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GRIECHENLAND: Mílos Die stille Perle der Kykladen


REISE & PREISE - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 09.07.2019

Steinreich im wahrsten Sinne des Wortes liegt Mílos in der Ägäis – mit weißen Dörfern, langen Sandstränden, spektakulären Buchten und netten Tavernen. Mindestens so schön wie die bekannteren Kykladeninseln, aber lange nicht so voll. Für Inselhüpfer ein echter Geheimtipp.


Artikelbild für den Artikel "GRIECHENLAND: Mílos Die stille Perle der Kykladen" aus der Ausgabe 3/2019 von REISE & PREISE. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: REISE & PREISE, Ausgabe 3/2019

Klippen, Fels bögen und versteckte Buchten: das ehemalige Piraten -versteck Kléftiko an der Südwestküste von Mílos


Badende im seichten Wasser am Strand von Pláthiena


Bilderbuch-Sonnenuntergänge mit Ägäis-Blick gibt es auf Mílos gratis. Nur die Getränke dazu kosten


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Fotos: Paolo Giocoso/Salem Kamel/HUBER IMAGES, Hercules Milas/Alamy Stock Photo

K apitän Polichronis Mavros steuert seinen Katamaran rund um Mílos und ist auch heute wieder überwältigt von der Schönheit seiner Heimat: »Ist das nicht unglaublich! Die weißen Felsen, die Farbe des Wassers!« Tatsächlich, ein Postkartenmotiv reiht sich ans andere. Und bei reichlich Badepausen kann man die ganze Pracht auch ausführlich genießen. Mílos ist ein Paradies für Geologen, denn die Gesteinsschichten der vulkanischen Insel erzählen Erdgeschichte. So ist die Außenhaut von unzähligen Höhlen durchlöchert wie ein Schweizer Käse und schimmert hier und da wie Schlangenhaut. Weiße, gelbe, rosafarbene, grüne, graue und lavaschwarze Felsbänder rahmen die langen Strandbuchten ein, von denen man einige der schönsten nur vom Boot aus oder über Leitern erreichen kann. Und vor vielen der insgesamt 70 Strände ragen bizarre Felsnadeln, -brücken und -tore aus dem Wasser.
Die bekannteste Dame aus Mílos ist sicherlich die Venus, die Archäologen im 19. Jh. unweit der Inselhauptstadt Pláka fanden, und die heute zu den Stars des Pariser Louvre zählt. Sie bezeugt, dass es auf Mílos schon in der Antike eine bedeutende Siedlung gab. Und schon damals waren Mineralien sein größter Schatz: Bimsstein, Schwefel, Kaolin und Obsidian schiffte man in alle Welt. Heute sorgen Bentonit und Perlit für Wohlstand auf der Kykladeninsel, auf der Tourismus eine Nebenrolle spielt. »Noch vor zehn Jahren war Mílos eine ganz und gar griechische Insel mit ein paar Fischern, vor allem aber Bergarbeitern, Tourismus interessierte niemanden«, sagt Gina, die Athenerin, die seit 14 Jahren auf Mílos lebt. Sie gehört zu den Festlandsgriechen, die den Tourismus auf der Insel seit ein paar Jahren aufmischen – auf die sanfte Art. Mehr und mehr Boutiquehotels eröffnen – das Zeug zur Trendlocation hat Mílos allemal. Doch weil man sich erst spät Besuchern öffnete, findet man noch viel Ursprünglichkeit. Großhotels sind nicht geplant, alles ist klein, intim, persönlich. Auch ein wildes Nachtleben sucht man vergeblich. Hier urlaubt statt der internationalen Partycrowd, die auf den Nachbarinseln unterwegs ist, ein reiferes Publikum, das den entspannten Lebensrhythmus schätzt. Und mancher Inselhüpfer bleibt viel länger als geplant.

ADÁMAS: Die quirlige Hafenstadt von Mílos

Die Fähren nach Mílos legen in Adámas an, einem typischen weißen Kykladenort, der leicht hügelaufwärts klettert – unaufgeregt, unspektakulär, aber sehr sympathisch. Immer noch ist es ein erhabener Anblick, wenn Schiffe in die weite Bucht einlaufen, die einst zu den wichtigsten Handelshäfen in der Ägäis zählte. Weil sich nicht alles um den Tourismus dreht, gibt es viel einheimisches Alltagsleben. Auf der lebhaften Hafenpromenade treffen sich spätnachmittags die Einheimischen auf ein Schwätzchen, einen Kaffee oder ein Eis, und die Besucher gesellen sich einfach dazu. Sie wohnen in Boutiquehotels, Apartmentanlagen und Pensionen mit Privatzimmern, von denen die schönsten in den Hügeln liegen – mit Blick auf Ort und Hafen. Zu Fuß ist man sowieso in wenigen Minuten am Wasser. Der nettere der beiden Ortsstrände ist der von Tamarisken beschattete Papikínos Beach, der sich an der wenig befahrenen Küstenstraße entlangzieht – mit zwei Beachbars, die neben Bewirtung auch Liegestühle bieten. Liegen auch die Traumstrände der Insel im Süden, wo es bislang nur sehr vereinzelt Unterkünfte gibt – Adámas bietet eine ausgezeichnete Infrastruktur und ist der beste Ausgangspunkt für die Inselerkundung. Und gut essen kann man hier auch: Das »O! Hamos!« schätzen auch die Einheimischen für seine authentische Inselküche. Auf den Tisch kommen im hübschen Garten Großmutters Klassiker aus dem Tontopf (mit Lamm € 12, mit Gemüse € 8,70) und selbst gemachter Ziegenkäse (€ 6,50). Eine Beach Bar ist angegliedert. Fisch und Meeresfrüchte direkt am Wasser werden bei »Mikros Apoplous« frisch und köstlich zubereitet (Hauptgericht ab € 15,50).

