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GREENWASHING: HELLGRÜN


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 13.06.2019

Naturkosmetik boomt. Um am Erfolg teilzuhaben, pflegen auch etliche konventionelle Marken mittlerweile ein Flower-Power-Image. Wir haben hinter die grüne Fassade geschaut. In Sachen Inhaltsstoffe können viele der Marken nicht mit zertifizierter Naturkosmetik mithalten.


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AVEDA

Die Lifestyle-Haar-und-Körper-Pflegeserie mit Ayurvedatouch ist Teil des Kosmetikriesen Estee Lauder. Umweltbewusstsein und Natürlichkeit bestimmen das Image, und der Kunde bekommt das gute Gefühl vermittelt, sich beim schnöden Haarewaschen um die Welt im Großen und Ganzen zu kümmern. Die Mission der ...

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... Firma strebt „den höchstmöglichen Einsatz grüner Inhaltsstoffe“ an, wobei „grün“ nach avedaeigener Definition im Vergleich zu Naturkosmetik deutlich Luft nach oben lässt. Etliche Zutaten der Shampoos, Conditioner und Haarstylingprodukte, die auf der Homepage (aveda.de) angegebenen sind, bekämen in unseren Tests kräftigen Punktabzug. Grüne Mission? Nicht erfüllt.

BIOTHERM

Die L’Oreal-Tochter gibt sich nach außen schlicht und puristisch und führt „Bio“ im Markennamen - klassische Zutaten, um Kunden glauben zu lassen, sie hätten Kosmetik mit viel Natur vor sich. Im Gegenteil: Mit derBiotherm Körperlotion schmiert man sich eine fette Portion billiger Mineralöle auf die Haut, der Augen-Make-up-EntfernerBiotherm Biocils enthält das umstrittene Konservierungsmittel Polyaminopropylbiguanid (PHMB), das im Verdacht steht, krebserregend, erbgutverändernd und fortpflanzungsgefährdend zu sein. Auch für werdende Mütter haben wir keine guten Nachrichten. Statt die gespannte Haut mit natürlichen Ölen zu pflegen, enthält das CremegelBiovergetures neben PEG-Derivaten und Silikonöle auch die halogenorganische Verbindung Chlorphenesin. Diese gilt als allergieauslösend. Greenwashing par excellence. biotherm.de

HELLOBODY

„Natural is glamorous“, „die besten natürlichen Inhaltsstoffe“ als Markenzeichen und die Überzeugung, dass „der Schlüssel zu wahrer Schönheit in der Natur liegt“ - das junge deutsche Kosmetiklabel Hello-Body spart nicht an wolkigen Worten, sondern inszeniert sich glamourös und natürlich. So hat sich die Marke zum Liebling einiger prominenter Influencerinnen entwickelt. HelloBody will für die neue Generation von Frauen stehen, denen werteorientierter Konsum wichtig ist. Obwohl der überwiegende Teil der Inhaltsstoffe auf den ersten Blick unbedenklich ist, trübt doch der eine oder andere das schöne Bild: synthetische Polymere wie Silikone oder Acrylate (Stichwort: Mikroplastik), die sich in der Umwelt anreichern, der Konservierungsstoff Phenoxyethanol, der in zertifizierter Naturkosmetik nicht erlaubt ist, PEG-basierte Emulgatoren oder Tenside. Da fehlt noch einiges, um das selbsternannte Ziel zu erreichen, zu 100 Prozent Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs zu verwenden … Diese „kleine Diskrepanz“ sei nötig, ist auf der Homepage (hellobody.de) zu lesen, „um dir mit der Textur unserer Produkte ein Glamourerlebnis für alle Sinne zu bieten und eine gute Haltbarkeit zu garantieren“. Aha, Mikroplastik für den Glamourfaktor. Klingt wie gewollt und nicht ganz gekonnt.

KIEHL’S

„Konzentration auf das Wesentliche“ lautet das Credo der amerikanischen Kultmarke (kiehls.de), die seit dem Jahr 2000 zu L’Oreal gehört. Puristisch und schlicht ist denn auch das Äußere der Apothekenkosmetik aus New York, die es seit 1851 gibt. Die Verpackungen sind recyclebar. Zur Firmenphilosophie gehört es, „nur die verträglichsten und wirksamsten Formeln“ in die Produkte zu integrieren und „nur ein Minimum an Konservierungsstoffen“ zu nutzen. Klingt alles gut, verschweigt aber, dass sich dahinter oft harte Chemie verbirgt. Etwa Parabene oder Butylhydroxytoluol (BHT), um die Seren, Lotionen und Cremes haltbar zu machen. Darüber hinaus stecken in den Tiegeln und Tuben der L’Oreal-Tochter teils chemische UV-Filter, Öle und Wachse auf Mineralölbasis, halogenorganische Verbindungen oder PEG-basierte Emulgatoren. Sozusagen das „Who is Who“ unserer kosmetischen Abwertungskandidaten. Weniger wäre da - schon im Sinn der Unternehmensphilosophie - definitiv mehr.

KNEIPP

„Kneipp wirkt. Natürlich.“ Das ist „nicht nur ein Werbeslogan“, sondern fasst „zwei wichtige Kernpunkte unserer Unternehmensphilosophie zusammen: die Wirksamkeit unserer Produkte und die Nähe zur Natur.“ So weit die Selbstdarstellung (kneipp.com). Tatsächlich setzt das Würzburger Unternehmen seit einigen Jahren verstärkt auf Naturkosmetik - etwa mit der SerieRegeneration. Doch nur ein Teil der gesamten Produktpalette ist zertifizierte Naturkosmetik. Daneben gibt es Zahlreiches, das die Industrie oft mit „naturnaher Kosmetik“ umschreibt und Kneipp als „Naturkompetenz“ bewirbt. Darunter fällt etwa die MarkenweltNaturkind.

„Naturkompetenz“ bei Kneipp heißt zum Beispiel, dass erdölbasierte Rohstoffe oder solche tierischen Ursprungs „wenn immer möglich“ vermieden werden. Das lässt Interpretationsspielräume. So stecken in einem Shampoo neben Hamamelis und Jojobaöl auch PEG-Derivate, ebenso wie in denNaturkind SchaumbädernSeeräuber, Seeprinzessin undMatschmonster. In zertifizierter Naturkosmetik sind diese Substanzen verboten - sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Auch schwierig für Kunden finden wir die Aussage „Naturkompetenz wirksam verträglich“ auf konventionellen Schaumduschen, Badeessenzen und Badekristallen, in denen ebenfalls PEG-basierte Tenside, aber auch künstliche Farbstoffe enthalten sind. Hier gilt ebenfalls: Auch ganz nah dran an der Natur ist eben noch lange nicht deckungsgleich.

Kräftig grün gefärbt: Blumiges Marketing und Pflanzen auf dem Etikett machen noch lange keine echte Naturkosmetik aus.


Foto: Nik Merkulov/Shutterstock

KORRES

Korres natural products lautet der volle Name dieser aus Griechenland stammenden Kosmetikserie, die vom Apotheker Giorgos Korres gegründet wurde. Die griechische Pflanzenwelt steckt in den Präparaten: Olivenöl, Rosmarin, Thymian, Pinie. Synthetische Fette und Öle werden ebenso ausgeschlossen wie Parabene. Korres (korres-store.de) hat langfristige Partnerschaften mit griechischen Bio-Bauern und -Kooperativen. Die Marke ist in Kaufhäusern und Drogeriemärkten häufig in der Abteilung Naturkosmetik zu finden. Berechtigt? Eher ein typischer Fall von Grünfärberei. Zwar streicht das Marketing sehr wirksam heraus, welche kritischen Inhaltsstoffe nicht drin sind. Doch ein Blick ins Kleingedruckte offenbart so einige der üblichen Verdächtigen. So enthält etwa dieGuava Körperbutterneben künstlichen Emulgatoren und dem Duftstoff Lilial, der sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen hat, auch ein Konservierungsmittel, das Formaldehyd abspalten kann.

L’OCCITANE

Lavendel, Immortelle, Myrte und Rose: Schon die Zutaten der Kosmetikprodukte von L’Occitane lassen an den sonnigen Süden denken. Der provenzalische Touch ist aber nicht nur Imagepflege; das südfranzösische Unternehmen engagiert sich für seine Heimatregion und macht sich für fairen Handel stark - sowohl mit regionalen Lieferanten als auch mit Frauenkooperativen, etwa in Burkina Faso. Auf der Internetseite (de.loccitane.com) ist viel die Rede von „nachhaltigem Anbau“, „Respekt für die Umwelt“ und hochwertigen, mehr als 200 pflanzlichen Inhaltsstoffen, von denen ein Viertel biozertifiziert ist. Doch unsere Tests haben die Schönheitsfehler der provenzalischen Marke mehr als einmal aufgedeckt und problematische Stoffe gefunden, die in natürlicher Kosmetik nichts zu suchen haben. Beispielsweise in derL’Occitane Fußcreme (Test Fußbalsam) oder imL’Occitane Intensive Hand Balm (Test Faire Kosmetik). Beide Tests finden Sie im Ratgeber Kosmetik von 2018. Auch in Sachen Mikroplastik halten sich die Südfranzosen nur bedingt an ihre schön formulierten Ansprüche: ImL’Occitane Amande Shower Scrub (Test Körperpeelings) stecken als Schleifpartikel zwar gemahlene Mandelkerne, aber eben auch Polyethylen - und damit Mikroplastik. Den ganzen Test können Sie in unserem Ratgeber Kosmetik 2017 nachlesen.

LUSH

Selbst wer bei Lush nur eine Badekugel kaufen will, bekommt schnell das Gefühl, er solle zu einem wertvolleren Mitglied der Gesellschaft erzogen werden. Die Website der britischen Kultmarke ist rappelvoll mit Aufrufen und Grundsätzen: zum Müllvermeiden, Energiesparen, für soziales Engagement, fairen Handel und ein ethisches Leben. All das will das Unternehmen selbst vorleben, die handgemachten Produkte sind nach eigenen Angaben zu 100 Prozent tierversuchs- und palmölfrei sowie vegetarisch. Alles gut und schön, doch manchen Kunden ist so viel „Bewegtheit“ - ähnlich wie der betörend-betäubende Lush-Duft, der einem in der Fußgängerzone schon von Weitem entgegenschlägt, etwas too much. Aber über Geschmack und Geruch lässt sich ja streiten … Unstrittig ist dagegen, dass auch hier zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Lücke klafft: So soll das tief lilafarbeneLush Daddy-O Shampoo „voll mit Veilchenextrakt und frischem Zitronensaft“ sein. Die stecken tatsächlich drin, außerdem aber noch: Isoeugenol, bedenkliche Parabene, Anilin und PEG-basierte Tenside, analysierte unser Test Vegane Kosmetik aus dem Jahrbuch 2017 und vergab die Note „ungenügend“. Geändert hat sich an den Zutaten nichts, wie ein aktueller Blick auf die Homepage zeigt (de.lush.com). Unser Fazit: Hinsichtlich der inneren Werte ihrer Produkte könnte Lush ein wenig mehr Engagement zeigen.

Alles ganz natürlich? Damit werben jedenfalls viele Kosmetikmarken. Doch oft zeigt der kritische Blick auf die Inhaltstoffe, dass der grüne Schein leider trügt.


Foto: Nina Sinitskaya /Getty Images

NATURALIUM

Der Markenname und große Früchte auf dem Etikett signalisieren: alles im grünen Bereich. Laut Selbstdarstellung spiegeln die Produkte „die Sehnsucht nach Unkompliziertheit und Rückkehr zur Natur wider“. Die „bezaubernden Düfte“, für die Naturalium (beautyemotions.com/eng/naturalium/) populär geworden ist, sollen „längst vergessene Erinnerungen wachküssen und stark positive Emotionen hervorrufen“. Bei uns ruft so viel grünes Marketing naturgemäß erst einmal Skepsis hervor. Zu Recht, wie der Blick auf die Inhaltsstoffe bestätigt: künstliche Tenside, PEG-basierte Emulgatoren, kritische Konservierer oder erdölbasierte Paraffine. Dagegen ist von den groß abgebildeten Früchten - Mango, Pfirsich, grüner Apfel - kein Fitzelchen in natürlicher Form enthalten. Das alles zeigt mehr als deutlich: Hier wird mächtig grüngewaschen, und die Rückkehr zur Natur findet lediglich auf dem Etikett und in Marketingsprechblasen statt.

NATURE BOX

„Natürliche Schönheit für Körper und Haar“ versprechen die knallbunten Beautyprodukte von Nature Box. Deren Mission: Natureboxbeauty.de will „positive Schwingungen rund um den Globus verteilen“ - durch natürliche Inhaltsstoffe, vegane Formeln, verantwortungsbewusste Rohstoffbeschaffung und „Beauty Positivity“. Bevor uns die positiven Vibes in eine andere Bewusstseinsebene tragen, werden wir kleinlich und werfen einen Blick auf die Zutaten. Und siehe da: Wir treffen unangenehme Bekannte wie PEG-basierte Tenside, Kunststoffe, hinter denen sich Mikroplastik verbirgt, und den chemischen UV-Filter Benzophenon-4, der im Verdacht steht, hormonell zu wirken. Da reißen es auch die angepriesenen kalt gepressten Öle (Avocado, Granatapfel, Kokos, Mandel, Aprikose, Macadamia) nicht raus. Um wirklich als Naturkosmetik durchzugehen, sollte Nature Box die positiven Schwingungen besser konsequent in die Zutaten stecken, als sie um die Welt zu schicken.

OGX BEAUTY

OGX - das klingt ausgesprochen wie Organics, und das ist sicher kein Zufall. Auf den Haar- und Körperpflegeprodukten grünt und blüht es, was das Zeug hält - zumindest dem Namen nach: Grüner Tee, Bambusfasern, Kirschblüten, Kokosnuss, Lavendel, Eukalyptus, Minze, Orchideen. Doch wir werfen einen kritischen Blick in den grünen Dschungel und stellen fest: Käufer massieren sich mit demOgx Hydrating+ Macadamia Oil Shampoo fast die komplette Palette unserer Abwertungsparameter in die Haare: halogenorganische Verbindungen, Lilial, PEG/PEG-Derivate und Formaldehyd/-abspalter (siehe Jahrbuch 2018). Nicht viel besser dasBamboo Fiber-Full Shampoo oder derThick & Full Biotin & Collagen Conditioner. Die Spülung enthält darüber hinaus den kritischen Konservierungsstoff Methylisothiazolinon (MIT), der dafür bekannt ist, besonders häufig allergische Reaktionen auszulösen. „Wir gehen Schönheit in unserer eigenen Art und Weise an“, verkündet die Website (de.ogxbeauty.com/). So kann man’s natürlich auch sagen.

ORIGINS

Baumpflanzaktion, erneuerbare Energien, Reinheitsgebot: Auf den ersten Blick alles ziemlich grün und nachhaltig bei der Estee-Lauder-Tochter Origins. Die Produkte werden, so die Website (origins.de), mit natürlichen und zertifiziert organischen Inhalts stoffen und 100 Prozent natürlichen ätherischen Ölen hergestellt; zudem ohne Parabene, Phthalate, Propylenglykol, Mineralöl, PABA, Petrolatum, Paraffin, DEA und tierische Inhaltsstoffe. Doch so beeindruckend die Liste sein mag: Uns überzeugt sie nicht so ganz. Verschweigt sie doch fein still die eine oder andere Substanz, die wir regelmäßig kritisieren, etwa PEG- und silikonbasierte Emulgatoren. Schade, aber naturnah ist eben noch lange keine Naturkosmetik.

RITUALS

Rituals verspricht Wellness für jeden Moment: Die Bodylotions, Duftkerzen und Körperpeelings des holländischen Labels sollen den Alltag mit Entspannungsmomenten auffüllen und „die tägliche Routine in schöne Rituale verwandeln“. Die Produkte werden auf der Website (rituals.com) in einem Wasserlauf zwischen moosbewachsenen Steinen inszeniert. Inhaltsstoffe wie Bambus, Matcha, Reismilch, Indische Rose oder Kirschblüten beschwören geradezu eine tiefe Verbundenheit mit der Natur. Doch bevor uns die Wellnesswolken in andere Sphären tragen, werfen wir einen Blick auf die Inhaltsstoffe und stellen fest: Die Wirklichkeit ist wenig betörend. Im PeelingThe Ritual of Ayurveda Rejuvenating Pink Salt Scrub duftet mit Lilial eine Substanz, die sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen hat. Die steckt auch in derThe Ritual of Sakura Magic Touch Body Cream. Darüber hinaus der Duftstoff Isoeugenol, der ein hohes allergenes Potenzial hat, das erdölbasierte Lösungsmittel Isohexadecan und Polyacrylat, hinter denen sich Mikroplastik verbirgt. Wellness? Reinheit der Natur? Magische Berührung? Darunter stellen wir uns definitiv etwas anderes vor.

Foto: popovartem.com/Shutterstock

THE BODY SHOP

1976 wurde The Body Shop von der britischen Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin Anita Roddick gegründet und wuchs gemeinsam mit der Umweltbewegung zu einer global agierenden Kosmetikkette heran. Die macht sich schon früh gegen Tierversuche in der Kosmetik stark, engagiert sich für bedrohte Arten, prangert in Kampagnen wiederholt auch Menschenrechtsverletzungen an. Seit 2017 gehört The Body Shop - zuvor elf Jahre eine Tochterfirma von L’Oreal - zum brasilianischen Kosmetikunternehmen Natura. „Oberstes Ziel ist“, so schreibt es The Body Shop in seinem Manifest (thebodyshop.com/de-de/), sei es, „das ethisch korrekteste und nachhaltigste globale Unternehmen der Welt zu werden“. Doch der Weg dahin ist noch recht weit, zumindest was die Umweltfreundlichkeit einiger Zutaten angeht. So enthält diePeppermint Intensive Fußpflege schwer abbaubare Silikonöle. DasLipgloss Shine Lip Liquid Cherry Gum 004 aus unserem Test Vegane Kosmetik (Spezial Vegan/ Vegetarisch 2018) bekommt wegen halogenorganischer Verbindungen und des erdölbasierten Filmbildners Polyisobuten nur ein „mangelhaft“. In derTee Tree Anti-Unreinheiten Nachtmaske stecken neben künstlichen Emulgatoren/Tensiden auch etliche Mikroplastikverbindungen, die irgendwann in den Meeren landen, deren Zustand ohnehin dramatisch schlecht ist.

YVES ROCHER

Yves Rocher positioniert sich seit nunmehr 60 Jahren mit „Pflanzenkosmetik“ aus der Bretagne. Die Bewahrung der Natur spielt in der Selbstdarstellung des Unternehmens eine große Rolle. Auf der Firmenwebsite (yves-rocher.de) wimmelt es geradezu von bunten Blüten und Knospen. Und auch sonst grünt es dort, so weit das Auge reicht: Alle Aktivstoffe seien pflanzlich, die Produkte „ökokonzipiert“, die Felder würden „biologisch bewirtschaftet“. Außerdem hat es sich die Umweltstiftung Fondation Yves Rocher zum Ziel gesetzt, bis 2020 100 Millionen Bäume auf der ganzen Welt zu pflanzen. Doch auch hier verdeckt der schöne Schein, was zum Teil außerdem noch in Yves-Rocher-Produkten steckt. Die sind dann nicht ganz so natürlich und pflanzlich, wie wir in Tests immer wieder feststellen. Etwa im Test Faire Kosmetik (Ratgeber Kosmetik 2018), in dem dieExperte Repair-Pflege Repair-Milch nur ein „ausreichend“ bekam, weil sie neben künstlichen Emulgatoren auch Silikone enthält, die sich nicht so gut ins Hautgleichgewicht einfügen wie natürliche Wachse und Öle. Auf ein „mangelhaft“ kam derKarité Lipbalm Repair & Care im Test Lippenpflege (Ratgeber Kosmetik 2018), weil er problematische erdölbasierte Substanzen enthält. DasRaspberry Peppermint Energizing Shower Gel aus dem Test Körperpeelings (Jahrbuch 2018) rubbelt Hautschüppchen zwar mit gemahlenen Aprikosenkernen und Kiwisamen ab - so weit, so natürlich. Dennoch stießen wir in der Rezeptur auch auf Mikroplastik. Spätestens da wird „ökokonzipiert“ zur hohlen Phrase.