenleistung beim Pixel 6a sowie beim iPhone SE gegeben ist. Kommst du aber von einem gleichwertigen, billigeren oder älteren Modell, wirst du den Unterschied nicht spüren oder das neue Gerät aufgrund der frischeren Technik gar als Aufstieg empfinden.

Trotzdem: Im Android-Markt bieten zahlreiche Smartphones in der Preisklasse um 500 Euro mittlerweile bereits 90-, 120- oder sogar 144-Hertz-Displays. Mit Ruhm bekleckert haben sich also weder Apple noch Google.

Apple traditionell hochwertig

Keine Blöße liefern sich beide Hersteller bei der Verarbeitung. Apple setzt jedoch auf höherwertige Materialien. So ist der Rücken des iPhone SE komplett aus Premium-Frosted-Glass gefertigt, während es bei Google nur zu Kunststoff gereicht hat. Dieses ist Glas jedoch in der Optik und Haptik so

täuschend ähnlich, dass es selbst gestandene Youtube-Rezensent:innen aufs Glatteis geführt hat. Und während der Rahmen des SE 3 aus Aluminium gefertigt ist, setzt Google beim Pixel 6a auch hier auf Hartplastik. Die geringere Größe des iPhone sorgt jedoch dafür, dass es nochmals 34 Gramm leichter ist als das Pixel. Beim Display kommt beim Pixel 6a Gorilla-Glass-3-Deckglas zum Einsatz, Apple verzichtet beim SE hingegen auf die eigene Ceramic-Shield-Glastechnologie der teureren Geräte. Sturztests des US-Versicherungsunternehmens „Allstate Protection Plans“ zufolge erweist sich der Bildschirm aber trotzdem als äußerst robust.

Beide Geräte entsprechen der Schutzart IP67, halten also mindestens 30 Minuten in bis zu 1 Meter Wassertiefe ohne Schaden zu nehmen durch.

Kein Face ID, kein Face Unlock

Zumindest der erwähnte untere Displayrahmen des iPhone SE ist nicht gänzlich ohne Funktion, findet hier doch die gute alte Hometaste inklusive Fingerabdruckscanner Platz. Und dieser funktioniert bei Apple wirklich hervorragend und schnell, während Google bei den bisherigen Modellen der 6er-Serie zu Recht viel Kritik für die oft trägen und unzuverlässigen Sensoren einstecken musste. Beim 6a wirkt der einmal mehr „fancy“ unter dem Displayglas verbaute Fingerscanner auf uns zwar weitaus zuverlässiger, so unmittelbar wie beim iPhone reagiert er trotzdem nicht. Auf eine Gesichtserkennung müssen beide Geräte verzichten; gerüchteweise will Google sie jedoch per Software-Update nachliefern – immer den Kopf im Sourcecode halt.

Bleiben wir noch etwas bei der Sicherheit: Sowohl Apple als auch Google setzen auf eigens entwickelte Chips, um die sensiblen Daten ihrer Nutzer:innen vor Angriffen zu schützen. Dazu gehören Kreditkarteninformationen und der Fingerabdruck. Zusätzlich überwachen sie verschiedene Funktionen wie etwa den Systemstart. Geben wir den Kindern Namen: Beim iPhone ist dafür der „Secure Enclave“-SoC, bei Google der Titan-M2-Sicherheitskoprozessor zuständig, der auch in Chromebooks Daten in Echtzeit verschlüsselt.

Ein für viele Anwender:innen kaufentscheidendes Thema ist jedoch das der Datenweitergabe ihres Smartphones an den Mutterkonzern – und allein die Marke Google steht hier oft in keinem guten Licht da und vermag einigen iPhone-Fans schon bei ihrer puren Erwähnung das kalte Grausen ins Gesicht zu zaubern. Apple hingegen wirbt damit, möglichst viele Prozesse direkt auf seinen Produkten zu verarbeiten und somit gar nicht erst auf die eigenen Server zu lassen.

Zu kontrollieren ist dies im gänzlichen Umfang schwer. Immerhin hat der iPhone-Erfinder den Android-Entwickler damit unter Druck gesetzt, selbst an der Datensicherheitsschraube zu drehen. Und so verarbeitet auch das Pixel-Smartphone viele Informationen direkt auf der Hardware – letztlich dürfte dies einer der Hauptgründe für die Entwicklung eines eigenen SoCs sein. Zum Beispiel dampfte Google die Sprachassistenz so weit ein, dass diese keine Daten mehr mit entfernten Rechenzentren austauschen muss und somit sogar offline arbeitet. Und auch die Pixel-eigenen Kameratricks, etwa das Ausradieren störender Elemente in Bildern, finden lokal auf den Geräten mit Tensor-SoC statt – und nur auf diesen.

Pixel-Gimmicks

Um sich vom Android-Wettbewerb abzuheben, verpasst Google seinen Pixel-Smartphones einige exklusive Fähigkeiten. Neben den erwähnten Fototricks beeindrucken besonders die Funktionen zur Simultanübersetzung sowie zur Echtzeit-Transkription von gesprochenem Text. Auf eine Annehmlichkeit müssen deutsche Pixel-Nutzer:innen allerdings weiterhin warten: Die Funktion „Warte für mich“, mit der dir der Google Assistant die nervenaufreibende Wartezeit in einer Warteschleife abnimmt, ist bisher nur in den USA, Australien und Kanada verfügbar. Google erweitert diese Pixel-Features im Monatstakt.

Trotzdem: Ein bedeutender Teil von Googles Firmenkonstrukt beruht letztlich auf der – nun ja, „kreativen“ – Nutzung der Daten von Nutzer:innen. Apple ist anders ausgerichtet und verkauft primär Hardware und daran gekoppelte Softwaredienste. Und dieser Unterschied darf für dich gern der entscheidende sein – kapieren wir!

Intelligente Batterien

Größeres Smartphone, größerer Akku. In den meisten Fällen geht diese Rechnung auf – so auch bei diesen Kontrahenten. Der Abstand fällt gar überproportional weit aus: Satten 4.500 Milliamperestunden Ladungskapazität im Fall des Pixel 6a stehen im Vergleich fast mick-rig anmutende 2.000 mAh gegenüber. Damit übertrifft das Google-Smartphone sogar Apples iPhone 13 Pro Max. Übermütig dreht der Suchmaschinenriese daher episodenhafte Werbung, die auf die Laufzeit von durchschnittlich einem Tag hinweist.

Google Tensor

Googles Tensor-SoC baut wie Apples Silicon-Chips auf der ARM-Prozessorarchitektur auf. Im Mittelpunkt steht die sogenannte „Tensor Processing Unit“ (TPU), die Aufgaben der Artifiziellen Intelligenz und des maschinellen Lernens besonders schnell abarbeiten soll. Die CPU-Einheit besitzt acht Kerne, hinzu kommen ein isoliertes Sicherheitssystem rund um den Koprozessor Titan M2 sowie eine integrierte High-

End-Grafikeinheit. Bisher kommt Googles Eigenentwicklung nur in den aktuellen Smartphones der Pixel-Serie zum Einsatz, ab 2023 ist jedoch auch mit Pixel-Tablets und Chromebooks auf Tensor-Basis zu rechnen.

In der Praxis hängt die Laufzeit natürlich stark von der persönlichen Nutzung ab. Schaust du viele Videos? Spielst du viel auf deinem Smartphone? Nimmst du damit an Videokonferenzen teil? All diese Anwendungen saugen traditionell überproportional stark am Akku. Und so lässt sich Apple auf der Produktwebseite nur auf vermeintlich praxisnahe Aussagen ein: Bis zu zehn Stunden Videostreaming, bis zu 50 Stunden Audiowiedergabe seien mit dem aktuellen iPhone SE möglich. Dies in Relation zu setzen, fällt schwer.

In unserem Test haben wir das Pixel 6a einige Tage in einem ganz normalen Arbeitsalltag mitgeführt und jeweils morgens aufgeladen. Je nach Nutzung standen am nächsten Morgen zumeist noch zwischen 10 und 20 Prozent Batteriekapazität auf der Habenseite.

Auch mit dem iPhone SE Jahrgang 2022 kamen wir durch den Tag – oftmals aber mit Ach und Krach und Boxenstopp auf einem Qi-Pad. Immerhin ist letztere Option ein echter Vorteil gegenüber der Pixel-Mittelklasse: Bei aller Begeisterung über die Laufzeit vergaß Google offenbar, seinem kleinsten Pixel die Möglichkeit zum kabelfreien Aufladen mitzugeben – für viele Interessent:innen sicher ein Ausstiegsgrund. Auch preislich konkurrierende Android-Smartphones verstehen sich nicht selten auf Qi.

Eine Funktion zum Schnellladen offerieren hingegen beide Geräte: Das iPhone SE schafft es mit einem 20-Watt-Netzteil in knapp 30 Minuten auf 50 Prozent Ladestand, das Pixel 6a hinkt etwas hinterher und benötigte dafür in unserem Test rund 45 Minuten. Ein Netzteil legen beide Hersteller ihren Geräten nicht mehr bei, ein Ladekabel aber schon.

Doch es ist nicht nur die reine Akkukapazität, die entscheidet – auch die Artifizielle Intelligenz spielt mittlerweile eine Rolle.

Google und Apple nutzen AI, um das Verhalten der Nutzer:innen zu studieren und ihnen so zu helfen, ihr Smartphone möglichst lange ohne Aufladung zu verwenden. Schaust du etwa gern nach Feierabend Videos oder spielst du während deiner Mittagspause? Dann merkt sich dies die AI und müht sich, in den restlichen Stunden Energie zu sparen. Das heißt: Trägst du dein iPhone oder Pixel über Wochen, Monate oder gar Jahre mit dir herum, stellt es sich immer weiter auf dich ein.

AI hin oder her: Als „Heavy-User:in“ liefert dir das Google Pixel 6a den längeren Atem. Das iPhone SE scheint Apple in Sachen Akku und Display hingegen für Nutzer:innen gestaltet zu haben, die eher sporadisch auf ihr Smartphone schauen, um ganz klassisch damit zu telefonieren und hier und da eine Nachricht zu schreiben. Das ist nicht verwerflich; dass Apple hier jedoch im Vergleich zum Vorgängermodell nicht einen weiteren Kapazitätssprung beim Akku ermöglicht, ist trotzdem nur schwer zu akzeptieren.

Knauserspeicher

Bei noch einer Kapazität spart das iPhone SE: beim internen Speicher. Gerade einmal 4 GB hat Apple seinem Spar-iPhone gegönnt. Das ist den Macher:innen aus Cupertino wohl selbst etwas peinlich, weshalb dieser Wert auf der Produktwebseite erst gar nicht auftaucht. Beim Pixel 6a hat es immerhin für 6 GB gereicht. Dafür zeigt sich Apple beim Festspeicher flexibler: Wahlweise mit 64, 128 oder 256 GB ist das SE 3 erhältlich – natürlich mit parallel steigenden Preisen. Google bietet das Pixel 6a derzeit nur mit einem 128 GB fassenden UFS-Speicher an. Sprich: Hamsterst du Apps im großen Stil und machst du viele Fotos und Videos, bist du mit dem iPhone SE 3 besser dran. Was eigentlich paradox ist, denn das Pixel ist das Smartphone, das zu mehr Benutzung reizt. Und zudem über die (Achtung, Spoiler!) bessere Kamera verfügt.

Kameras mit digitalen Trickkästen

Apples iPhone SE kommt in die Jahre. Kein Wunder, basiert es doch im Wesentlichen nach wie vor auf dem honorigen iPhone 8. Nirgendwo wird dies deutlicher als bei der Kameraausstattung. Die nämlich ist recht spärlich und identisch mit dem Vorgänger, dem SE 2. Das heißt: Auf der Rückseite des Geräts findet sich genau eine 12-Megapixel-Kamera mit einer Weitwinkellinse. Das iPhone SE 3 daher als gute „Gelegenheitsknipse“ zu bezeichnen, kommt Apples Intention mit diesem Smartphone wohl recht nahe. Die offensichtliche Denke: Wer mehr will, soll eben zum iPhone 13 aufsteigen. Eine 7-MP-Kamera an der Front ergänzt die etwas maue Ausstattung.

Kamera-Vergleich

Links iPhone SE, rechts Pixel 6a.

Das Foto vom iPhone ist sehr hell, überbetont aber den Grünstich des Holzes. Das Pixel 6a findet die bessere Balance und hebt die Verrostung besser hervor.

Sommerporträt: Während das iPhone die Rottöne sehr stark betont, agiert das Pixel 6a etwas dezenter und realistischer. Es packt auch beim Bokeh-Effekt des Hintergrunds etwas fester zu.

Sowohl das Pixel 6a als auch das iPhone bilden alle Details exakt ab. Allerdings sind sie auf den Bildern des iPhone besser zu erkennen, beim Pixel ist eine Nacharbeit vonnöten.

Bei Aufnahmen mit wenig Umgebungslicht spielt der Nachtsichtmodus des Google Pixel 6a seine Stärken aus und liefert lebendigere Fotos ohne Blitzlicht.

iPhone SE Pixel 6a

Die Fotos des iPhone SE wirken heller und lebendiger, die des Pixel 6a dafür realistischer und natürlicher. Zudem ist der Hintergrund etwas detaillierter.

Punkt fürs iPhone SE: Die Wandmalerei profitiert von den lebendigen Farben der Apple-Kamera. Beim Pixel 6a gehen die Himmel fast ineinander über.

»Es ist ein Paradoxon. Während das iPhone SE in den USA mit 429 US-Dollar immerhin 20 US-Dollar günstiger ist als das Pixel 6a, kehrt sich dies in Deutschland ins Gegenteil um: Hierzulande ist das Apple-Gerät um satte 60 Euro teurer als der Google-Neuling. Es sind dieselben Modelle, es ist dieselbe Mehrwertsteuer. Mag mir das mal jemand erklären?«

Thomas Raukamp

Google traut seinen Nutzer:innen mehr fotografische Ambitionen zu. Auf dem Rücken kommt zur 12,2-MP-Weitwinkel- eine 12-MP-Ultraweitwinkelkamera. In der Praxis bedeutet dies, dass du mit dem Pixel 6a über einen weitaus größeren Abbildungswinkel verfügst, um etwa Landschaften, Gebäude oder auch Menschengruppen aufs Bild zu bekommen. Am daraus resultierenden Kamerabuckel des Pixel 6a scheiden sich hingegen die Geister. Für die einen gibt er der Pixel-Serie ein unverwechselbares Äußeres, für die anderen ist die Leiste schlicht hässlich. Immerhin tritt er etwas weniger heraus als beim Pixel 6 und Pixel 6 Pro. Hinzu kommt eine ins Vollbild-Display eingelassene 8-MP-Kamera an der Frontseite des Google-Smartphones.

Auf ein Teleobjektiv und damit einen echten optischen Zoom müssen hingegen beide Mittelklasse-Kandidaten verzichten. Das iPhone SE 2022 bietet daher einen fünffachen, das Pixel 6a einen siebenfachen digitalen Zoom an.

Sowieso, die Software: Die ist eben Googles Paradedisziplin. Und dank der Übernahme des aktuellen Tensor-SoCs stehen all die netten Softwaretricks, mit denen Google seinen Smartphones ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Android-Konkurrenz von Samsung und Co. verleiht, auch mit dem Pixel 6a bereit. Davon profitieren nicht zuletzt die Kamerafunktionen: Ein „magischer Radierer“ lässt störende Objekte oder gar Personen mit wenigen Fingertipps aus dem Bild verschwinden, Googles „Real Tone“-Farbspektrum sorgt für besonders natürliche Hauttöne. Doch auch Apple vermag einige Tricks aus dem Hut zu zaubern und setzt beim Bokeh-Effekt sowie der Ausleuchtung von Porträts auf digitale Nachbearbeitung in Quasi-Echtzeit.

Ein dickes Manko: Das iPhone SE verfügt über keinen Nachtmodus. Google schlägt hingegen die Brücke zur Spitzenklasse und spendierte auch dem Pixel 6a diese Möglichkeit, Fotos bei geringem Umgebungslicht aufzunehmen.

Und? iPhone oder Pixel?

Es mag Apple-Fans schmerzen, aber Googles Pixel 6a lässt das aktuelle iPhone SE in nahezu jeder Hinsicht alt aussehen. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Das nunmehr über zwei SE-Generationen wiederverwendete iPhone-8-Design, das eigentlich ein iPhone-6-Design ist, ist gehörig in die Jahre gekommen. Einen gewissen klassischen Charme strahlt es zwar aus, Apple sollte aber beim 2023er-Modell endlich neue, zeitgemäßere Wege wählen. Und dabei bitte die LCD-Ära im eigenen Haus endgültig beenden – diese Displaytechnik-Wahl ist auch den wohlmeinendsten Anhänger:innen schlicht nicht mehr vermittelbar. Gelten die iPhone-Pro-(Max)-Modelle zu Recht immer noch in Sachen Verarbeitung und Kameraqualität als das Maß der Dinge, an dem sich die Konkurrenz die Zähne ausbeißen darf, haben sich zahlreiche Android-Smartphones in der Mittelklasse längst links und rechts vorbeigeschlichen. Das kann nicht in Apples ureigenem Interesse für die Marke iPhone sein.

Trotzdem ist es erstaunlich, wie gut sich das SE im Vergleich mit den „jungen Wilden“ immer noch macht und die vermeintlich simple Kamera der Bildmagie von Google über weite Strecken standzuhalten vermag. Einmal mehr zeigt sich, dass digitale Tricks mittlerweile mindestens ebenso wichtig sind wie eine potente Hardware.

Hinzu kommen die aus Sicht von Apple-Nutzer:innen üblichen, durchaus berechtigten Argumente: Ein iPhone ist eben besser mit dem Ökosystem aus Cupertino verzahnt als jedes noch so clevere Android-Gerät. Und dass dies so bleibt, dafür wird Apple mit dem Festhalten an eingeschränkten Zugriffsrechten auf tiefere Systemebenen schon sorgen. Klar, auch mit den bekannten Google-Apps wie Fotos, Kalender und Notizen ist ein abgerundetes, auf iPhone, iPad und Mac in sich greifendes Arbeiten möglich. Wäre da nicht das nicht unbegründete Misstrauen vieler Käufer:innen, die sich aus Datenschutzgründen bewusst für ein oder mehrere Apple-Geräte entschieden haben.

Aus diesem Vergleich jedoch gehen wir mit einer etwas ernüchternden Erkenntnis heraus: Apple ist in seiner Kerndisziplin, dem Smartphone, angezählt. Zumindest in der Mittelklasse. Und sollte schnellstens die Seile verlassen, um mit zweifellos vorhandener Kraft zurückzuschlagen.