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GRIECHISCHE ERFOLGSGESCHICHTE


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 100/2019 vom 06.09.2019

Mit der wirtschaftlichen Situation Griechenlands steht es seit Jahren nicht zum Besten. Dass es in dem Mittelmeer-Staat auch anders geht, zeigt Aegean Airlines. Die Fluggesellschaft arbeitet seit langem sehr profitabel


Artikelbild für den Artikel "GRIECHISCHE ERFOLGSGESCHICHTE" aus der Ausgabe 100/2019 von Aero International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Aero International, Ausgabe 100/2019

Als nationale Fluggesellschaft ist Aegean in die Fußstapfen von Olympic Airways getreten. Wirtschaftlich macht sie vieles anders


Text & Fotos Frank Littek

Maschinen der A320-Familie bilden das Rückgrat der Aegean-Flotte


Die Flugbegleiterinnen bieten einen unaufdringlichen und guten Service


Aegean Airlines betreibt eigene Wartungseinrichtugnen am Flughafen Athen, in denen auch die Flugzeuge ...

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... von Olympic Air überholt werden


Drei Stunden dauert der Flug von Hamburg nach Athen. Beim Einflug über den griechischen Luftraum ist das Wetter gut und die Sicht klar. Schon während der Anreise präsentiert Griechenland den Passagieren die ganze Bandbreite seiner Landschaften. Sie reicht von schneebedeckten Bergen im Landesinneren bis zu malerischen Inseln vor der Küste des Mittelmeers. Die Gegensätze sind stark auf so engem Raum – und das in jeglicher Hinsicht. Während das Land als Reiseziel mehr zu bieten hat als nur einen Badeurlaub, so steht es ökonomisch für mehr als die allbekannte Wirtschaftskrise: Es glänzt zum Beispiel mit Aegean Airlines. Die Fluggesellschaft arbeitet seit Jahren unspektakulär, aber dabei äußerst profitabel – und hat sich zu einer griechischen Erfolgsgeschichte entwickelt, von der durchaus viele der großen Konkurrenten in Europa lernen kö

Aegean ist die englische Bezeichnung für die Ägäis. Die Airline mit diesem Namen verbindet Griechenland mit zahlreichen internationalen Destinationen. Im Inlandsverkehr hält das Unternehmen die Verbindungen zu den vielen griechischen Inseln aufrecht und stellt damit auch einen wichtigen Teil der infrastrukturellen Grundversorgung des Lands sicher.

Die Airline darf zurecht als Flag Carrier – die nationale Fluggesellschaft – Griechenlands bezeichnet werden. Als solcher tritt Aegean in die Fußstapfen von Olympic Airways. Das gilt aber nicht, wenn es um die wirtschaftliche Situation geht. Die Airline, die als Logo die leicht abgewandelten Olympischen Ringe hatte, stellte nach einer Phase, in der sie nach Umstrukturierung unter dem Namen Olympic Airlines flog, 2009 den Betrieb ein. In den Jahrzehnten davor verband Olympic Airways Griechenland nicht nur mit den europäischen Metropolen, sondern flog auch interkontinental. Olympic war in New York präsent und flog zeitweise beispielsweise Australien, Kanada und Japan an. Auch das ist ein Unterschied zur Aegean Airlines: Dieses Unternehmen ist nicht auf interkontinentalen Langstrecken unterwegs. Noch in dem Jahr, als die traditionsreiche Olympic Airlines ihr Ende fand, gründeten Investoren in Griechenland eine neue Fluggesellschaft unter dem Namen Olympic Air. Sie war rechtlich kein Nachfolgeunternehmen von Olympic Airlines, übernahm aber deren Landerechte, die technische Infrastruktur und die Markenrechte.