Taverne im abendlich erleuchteten Inselhauptort Pláka


Weißer Bimsstein gibt der Bucht von Sarakinikó ihren einzigartigen Charakter


PLÁKA, TRIPITÍ & KLÍMA: Ein Stück ursprüng -liches Griechenland

Die kleine Inselhauptstadt Pláka ist ein Stück Griechenland wie aus dem Bilderbuch: Weiß getünchte Kykladenhäuser, verwinkelte Gassen, eine Kirche mit Panoramaterrasse, kleine Bars und Restaurants und viel authentisches Inselleben. Und das alles bekrönt von der Ruine einer venezianischen Burg. Die wenigen Unterkünfte – einige mit herrlichen Küstenblicken – sind schnell ausgebucht. Der nächste Strand ist jedoch eine Autofahrt entfernt. Dafür wird man in der Nebensaison Teil des einheimischen Lebens, kann mit den Bewohnern in aller Ruhe im Kaffeehaus plauschen oder der Hochzeitsgesellschaft zur Kirche folgen, deren Terrasse für viele der beste Sunset Spot der Insel ist.
Zu Fuß erreicht man das hübsche Dorf Tripití mit seinen netten Tavernen. Wunderbar kreativ mediterran mit Produkten aus eigenem Anbau kocht man im »Barriello« am Dorfplatz hoch über dem Meer (Tipp: Kaninchen in Wein mit Orangen € 12). Von Tripití schlängelt sich ein Spazierweg zu den Überresten der antiken Vergangenheit. Das griechische Theater fasste einst 5.000 Zuschauer und das Geschehen auf der Bühne stand sicher in Konkurrenz zum Meerblick. Ganz in der Nähe fand man die Venus von Mílos und in den sehenswerten Katakomben versteckten sich im 3. Jh. Christen.
Am Wasser liegt der einstige Fischerort Klíma mit seinenInstagram -tauglichen Fischerhäusern, die heute Touristen-Studios sind (überAirBnB ab € 100). Mit dem Auto erreicht man einige der schönsten Buchten wie Pláthiena mit karibikgrünem Wasser oder Fyropótamos mit fotogener Kirche und den bildhübschen Fischerort Mandrákia mit Bootsgaragen, weißen Würfelhäusern und der berühmten Inseltaverne »Medusa«. Hier kommen griechische Tapas (ab € 4) zum Teilen direkt am Meer auf den Tisch.

POLLÓNIA Lifestyliger Urlaubsort im Kykladenstil

Leben in Adámas mehr Einheimische als Touristen, ist das Verhältnis in Pollónia umgekehrt. Aus dem Fischerort wurde ein Urlaubsort, der im Winter zur Geisterstadt wird. Auch hier ist der Lebensrhythmus ruhig und gemütlich. Neben dem kleinen Hafen zieht sich der passable Ortstrand rund um die Bucht. Die Hotels und Apartmentanlagen liegen etwas abseits vom alten Dorfkern – und weil Mílos erst spät ins Tourismusgeschäft einstieg, gibt es keine Bausünden, sondern ausnahmslos attraktive Anlagen im Kykladenstil in unterschiedlichen Preisklassen. Einige der Restaurants haben sich der Klientel anspruchsvoller Individualurlauber angepasst und bieten eine kreativ verfeinerte griechische Küche. Eine prima Fischtaverne direkt am Wasser ist das »Armenaki« (Hauptgericht ab € 12,50). Auch im Familienbetrieb »Enalion« stehen die Bewohner des Meeres im Mittelpunkt. Für viele ist es das kreativste Lokal der Region. Sehr zu empfehlen ist beispielsweise das Oktopus-Stifado mit Honig für € 16,50. Dazu gibt es eine ausgezeichnete Weinkarte. In Pollónia liegt auch das einzige Weingut der Insel, wo Winzer Kostantakis Verkostungen anbietet (ab € 12, geöffnet ab 16 Uhr, www.kostantakis.gr). Absolut empfehlenswert sind auch die Bootstouren rund um die Insel, die in Pollónia starten (s. Tipp S. 49).

