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Griechische Antike: KORKYRA IN GRIECHISCHER ZEIT: 8. JAHRHUNDERT-228 V.U.Z.


Münzen & Sammeln - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 25.09.2019
Artikelbild für den Artikel "Griechische Antike: KORKYRA IN GRIECHISCHER ZEIT: 8. JAHRHUNDERT-228 V.U.Z." aus der Ausgabe 10/2019 von Münzen & Sammeln. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: fxzh, pixabay.com

In der Antike nannte man die 62 km lange und zwischen 3,5 und 28 km breite sichelförmig gekrümmte nördlichste ionische Insel Korkyra und bisweilen auch Kérkyra. Heute heißt sie amtlich Kérkyra. „Der seit dem 10. Jahrhundert gebräuchliche Name Korfu entstand aus dem griechischen Wort Koryphé (<Gipfel>) nach der die mittelalterliche und moderne Stadt überragenden Festung“ (Der neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Bd. 6, Sp. 752). Geografisch betrachtet, befindet sich Korkyra auf der gegenüberliegenden Seite des Absatzes des „italienischen Stiefels“, im Norden 2 km von Albanien und ...

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... im Süden 8 km von Griechenland entfernt. Der antiken griechischen Mythologie zufolge war Kórkyra bzw. Kérkyra die Tochter des Flußgotts Asopos und der Arkaderin Metope. Poseidon entführte die junge Kórkyra auf die nach ihr benannte Insel und zeugte mit ihr den Phaiax, der dann der Stammvater der Phaiaken wurde. „Diese Ansicht, daß Korkyra der Wohnsitz der Phaiaken gewesen sei, geht in alte Zeit zurück. Das glaubte man auf Korkyra schon vor der korinthischen Besiedlung der Insel“ (W. H. Roscher [Hrsg.]: Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, Bd. III.2, Sp. 2210). Die ersten griechischen Siedler Korkyras kamen wohl im 8. Jahrhundert v.u.Z. aus Eretria. Sie vertrieben die dort wohnenden Libyrner um 750 v.u.Z. Um 734 v.u.Z. gründeten dann die Korinther unter Chersikrates die korinthische Kolonie Korkyra im Osten der Insel und vertrieben die Eretrier. Später gründete Korkyra allein oder mit Korinth zusammen die Kolonien Leukas, Anakto - rion, Apollonia und Epidamnos bzw. Dryrrhachion in Nordwest-Griechenland. Im 7. und 6. Jh. v.u.Z. beherrschte Korkyra das Ionische Meer und den Adria-Handel dank der stärksten griechischen Flotte. Mit dieser besiegte es 664 v.u.Z. sogar seine Mutterstadt Korinth in der übrigens ersten Seeschlacht der griechischen Geschichte. An den Perser-Kriegen der Griechen (490–479 v.u.Z.) beteiligte sich Korkyra allerdings nur indirekt, indem es 60 Kriegsschiffe zur gemeinsamen griechischen Flotte beisteuerte, die 480 v.u.Z. vor Salamis zum Einsatz kam. Obwohl es vor Beginn des Peloponnesischen Krieges ein Bündnis mit Athen geschlossen hatte, kam es während des Krieges (431–404 v.u.Z.) zu blutigen Konflikten zwischen den pro-korinthischen Oligarchen und den pro-athenischen Demokraten um den außenpolitischen Kurs Korkyras. Am Ende siegten die Oligarchen. Im Jahr 375 v.u.Z. trat Korkyra dem 2. Attischen Seebund bei, doch folgten dem Beitritt bald so heftige innere Kämpfe, daß das Bündnis mit Athen zeitweilig aufgegeben wurde. Der Versuch der Spartaner, Korkyra durch Belagerung zu erobern (373/72 v.u.Z.) schlug fehl. Zwar konnte eine Allianz mit Athen während der 340er Jahre die makedonische Expansion unter Philipp II. nicht stoppen, doch eroberte weder Philipp II. noch sein Sohn Alexander der Große jemals Korkyra. Seine Unabhängigkeit verlor Korkyra erst in der Diadochenzeit, genauer gesagt ab 303 v.u.Z. Von da an bis in die frühen 290er Jahre gelangte es nacheinander in den Herrschaftsbereich des makedonischen Königs Kassander, des spartanischen Generals Kleonymos, des syrakusanischen Königs Agathokles, des epeirotischen Königs Pyrrhos und des makedonischen Königs Demetrios Poliorketes. Als die Tochter des Agathokles, Lanassa, 295 v.u.Z. Pyrrhos von Epeiros heiratete, brachte sie Korkyra als Mitgift in die Ehe. Nachdem Scheitern der Ehe, zog Lanassa nach Korkyra und bot sich König Demetrios Poliorketes als Ehefrau an, der zustimmte und die Insel dann 291 v.u.Z. einnahm. Doch fiel Korkyra noch vor 288 v.u.Z. erneut an Pyrrhos von Epeiros und verblieb vermutlich unter epeirotischem Einfluß bis um 238 v.u.Z. Fast ein Jahrzehnt später gelangte es in den Herrschaftsbereich der illyrischen Könige und wurde von Demetrios von Pharos regiert. Im Jahr 228 v.u.Z. ergab sich die illyrische Garnison des Demetrios von Pharos jedoch den Römern und Korkyra fiel an Rom und wurde in der Folge ein bedeutender Stützpunkt der römischen Flotte.

Abb. 2: Kuh säugt Kälbchen [Quelle: Michael Kurt Sonntag]


Akropolis, zwei Häfen – einen Handelsund einen Kriegshafen –, einen Marktplatz (Agora), ein Rathaus (Bouleuterion) und eine Stadthalle (Prytaneion). Darüber hinaus beherbergte sie Tempel für Hera Akraia, Apollon Korkyraios, Artemis, Dionysos, die Dioskuren, Zeus und Dione sowie ein Heiligtum für den sagenhaften obersten König der Phaiaken Alkinoos.
Da die klimatischen Bedingungen auf Korkyra sehr günstig waren, die Insel hat auch heute noch ein ausgeglichenes mediterranes Klima, die größten Regenmengen in Griechenland und ganzjährige Flüsse, gedieh auch der Oliven- und Weinanbau prächtig. Vor allem die edlen Weine aus Korkyra erfreuten sich großer Beliebheit, weit über die Inselgrenzen hinaus, und waren eines der bedeutendsten Handelsgüter. Insgesamt betrachtet, war Korkyra, dies belegen auch die Funde neuerer Ausgrabungen, eine reiche und wirtschaftlich bedeutende Insel.

Die Münzen Korkyras

In Korkyra begann die Münzprägung, genauer gesagt die Silbermünzprägung, ab dem letzten Viertel des 6. Jahrhunderts v.u.Z. Der Münzfuß, auf dessen Grundlage geprägt wurde, war der korkyräische (ca. 11,6 g/Stater bzw. Didrachmon). Zu den Nominalen, die ab 525 v.u.Z. verausgabt wurden, gehörten: Stater, Drachme, Hemidrachme (½ Drachme), Trihemiobol (1,5 Obole), Obol und Hemiobol (½ Obol). Die Bildmotive des Didrachmons blieben vom Anfang bis zum Ende der Emission, d. h. von 525–350 v.u.Z., von ein paar minimalen Veränderungen abgesehen, immer gleich. So zeigen sie auf ihren Vorderseiten stets eine Kuh, die ihr Kälbchen säugt und sich dabei zum Kälbchen hin umblickt und auf ihren Rückseiten stets zwei sternartige Muster (siehe Abb. 1.1, 1.2 und 1.3).

Abb. 7: Bronzenominal mit Amphore und Weintraube (um 400–338 v.u.Z.), Bronze, 2,15 g, O (Hohe, Vs.) 15 mm, Munzstatte Korkyra


[Quelle: Numismatik Naumann, Auktion 26 (14. Dezember 2014), Los 123]

Abb. 8: Bronzenominal (um 400–338 v.u.Z.), Bronze, 5,04 g, O (Hohe, Vs.) 19 mm, Munzstatte Korkyra


[Quelle: Classical Numismatic Group, Auktion Triton V (15. Januar 2002), Los 343]

Auf den fruhesten Ausgaben finden sich die sternartigen Muster innerhalb eines vertieften Quadrats und sind zudem durch einen Balken voneinander getrennt. Auch sind diese ersten Munzen noch vollig an - epigrafisch (siehe Abb. 1.1). Spater verschwindet der trennende Balken und das vertiefte Quadrat und um die sternartigen Muster liest man die Kurzel „K“ oder „KOP“ fur ΚΟΡΚΥΡΑΙΩΝ ([Munze] der Korkyraer, siehe Abb. 1.2 und 1.3). Gut moglich, das das Bildmotiv der saugenden Kuh jedoch nicht einfach nur der Natur abgeguckt war (siehe Abb. 2), sondern eine tatsachlich existierende Viehzucht oder Milchwirtschaft auf Korkyra symbolisieren sollte, zumal ein frontaler Kuhkopf auch auf den fruhen Drachmen, Hemidrachmen, Trihemiobolen und Hemiobolen zu finden ist und die Drachmen daruber hinaus auch noch eine Kuhprotome als weiteres Bildmotiv tragen – eine nach links oder rechts eilende oder eine nach rechts stehende Protome (siehe Abb. 3).
Ferner sind die bis 500 v.u.Z. emittierten Drachmen anepigrafisch und ruckseitig mit einem sternartigen Muster in einem vertieften Quadrat ausgestattet, wohingegen die Drachmen, die ab 338 v.u.Z. gepragt wurden, die Umschrift ΚΟΡΚΥ- ΡΑΙΩΝ nennen und auf ihren Ruckseiten ein doppeltes sternartiges Muster aufweisen, das nicht mehr in ein Quadratum incusum eingebettet ist (siehe Abb. 3). Beschrankten sich die vorderseitigen Darstellungen der Statere und Drachmen aber immer auf das Bildmotiv Kuh und Kalb bzw. Kuh, so ist das Repertoire der Vorderseiten bei den kleineren Nominalen als der Drachme deutlich vielfaltiger. So erscheinen beispielsweise auf den Hemidrachmen auch noch das Bildmotiv einer Amphore oder der Portratkopf der Korkyra oder der Dione (siehe Abb. 4).
Und auf den Vorderseiten der Diobole, die ab 450 v.u.Z. ebenfalls gepragt wurden, sieht man gar die Kopfe der Korkyra, der Dione, den der Gorgo oder eine Amphore. Ruckseitig tragen die Diobole allesamt kein sternartiges Muster mehr, sondern einen Kantharos. Einen Widderkopf auf der Vorderseite und eine Traube auf der Ruckseite sehen wir dagegen auf den Trihemiobolen ab 450 v.u.Z. Doch so wie Kuh und Kalb vermutlich auf Vieh- oder Milchwirtschaft verweisen, so spielen der Widderkopf vielleicht auf die Schafzucht und Amphore, Kantharos und Traube vermutlich auf den profitablen Weinbau und auf den Weingott Dionysos an. Die Obole wiederum zeigen auf ihren Vorderseiten eine Kamm-Muschel oder den Kopf der Korkyra oder der Dione (siehe Abb. 5).
Zwischen 338 und 250 v.u.Z. verausgabte Korkyra allerdings auch Statere im korinthischen Munzfus (ca. 8,6 g/Tridrachmon, siehe Abb. 6).
Diese unterscheiden sich von den „originalen“ Stateren aus Korinth in erster Reihe dadurch, das sich unter dem Bauch des Pegasos kein Koppa-Buchstabe (ϙ) befindet, sondern ein K, wenn uberhaupt. Ferner erscheint um den Kopf der Athena das Kurzel ΚΟ, ΚΟΡ oder die Umschrift ΚΟΡΚΥ- ΡΑΙΩΝ oder auch gar nichts. Daruber hinaus fliegt der Pegasos auf den Munzen aus Korkyra stets nach rechts, wahrend er auf den Stateren aus Korinth nach links oder nach rechts fliegt oder steht.
Zwischen 400 und 229 v.u.Z. pragte Korkyra allerdings auch Bronzemunzen in erheblichem Umfang. Die Bronzemunzen, die in drei Grosen und drei Gewichtsklassen gepragt wurden, trugen auf ihren Vorderseiten die Bildmotive Kuhprotome, Kuh, Kopf des Dionysos, verschleierter Kopf der Dione, Kopf der Aphrodite, Amphore, Bukranium, Schiffsbug, Ruder, Kopf des Herakles im Lowenskalp und auf ihren Ruckseiten die Bilder sternartiges Muster, Weintraube, Kantharos, Efeukranz, Schiffsbug, Dreizack, Kuh- oder Stierkopf (siehe Abb. 7).
Eine hochst interessante Bronzemunze, die aufgrund ihrer Bildmotive etwas aus dem Rahmen fallt und allein Dionysos und seinem Umfeld gewidmet ist, zeigt auf ihrer Vorderseite Gott Dionysos mit erhobenem Tyrsos in der Rechten auf einem Panther reitend und bildet auf der Ruckseite einen Satyr ab, der Wein aus einer Amphore in einen Mischkrater giest. Zudem nennt sie das Kurzel ΚΟΡ (siehe Abb. 8).
Goldmunzen wurden in Korkyra keine gepragt – zumindest in griechischer Zeit nicht.

Das Achilleion

Nun ist das etwa 7 km sudlich von Korfu-Stadt gelegene Achilleion sicherlich kein griechischer Palast, der sich vollig unversehrt von der Antike bis in die Gegenwart erhalten hat, doch sollte man es dennoch nicht unerwahnt lassen, zumal es inzwischen von vielen Griechen wie Nichtgriechen als Wahrzeichen Korfus empfunden wird und sich daruber hinaus wunderbar in die griechisch-mediterrane Landschaft fugt (siehe Abb. 9).

Abb. 9: Blick auf das Achilleion


[Quelle: Marc Ryckaert, Wikimedia Commons]

Abb. 10: Die neun Musen der griechischen Mythologie auf der Terrasse des Achilleions


[Quelle: Thomas Schoch, Wikimedia Commons]

Erbaut wurde das Achilleion zwischen 1890 und 1892 auf Veranlassung der osterreichischen Kaiserin Elisabeth (1837–1898) auf dem Grundstuck von Petros Brailas-Armenis, eines Freundes der Kaiserin, nach dessen Tod. Hier auf Korfu, fernab von der Geschaftigkeit des Wiener Hofes, suchte Elisabeth die Stille und Abgeschiedenheit, um uber den fruhen Tod ihres Sohnes Rudolph, des Kronprinzen von Osterreich – dieser hatte 1889 im Alter von 31 Jahren Selbstmord begangen –, zu trauern. Seinen Namen erhielt das Achilleion nach dem homerischen Helden Achilleus, den Elisabeth sehr verehrte. Da sich die Kaiserin einen Palast in griechischem Stil gewunscht und Theophil Hansen das Wiener Parlamentsgebaude im klassizistischen Stil errichtet hatte, bat sie ihn, ihr Achilleion zu entwerfen, entschied sich aber nach ersten Entwurfen Hansens, aus unbekannten Grunden, fur die Plane der Architekten Raffaele Carito und Antonio Landi aus Neapel. Der neoklassizistische Baustil Caritos und Landis sowie die Innenarchitektur des Achilleions liesen die griechische Antike und die griechische Mythologie wiederaufleben. So erscheinen beispielsweise auf der Terasse vor den polychromen (vielfarbigen) Ionischen Saulen die neun Musen der griechischen Mythologie (siehe Abb. 10).
Und im Obergeschos des Treppenhauses ist ein monumentales Fresko des osterreichischen Malers Franz Matsch (1861 bis 1942) von 1892 zu sehen, das den Triumph des griechischen Heros Achilleus uber den trojanischen Konigssohn Hektor thematisiert. Darauf wird veranschaulicht, wie der im Streitwagen stehende Achilleus den Leichnahm des von ihm besiegten und getoteten Hektor um die Mauern von Troja schleift (siehe Abb. 11).
Doch so herrlich das Achilleion, sein Park und die umliegende Landschaft auf die Kaiserin auch gewirkt haben mussen (siehe Abb. 12), so wenig vermochten sie den Kaiser in ihren Bann zu ziehen. Franz Joseph I. hat dem Achilleion zeitlebens keinen einzigen Besuch abgestattet. Im Gegensatz dazu war der preusische Konig und deutsche Kaiser Wilhelm II. von der Palastanlage, die er 1905 zum ersten Mal gesehen hatte, so begeistert und angetan, das er sie 1907 sogar kauflich erwarb. Das bis dahin vor allem privat genutzte Achilleion wurde von Wilhelm II. in ein diplomatisches Zentrum umgewandelt. An Stelle des „sterbenden Achilleus“ von Ernst Herter, den Kaiserin Elisabeth im Garten hatte aufstellen lassen, lies Wilhelm den heroisch-siegreichen Achilleus des Potsdamer Bildhauers Johannes Gotz aufstellen und den sterbenden Achilleus im Garten weiter nach hinten versetzen (siehe Abb. 13.1 und 13.2).

