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GRGRILLEN FÜR FORTGESCHRITTENE


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IMTEST - Das Verbraucher Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 06.05.2022

7 Gasgrills IMTEST

Artikelbild für den Artikel "GRGRILLEN FÜR FORTGESCHRITTENE" aus der Ausgabe 5/2022 von IMTEST - Das Verbraucher Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: IMTEST - Das Verbraucher Magazin, Ausgabe 5/2022

Die Werbebotschaften der beiden Platzhirsche Weber und Napoleon sind ebenso klar wie unterschiedlich. Bei den Ersteren suggeriert Sternekoch Tim Raue, dass auch Grillen auf höchstem kulinarischen Niveau machbar ist. Bei den anderen zeigt Star-DJ Robin Schulz, dass man weder gelernter Koch sein noch ein Vermögen für Geräte ausgeben muss, um gut zu grillen. So hat übrigens vor Tim Raue auch Weber geworben. Und zwar mit Fußballer Thomas Müller, der bekanntermaßen beim FC Bayern spielt. Und dieser FC Bayern ist aktuell Partner von Rösle, weshalb sich deren Video auch in einer FC-Bayern-Edition hier im Test findet. So oder so: Die Werbung geht auf, denn tatsächlich wird die Nachfrage nach anspruchsvollen Grillgeräten von Jahr zu Jahr höher. Oft lösen sie günstige Modelle ab, die für nicht wenige eine Art „Einstiegsdroge“ in das Thema waren IMTEST nimmt daher sieben Modelle bis 1.400 ...

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... Euro unter die Lupe.

Warum ein teurer Grill?

Die Frage, warum man so viel Geld ausgeben soll, wenn doch Discounter scheinbar ausgewachsene Gasgrills für 300 oder 400 Euro anbieten, muss trotzdem erlaubt sein. Der Unterschiede zwischen Discounter-und Profi-Geräten finden sich hier:

▪ Leistung: Mit dem Preis steigt die Brennerleistung. Und wenn zum zehnten Mal das Steak keine vernünftige Röstkruste bekommt oder die Pizza nicht knusprig wird, dann fehlt es an Hitze und womöglich auch an einem vernünftigen Grillrost.

▪ Ausstattung: Es beginnt bei frontal entnehmbaren Fettwannen, zusätzlichen Brennern oder alternativen Rosten, aber geht noch weiter: Auch für diejenigen, für die Grillen immer mehr zum Outdoorcooking wird, ist ein Grill ohne Seitenkocher irgendwann zu limitiert.

▪ Haltbarkeit: Sehr preiswerte Geräte sind teilweise schon nach einem oder zwei Jahren derartig verschlissen, dass sie keine weitere Saison überstehen. Und dieser Verschleiß bezieht sich dann eben nicht nur auf ein paar Teile, die sich für kleines Geld tauschen ließen, sondern teilweise auch auf die komplette Grundkonstruktion, sodass der Grill wirklich nur noch ein Fall für den Schrotthändler ist.

▪ Optik: Die letzten zwei Jahre haben den Stellenwert des eigenen Gartens immens gesteigert. Als Ort der Geselligkeit ebenso wie als heimische Ruhe-und Urlaubsoase. Mit dieser funktionalen Aufwertung ging nicht selten auch eine optische und gestalterische einher. Und so ist auch manche edel anmutende Grillecke entstanden, in der sich nicht nur dauerhaft der Grill tummeln soll, sondern auch noch die Feuerschale und vielleicht ein paar Stehtische fürs gemütliche Beieinandersein. Das günstigste Grillgerät passt dort nicht mehr gut ins Bild.

Was man auf jeden Fall braucht

Das Anforderungsprofil an einen Grill ist sehr individuell. Für diejenigen, die gerne Steaks essen, macht ein Hochtemperatur-Brenner etwas her. Man braucht den nicht zwingend, weil Temperaturen von 500 Grad oder mehr Fleisch sehr schnell verbrennen, statt es zu rösten. Entsprechend muss der Umgang mit solchen Brennern etwas geübt werden. Allerdings taugen sie, wenn sie außerhalb des Grills montiert sind, auch dazu, um eine Pfanne oder einen Wok darauf zu verwenden.