Zu dieser Zeit gab es in Griechenland längst private Fluggesellschaften. Das erste Unternehmen mit entsprechender Lizenz war bereits 1992 die Fluggesellschaft Aegean Aviation, die Charterflüge durchführte. Weitere Investoren stiegen ein, 1999 wurde Aegean Airlines gegründet und nahm den Linienbetrieb auf. 2001 führte die Fluggesellschaft die ersten internationalen Flüge durch. Die kleine Airline wuchs schnell und etablierte sich als griechische Fluggesellschaft neben Olympic Airlines. Nach deren Auflösung wuchs Aegean weiter. 2013 übernahm die aufstrebende Airline die Fluggesellschaft Olympic Air. Diese behielt ihren eigenständigen Markenauftritt und fliegt jetzt als Tochterunternehmen von Aegean. Damit blieb der Luftfahrt-Welt auch das alte Olympic-Airlines-Logo in leicht modifizierter Form am Rumpf der Turoboprop-Maschinen erhalten. Olympic Air konzentriert sich auf regionale Flüge innerhalb Griechenlands. Wer hier zu einer der zahlreichen Inseln fliegt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Flugzeug der Aegean-Tochter fliegen.

2018 erwirtschafteten Mutter-und Tochterunternehmen zusammen einen Umsatz von rund 1,187 Milliarden Euro und einen Gewinn von 67,9 Millionen Euro. Dass diese positiven Zahlen keine Einzelfall sind, zeigt ein Blick auf die Vorjahre: 2017 betrug der Gewinn 60,4 Millionen Euro und der Umsatz 1,127 Milliarden Euro. 2016 waren es 32 Millionen Euro und 1020 Milliarden Euro.

ZIELE IM ÜBERBLICK

Aegean Airlines fliegt weder in die USA noch in den Fernen Osten. Dafür ist das Streckennetz in Europa sehr dicht. Trotzdem sieht die Airline hier für die Zukunft noch weitere Möglichkeiten, um Jahr für Jahr weiter zu wachsen.

GRIECHENLAND

Start in Athen zu einem Flug nach Hamburg. Deutschland ist der wichtigste Markt für Aegean


Die Zahlen sind nicht nur beeindruckend angesichts des soliden Wachstums, das sie aufzeigen, sondern vor allem auch angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage, in der sich Griechenland befindet.

Auch die Wettbewerbssituation ist für Aegean Airlines nicht einfach. Vor allem auf den internationalen Strecken konkurriert die Airline zum einen mit den großen Flag Carriern der europäischen Staaten wie Lufthansa, Swiss, Iberia, British Airways, Air France und KLM, zum anderen mit Low-Cost-Airlines wie Ryanair, Vueling und Norwegian, die auch den griechischen Markt für sich entdeckt haben. Für Aegean bedeutet das, auf günstige Preise und guten Service gleichermaßen zu setzen. Ein Spagat, der bisher sehr gut gelungen ist. Der Wettbewerb auf zwei Ebenen, gegen große Flag Carrier und gleichzeitig gegen Low-Cost-Airlines, hat zu einer ganz eigenen Unternehmenskultur bei der Fluggesellschaft geführt.

„Um profitabel wachsen zu können, müssen wir uns auf den Service fokussieren“, erläutert Dimitris Gerogiannis, CEO von Aegean Airlines, das Konzept der Fluggesellschaft (siehe Interview Seite 19). „Das gibt uns die Möglichkeit der Differenzierung zu vielen Wettbewerbern. Gleichzeitig ist es für uns wichtig, im Betrieb extrem effizient zu bleiben, denn wir konkurrieren ja auch mit Low-Cost-Airlines. Wir müssen kostengünstig arbeiten, um günstige Preise anbieten zu können.“ Im Ergebnis „sind wir effizienter als die Full-Service-Carrier und konkurrenzfähig mit Low-Cost-Airlines. Im Bereich des Kundenservice unterscheiden wir uns von diesen aber deutlich.“

Dahinter verbirgt sich ein Unternehmenskonzept, das auf drei hauptsächlichen Faktoren beruht: der Sicherheit, dem Kundenkomfort und den Kosten. Sicherheit hat bei Aegean, wie wohl bei allen Airlines der Welt, die höchste Priorität. An zweiter Stelle folgt im Konzept der griechischen Airline der Komfort und erst danach, auf dritter Ebene, die Einhaltung niedriger Kosten. Bei Low-Cost-Airlines ist die Reihenfolge der letzten beiden Faktoren umgekehrt. Ist die genaue Gewichtung von Komfort und Kosten und die daraus folgende Interpretation in den Köpfen der Mitarbeiter verankert und zeigt sich im Tagesgeschäft, macht unter anderem das die Unternehmenskultur einer Airline aus.

