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Grandiose Tragödie


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pma Production Management - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 02.11.2022

MADAME BUTTERFLY

Artikelbild für den Artikel "Grandiose Tragödie" aus der Ausgabe 5/2022 von pma Production Management. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: pma Production Management, Ausgabe 5/2022

Nach der mitreißenden wie monumentalen Aufführung von Guiseppe Verdis Rigoletto unter der Regie von Philipp Stölzl auf der Seebühne 2019, stellte sich für die Opernszene wie auch in den kreativkonzeptionellen Gewerken nur eine Frage: Was soll nach einer derart einzigartigen Inszenierung eigentlich noch kommen?

Werk und Inszenierung

Die Entscheidung für Madame Butterfly, da sind sich in der Nachbetrachtung Fachpresse und Kritiker*innen einig, hätte kaum besser ausfallen können. Die Wucht und Emotion der Thematik in Giacomo Puccinis dreiaktigem Operndrama lieferten dem deutsch-ungarischen Regisseur und Opernintendanten Andreas Homoki und seinem Bühnenbildner Michael Levine die Inspiration für ein grandioses, dabei statisches Bühnenbild, welches sich auf 1340 Quadratmetern Spielfläche erstreckt und in Gestalt eines überdimensionalen Blatt Papiers, bislweilen einem Pergament ähnelnd, ...

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... daherkommt. Das Bühnenkonstrukt bemisst sich dabei auf 33 Meter Breite und ragt bis zu 23 Meter weit in die Höhe. Die teils schneeweis sowie in gefalteten Verläufen gehaltene Kulisse, ist von den Bühnenbauern im dezenten Stil japanischer Poesie und Landschaftsmalerei gehalten und mit kunstvoll anmutenden Schriftzeichen versehen.

Eine von der Kritik als kühner Kontrapunkt bezeichnete Inszenierung, ganz im Gegensatz zur mit beeindruckenden Spezialeffekten und kinetisch bewegter Kulisse, gespickten wie farbenfrohen Aufführung der vorangegangenen Spielzeit, des Rigoletto, von Giuseppe Verdi.

Planung und Entstehung

Bis zum finalen Bühnendesign sowie den technischen Aufbauten benötigte die kreativ-konzeptionelle Fachplanung annähernd 3 Jahre. Allein die Fertigung und anschließende Montage des Bühnenschiffs inklusive der notwendigen Installationen beanspruchte einen Zeitraum von 10 Monaten.

Die Seebühne ist ein auf 119 Pfähle errichtetes Konstrukt, deren aus Stahl und Fichtenholz gefertigter Unterbau bis zu 6 Metern tief in den Grund des Sees eingelassen ist.

Die Konstruktion der 1340 Quadratmeter umfassenden Papierkulisse und Projektionsfläche besteht aus 117 Einzelteilen mit einem Gesamtgewicht von annähernd 300 Tonnen. Allein 12 Tonnen davon entfallen dabei auf Styropor und Fassadenputz. Der Unterbau des Papierbühnenschiffs besteht aus einem Stahlgerippe, welches identisch zum realen Bootsbau mit Holzspanten zur statischen Verstärkung des Rumpfes verbunden und darüber mit einer Schicht glasfaserverstärktem Kunststoff überzogen ist. Insgesamt besitzt das Konstrukt eine Länge von 11 Metern und wird elektromechanisch über einen Windenzug bewegt.

Insgesamt waren 33 spezialisierte Technikfirmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an den Aufbauarbeiten beteiligt. Darüber hinaus waren auch 14 Festspieltechniker sowie lokalem Kranführer integriert.

