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GREEN BRANDING: FREIRAUM ALS MARKE


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 15.11.2019
Artikelbild für den Artikel "GREEN BRANDING: FREIRAUM ALS MARKE" aus der Ausgabe 8/2019 von TASPO GARTEN-DESIGN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO GARTEN-DESIGN, Ausgabe 8/2019

„Green Branding” – das bedeutet für die Landschaftsarchitekten Hubertus Schäfer und Markus Pieper, Inhaber des Unternehmens Greenbox (Köln): Nachhaltige Freiräume zu entwickeln, die einen starken Charakter und Identität besitzen. Im Rahmen des Klimaseminars in der Baumschule von Ehren (Hamburg) stellten sie einige ihrer Projekte vor. TASPO GARTENDESIGN ließ sich das „Green Branding” näher erläutern.


Ist das „Green Branding” für Sie der Weg der Zukunft?

In Zeiten des Klimawandels sind nachhaltige Konzepte unverzichtbar geworden. Um die Innenstädte wieder zu lebendigen öffentlichen Räumen zu entwickeln, ...

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... sind von den Planern innovative Konzepte für urbane Plätze, Parks, Freizeit- und Spielflächen in Verbindung mit aktivem Stadtmarketing gefragt. International agierende Firmen werben weltweit um Fachkräfte, denen sie moderne und flexible Arbeits- und Campuswelten bieten, die die geänderten Ansprüche des „New Work” erfüllen. Bei unseren aktuellen Projekten ist es der ausdrückliche Anspruch unserer Auftraggeber, dass sich die Corporate Identity und Arbeitskultur des Unternehmens sowohl in der Architektur als auch in der Gestaltung des Freiraums gesamtheitlich widerspiegelt. Landschaftsarchitektur wird also zunehmend zum Markenzeichen.

Was ist das Typische an Ihren Projekten, der „Rote Faden” des Green Branding?

Die Grundhaltung zu gesamtheitlichen Konzepten findet sich in vielen unserer Projekte wieder, die wir in den letzten Jahren realisiert haben. Bereits im Wettbewerb ist es besonders wichtig, eine klare Leitidee zu finden und diese konsequent als roten Faden zu verfolgen. Wenn es um Projekte zusammen mit Architekten geht, legen wir besonderen Wert darauf, von Beginn an die Konzeptfindung im kreativen Dialog gemeinsam anzugehen.

Einer unserer bisher größten Erfolge, der Gewinn des internationalen Wettbewerbs für die neue Zentrale und Akademie des DFB in Frankfurt, steht dabei exemplarisch für eine solche erfolgreiche Zusammenarbeit. Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir die Leitidee des „Flügels über der Lichtung” für den Sportcampus entwickelt, der die einzigartige Freiraumqualität des Grundstücks im Zusammenspiel mit einem alles überspannenden Dach zum Leitbild erklärt. Das vom Frankfurter Stadtwald umschlossene Areal mit spektakulärem Blick auf die Skyline der Stadt soll der Elite des Sports eine geschützte und grüne Oase sein.

Auch bei der Deutschlandzentrale von Lidl hat der Bauherr von Anfang an den hohen Anspruch an die Freiraumplanung betont. Hier konnten wir ebenfalls im Team mit den Architekten die Jury mit einem ganzheitlichen Konzept überzeugen, bei dem sich die Grenzen zwischen Gebäude und Landschaft auflösen und permanent im Fluss sind. Die Architektur wird Teil einer spannungsreichen, vielfach terrassierten Campuslandschaft. Das gesamte Areal ist auf unterschiedlichen Ebenen von grünen Dächern, Plätzen, Balkonen, Höfen und Atrien durchzogen und fügt sich so harmonisch in die umgebene Topographie der badischen Streuobstwiesenlandschaft ein.

Hubertus Schafer (links) und Markus Pieper (rechts).


Fotos/Abbildungen: Greenbox



Beim Bau der Deutschlandzentrale von Lidl wurde ein ganzheitliches Konzept von Architektur und Freiraumplanung realisiert, bei dem Gebäude und Landschaft fließend ineinander übergehen. Abbildung: kadawittfeldarchitektur


In der Wuppertaler Fußgängerzone plant Greenbox eine virtuelle Stadtbühne.


Ein weiteres Beispiel für ein Projekt mit einer starken Leitidee ist die „Grüne Arena” in Opladen. Im Sinne einer „living bridge” wird als charakterstarke Quartiersmitte der „Neuen Bahnstadt Ost” ein Freiraum für alle Generationen entstehen, der durch die barrierefreie Abwicklung einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke aufgespannt wird. Im Zentrum der Arena steht eine multifunktionale Quartierswiese, die von einer sonnenexponierten Rasentribüne begleitet wird. Durch die Begrünung der Flanken durch Kletterpflanzen entsteht ein atmosphärischer und transluzenter urbaner Freiraum im Wandel der Jahreszeiten. Die Grüne Arena solle das lebendige Herz des neuen Wohnquartiers werden.

Welche Kriterien legen Sie bei der Pflanzenwahl in Ihren Projekten zugrunde? Welche Rolle spielen Klima und Klimawandel gerade im urbanen Raum?

Die Auswahl der Pflanzen unterstützt und folgt jeweils der Grundidee des Entwurfs. Beim DFB Projekt oder auch bei der Lidl Zentrale sind dies beispielsweise orts- und landschaftstypische Gehölze, die die harmonische Einbindung in die Umgebung besonders unterstreichen. Der dynamische Wandel der Pflanzungen im Laufe der Jahreszeiten spielt stets eine wichtige Rolle, die Verwendung klimaresistenter Gehölze ist selbstverständlich geworden.

Ein aktuelles Beispiel für eine vielfältige Pflanzenverwendung ist unsere Dachlandschaft für den neuen Firmen- und Stiftungssitz der RAG-Stiftung und RAG AG auf dem Unesco-Welterbe Zollverein in Essen. „Cradle to Cradle”, übersetzt „Wiege zu Wiege” heißt das Nachhaltigkeits- Prinzip des Neubaus. Die Dachlandschaft ist artenreich begrünt und begehbar und führt die extensive Konzeption des Zollvereinparks in Form der ruderalen Pflanzenvielfalt auf der fünften Fassade fort.

In Hamburg wurde der „Greenpass” vorgestellt. Ist das für Sie ein gutes Planungshilfsmittel?

Wir sind bereits aktiver Partner von Greenpass und haben die Ausbildung zum „Urban Climate Architect” in Wien absolviert. Wir unterstützen die Idee ausdrücklich, ein solches Planungstool zur stadtklimatischen Bewertung von städtebaulich-freiraumplanerischen Projekten einzusetzen. Für uns bietet Greenpass die Möglichkeit, unsere Entwurfskonzepte unter dem Aspekt der Klimaverträglichkeit schon frühzeitig zu optimieren und die Ergebnisse nachvollziehbar und transparent mit unseren Auftraggebern zu kommunizieren.

Sie zeigten auch anhand von Lichtinstallationen, dass Landschaftsarchitekten und -planer auch jenseits von Grün Projekte umsetzen können. Ist das ein neues Geschäftsfeld?

Das Thema Licht bietet definitiv ein großes Potenzial, das dem Freiraum noch einmal eine ganz besondere Qualität verleihen kann. Wir haben im letzten Jahr den Wettbewerb für die Gestaltung der Fußgängerzone „Werth” in Wuppertal gewonnen und werden diese nun baulich umsetzen. Bereits im Wettbewerbsverfahren haben wir die Aussage der Gemeinschaft der Geschäftstreibenden sehr ernst genommen, dass eine Fußgängerzone ein Alleinstellungsmerkmal braucht, das die Menschen wieder in die Innenstadt locken kann.

In unserem Gestaltungskonzept interpretieren wir die Barmer Innenstadt als „Urbanes Theater”, dessen Stadträume in Form von unterschiedlichen „Szenographien” abwechslungsreich programmiert und bespielt werden können. Der Werth bildet in Form des „Kulturteppichs” wie ein Laufsteg das verbindende, lineare Rückgrat mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten – nicht zuletzt der stimmungsvolle „lightwalk” in den Abendstunden. Die Idee des „lightwalks”: Projektoren entlang des Kulturteppichs erschaffen wechselnde Lichtszenographien. Die Gobo-Projektoren können in ihrer Textur, Intensität und Farbigkeit verändert werden, sodass je nach Nutzungsanspruch eine intensive Ausleuchtung oder eine gedimmte Atmosphäre entstehen kann.

Eine „virtuelle Stadtbühne” definiert eine weitere Szenographie: Mit einer entsprechend programmierten App für Mobilgeräte (Smartphones) können mit Hilfe von „Augmented Reality” virtuelle Inhalte mit der realen Situation auf dem Werth überblendet werden. Hier sind unterschiedlichste Themen denkbar, die virtuell in 3D auf dem Kulturteppich umgesetzt werden könnten – Showroom für die Geschäfte, Kunstinstallationen, Spielapplikationen, Stadtmodelle, Bürgerbeteiligung und vieles mehr. Die Integration einer solchen digitalen und gleichzeitig spielerischen Nutzungsebene im öffentlichen Raum wäre ein weiterer Magnet für die zukünftigen Besucher der Innenstadt.

Wir entwickeln bei Greenbox gerade in Kooperation mit einer Medienagentur eine solche mobile Anwendung für den Einsatz im Freiraum. In der Planung von „digitalen Freiräumen” sehen wir weitere große Möglichkeiten für die Zukunft der Landschaftsarchitektur.