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GREENWASHING


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Bike Bild - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 27.08.2021

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Mit den richtigen Mitteln und geeignetem Equipment macht Fahrradreinigen fast so viel Spaß wie Fahrradfahren

Biologisch-abbaubar, aus nachwachsenden Rohstoffen, pflanzenbasiert, ohne Lösungsmittel, sogar vegan und ohne Tierversuche: Bio-Fahrradreiniger werben mitunter mit zahlreichen Versprechen, was Herkunft der Zutaten und Produktion der Behälter angeht. Gar nicht so leicht, da den Durchblick zu behalten. Wir haben anhand von neun Produkten getestet, wie gut Bio-Reiniger in der Anwendung sind und was vom Etikett „Bio“ zu halten ist.

Für den Radfahrer, der sein Bike reinigen möchte, unterscheidet sich die Anwendung eines Bioreinigers im Wesentlichen nicht von herkömmlichen Produkten. Das Gebinde besteht aus Flasche und Spühkopf, der verschmutzte Rahmen wird mit dessen Inhalt eingesprüht, das Reinigungsmittel bekommt eine kurze Zeit zum Einwirken. Anschließend abspülen, bei starker Verschmutzung gegebenenfalls mit einem Lappen nachhelfen – fertig.

Fahrradreiniger sind grundsätzlich für Schlamm und ...

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... Straßendreck an Rahmen und Anbauteilen (Räder, Schutzbleche, Lenker) ausgelegt. Für ölhaltige Verschmutzungen im Antriebsbereich (Kette, Zahnkranz) kommen die stärkeren Entfetter zum Einsatz. Wir finden, ein Fahrradreiniger gehört in jede gute Fahrradwerkstatt. Nicht nur, weil ein sauberes Rad besser aussieht, sondern auch, weil gepflegte Komponenten länger halten.

Gleichzeitig raten wir von wöchentlichen Schaumorgien, wie in der Werbung einiger Reiniger gezeigt, ab. Im nassen Winter sollten Vielfahrer einmal im Monat putzen, im trockenen Sommer ist es oft nicht nötig. Ausnahme sind die Mountainbiker, die ihr hochwertiges Material nach jeder Matschrunde in Schuss halten sollten.

Die grundsätzliche Herausforderung der Hersteller – Chemikalien zum Einsatz zu bringen, die zwar aggressiv gegen Schmutz arbeiten, gleichzeitig aber die Umwelt schonen –, ist für die Chemiker in den Entwicklungslaboren ein schmaler Grat. Zum Schutz von Umwelt und Material sollte das Mittel so schonend und umweltfreundlich wie möglich sein.

,,KOMPLETT NACHHALTIG IST NOCH KEIN BIOREINIGER.

Was heißt eigentlich „bio“? Das Wichtigste zuerst: Die Auszeichnung „biologisch abbaubar“ heißt noch nicht, dass es sich um ein nachhaltiges und umweltfreundliches Produkt handelt. Dieses Etikett ist Pflicht auf dem deutschen Markt und besagt lediglich, dass das Produkt innerhalb einer bestimmten Zeitspanne abgebaut wird.

Darüber hinaus lässt sich der eingangs angesprochene Wildwuchs auf den Etiketten beobachten: Von „aerosolfrei“ bis „vegan“ ist alles dabei. Zum Ärger einiger Marktteilnehmer werben manche Hersteller mit Selbstverständlichkeiten wie eben „biologisch abbaubar“ oder „frei von Tierversuchen“. Etwas zugespitzt könnte man sogar damit werben, dass das Mittel auf Wasserbasis hergestellt sei – das trifft auf alle Reiniger zu. Ein einheitliches Biosiegel wie im Lebensmittelbereich fehlt jedenfalls.

Für den Biofaktor in erster Linie entscheidend sind die Rohstoffe von Mittel und Flasche. Nachwachsende, pflanzliche Rohstoffe sollten so viel wie möglich verwendet werden, wenngleich alle Laborexperten, mit denen wir gesprochen haben, noch keine Mischung gefunden haben, die komplett auf nachhaltigen Zutaten basiert.