Wer ohnehin einen Seitenkocher haben möchte, schlägt mit einer solchen Steak-Zone praktisch zwei Fliegen mit einer Klappe. Was dagegen nur indirekt relevant ist, ist die Maximaltemperatur. Oft ist das Deckelthermometer hier ohnehin zu ungenau, um präzise Aussagen treffen zu können, selbst innerhalb einer Modellreihe. Und zweitens braucht man vielleicht abseits vom Pizzabacken nie Temperaturen von 350 Grad unterm Deckel. Schaffen Grills die trotzdem, ist das lediglich ein Indikator dafür, dass die Brennerleistung hoch ist und die Geräte grundsätzlich schnell auf Hitze kommen. Ein nettes Extra dagegen ist ein Heckbrenner. Zumindest wenn man häufiger einen Drehspieß nutzen möchte. Solche Brenner sorgen, richtig verwendet, in der Endphase des Garens für eine schöne Röstkruste und machen sich auch beim heimischen Gyros bezahlt. Bei den Rosten gilt: Je mehr Masse, desto besser. Gusseisen sorgt für schönere Grillmuster, Edelstahl ist etwas leichter zu reinigen. Entsprechend passen hier alle Testgeräte in dieses Anforderungsspektrum, sowohl in Sachen Roste als auch bei der Ausstattung.

Kompromisse unter 1.000 Euro

Es gibt aber auch noch eine Klasse zwischen „ganz billig“ und „ganz teuer“. Hier tummeln sich mit dem Char Broil Professional und dem Kandidaten von Rösle der Grandstate Hawk 411 und der Char-Broil-Performance Pro S 3, die mit 598 und 659 Euro preislich eher in der unteren Mittelklasse angesiedelt sind.

Auf den ersten Blick scheint klar, dass der Hawk der attraktivere der beiden günstigsten Grills ist: Vier Brenner gegenüber drei beim Performance. Einer davon als Infrarotbrenner für hohe Hitze. Und dazu noch einen Seitenkocher. Den gibt es bei Char-Broil auch, aber einen Steakbrenner eben nicht. Doch so klar, wie es zunächst den Anschein hat, ist die Sache bei Weitem nicht. Und das zeigt sich schon beim Aufbau. Denn der Char-Broil wirkt durch die vielen Edelstahlteile etwas wertiger. Bei der eigentlichen Montage nehmen sich dann aber beide Grills nicht viel. Es muss relativ viel geschraubt werden. Das ist das typische Prinzip, das man auch aus einem schwedischen Möbelhaus kennt. Je mehr man selbst montiert, desto niedriger lässt sich der Preis gestalten .Beim Grandstate allerdings mit dem Wermutstropfen, dass der Grill zwar einen geräumigen Unterschrank besitzt, aber man darin dennoch keine 11-kg-Gasflaschen unterbringen darf, während das bei dem kleineren Char-Broil durchaus möglich ist.

