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Griechische Antike: PYRRHOS VON EPEIROS


Münzen & Sammeln - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 18.12.2019

König der Molosser und Hegemon der Epiroten (306–302 und 297–272 v.u.Z.), König der Makedonen (288–284 v.u.Z.), König von Syrakus (278–275 v.u.Z.)


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Abb. 1: Marmorbüste des Pyrrhos aus der Villa dei Papiri in Herculaneum. Standort: Archäologisches Nationalmuseum, Neapel


(Foto: Marie-Lan Nguyen, Wikimedia Commons, CC BY 2.5)

Pyrrhos, sein Name bedeutet der „Rote“, vermutlich seiner Haarfarbe wegen, entstammte der Dynastie der Aiakiden.
Sein Vater, Aiakides, war König der Molosser und Hegemon der Epiroten. Seine Mutter Phthia war Thessalerin aus vornehmem Adel. Da Aiakides sich in die makedonischen ...

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Pyrrhos, sein Name bedeutet der „Rote“, vermutlich seiner Haarfarbe wegen, entstammte der Dynastie der Aiakiden.
Sein Vater, Aiakides, war König der Molosser und Hegemon der Epiroten. Seine Mutter Phthia war Thessalerin aus vornehmem Adel. Da Aiakides sich in die makedonischen Auseinandersetzungen zwischen dem Diadochen Kassandros, dem Sohn des Reichsverwesers Antipatros, einerseits und Olympias, der Mutter Alexanders des Großen, andererseits eingemischt hatte, indem er Olympias und ihren Enkel Alexandros IV. nach Makedonien zurückgeführt hatte (317 v.u.Z.), geriet der um 319/18 v.u.Z. geborene Pyrrhos bereits als Zweijähriger in Lebensgefahr. Um ihn vor Kassandros, der sich auch in Epiros durchsetzen konnte, zu retten, brachten ihn Getreue seines Vaters nach Illyrien zu König Glaukias. Dieser adoptierte den Jungen, zog ihn wie seinen eigenen Sohn auf und führte ihn 306 v.u.Z. nach Epeiros zurück. In Epeiros konnte sich Pyrrhos allerdings nur knapp vier Jahre lang behaupten und floh 302 v.u.Z., nachdem ihn Kassandros aus der Macht gedrängt hatte, zu Demetrios I. Poliorketes, dem Sohn des mächtigen Diadochen Antigonos I. Monophthalmos. Demetrios hatte ein Jahr zuvor Deidameia, die Schwester des Pyrrhos, geheiratet. 301 v.u.Z. kämpfte Pyrrhos dann in der Schlacht bei Ipsos in Phrygien an der Seite des Demetrios, doch ging die Schlacht verloren. Im Friedensschluß danach verständigten sich die Diadochen darauf, daß Pyrrhos als Geisel nach Ägypten zu Ptolemaios I. gehen sollte. Ptolemaios wiederum verheiratete Pyrrhos mit seiner Stieftochter Antigone und etablierte ihn 297 v.u.Z. als Mitregenten des Neoptolemos von Epeiros. Ein paar Jahre später ließ Pyrrhos den Neoptolemos jedoch ermorden und schwang sich zum Alleinherrscher von Epeiros auf. Danach blieb er bis zu seinem Tod (272 v.u.Z.) König der Molosser und Hegemon der Epiroten. Nach dem Ableben seiner Frau Antigone, heiratete Pyrrhos Lanassa (295 v.u.Z.), die Tochter des syrakusanischen Königs Aga - thokles, die die Insel Korkyra und Leukas in die Ehe brachte. Durch zwei weitere Ehen mit einer illyrischen Fürsten- und einer paionischen Königstochter erweiterte er sein Territorium und sicherte seine Herrschaft diplomatisch ab. Als er im makedonischen Thronfolgestreit 295/94 v.u.Z. jedoch Alexandros, den Sohn des Kassandros, unterstützte, erhielt er dadurch zwar u. a. Ambrakia, das er zu seiner Hauptstadt ausbaute, geriet aber in Konflikt mit Demetrios Poliorketes und den Diadochen Lysimachos, die beide ebenfalls nach dem makedonischen Thron gierten. 294 v.u.Z. ließ Demetrios den Alexandros beseitigen und schwang sich selbst zum makedonischen König auf. Der Konflikt zwischen ihm und Pyrrhos eskalierte allerdings erst, nachdem Pyrrhos ihn 292/91 v.u.Z. in Boiotien angriff. Zwar konnte ihn Demetrios bald darauf wieder bis nach Epeiros zurückdrängen, doch als Demetrios 289 v.u.Z. in Epeiros einfiel, schlug ihn Pyrrhos erfolgreich nach Makedonien zurück. Danach verbündete er sich mit Lysimachos, um Demetrios in ei- nem Zweifrontenkrieg zu besiegen. Als es 288 v.u.Z. in Makedonien zur Schlachteröffnung kam, liefen die Soldaten des Demetrios zu Pyrrhos über und riefen ihn zum makedonischen König aus. Anschließend teilten sich Pyrrhos und Lysimachos die Herrschaft über Makedonien. Nachdem sich Pyrrhos jedoch mit Antigonos II. Gonatas, dem Sohn des Demetrios, verbündet hatte, um Lysimachos aus der Macht zu drängen, besiegte Lysimachos beide 284 v.u.Z. auf dem Schlachtfeld, warf Pyrrhos auf Epeiros zurück und trat die Alleinherrschaft in Makedonien an. Doch diese währte nicht lange, denn bereits 281 v.u.Z. fiel Lysimachos in der Schlacht bei Kurupedion, wurde der Sieger der Schlacht, Seleukos I. Nikator, von Ptolemaios Keraunos ermordet und ließ sich letzterer von seinen Soldaten zum König von Makedonien ausrufen.