So sparen Sie Ressourcen

Zwischenfazit: 100 Prozent bio ist noch kein Fahrradreiniger. Erschwerend kommt hinzu, dass das ganze Produkt betrachtet werden muss, inklusive Verpackung. Wir empfehlen Ihnen, auf einen Hersteller zu setzen, der den ganzen Produktzyklus im Blick hat und überdies (wie alle im Test) auf Nachfüllkanister setzt. Außerdem sollten Sie ein Produkt mit hoher Ergiebigkeit wählen, das kann auch einen höheren Kaufpreis relativieren. Wer weniger Reinigungsleistung braucht, kann seinen Reiniger problemlos mit Wasser verdünnen und so mehr aus einer Füllung herausholen.

Wie ressourcenschonend ein Mittel ist, hängt letztlich also in großem Maße von uns Kunden ab. Mit sorgsamer Anwendung, Nachfüllbehältern und Wasserverdünnung spart man Chemie. Denn egal, ob die Reinigungsmittel selbst oder der Lebenszyklus der Verpackungen – komplett nachhaltig ist noch keines der getesteten Mittel.

Lennart Klocke

SO HABEN WIR GETESTET

Diesen Fahrradreiniger-Test haben wir unter Aufsicht der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kraftfahrzeug- Sachverständiger e. V. (KÜS) durchgeführt, damit die Ergebnisse unabhängig und nachvollziehbar sind.

Der wichtigste Faktor eines Fahrradreinigers, egal, ob bio oder herkömmlich, ist die Wirkung. Um die Reinigungsleistung zu ermitteln, haben wir eine Oberfläche mit Testschmutz mit dem jeweiligen Reiniger behandelt. Je nachdem, wie die angegebene Einwirkzeit laut Hersteller ist (zwischen 3 und 10 Minuten) haben wir den Reiniger arbeiten lassen und anschließend nur mit fließendem Wasser abgespült. Je sauberer die Oberfläche nach der Behandlung ist, desto höher die

Punktzahl. Die schwierigste Aufgabe der Reiniger ist, die unerwünschten Verschmutzungen zu entfernen, dabei aber keine Rückstände zu hinterlassen oder das Material gar zu beschädigen. Für die Materialverträglichkeit haben wir die Chemikalien 24 Stunden auf Lack, auf Eisen-und auf Aluminium-Teststreifen einwirken lassen. Korrosion und Beschädigungen führten je nach Ausmaß zu Punktabzug.

Um die Nachhaltigkeit des gesamten Produkts zu bewerten, haben wir auch erfragt, wie die Verpackung hergestellt wurde und welche Rohstoffe dafür verwendet wurden.

Punkte gab es für Bio-Etiketten, -Gebinde und -Sprühköpfe. Die Hersteller werben unter anderem mit Flaschen auf Basis von Zuckerrohr und Etiketten aus Recycling-Material. Darüber hinaus bewerteten wir, ob die Hersteller Nachfüllbehälter anbieten, um den einmal gekauften Sprüher immer wieder verwenden zu können.

Ganz praktisch testeten wir den Punkt Handhabung: Hierbei haben wir bewertet, wie gut die Flasche und der Sprühkopf in der Hand liegen und sich bedienen lassen. Auch das Sprühbild floss in die Bewertung ein, von schaumig-zäh bis flüssig-klar verhielten sich die Chemikalien ganz unterschiedlich auf der Testoberfläche. Wichtig im Bereich Handhabung ist auch die Ergiebigkeit eines Mittels: So kann es sein, dass das Produkt zwar teurer ist, dafür aber weniger Sprühstöße benötigt und sehr effizient reinigt.

Den Biofaktor der Produkte haben wir zuletzt auch anhand der verwendeten Rohstoffe bewertet. Nachhaltige beziehungsweise nachwachsende Rohstoffe brachten Punkte, wobei wir uns auf die Angaben der Hersteller verlassen mussten. Darüber hinaus vergaben wir Punkte für den Verzicht auf Farb-und Duftstoffe seitens der Hersteller.

Positiv ist herauszuheben, dass alle Mittel gute Anleitungen zum korrekten Gebrauch machten. Die Einwirkzeit in Minuten wurde (fast) immer genau genannt, auch weisen die Hersteller darauf hin, den Reiniger nach der Fahrradwäsche abzuspülen und nicht in der Sonne trocknen zu lassen.

RIESE&MULLER

Das Delite.

Antidot Bike Reiniger

KLARES ERGEBNIS

Auf den ersten Blick sieht man schon, dass Antidot bei seinem Fahrradreiniger auf unnötige Farbstoffe verzichtet: Die Flüssigkeit ist die farbloseste in unserem Test. Das Mittel ist dagegen alles andere als wirkungslos, die Reinigungsleistung liegt im Mittelfeld. Wirkungslos ist Antidot leider nicht, wenn ihm Aluminiumteile zu lange ausgesetzt sind; hier zeigte die Flüssigkeit im Korrosionstest Schwächen. Vorbildlich ist die Firma Antidot, die ausschließlich Bio-Fahrradpflege produziert, im Bereich Verpackung und Herkunft der Rohstoffe. Nur knapp verpasst der Bike-Reiniger den Preis-Leistungs-Sieg – dennoch ein Tipp!

Atlantic Bio Bike Reiniger

KLEINER SPRAYER

Wer den Bio-Fahrradreiniger von Atlantic in die Hand nimmt, wundert sich zuerst über den kleinen Sprühkopf mit dem kurzen Hebel. Mit den Mini-Sprühstößen dauert das Einschäumen des Bikes doppelt so lange wie sonst – immerhin geht wenig daneben. Atlantics Bio Bike-Reiniger punktet indes mit Materialverträglichkeit im Bereich Eisen und Lack sowie der Herkunft der Rohstoffe. Leider bleibt die Wirkung der Mischung an unserem Testschmutz schwach. Darüber hinaus ist das Produkt von Atlantic nicht mal besonders günstig. Der etablierte Fahrradpflege-Hersteller hat demnach viel Nachholbedarf.

Bio-Chem Fahrrad-Reiniger

GRÜNER PREISTIPP

Hinter der Marke Bio-Chem steht das Unternehmen Bio-Circle aus Gütersloh. Anders als die meisten Mitbewerber zieht das Unternehmen sein Know-how nicht aus dem Automobilbereich, sondern aus Bio-Industriewaschanlagen. Seit über 30 Jahren stellt man nur Bioprodukte her, entsprechend viele Punkte holt der Fahrradreiniger in den Biokategorien Verpackung und Rohstoffe. Auch die Materialverträglichkeit ist top, darunter leidet allerdings die Reinigungsleistung. Leider ist Bio-Chem selten im Handel zu finden – das identische Produkt von Wash’n Roll hat sich auf den Fahrradmarkt spezialisiert.

50–45 = sehr gut 44–37 = gut 36–31 = befriedigend 30–25 = ausreichend 24–0 = mangelhaft Preis-Leistungs-Sieger ist, wer wenigstens mit „gut“ abschneidet und den niedrigsten Preis pro Punkt erzielt.

Brunox Bike Washer

WILDE MISCHUNG

Sauber wird das Fahrrad mit dem Mittel von Brunox ganz sicher. Die hohe Reinigungsleistung bestärkt uns in dem Verdacht, dass der Bike Washer nur die absoluten Mindestanforderungen in puncto Bio-Bewertung erfüllt. Auch die geringe Materialverträglichkeit – Achtung bei Eisen! – lässt den Schluss zu, dass die Sub - s tanz sehr aggressiv zu Werke geht. Spülen Sie den Reiniger nach der Behandlung unbedingt gewissenhaft ab. Brunox könnte in unserem Ranking mit einer nachhaltigen Verpackung leicht nach oben klettern. Der chemisch-orange Farbstoff ist unseres Erachtens nicht mehr zeitgemäß.

Dr WackBikeF100 Bio-Fahrradreiniger

SAUBERE SACHE

Seit kurzer Zeit hat Dr. Wack auch eine Biovariante seines F100-Fahrradreinigers im Sortiment. Der Aufschlag überzeugt, den schwierigen Spagat aus starker Reinigungsleistung und Materialverträglichkeit kriegen die Ingolstädter am besten hin. Auch bei der Herkunft der Rohstoffe und den Verpackungsmaterialien haben sich die Entwickler von Dr. Wack viel Mühe gegeben. Die etwas dickflüssige Substanz ist zwar sehr ergiebig, trotzdem gehört der Bio-Fahrradreiniger zu den teuersten Produkten unseres Vergleichs. Dafür ist der gelb-grüne Schaum sehr wirkungsvoll und verdienter Testsieger.

Motorex Bike Clean

KURZER PROZSS

Motorex weist bei seinem Produkt darauf hin, dass es mit Wasser verdünnt werden kann. Das relativiert den hohen Preis ein wenig. Unverdünnt macht das Mittel im Labor kurzen Prozess mit unserem Testschmutz und greift dabei das Material nicht übermäßig stark an. Die gute Leistung könnte damit zusammenhängen, dass man bei den Zutaten nur wenig auf nachhaltige Rohstoffe geachtet hat. Auch für die Verpackung können wir nicht viele Bio-Punkte vergeben. Klarer Arbeitsauftrag an den Schweizer Öl-Spezialisten: erst die Verpackung nachhaltiger gestalten, dann auf Biozutaten im Werk setzen.

Neatflow Beech BikeCleaner

BEMÜHTER ÖKO

Unseren Testschmutz konnte das Mittel von Neatflow nicht lösen, bei der Reinigung muss mechanisch mit Bürste und Lappen nachgeholfen werden. Da die Reinigungsleistung sehr gering ist, rücken auch die sonst ordentlichen Testwerte in den Hintergrund – Schmutz zu entfernen bleibt nun mal die Hauptaufgabe eines Fahrradreinigers. Schade, denn Neatflow hat sich bei der Verpackung, die aus nachwachsendem Zuckerrohr hergestellt wird, sehr viel Mühe gegeben. Die Sprühflasche ist sogar dank eines flexiblen Schlauchs über Kopf verwendbar, der Sprühkopf selbst soll extrem langlebig sein.

Pedros Gree Fizz

BILLIGER SCHAUM

Auch das Produkt von Pedros beißt sich an unserem Testschmutz die Zähne aus. Das hippe Produkt aus der Mountainbike-Szene wirbt zwar mit einem ganzheitlich biologischen Ansatz, macht aber keine Angaben zu einer nachhaltig produzierte Verpackung oder der Herkunft der Rohstoffe. Schade, gerade die naturnahe Mountainbike-Szene bräuchte sowohl mehr Reinigungsleistung gegen starken Schlamm als auch Produkte, die für einen bewussten Umgang mit der Umwelt stehen. In puncto Handhabung gehört die 500-Milliliter- Flasche indes zu den besten im Testfeld, und das Mittel ist sehr ergiebig.

Wash’nRoll Bio-Fahrradreiniger

REINER ROCKSTAR

Wash’n Roll setzt auf einen besonderen Sprühkopf mit Auslösung per Daumen statt Zeigefinger. Das gefällt uns im Test richtig gut und sorgt für Punkte im Bereich Handhabung. Leider ist das Mittel recht dünnflüssig, für starken Schmutz sind mehrere Sprühstöße erforderlich. Die Macher von Wash’n Roll haben in Kooperation mit Biochemie-Spezialist Bio-Circle ein glaubwürdiges Nachhaltigkeitskonzept entwickelt und betonen die Wichtigkeit von Nachfüllkanistern bei langfristiger Verwendung. So relativiert sich der Preis immerhin etwas. Das Mittel ist mit dem Fahrradreiniger von Bio-Chem identisch.

50–45 = sehr gut 44–37 = gut 36–31 = befriedigend 30–25 = ausreichend 24–0 = mangelhaft Preis-Leistungs-Sieger ist, wer wenigstens mit „gut“ abschneidet und den niedrigsten Preis pro Punkt erzielt.