Abb. 11: „Der Triumph des Achilleus“. Fresko von Franz Matsch von 1892


[Quelle: DNZWM in Hebraisch, Wikimedia Commons]

Abb. 12: Blick von der Terrasse des Achilleions in Richtung Korfu-Stadt


[Quelle: Thomas Schoch, Wikimedia Commons]

Abb. 13.1: „Der sterbende Achilleus“. Skulptur von Ernst Herter (1846–1917) von 1884


[Quelle: Tasoskessaris, Wikimedia Commons]

Ferner lies er die Skulptur Heinrich Heines aus dem Rundtempel des unteren Parks entfernen und durch ein Standbid der Kaiserin Elisabeth ersetzten. In den Jahren 1908, 1909, 1911, 1912 und 1914 hielt sich die Familie des deutschen Kaisers jeweils zur Osterzeit fur einen Monat auf Korfu auf. Im Mai 1914 verlies Wilhelm II. das Achilleion und seine geliebte Insel allerdings fur immer. Wahrend des Ersten Weltkriegs wurde das Achilleion namlich von den Machten der Entente eingenommen und seine Raumlichkeiten von den Armeen der Serben und Franzosen als Lazarett genutzt. Infolge des Versailler Friedensvertrags von 1919 ging das Achilleion und die dazugehorige Parkanlage dann vollstandig in griechischen Besitz uber.

Literatur: Peter Robert Franke, Max Hirmer: Die Griechische Munze. Munchen 1964; Eva und Wolfgang Szaivert nach David R. Sear: Griechischer Munzkatalog. Bd. 1: Europa. Munchen 1980. Bd. 2: Asien und Afrika. Munchen 1983; Oliver D. Hoover: Handbook of Greek Coinage Series. Bd. 6. Coins of the Islands: Adriatic, Ionian, Thracian, Aegean, and Carpathian Seas (Excluding Crete and Cyprus). Sixth to First Centuries BC. Lancaster, London 2010; Jorg Michael Henneberg: Das Sanssouci Kaiser Wilhelms II. Der letzte deutsche Kaiser, das Achilleion und Korfu. Isensee, Oldenburg 2004; Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Hrsg.): Der neue Pauly, Enzyklopadie der Antike, 16 Bde., Stuttgart, Weimar 1996-2003; Maria Moog-Grunwald (Hrsg.): Der neue Pauly, Supplemente, Bd. 5. Mythenrezeption, Stuttgart, Weimar 2008; Wilhelm H. Roscher (Hrsg.): Ausfuhrliches Lexikon der griechischen und romischen Mythologie, 10 Bde., 3. Nachdruckauflage. Hildesheim, Zurich, New York 1992/93.

Den in den Bildunterschriften erwahnten Quellen sei an dieser Stelle ausdrucklich und herzlich gedankt.

Abb. 13.2: „Der siegreiche Achilleus“. Skulptur von Johannes Gotz (1865–1934) von 1909


[Quelle: Alinea, Wikimedia Commons]