Die Schlacht bei Asculum fand in der Nähe der heutigen Stadt Ascoli Satriano (Apulien) statt.


Foto: Giuseppevalvano, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; Karte: www.openstreetmap.org

Als die in Unteritalien gelegene griechische Stadt Taras Pyrrhos 280 v.u.Z. gegen Rom zu Hilfe rief, kam dieser der Aufforderung bereitwillig nach, stellte mit Hilfe von Ptolemaios Keraunos, Antigonos Gonatas, Antiochos I. und Ptolemaios II. ein mächtiges Heer auf – 20 000 Infanteristen, 3000 thessalische Reiter, 2000 Bogenschützen, 500 Schleuderer und 20 Kriegselefanten – und „inszenierte das Unternemen aufwendig als panhellenischen Krieg eines <neuen Achill> gegen die Nachfahren der Troianer.“ (Der neue Pauly, Enzyklopädie der Antike, Bd. 10, Sp. 647) Mit diesem Heer setzte Pyrrhos im Frühjahr 280 v.u.Z. nach Italien über und besiegte die Römer unter P. Valerius Laevinus bald darauf beim lukanischen Herakleia. Danach marschierte er mit Griechen, Samniten, Lukanern, Bruttiern und Tarentinern bis vor Rom. Da die Römer aber Friedensverhandlungen ausschlugen, kam es 279 v.u.Z. erneut zum Krieg. Und auch diesmal besiegte Pyrrhos die Römer unter P. Decius Mus in der Schlacht bei Asculum in Apulien, doch waren seine Verluste, vor allem an kampferprobten Offizieren, so hoch, daß er laut Plutarch gesagt haben soll: „< Noch ein solcher Sieg und wir sind verloren!>“ (H. Bengtson: Herrschergestalten des Hellenismus, S. 99) Weil es allerdings auch nach diesem sprichtwörtlich gewordenen „Pyrrhussieg“ zu keinen Friedensverhandlungen kam, sondern sich die Römer im Gegenzug mit den Karthagern verbündeten und die Syrakusaner Pyrrhos zeitgleich zu Hilfe gegen die Karthager auf Sizilien riefen, verließ Pyrrhos Italien und setzte 278 v.u.Z. nach Sizilien (Syrakus) über. In Syrakus rief man ihn zum König aus und ernannte ihn zum Hegemon (Anführer) der Sikelioten. 277 v.u.Z. eroberte er dann auch mit Eryx die stärkste Festung des karthagischen Westsiziliens, scheiterte aber 276 v.u.Z. bei der Einnahme der stark befestigten Hafenstadt Lilybaion. Da der Vorschlag des Pyrrhos, eine Flotte zu bauen und damit Lilybaion von Seeseite anzugreifen, von den Sikelioten nicht angenommen wurde und sie stattdessen auf Distanz zu ihm gingen, beendete er seinen Sizilien-Feldzug und kehrte 275 v.u.Z. nach Unteritalien zurück, zumal Taras, das inzwischen die einzige Stadt in Großgriechenland war, die noch nicht unter römischer Herrschaft stand, ihn erneut um Hilfe ersucht hatte. Doch diesmal erlitt er in der Schlacht bei Beneventum eine schwere Niederlage gegen die Römer unter M. Curius Dentatus. Schließlich zwangen ihn seine leeren Kassen und die mangelnde Bereitschaft seiner ehemaligen hellenistischen „Sponsoren-Könige“, ihn finanziell zu unterstützen, dazu, aufzugeben und nach Epeiros zurückzukehren (275/74 v.u.Z.). Bald darauf drang er in Makedonien ein, schlug Antigonos II. Gonatas in zwei Schlachten und vertrieb ihn aus Makedonien. 273/72 v.u.Z. wandte er sich in Begleitung seiner Söhne Ptolemaios und Helenos mit großem Aufgebot gegen Sparta, um dort Kleonymos auf den Thron zu helfen. Doch das Unternehmen scheiterte und Ptolemaios wurde im Kampf getötet (272 v.u.Z.). In Argos, wo die Soldaten des Pyrrhos und des Antigonos II. Gonatas noch im selben Jahr aufeinandertrafen, kam es dann zu schweren Straßenkämpfen, während derer Pyrrhos „unrühmlich“ fiel. „In dem völlig unübersichtlichen Getümmel wurde Pyrrhos durch einen Lanzenstoß verwundet, danach von einem Dachziegel am Halswirbel getroffen, der angeblich von einer alten Frau auf ihn herabgeworfen worden war. Zopyros ein Soldat des Antigonos, schlug dem Pyrrhos das Haupt ab.“ (H. Bengtson: Herrschergestalten des Hellenismus, S. 106). Sein Sohn Helenos bestatte ihn schließlich im Pyrrheion, seinem befestigten Palast, in Ambrakia.
Folgt man den antiken Quellen, dann war Pyrrhos ein überaus charismatischer König und begnadeter Feldherr. Der karthagische Heerführer, Hannibal, bezeichnete ihn gar als „<den größten Feldherrn nach Alexander.>“ (H. Bengtson: Herrschergestalten des Hellenismus, S. 92) Daß ihm sein Plan, sich nach dem Vorbild der Diadochen ein Reich aufzubauen, mißlang, hatte zum einen sicher damit zu tun, daß seine materiellen und finanziellen Ressourcen letztlich deutlich geringer waren, als die seiner römischen Gegner und er auch in Sizilien nicht die materielle und finanzielle Unterstützung erhielt, die er beispielsweise für eine seegestützte Belagerung Lilybaions gebraucht hätte. Andererseits fehlte es ihm nicht selten an politischem Weitblick und diplomatischem Geschick, um das militärisch Errungene auch politisch zu konsolidieren. „Der umtriebige Abenteurer [gemeint ist Pyrrhos] ließ sich jedoch zu Unternehmungen hinreißen, die nach den militärischen Erfolgen nur mit größtem diplomatischem Geschick eine politische Konsolidierung erlaubt hätten.“ (Der neue Pauly, Enzyklopädie der Antike, Bd. 10, Sp. 648) Auch war er, wenn man W. W. Tarn und H. Bengtson Glauben schenken will, kein Staatsmann, sondern ein „ausschließlich an kriegerischen Dingen“ Interessierter. „Pyrrhos fehlten die Qualitäten eines Staatsmannes, seine Politik war alles andere als zweckmäßig, sein Handeln war ohne Weitblick und ohne Einsicht in das Notwendige und Nützliche, vielmehr handelte er immer aus der jeweiligen Situation heraus. Nur bei einseitiger, rein militärisch ausgerichteter Betrachtungsweise könnte man in ihm einen bedeutenden Herrscher sehen.“ (H. Bengtson: Die Diadochen, S. 169). Mit anderen Worten, Pyrrhos war sicherlich ein sehr guter General aber ein lausiger Politiker und Diplomat.

Abb. 2: Ambrakia (Epeiros), Bronzenominal B (um 297–272 v.u.Z.), Bronze, 7,37 g, Ø [Höhe, Vs.] 25 mm, Münzstätte Ambrakia


[Quelle: Numismatik Naumann, Auktion 39 (3. Januar 2016), Los 122]

Abb. 4.1: Syrakus (Sizilien), Stater (um 278– 275 v.u.Z.), Gold, 8,55 g, Ø (Höhe, Vs.) 18 mm, Münzstätte Syrakus


[Quelle: Baldwin’s Auction Ltd, Dimitry Markov Coins & Medals, M&M Numismatics Ltd, The New York Sale XXVII, The Prospero Collection (4. Januar 2012), Los 342]

Abb. 3.1: Lokroi Epizephyrioi (Bruttium), Tetradrachmon (um 278–275 v.u.Z.) Silber, 15,98 g, Ø [Höhe Vs.] 27 mm, Münzstätte Lokroi Epizephyrioi


[Quelle: Künker, Auktion 216 (8. Oktober 2012), Los 314]

Abb. 4.2: Syrakus (Sizilien), Hemi-Stater (um 278–275 v.u.Z.), Gold, 4,27 g, Ø 15 mm, Münzstätte Syrakus


[Quelle: Roma Numismatics Ltd, Auction 5 (23. März 2013), Los 162]

Abb. 3.2: Lokroi Epizephyrioi (Bruttium), Didrachmon (um 278–275 v.u.Z.), Silber, 8,19 g, Ø (Höhe, Vs.) 22 mm, Münzstätte Lokroi Epizephyrioi


[Quelle: Baldwin’s Auction Ltd, Dimitry Markov Coins & Medals, M&M Numismatics Ltd, The New York Sale XXVII, The Prospero Collection (4. Januar 2012), Los 341]

Abb. 4.3: Syrakus (Sizilien), Oktobol (um 278–275 v.u.Z.), Silber, 5,58 g, Ø 19 mm, Münzstätte Syrakus


[Quelle: Gorny & Mosch, Auktion 261 (4. März 2019), Los 110]

Die Münzen des Pyrrhos

Da Pyrrhos in seinem Königreich Epeiros auf die makedonischen Gold- und Silbermünzen vom Alexander-Typus zurückgreifen konnte, emittierte er keine Goldund Silbermünzen im eigenen Namen, sondern prägte bloß ein paar Bronzenominale in seiner Hauptstadt Ambrakia, die die Titulatur ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΠΥΡΡΟΥ ([Münze] des Königs Pyrrhos) trugen. Diese zeigen auf ihren Vorderseiten den belorbeerten Kopf des Zeus nach rechts oder links gewandt oder in Dreiviertelansicht und auf ihren Rückseiten das Blitzbündel des Göttervaters im Eichenkranz (siehe Abb. 2).
Und auch in Makedonien, wo Pyrrhos zwischen 288 und 284 v. Chr. herrschte, prägte er nur Bronzemünzen, die auf ihren Vorderseiten einen makedonischen Schild aufweisen, der in der Mitte mit einem Monogramm aus den Buchstaben ΠΥΡ geschmückt ist und auf ihren Rückseiten einen makedonischen Helm im Eichenkranz zeigen und die Aufschrift ΒΑ–ΣΙ als Kurzform für ΒΑΣΙΛΕΩΣ nennen.
Silberne Tetradrachmen und Didrachmen im eigenen Namen verausgabte Pyrrhos erst während seines Italienfeldzugs. Hauptmünzstätte für die Ausprägung von Silbermünzen war laut Oliver Hoover die süditalische Stadt Lokroi Epizephyrioi in Bruttium. Von hier stammen die schönen und eindrucksvollen Tetradrachmen attischen Standards, die vorderseitig den Kopf des Zeus Dodonaios im Eichenkranz und rückseitig seine thronende Gattin, Dione, zeigen (siehe Abb. 3.1).
Mit diesen Tetradrachmen nahm man Bezug auf das in Epeiros gelegene Zeus-Heiligtum in Dodona, das Pyrrhos 290 v.u.Z. begonnen hatte umzubauen und auszuweiten. Die Didrachmen aus derselben süd - italischen Münzstätte schmückt auf der Vorderseite der behelmte Kopf des großen Helden Achilleus und auf der Rückseite das Abbild der ein Seepferd reitenden Thetis, der Mutter des Achilleus (siehe Abb. 3.2). Diese hält übrigens einen Schild in ihrer Rechten – den Schild, den sie der Illias zufolge ihrem Sohn vom Götterschmied Hephaistos überbrachte. Mit diesen Bildmotiven sollte die Abstammung der Aiakiden-Dynastie vom wohl berühmtesten griechischen Heros, Achilleus, unterstrichen werden.
Während seines Feldzugs gegen die Karthager in Sizilien ließ Pyrrhos in Syrakus sowohl Gold- und Silbermünzen als auch Bronzestücke prägen. Zu den Goldmünzen, die er im attischen Standard ausbringen ließ, zählen Statere und Hemistatere (½ Statere), die vermutlich aus dem von den Karthagern erbeuteten Gold geprägt wurden. Diese besitzen motivgleiche Rückseiten, auf denen die Siegesgöttin Nike mit einem Tropaion (Siegesmal) in der Linken und einem Eichenkranz in der Rechten zu sehen ist. Das lange hoch gegürtete Gewand, welches sie trägt, ist so dünn und durchscheinend, daß es mehr offenbart, als es verhüllt. Die Münzlegende lautet auf ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΠΥΡΡΟΥ ([Münze] des Königs Pyrrhos). Anders als der ganze Stater, der vorderseitig vom Kopf der Athena mit korinthischem Helm geschmückt wird, findet sich auf der Vorderseite des Hemistaters der Kopf der Artemis mit Köcher über der Schulter (siehe Abb. 4.1 und 4.2).

Abb. 4.4: Syrakus (Sizilien), Bronzenominal A (um 278–275 v.u.Z.), Bronze, 11,42 g, Ø [Höhe, Vs.] 24 mm, Münzstätte Syrakus


[Quelle: Roma Numismatics Ltd, E-Sale 61 (22. August 2019), Los 139]

Abb. 4.7: Syrakus (Sizilien), Bronzenominal im Namen der Syrakusaner (um 278–276 v.u.Z.), Bronze, 10,11 g, Ø [Höhe, Vs.] 23,39 mm, Münzstätte Syrakus


[Quelle: H. D. Rauch, Wien (2012)]

Abb. 4.5: Syrakus (Sizilien), Bronzenominal B (um 278–275 v.u.Z.), Bronze, 7,26 g, Ø [Höhe, Vs.] 21 mm, Münzstätte Syrakus


[Quelle: Numismatik Lanz, Auktion 151 (30. Juni 2011), Los 4]

Abb. 5.1: Taras (Kalabrien), Stater (um 280 v.u.Z.) Gold, 8,56 g, Ø [Höhe Vs.] 17 mm, Münzstätte Taras


[Quelle: Numismatik Lanz, Auktion 160 (15. Juni 2015), Los 21]

Abb. 4.6: Syrakus (Sizilien), Bronzenominal C (um 278–275 v.u.Z.), Bronze, 6,37 g, Ø [Höhe, Vs.] 18 mm, Münzstätte Syrakus


[Quelle: Künker, e-Live Auktion 53 (20. Februar 2019), Los 8024]

Abb. 5.2: Taras (Kalabrien), Halb-Stater um 280 v.u.Z.) Gold, 4,27 g, Ø 15 mm, Münzstätte Taras


[Quelle: Künker, Auktion 270 (2. Oktober 2015), Los 8064]

Während der behelmte Kopf der Athena den Goldstateren Alexanders des Großen nachempfunden wurde, hat der Artemis-Kopf sein Vorbild in den Bronzemünzen des Agathokles. Letzterer war von 295 bis 291 v.u.Z. der Schwiegervater des Pyrrhos. Die Silbermünzen, die Pyrrhos ebenfalls im eigenen Namen in Syrakus prägen ließ, umfaßten die Nominale Oktobol und Drachme und waren bis auf minimale Unterschiede motivgleich. So tragen beide auf ihren Vorderseiten den Kopf der Kore Persephone im Ährenkranz und auf ihren Rückseiten die nach links schreitende Athena Promachos mit Helm, Schild und Blitz gewappnet (siehe Abb. 4.3).
Zu den Bronzemünzen, die Pyrrhos in Syrakus prägen ließ, gehören die Nominale A, B und C, die sich sowohl durch ihre Maße und Gewichte als auch durch ihre Bildmotive voneinander unterscheiden. Auf der Vorderseite des größten Nominals (A) sehen wir den Kopf der vergöttlichten Phthia, der Mutter des Pyrrhos, mit den ikonografischen Attributen der Dione, Eichenkranz im Haar und Schleier über dem Hinterhaupt, und lesen die Umschrift ΦΘΙΑΣ. Die Rückseite zeigt das Blitzbündel des Zeus, ein in Epeiros und in Syrakus gleichermaßen traditionelles Motiv (siehe Abb. 4.4).
Die Bronzemünzen des mittleren Nominals (B) tragen auf ihren Vorderseiten das Haupt der Kore Persephone im Ährenkranz und auf ihren Rückseiten die thronende Demeter mit Zepter und Getreideähre (siehe Abb. 4.5).
Die Demeter, die vermutlich der Dione aus Abb. 3.1 nachempfunden sein dürfte, gibt es sowohl nach rechts als auch nach links thronend.
Was das kleinste Bronzenominal (C) angeht, so zeigt es auf der Vorderseite den Kopf der Athena mit korinthischem Helm und auf der Rückseite eine Getreideähre im Eichenkranz (siehe Abb. 4.6).
Eine syrakusanische Bronzemünze gibt es allerdings, die zwar ebenfalls zur Zeit des Pyrrhos in Syrakus verausgabt wurde, deren Prägeherr aber nicht Pyrrhos selbst, sondern die Stadt bzw. deren Bürgerschaft war. Die Münzlegende dieser Bronze, die vorderseitig Herakles im Skalp des Nemeiischen Löwen und rückseitig Athena Promachos zeigt, lautet nämlich auf ΣΥ- ΡΑΚΟΣΙΩΝ ([Münze] der Syrakusaner). (siehe Abb. 4.7)
Interessant und bemerkenswert ist jedoch, daß Pyrrhos nicht in allen Poleis Süditaliens, für die er Krieg führte, auch Münzen im eigenen Namen prägte. In Taras (Tarent), Herakleia oder Metapont emittierte er keinerlei Münzen, sondern griff kurzerhand auf das Geld dieser Poleis zurück, um seine Kriegsausgaben und seine Söldnerarmee zu bezahlen. Da die Kriegskosten immens hoch waren, verausgabten die Tarentiner beispielsweise zwischen 280 und 272 v.u.Z. nicht allein silberne Statere (Didrachmen), sondern emittierten bereits von Anfang an eine Menge Goldmünzen. Zu den Gold-Nominalen, die man um 280 v.u.Z. für Kriegszwecke prägte, gehörten: Stater, ½-Stater, ¼- Stater, 1⁄8-Stater, 1⁄10-Stater, 1⁄12-Stater und 1⁄16-Stater. Zu den Göttern und Halbgöttern, die die Vorderseiten dieser Goldnominale zieren, zählen: Zeus, Herakles, Apollon und Athena. Auf den dazu gehörigen Rückseiten finden sich dann der Adler des Zeus auf einem Blitz stehend, Taras, der eine Biga fährt oder eine Eule, die mit geöffneten Schwingen auf einem Blitz steht (siehe Abb. 5.1 und 5.2). Die silbernen Statere, die man zwischen 280 und 272 v.u.Z. in Taras für die Feldzüge des Pyrrhos prägte, waren bis auf kleine Abweichungen, motivgleich. Zeigten doch nahezu alle vorderseitig einen bewaffneten Reiter oder Epheben und rückseitig den auf einem Delphin reitenden Phalantos (siehe Abb. 5.3).
Und auch in Herakleia in Lukanien emittierte man zwischen 280 und 278 v.u.Z. Gold- und Silbermünzen für die Feldzüge des Pyrrhos. In Gold prägte man ¼ Statere, die auf der Vorderseite den Kopf der Athena mit korinthischem Helm und auf der Rückseite den auf einem Felsen sitzenden Herakles mit Keule aufweisen. Die silbernen Didrachmen und Drachmen wiederum zeigen vorderseitig das Haupt der Athena fast von vorn mit einem prunkvollen Helm und rückseitig den opfernden Herakles samt Löwenfell, Keule und Füllhorn (Didrachmon) oder auf der Drachme die Eule der Athena (siehe Abb. 6.1 und 6.2).
Und so wie in Herakleia verfuhr man auch in Metapont in Lukanien. Auch hier emittierte man während der Feldzüge des Pyrrhos in Italien Gold- und Silbermünzen. In Gold waren es ⅓-Statere attischen Fußes, die auf ihrer Vorderseite, den Kopf des legendären Gründerheros Leukippos und auf der Rückseite zwei Getreideähren aufweisen (siehe Abb. 7.1).

Abb. 5.3: Taras (Kalabrien), Stater bzw. Didrachmon (um 280–272 v.u.Z.) Silber, 6,54 g, Ø [Höhe Rs.] 21 mm, Münzstätte Taras


[Quelle: Classical Numismatic Group, Electronic Auction 363 (11. November 2015), Los 4]

Abb. 7.1: Metapont (Lukanien), 1⁄3 Stater (um 280–278 v.u.Z.) Gold, 2,83 g, Ø [Höhe Vs.] 15 mm, Münzstätte Metapont


[Quelle: Gerhard Hirsch, Nachfolger, Auktion 328 (10. Mai 2017), Los 27]

Abb. 6.1: Herakleia (Lukanien), Stater bzw. Didrachmon (um 281–278 v.u.Z.) Silber, 7,69 g, Ø [Höhe Vs.] 21 mm, Münzstätte Herakleia


[Quelle: Classical Numismatic Group, Triton X (9. Januar 2007), Los 36]

Abb. 7.2: Metapont (Lukanien), Drachme (um 280–275 v.u.Z.) Silber, 3,12 g, Ø [Höhe Vs.] 15 mm, Münzstätte Metapont


[Quelle: H. D. Rauch, Auktion 106 (10. April 2018), Los 22]

Abb. 6.2: Herakleia (Lukanien), Drachme (um 281–278 v.u.Z.) Silber, 3,81 g, Ø [Höhe Vs.] 15 mm, Münzstätte Herakleia


[Quelle: Gemini, LLC, Auction V (6. Januar 2009), Los 416]

Beim Silber waren es Drachmen Tarentiner Standards, die vorderseitig eine auf einem Olivenzweig stehende Eule und rückseitig eine Getreideähre zeigen (siehe Abb. 7.2).
Daß die Münzen aus Abb. 5.1 bis 7.2 hier Erwähnung fanden, auch wenn sie streng genommen keine Münzemissionen des Königs Pyrrhos sind, ist der Tatsache geschuldet, daß sie die zwischen 280 und 275 v.u.Z. geführten Feldzüge des Pyrrhos in großem Umfang mitfinanzierten. Mit anderen Worten, die Kriege, die Pyrrhos gegen die Römer in Italien focht, wären ohne die lokalen Geldemissionen der Tarentiner und Lukaner wohl kaum führbar gewesen.Michael Kurt Sonntag

Literatur: Peter Robert Franke, Max Hirmer: Die Griechische Münze. München 1964; Eva und Wolfgang Szaivert / David R. Sear: Griechischer Münzkatalog. Band 1: Europa. München 1980; Oliver D. Hoover: Handbook of Greek Coinage Series. Vol. 1, Handbook of Coins of Italy and Magna Graecia, Lancaster/London 2018; Derselbe: Handbook of Greek Coinage Series. Vol. 2, Handbook of Coins of Sicily, Lancaster/London 2012; Derselbe: Handbook of Greek Coinage Series. Vol. 3, Handbook of Coins of Macedon and its Neighbors, Part I., Lancaster/London 2016; Otto Mørkholm: Early Hellenistic Coinage. From the Accession of Alexander to the Peace of Apamea (336–188 B. C.). Cambridge 2001; Hermann Bengtson: Herrschergestalten des Hellenismus, München 1975; Derselbe: Die Diadochen, Die Nachfolger Alexanders des Großen, München 1987; Werner Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit. 332–30 v. Chr. München 2001; German Hafner: Bildlexikon antiker Personen. 1993 Zürich; Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Hrsg.): Der neue Pauly, Enzyklopädie der Antike, 16 Bde., Stuttgart, Weimar 1996–2003.
Den erwähnten Quellen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlichst gedankt.