TIPP: MÍLOS’ SCHÖNSTE BADEPLÄTZE

Achivadólimni Der langgezogene Sandstrand liegt in einer geschützten Bucht und bietet schon im Frühjahr angenehme Badetemperaturen. Eine trendige Beachbar (Liegestühle € 12/Tag) lädt zum Bleiben ein.

Sarakinikó Die Badestellen der spektakulären schneeweißen Bimsstein-Mondlandschaft an der smaragdgrünen Ägäis laden zum Schwimmen ein. Am besten möglichst früh kommen!

Fyríplaka Der Blick auf den langen Strand an der Südküste mit seinen bunten Felsformationen raubt einem den Atem. In den Sommermonaten öffnet eine Beachbar.

Tsigrádo Zum nicht minder aufregenden Nachbarstrand von Fyríplaka steigt man über zwei Leitern ab.

Paliochóri Voll erschlossen mit Strandliegen und dem Lokal »Sirocco«, wo Fleisch (€ 12), Fisch und Gemüse im 100 °C heißen Vulkansand gart.

Paliá Thiorychía Feinsandige Traumbucht, die nur per Boot oder im Jeep auf Holperstraßen erreichbar ist. Als Kulisse dient die romantisch verfallene Ruine einer in den 1960er-Jahren stillgelegten Schwefelmine.

Kléftiko Der spektakulärste aller Badeplätze liegt an der Südküste und ist nur per Boot erreichbar.

Sonnen untergang an der Kirche von Pláka


INFO:Milos

ANREISE
Vom Flughafen geht es per Taxi (ca. € 15) oder mit dem Linienbus (€ 1,70), der jedoch außerhalb der Saison nur sporadisch fährt, nach Adámas. Von Mílos aus ge hen die Fähren der Inselhopper zu den Nachbarinseln (Kímolos € 2,70, Sífnos € 15, Folégandros € 29). Die Schnellfähren von Pi räus brauchen 3–5 Stunden (ab € 84 return, www.directferries.de).

REISEZEIT
Ideal sind die Monate Mai/Juni und September/Oktober, wenn die Temperaturen angenehm sind. Schon im Mai kann man i. d. R. baden. Im Sommer ist es sehr heiß, die Insel überfüllt, und die Preise schießen in die Höhe.

UNTERWEGS
Busse verkehren auf der Insel außerhalb der Hochsaison nur wenige Male am Tag. Die schönsten Plätze erreicht sowieso meist nur mit dem Mietwagen (ab € 25/Tag), Quad (ab € 20/Tag) oder Scooter (ab € 15/Tag). Vorausgebucht ist ein Kleinwagen ab € 116/Woche zu haben (Vehicle Rent , Metapreisvergleich auf www.REISE-PREISE.de/mietwagen). Zwar sind weite Teile der Insel, so der gesamte Westen und die Ostküste wild, kaum besiedelt und nur mit Allradfahrzeugen befahrbar (vor Ort ab € 55), erforderlich ist der aber höchstens für ein, zwei Tage.

Die »Stadtmusikanten von Mílos« sind zwar nicht vollzählig angetreten, aber dennoch fotogen


Die spektakuläre Küste der Insel sollte man unbedingt auf einer Bootsfahrt bestaunen. Die Katamarane legen meist in Pollónia ab, um 9 Stunden später in Adámas zu ankern (Transfers inklusive). Unterwegs legt der Kapitän etliche Badeund Schnorchelstopps an den schönsten Badeplätzen der Insel ein, die man nur mit dem Boot erreichen kann – allen voran die einzigartige weiße Felslandschaft von Kléftiko im smaragdgrünen Meer. Unterwegs köstliches Bordbuffet (€ 120, Juni bis Mitte Sept. € 140, www.milosadventures.gr). Alternativ gibt es Kurztouren von der Südküste, die nur nach Kléftiko führen (€ 29, zephyrosmilos@gmail.com).

UNTERKUNFT
Großhotels sucht man auf Mílos vergeblich. Apartmentanlagen, Studios und familiengeführte Pensionen dominieren. Dazu haben sich in den letzten Jahren mehr und mehr Boutiquehotels gesellt – stilvolle und komfortable Alternativen für Individualisten. Die im Text angegebenen Preise beziehen sich auf die Vor- und Nachsaison (Mai/Okt.).

ESSEN & TRINKEN
Mittags und abends stillt Grillfleisch kostengünstig (Hauptgerichte ab € 7) den Hunger. Oder aber man bestellt sich einen griechischen Salat (ab € 6,50) oder teilt sich Tapas (Portion um € 5). Fisch ist auch in der Ägäis teuer (als Hauptgericht ca. € 15). Zur Hausmannskost gehören Gerichte aus dem Tontopf, mit Gemüse ab € 8, mit Ziegenfleisch ab € 12. Zum Essen schmeckt frischer griechischer Weißwein (Glas € 2,50–5).

AUSKÜNFTE/REISEFÜHRER
www.milos.gr/en/; www.visitgreece.gr; »Kykladen«,Michael Müller Verlag 2018, € 26,90.


Foto: Salem Kamel/HUBER IMAGES, Shutterstock/Josef Skacel, nicholas bird/Alamy Stock Photo