Unter den Deckeln verbergen sich jedoch zwei unterschiedliche Funktionsweisen. Beim Hawk geben die Brenner ihre Hitze direkt an den Gusseisenrost und das darauf liegende Grillgut ab. Beim Performance liegen zwischen Rost und Brennern noch gelochte Edelstahlbleche. Tru-Infrared nennt der Hersteller dieses System, weil die Bleche ja nur Strahlungshitze weiterleiten. Das minimiert das Risiko eines Fettbrandes enorm und erlaubt damit letztlich das gesündere Grillen. Spanend ist zudem, dass sich Char-Broil Gedanken über den sogenannten Warmhalterost gemacht hat, der ja letztlich eine zweite Grill-Ebene ist. Der ist so gestaltet, dass dort eine mitgelieferte Edelstahlschale platziert werden kann, um zum Beispiel Gemüse zu garen. Beim Hawk wiederum findet sich das inzwischen weit verbreitete Zubehörkonzept, bei dem ein rundes Element im Rost gegen andere Einsätze getauscht werden kann. Wer jetzt allerdings glaubt, dass der größere der beiden günstigsten Grills ohne Zwischenblech auch mehr Power hat, der irrt allerdings. Er schafft am Rost zwar knapp 350° C, was völlig ausreichend ist. Der Char-Broil allerdings kommt auch mit dem Tru-Infrared-System auf 415° C. Und das bei einem Temperaturgefälle von lediglich 30° C zwischen vorderem und hinterem Bereich. Bemerkenswert: Der Performance hat nominell die schwächeren Brenner. Und das merkt man, aber im positiven Sinne. Denn wenn es um niedrige indirekte Hitze geht, steht er genauso gut da wie das teurere Char-Broil-Modell. Beide schaffen es, mit nur einem Brenner, auf kleinster Flamme laufend, unter 60° C zu bleiben. Beim Hawk schlagen hier 105° C zu Buche, der Rösle sogar mit 110° C. Okay: Auch das ist für BBQ eine noch ausreichend geringe Temperatur. Bei der maximalen Garraumtemperatur liegen die beiden günstigsten Grills mit 325° C (Hawk) und 330° C (Performance) nahezu gleichauf und bieten genug Hitze, um auch Pizza zu backen. Allerdings brauchen beide Geräte auch ihre Vorheizzeit von gut 20 Minuten, bis sie am oberen Anschlag ankommen. Schneller ist der Infrarotbrenner des Grandstate auf Touren. Und doch ist das Resultat am Ende etwas ernüchternd: „Nur“ 529° C lassen sich am Rost messen. Das ist zwar mehr, als man eigentlich braucht, und ohnehin mehr, als die Hauptbrenner schaffen. Aber für diesen Brennertyp ist es schon relativ wenig. Ein Grund dürfte sein, dass der Abstand zwischen Rost und der Brennerkeramik relativ hoch ist, denn Infrarotbrenner haben keine besonders große Reichweite und sind auch für Umlufthitze (Konvektion) nicht optimal geeignet.

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Kompromisse über 1.000 Euro

Da man aber ohne Probleme für Grills einige Tausend Euro ausgeben kann, ist selbst das Preissegment zwischen 1.000 und 1.500 Euro immer noch eins, in dem man Kompromisse eingehen muss. Auf den Punkt gebracht macht man entweder Abstriche bei der Qualität, beim Aufbau oder bei der Verarbeitung. Hier ist der wesentliche Punkt, dass die Modelle von Napoleon und Weber eine Wanne haben, die komplett aus Aluguss besteht. Bei Burnhards Earl sind immerhin die Seitenwangen aus Aluguss. Das Material ist praktisch unverwüstlich, während bei den reinen Blechwannen immer ein Risiko besteht, dass sie mit der Zeit leiden. Je dickwandiger etwa die Brenner sind, desto länger halten sie. Denn es ist ein Irrglaube, dass ein teurer Grill nicht verschleißt. Hitze, Salz, Säure fordern irgendwann ihren Tribut. Das wird bei Weber und Napoleon länger dauern als bei Burnhard, denn die Flammverteiler und eben auch die Brenner sind hier einfach massiger.

Als einziger im Test besitzt der Burnhard Earl vier Hauptbrenner – und Schubladen im Unterschrank. Die sind recht praktisch, allerdings sorgt die Konstruktion auch dafür, dass Teile des Unterschranks nicht gut zu reinigen sind. Außerdem sind die recht kleinen Plastikrollen mit den gut 89 Kilogramm überfordert, die der Grill auf die Waage bringt. Zwar tun sich alle Geräte auf unebenen Untergründen oder Rasen schwer. Aber der Earl lässt sich selbst auf einer nur leicht unebenen Terrasse nur mühsam bewegen. Außerdem ist der Zusammenbau trotz des vormontierten Unterwagens noch viel Arbeit, zumal – und das ist ökologisch äußerst fragwürdig – nahezu jedes Einzelteil in Folie gepackt ist. Und das bei einem Grill, der ohnehin schon in zwei großen Kartons mit viel Styropor geliefert wird. Das alles ist inklusive der Montage bei Napoleon und Weber viel eleganter gelöst, beide Grills lassen sich gut aufbauen. Die Sizzle-Zone des Napoleon ist starr. Beim Burnhard wiederum kann sie angeklappt werden.