Die Aufführung

Giacomo Puccinis Madame Butterfly handelt von der tragischen Liebesbeziehung um die Geisha Cio-Cio San, von ihrer Familie und Freunden nur Butterfly genannt, die in der Nähe von Nagasaki / Japan um das Jahr 1900 lebt. Der seiner Zeit dort stationierte amerikanische Marineoffizier Pinkerton, sieht in Butterfly nur eine vorübergehende Liaison, heiratet sie aber dennoch. Die Geisha Cio-Cio San hingegen, glaubt die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben und ist dafür bereit auch ihre Herkunft und Glauben hinter sich zu lassen, um Pinkerton in seine amerikanische Heimat zu folgen. Der Onkel von Butterfly, ein japanischer Priester, belegt die junge Geisha noch während der Heiratszeremonie mit einem Fluch. Marineoffizier Pinkerton kehrt allein zurück in die Staaten, ohne zu wissen, dass die junge Geisha ein Kind von ihm erwartet und heiratet kurze Zeit später noch eine andere Frau. Selbst nach 3 Jahren der Abwesenheit ihres Mannes glaubt Butterfly immer noch an dessen Rückkehr. Im Schlussakt setzt Butterfly ihrem Leben in einem effektvoll inszenierten, flammenden Inferno ein Ende und hinterlässt ihren Sohn einem ungewissen Schicksal.

Die Kulisse hinter der Kulisse

Der Bodensee ist nicht nur bewegendes Naturschauspiel, sondern wird gleichermaßen zur Spielfläche mit in die Inszenierung einbezogen. Wie etwa zum Auftritt des Fürsten Yamadori in einem aufwändig fahnengeschmückten Boot, der anschließend von vier Statisten in einer Sänfte durch das Wasser des Sees an die Bühne herangetragen wird.

Jeweils 7000 Zuschauer haben den restlos ausverkauften Vorstellungen an der Seebühne beigewohnt. Insgesamt kamen annähernd 200000 Besucher über die gesamte Spielzeit. Auch wenn das unberechenbare Wetter an der Seebühne wieder mal, und speziell zur Premiere, den kurzfristigen Umzug ins anliegende Festspielhaus notwendig machte, tat dies dem Erfolg der Inszenierung im mehrfachen Sinne keinen Abbruch. Die Einmaligkeit der Spielstätte sowie die kreativen und fleißigen Menschen an und auf der Seebühne Bregenz sind der Garant für den Erfolg der Madame Butterfly.

Wenige Wochen nach Beendigung der Spielzeit an der Seebühne Bregenz, hatte die Redaktion der pma Gelegenheit, mit dem Technischen Leiter der Bregenzer Festspiele Wolfgang Urstadt sowie Markus Haldermann, dem Leiter der Abteilung Beleuchtung und bis 2021 Projektleiter für das Spiel auf dem See, über die Inszenierung der Madame Butterfly und den gewohnten Unwägbarkeiten einer Produktion unter freiem Himmel zu sprechen.

Madame Butterfly

Inszenierung: Andreas Homoki Chöre: Bregenzer Festspielchor, Prager Philharmonischer Chor Orchester: Wiener Symphoniker Musikalische Leitung: Enrique Mazzola

Wie muss man sich die Entstehung einer Inszenierung wie Madame Butterfly auf der Seebühne Bregenz vorstellen, wie und in welcher Phase der Planung kommen die Gewerke zusammen und wie sieht die Vorbereitung hierzu aus?

Wolfgang Urstadt: Bis zur Premiere hat es einen Vorlauf von zirka vier Jahren. Es beginnt mit den grundlegenden Entscheidungen der federführend für das aufzuführende Stück Verantwortlichen zu Regie, Bühnen- und Kostümbild, Licht-, Video- und Sounddesign sowie der Intendanz. Mit diesem Team werden die Rahmenbedingungen und Arbeitsweisen abgestimmt und in eine erste Ideenphase eingestiegen. Zu diesem zeitpunkt sind bereits alle Gewerke involviert und gemeinsam wird die Umsetzung und Machbarkeit geprüft. Parallel dazu, werden in jedem Projektschritt die Kosten kalkuliert. Es gibt einen technischen Gesamtprojektleiter sowie einen Teilprojektleiter für die verschiedenen Gewerke und Bauteile. Einhergehend damit liegt ein genauer Projekt- und finaler Bauzeitenplan vor.

Hinter den Kulissen herrschen erschwerte Bedingungen für Darsteller und Crew, was die Ausleuchtung und Kommunikation anbelangt. Hat es hier mehrere Inspizienten und wie funktioniert die Kommunikation zwischen der Regie, Darstellern, Technik, Dirigent / Orchester und der Inspizienz?

Wolfgang Urstadt: Es gibt einen Inspizienten für die gesamte Technik. Dieser kommuniziert über Intercom und Funk mit den verschiedenen Gewerken. Die Auftritte der Darsteller werden von den Regieassistenten geleitet. Die musikalische Kommunikation zwischen dem Dirigenten und den Sängern erfolgt über das Dirigentenmonitoring. Dafür wird der Dirigent über eine Kamera live auf verschiedene Monitore übertragen, bei denen die Sänger ihre musikalischen Einsätze sehen können.

Und wo ist das Orchester verortet?

Wolfgang Urstadt: Auf der Hauptbühne im Festspielhaus.

In der Inszenierung von Madame Butterfly sind Szenen zu sehen, in denen Darsteller eine Sänfte durch den See tragen oder in großer Höhe aus der Kulisse erscheinen? Wie lässt sich hier die Konstanz in der Darstellung gewährleisten, dass die Bewegungsabläufe zeitlich stimmig bleiben?

Wolfgang Urstadt: Es ist ein gut erprobtes und organisiertes Zusammenspiel aus klar definierten Abläufen zwischen Künstlern, technischen Mitarbeitern und exakten Anweisungen vom Inspizienten. Mit Hilfe von Monitoren können alle Beteiligten hinter der Bühne, Techniker sowie Künstler, die Oper verfolgen. Die Techniker bekommen über Intercom und Funk die Anweisungen vom Inspizienten und diese wiederum geben den Künstlern ihren Einsatz bekannt. Es gibt einen detaillierten Ablaufplan und die gesamte Szenerie wird ausgiebig geprobt.

Mit Blick auf die Kulisse und Inszenierung sieht man eine sehr intensive Ausleuchtung des SetDesigns. Wie schwierig gestaltet sich dies im Hinblick auf die Durchsetzung der Projektion und der sich ändernden Zeiten der natürlichen Dämmerung?

Markus Holdermann: Wir haben bei Madame Butterfly komplett auf die Frontbeleuchtung verzichtet. Diese wurde von den Projektoren übernommen, was nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis sehr gut funktioniert hat. Für die Umsetzung wurden sechs Panasonic RQ50K mit 50.000 ANSI-Lumen und sechs Panasonic RQ35K mit 35.000 ANSI-Lumen, jeweils ein RQ50K und ein RQ35K im Stack zusammengefügt, verwendet.

In der Dämmerungsphase wurden die Projektionen zusätzlich mit Licht unterstützt.

Inwieweit spielen die Gestaltung der Kostüme eine Rolle für das Lichtdesign?

Markus Holdermann: Speziell die Farbgebung der Kostüme spielt eine wichtige Rolle beim Lichtdesign, mit verschiedenen Lichtfarben können die Kostüme intensiver akzentuiert werden.

Wie ist die Inszenierung im Showfile der Konsole angelegt und wie unterscheidet sich darin eine klassische Vorstellung im Vergleich zur einer Konzertshow?

Markus Holdermann: Die Lichtstimmungen werden in der Lichtkonsole MA-Lighting grandMA2 full-size mit Überblendungszeiten vorprogrammiert, in der Partitur eingetragen und taktgenau vom Inspizienten abgerufen.

Gibt es auch kopfbewegte Lampen im Lichtdesign oder handelt es sich hierbei um ausschließlich konventionelle Lampentypen?

Markus Holdermann: Es wurden fast ausschließlich kopfbewegte LED Lampen verwendet. Zum Einsatz kamen dafür 6 Einheiten des High End Sola HyBeam 2000, 24 Komponenten vom Typ JB-Lighting Sparx 30, 32 Scheinwerfer des Elation Proteus Maximus und 12 SGM G-Profile.

Wie schwierig ist es über die favorisierten Scheinwerfertypen in einer Schutzklasse von gleich oder höher IP65 zu verfügen?

Markus Holdermann: Es gibt mittlerweile immer mehr Hersteller die LED Scheinwerfer in der Schutzklasse IP65 anbieten und für die nicht outdoortauglichen Geräte kommen spezielle Wetterschutzgehäuse zum Einsatz.

Bis zu welcher Witterung lässt sich die Vorstellung realisieren und welche Einflüsse hatte es in dieser Spielzeit auf den Kalender der Spielzeit?

Wolfgang Urstadt: Leichter Regen oder Schauer bedeuten nicht zwangsläufig einen Abbruch. Jedoch bei deutlich schlechteren Wetterbedingungen wird die Vorstellung ins Festspielhaus verlegt. Ein Teil der Zuschauer findet im Hauptsaal des Festspielhauses Platz. Das bedeutet, dass der Theatersaal im Festspielhaus für diesen Fall technisch vorbereitet ist. Die Sänger müssen in kürzester Zeit die Bühne wechseln und wieder in ihre Rolle finden. Die Vorstellung musste in der letzten Festspielsaison tatsächlich vier Mal ins Festspielhaus verlegt werden.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit und Energieverbrauch bei einer Produktion wie der Seebühne Bregenz?

Wolfgang Urstadt: Wir sind seit vielen Jahren Öko-Profit zertifiziert und Mitglied des Energieeffizienz-Netzwerkes Vorarlberg II. Wir werden in Energiethemen von den Organisationen VKW und der FfE, Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft beraten und betreut. Mit diesen Themen setzen wir uns stetig auseinander.

Was passiert eigentlich mit der Kulisse einer derartigen Inszenierung nach Beendigung der Spielzeit. Wird diese für spätere Aufführungen eingelagert bzw. lässt sich diese ressourcenschonend zurückbauen?

Wolfgang Urstadt: Nach der ersten Spielzeit wird die Seebühne über die Kalte Jahreszeit in einen Winterschlaf versetzt. Es wird alles ausgeräumt und ausgeschaltet, um den Energieverbrauch auf das nur absolut notwendige zu reduzieren. Nach der zweiten Spielsaison wird das Bühnenbild abgebaut. Materialien wie Stahl, Holz, Maschinenbau und sonstige Technik, die weiterhin nutzbar sind, werden für die Folgeproduktionen wiederverwendet, bzw. eingelagert. Es wird aber auch ein Anteil fachmännisch entsorgt. Das betrifft vor allem die bühnenbildnerisch gestalteten Bauteile der jeweiligen Produktion. Darüber hinaus veranstalten die Bregenzer Festspiele nach dem zweiten Spieljahr einer jeden See-Produktion ihren traditionellen Kostüm- und Requisitenverkauf. Dort wird auch immer mal technisches Equipment verkauft.

Die Technik der Seebühne Bregenz

Licht: 1 Grand MA 2 FullSize 1 Grand MA 2 Commandwing 1 Grand MA2 NPU 2 Grand MA 2 4port Node 2 ELC Node 6 HES Sola HyBeam 2000 3 Robert Juilat D´artagnan 12 SGM G-Profile 24 JB Sparx30 32 Elation Proteus Maximus 8 ADB Lighting -Svoboda Rampe

Video: 2 d3 4x4 pro Medien Server 6 Panasonic PT-RQ50K 6 Panasonic PT-RQ35K

Beschallung: (Auszug) Kling & Freitag BOA 2.0 Tonsystem – Müller BBM VIVACE Raumakustik 14 Kling & Freitag SPECTRA 212 29 K&F CA 100 CX System 270 Kling + Freitag Linus 36 Adamson Point 12 6 K&F CA 1215 K&F SPECTRA (Bühne) K&F Nomos XLS (Bühne) K&F T5 (Bühne) 1 LAWO mc2 96 Konsole 1 LAWO Nova 73HD Umschaltmatrix DirectOut Audio Converter

Interview / Text: Ray Finkenberger-Lewin Fotos: Ralph Larmann / Anja Köhler (Pressefoto Wolfgang Urstadt)