WICHTIGE ROLLE DER MITARBEITER

Und der Schlüssel zur Unternehmenskultur? Die Mitarbeiter. „Deshalb investieren wir ständig und kontinuierlich in unsere Belegschaft“, sagt der Airline-Chef. „Jeder kann mal eben neue Flugzeuge kaufen. Aber eine Unternehmenskultur zu entwickeln, ist schwierig.“ Die mache aber den Wettbewerbsvorteil aus – und sei letztlich viel wichtiger als die Frage, ob 320neo eingesetzt werden, welche Farbe sie haben und ob sie über drei Sitze mehr oder weniger in der Kabine verfügen. „Den Unterschied machen die Menschen“, betont Gerogiannis. „Gleichzeitig investieren wir natürlich in Technologie, weil wir unsere Passagiere damit besser, schneller, effizienter und mit besserem Service ansprechen können.“ Technologieeinsatz helfe auch den Mitarbeitern, ihren Job besser und schneller zu machen. „Und die leisten mit solcher Unterstützung einen besseren Service an den Passagieren“, ist sich der CEO sicher.

Die Herangehensweise von Aegean Airlines ist erfolgreich. Wirft man einen Blick auf den sogenannten Net Promotor Score (NPS) der Star Alliance, deren Mitglied Aegean ist, dann sprechen die Messswerte eine klare Sprache. Der NPS ist ein Index, der dazu dient, die Zufriedenheit von Kunden, in diesem Fall der Passagiere, aufzuzeigen. Er basiert auf der Befragung von Fluggästen danach, ob sie ein Unternehmen Freunden oder Kollegen empfehlen würden. Im Ergebnis der Werte von Ende 2017 bis Ende 2018 hat Aegean beste Werte und ist deutlich vor Turkish Airlines, Swiss, der Lufthansa oder Austrian Airlines platziert. Und das bei Ticketpreisen, die mit Low-Cost-Airlines konkurrieren können.

Tochter Olympic Air wickelt Flüge auf die Inseln ab


Auch wenn die A320neo für den CEO beim Wettbewerb um den Kunden nicht den Unterschied macht, wird sie bald zur Flotte von Aegean Airlines gehören. Die Fluggesellschaft hat 30 Maschinen fest bestellt und zwölf Absichtserklärungen abgegeben. Die ersten Flugzeuge sollen 2022 ausgeliefert werden. Weiteren Bedarf deckt Aegean mit 16 geleasten Maschinen. Sie haben die gleiche Konfiguration wie die A320neo der eigenen Bestellung. Das erste Flugzeug soll im Dezember dieses Jahres ausgeliefert werden, was die zeitliche Lücke bis zur Auslieferung der ersten selbst bestellten Maschine deckt. Die geleasten Flugzeuge bleiben dann über einen Zeitraum von zwölf Jahren in der Flotte, während die ceo-Varianten Stück für Stück ausgemustert werden. Die Auslieferung der neos wird bis Ende 2024 abgeschlossen ein.

Und die langfristigen Ziele der Airline? „Wir haben viele Jahre lang das internationale Geschäft entwickelt. Das ist uns auch während der Wirtschaftskrise in Griechenland gut gelungen“, sagt Dimitris Gerogiannis. „Unser Ziel ist es auch heute, im internationalen Geschäft weiter zu wachsen.“

Das soll gelingen, auch wenn das Netzwerk der Fluggesellschaft in Europa bereits heute sehr dicht ist. „Wir können zu bestehenden Orten die Frequenzen erhöhen und sekundäre Flughäfen einbinden“, erläutert der 1CEO. Das bezieht Deutschland mit ein, auch wenn Gerogiannis noch keine konkreten Maßnahmen nennt. Chancen zur Entwicklung sieht die Airline auch südöstlich von Griechenland. „Für uns ist auch der Nahe Osten interessant“, stellt Gerogiannis fest und ist sicher: „Wir haben also noch einige Jahre, in denen wir angemessen mit fünf bis sechs Prozent pro Jahr wachsen können.

Und wenn die neo zu unserer Flotte stößt, gibt uns das neue Flugzeug auch etwas mehr Reichweite.“ Was der Airline dann die Möglichkeit bietet, neue Route anzubieten und auf solidem Niveau weiter zu wachsen. Ein gutes Beispiel für eine griechische Erfolgsgeschichte – die noch lange nicht zu Ende ist.


FOTO: WEIMENG/AIRTEAMIMAGES (1)