Grillen können sie alle

Was das Grillen angeht, sind alle Geräte recht gut aufgestellt. Der Genesis bietet eine sehr gleichmäßige Hitzeverteilung, und auch das Professional-Modell des Char-Broil steht hier gut da. Die anderen Modelle haben – typisch für die meisten Gasgrills – meist vorne etwas weniger Hitze als hinten. Der Rogue wiederum kommt extrem schnell auf Touren und schafft schon nach kurzer Zeit Temperaturen jenseits der 370° C im Garraum. Die braucht man zwar abseits von Pizza nicht, aber es spricht eben für leistungsfähige Brenner. Noch mehr schafft nur der Earl mit über 400° C, aber während der Napoleon dann auch mit etwa 95° C für BBQ-Gerichte wie Rippchen laufen kann, kommt der Burnhard nicht unter 120° C. Das liegt gerade so an der Grenze des Niedertemperaturbereiches. Auch die anderen Grills kommen aber am Ende durchweg auf deutlich über 340° C, brauchen aber dafür etwas länger. Alle Grills können zudem mit einer Hochtemperaturzone für kräftige Röstaromen aufwarten. Beim Weber Genesis allerdings ist das mit einem zusätzlichen Brenner im Innenraum gelöst. Der sorgt am Rost für ausreichende 460° C, hat kann aber eben nicht zusätzlich als externe Kochplatte verwendet werden. Zwar bietet das Crafted Gourmet BBQ System die Option, einen recht großen, quadratischen Teil des Rostes gegen anderen Einsätze zu tauschen, aber damit geht eben auch normale Grillfläche verloren. Übriges ist dieses neue System kompatibel zum bisherigen GBS mit den runden Einsätzen.

Solche runden Wechsel-Einsätze gibt es auch bei Char-Broil oder Rösle; bei Napoleon und Burnhard werden ganze Rostelemente durch Gussplatte, Plancha und Co. getauscht. Aber bis auf den Weber bieten alle anderen die Option, die Brenner in den Seitenteilen zusätzlich zum normalen Garraum zu nutzen. Wer das beim Genesis haben möchte, muss dafür tiefer in Tasche greifen: Das entsprechende Modell liegt bei 1.699 Euro. Im Test hier bietet daher der Rösle mit Infrarotbrenner und klassischem Seitenkocher das meiste Potenzial für Outdoor-Cooking. Dafür wiederum punkten Weber und Burnhard mit richtig viel Fläche. Und zwar nicht, weil der Hauptrost so groß wäre, sondern weil der „Warmhalterost“ jeweils auf die doppelte Größe ausgeklappt werden kann, sodass man Ende eine zweite Grillebene hat.

FAZIT

Das beste Gesamtpaket aus Leistung, Verarbeitung und Montierbarkeit kommt einmal mehr von Napoleon, allerdings sehr knapp. Einziger Wermutstropfen bei Weber: Das Preisniveau liegt mit Blick auf die Ausstattung höher. Wer Platz und Stauraum braucht, fährt mit dem Earl recht gut. Für das etwas kleinere Budget sind die beiden Kandidaten von Rösle und Char-Broil gleichermaßen geeignet: Ersterer ist etwas vielseitiger, zweiterer ist etwas wertiger und erlaubt durch das Tru-Infrared-System Grillen ohne Fettbrandrisiko.

DIE BESTEN GASGRILL-TIPPS

Auf www.imtest.de verrät IMTEST-Grill-Experte Markus Mizgalski seine besten Tipps. Darunter auch die folgenden: