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Green River Killer


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die aktuelle Krimi - epaper ⋅ Ausgabe 23/2022 vom 08.10.2022

Ungeheuer

Artikelbild für den Artikel "Green River Killer" aus der Ausgabe 23/2022 von die aktuelle Krimi. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: die aktuelle Krimi, Ausgabe 23/2022

Der Killer erwürgte (fast nur) Prostituierte ? Frauen, die er als ?schmutzig? betrachtete

Er war dermaßen grausam, dass sogar Serienmörder Ted Bundy half, ihn zu schnappen. Gary Ridgway cruiste im Auto durch die Straßen und sammelte Prostituierte ein, um sie am Ufer des Green River zu vergewaltigen und im Fluss zu versenken …

Ich bin der größte Massenmörder, den es je gegeben hat. Keiner hat so viele Frauen umgebracht. Dreckige Huren. Ja, ich bin stolz auf meine Karriere!

Gary Ridgway bei seiner Vernehmung 2003

Das grausige Vorspiel

Als er zum ersten Mal den Drang zu morden verspürte, war Gary Ridgway noch nicht einmal 18. Aber weil er so gar keine Erfahrung mit dem Umbringen hatte, nahm er sich vor (wie er selbst sagte), das Töten erst einmal von der Pike auf zu lernen: „So wie ein Metzger-Lehrling es üben muss, einem Hasen das Genick zu brechen, ihn zu enthäuten und dann fachgerecht mit dem Messer zu entbeinen.“ Sein „Hase“ war ein kleiner Junge, gerade mal sieben Jahre alt. Er ...

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... hatte ihn auf einem Spielplatz entdeckt, der durch Büsche vor Blicken geschützt war. Der Knirps war ganz allein. Stolz trug er einen Cowboyhut und einen Spielzeug-Colt. Na, Kleiner, wollen wir zusammen spielen? Aber du musst hier aufpassen, weil da Kerle herumrennen, die kleine Jungs töten wollen. Ridgway lachte, zog ein Messer und stach auf ihn ein. – Warum willst du, dass ich sterbe, schluchzte der Kleine, der sich auf dem Boden wand. Sein weißes T-Shirt war bereits blutdurchtränkt. – Ich wollte doch nur sehen, wie es ist, jemanden zu töten. Das ist alles, lachte er und ging. Ridgway kam damals davon. Der Junge überlebte schwer verletzt.

Der Beginn eines Albtraums

15. Juli 1982. Zwei zwölfjährige Schüler radeln im Westen der USA am Green River (dem größten Nebenfluss des Colorado River) entlang. Am Wochenende ist die Gegend ein beliebtes Ausflugsziel für Familien aus Seattle. Die beiden stoppen an einer Brücke und suchen im Wasser nach Fischen. Das machen sie immer, wenn sie am Green River sind. „Da!“, schreit der Größere erschrocken: „Da unten im Wasser liegt eine Frau. Siehst du sie? Sie ist tot. Tot!“ Es ist Wendy Coffield, eine Prostituierte. 16 Jahre alt. Erwürgt! Sie ist von drüben vom Straßenstrich am Pacific Highway. Wendy ist nackt, trägt nur Socken und Schuhe. Ein paar Wochen danach treibt wieder eine nackte Frauenleiche im Fluss: Debra Bonner, 22, ebenfalls vom Straßenstrich. Erwürgt wie ihre Kollegin.

Drei Tage später entdeckt ein Ruderer zwei tote Frauen im Wasser. Cynthia Hinds ist erst 17. Marcia Chapman schon 31 und Mutter von drei Kindern. Beide verkauften ihren Körper. Wie Ausstellungspuppen in einem Schaufenster hat der Mörder sie nebeneinander drapiert. Steine drücken sie ins Wasser, das an dieser Stelle seicht ist. Beide Frauen haben Kieselsteine in ihrer Vagina. Ein Zeichen des Mörders? Aber wofür? Die Polizei ist ratlos.

Erst 20 Jahre später würde Gary Ridgway bei einer seiner unzähligen Vernehmungen das Rätsel der Steine lüften: „Damit wollte ich verhindern, dass sich ein anderer Mann an meinen Frauen vergreift. Sie gehörten mir allein. Sie warteten nur auf mich.“

Doch der Ruderer, der auf die Opfer stößt, hat noch mehr gesehen: einen Kerl, der zu einem Pick-up hastet und davonrast. Der Killer vielleicht? Der Ruderer wird zum wichtigen Zeugen! Polizisten durchkämmen wenig später das Buschwerk beim Green River. Sie finden noch eine nackte Tote: Opal Mills, 16. Wieder eine Prostituierte. Von da an schwemmt der Green River beinahe im Wochentakt Frauenleichen ans Ufer …

Die Menschen in Seattle sind von den grausigen Leichenfunden wie gelähmt. Die Stadt und mit ihr das gesamte Umland lebt von da an in Todesangst. Die Rufe nach mehr Polizeipräsenz werden mit jedem Opfer lauter.

Über 20 Jahre trieb Gary Ridgway unbehelligt sein Unwesen…

Der grüne Fluss warrot vom Blut ermordeter Frauen!

Sie konnte entkommen!

Die „Green River“-Taskforce zählt rund 12 000 Verdächtige, darunter alle Pick-up-Fahrer. Unter ihnen ist auch Gary Ridgway. Er ist kein unbeschriebenes Blatt, wurde polizeilich erfasst, weil er eine Undercover-Beamtin sexuell belästigt hatte.

Als die 18-jährige Prostituierte Marie Malvar verschwindet, identifiziert ihr Zuhälter den Pick-up, in den sie gestiegen ist. Er gehört Gary Ridgway. Bei einer Überprüfung bestreitet der jedoch, die Frau zu kennen. Ridgway passiert nichts, weil er nicht ins Täterprofil passt. Denn die Polizei sucht nach einem alleinstehenden kräftigen Mann, der keiner geregelten Arbeit nachgeht und nie verheiratet war. Gary Ridgway dagegen ist schmächtig, zweimal geschieden, Vater eines siebenjährigen Sohnes, um den er sich kümmert. Er ist fest angestellt in einer Autolackiererei. Und: Er ist religiös und bibelfest, gehört einer Freikirche an. Kommt also als Mörder nicht infrage! Ein fataler Fehler der Polizei, der mindestens noch 20 Mädchen und Frauen das Leben kosten sollte! Sein jüngstes Opfer würde erst 12 Jahre alt sein …

Über 100 Beamte sind beinahe Tag und Nacht im Einsatz. Oft mit Schaufeln und Spitzhacken. Sie finden Schädel, Skelette, Knochen. Nicht nur am Fluss. Alles wird gesammelt, was den abartigen Massenmörder überführen könnte. Das Problem, vor dem die Ermittler stehen: Es gibt nur Indizien, beweisen können sie bisher gar nichts. Die DNA-Forschung steckt noch in der Entwicklungsphase. Doch das FBI archiviert alles für den Tag X, an dem das Spurenmaterial (Speichel, Blut, Sperma, Haare, Hautpartikel etc.) DNA-analytisch ausgewertet werden kann. Das sollte allerdings noch 20 Jahre dauern.

Sogar sein eigener Sohn spielte in Ridgways Mordplänen eine Rolle: Wenn Matthew mit ihm im Pick-up saß, hatten die Huren keine Angst und fuhren mit ihm zu den entlegensten Plätzen. Deshalb holte er den Jungen alle zwei Wochen zu sich. Sein Sohn musste dann immer im Auto warten. Wo denn die Frau geblieben sei, fragte der Sohn mal, als Papa allein zurückkam. Die sei zu Fuß nach Hause, erklärte er. Dabei hatte Ridgway sie erwürgt.

„Ich habe Frauen gehasst und 48 umgebracht …“

Sein Geständnis rettete ihn vor der Todesstrafe

„Was wäre geschehen, wenn Matthew mal etwas mitbekommen hätte“, erkundigte sich ein Ermittler später bei der Vernehmung. Die Antwort: „Ich hätte ihn umbringen müssen!“

Seine toten Frauen deponierte Ridgway stets an Orten, die er einfach erreichen konnte. Die Polizisten mussten sich ziemlich zusammennehmen, als er eines Tages gestand: „Es war für mich ein guter Tag, wenn ich nach der Arbeit mit einer Sex hatte. Das ging aber nur ein oder zwei Tage …“ Mit manchen Opfern hatte er auch Sex zu Hause. Der Ablauf sei immer derselbe gewesen: Vergewaltigung, erwürgen, Bett abziehen, Leiche einpacken und an einem einsamen Ort bringen.

Eines Tages mischte sich kein Geringerer als der berüchtigte Serienmörder Ted Bundy in die Fahndung nach seinem „Kollegen“ ein. Schriftlich gab er den Ermittlern Tipps. Weitergebracht hat das den Fall aber nicht.

Im Dezember 1984 – da hatte Ridgway bereits 48 Frauen erdrosselt – meldete sich die Prostituierte Rebecca Garde Guay bei der Polizei. Sie sei vor zwei Jahren vor einem Wahnsinnigen geflüchtet. Er habe sie im Wald brutal gewürgt. Sie sei kurz vorm Ersticken gewesen, als sie sich doch noch befreien konnte. Sei dann um ihr Leben gerannt. Vorher habe sie in seinem Geldbeutel den Ausweis seiner Firma gesehen.An den Namen könne sie sich noch immer erinnern: Kenworth Truck Company – die Autolackiererei. Warum sie erst nach so langer Zeit den Vorfall melden würde? Sie zuckte mit den Schultern: Angst!

Die Beamten zeigten Rebecca die Fotos der Verdächtigen. Sie musste nicht lange überlegen, zeigte sofort auf Gary Ridgway: Das ist er! Es gibt keinen Zweifel. – Er könne es aber nicht gewesen sein, beharrte der Ermittler. Ridgway passe nicht ins Täterprofil …

Gary Ridgway scheint immer mehr zu spüren, dass sich die Schlinge um seinen Hals allmählich zuzieht. Denn immer öfter gerät er in den Fokus der Polizei. Deshalb deponiert er seine Opfer nicht mehr in der Nähe des Green River.

Dreist ist er trotzdem: Im Mai 1984 erscheint er sogar bei der Taskforce: Er sei Gary Ridgway und wolle endlich einen Schlussstrich ziehen unter die ständigen Verdächtigungen. Er wäre zwar polizeilich aktenkundig wegen seiner Straßenstrich-Präsenz, aber er sei kein Mörder. Und das wolle er hier und jetzt beweisen. Er bitte um einen Lügendetektor-Test … Und den besteht er – wie auch immer – mit Bravour! Doch für die Ermittler bleibt Ridgway weiterhin sehr verdächtig. Im April 1987 durchsucht die Polizei so auch sein Haus, weil er als Letzter mit mindestens zwei Opfern gesehen worden war. Die Beamten finden jedoch keine Spur. Nehmen aber Haare und Speichelproben mit. Für den fernen Tag, an dem es ein Beweismittel sein könnte.

Dann kommt eine Nachricht, die für viele Cops desillusionierend sein muss: Der inzwischen Hauptverdächtige hat wieder geheiratet. Die Ermittler fragen sich: Ist das nur Tarnung? Haben wir wirklich den Richtigen im Visier?

Ende 1987 hört das Morden plötzlich auf. Bald kümmert sich nur noch ein einziger Mann um den größten Mordfall Amerikas. Eines Tages hört dieser Beamte: Das DNA-Verfahren kann eingesetzt schickt sofort Ridgways Spuren in ein Labor. Das Ergebnis: Ja, er ist der „Green River“-Mörder! Im Dezember 2001 wird Ridgway verhaftet.

Der Staatsanwalt bietet ihm einen Deal an. Wenn er schonungslos auspackt, kommt er nicht auf den elektrischen Stuhl. Und Gary Ridgway führt die Beamten zu fast allen Gräbern seiner Opfer. Gibt 48 Morde zu. Am 5. November 2003 wird er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

2011 taucht noch ein Opfer auf: Sein 49. Die Polizei ist sich sicher, dass die Dunkelziffer bei 70 bis 80 liegen dürfte. Manche glauben gar an 100 und mehr.