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Grillen wird smart: GRILL IT! ZART & SMART


PC Go - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 03.05.2019

Grillen – das ist echter Männersport. Heiß, fettig und traditionell. Doch auch vor dieser letzten analogen Bastion macht die Digitalisierung nicht Halt. Grillen soll smarter werden. Muss das sein? Cgo-Autor und Grill-Experte Patrick Afschar macht den Selbsttest.


Artikelbild für den Artikel "Grillen wird smart: GRILL IT! ZART & SMART" aus der Ausgabe 6/2019 von PC Go. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: PC Go, Ausgabe 6/2019

Smart – dieses kleine Wörtchen reicht fast als Definition einer ganzen Generation. Heute muss nahezu alles smart sein. Das Telefon sowieso, das Haus, das Auto. Und jetzt auch der Grill – ein intelligenter Grill? Was macht der? Selbstständig grillen? Oder auch gleich noch servieren? So weit geht es dann doch noch nicht mit der künstlichen ...

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... Intelligenz. Doch glaubt man den Herstellern, dann sorgen smarte Grill-Tools zumindest für entspannteres Grillen und bessere Grillergebnisse. Das wollten wir genauer wissen. Die intelligente Grill-Palette beginnt bei Apps fürs Smartphone, reicht über digitale Bratenthermometer mit Bluetooth- und WLAN-Anbindung bis hin zu smarten Grills, die das Grillerlebnis vergrößern und das Grillergebnis verbessern sollen.

Tolle Apps zum Thema Grillen

Das Grillvergnügen beginnt schon lange, bevor angefeuert wird. Zunächst gilt es, ansprechende Rezepte zu finden, das Grillgut zu würzen und zu marinieren. Dafür halten die App-Stores von Apple und Google zahlund hilfreiche Apps bereit.
Vom Deutschen Grillsportverein stammt die AppGrillrezepte , die exakt hält, was der Name verspricht. Hierfür sind 1,19 Euro fällig. Dafür gibt es nicht nur eine riesige Auswahl an Rezepten, hilfreich ist zudem der Umrechner für Maßeinheiten und Temperaturen.
Eine ArtEine-für-Alles ist die Grill-App vom Barbecue-Spezialisten Weber, die es derzeit leider nur für iOS-Geräte gibt. Die App gibt hilfreiche Tipps, insbesondere für Besitzer eines Weber-Grills ist die App ein Muss.
Oft eine Herausforderung beim Grillen: Das teure Steak soll auf den Punkt gegrillt sein. Der eine mag es blutig, der andere lieber zartrosa. Leider ist nicht jedes Steak gleich dick, zudem unterscheiden sich die einzelnen Fleischstücke im Fettgehalt. Beides nimmt entscheidenden Einfluss auf die Grillzeit. Abhilfe schafft die AppPerfect Steak , die für verschiedene Fleischsorten und Dicken die optimale Grillzeit ermittelt. Dabei lässt sich noch wählen, ob ein einfaches Branding oder ein Rautenmuster mit drei Wendevorgängen bevorzugt wird. Selbst wenn Grillen und Fleisch für viele eine Einheit bilden – auch vegetarische Gerichte gelingen auf dem heißen Rost. Interessante Rezeptideen hält die AppVegetarisch Grillen bereit. Da ist selbst für eingefleischte Karnivoren was dabei.

Langsames Grillen im Trend

Wer heute ernsthaft und mit Anspruch grillt, der haut nicht einfach Fleisch und Würstchen auf den Rost und wartet, bis ihm der Duft karzinogener Nitrosamine in die Nase steigt. Für die Grillparty am Badesee mag das ausreichend sein. Mit Raffinesse und Genuss hat das jedoch wenig zu tun. Langsames, indirektes Grillen liegt dagegen voll im Trend.
Sei es Pulled Pork oder ein Roast Beef – bei geringen Temperaturen bleibt das Grillgut saftig und wird dennoch auf den Punkt gegart. Voraussetzung für den Erfolg ist hier mindestens ein Garraum-Thermometer, wie es heute die meisten Grills besitzen. Perfekte Ergebnisse lassen sich aber erst mithilfe eines Grill- oder Bratenthermometers erzielen. Diese gibt es in klassischer Ausführung als analoge Geräte für ein paar Euro. Wer es etwas moderner will, greift zu einem digitalen Gerät, vielleicht sogar mit einem Funkempfangsteil. Smart wird das Grillthermometer in der heutigen Zeit natürlich erst, wenn es mit dem Smartphone zusammenarbeitet. Exemplarisch haben wir uns das aktuelleiGrill-2 -Thermometer von Weber rausgegriffen. Der Markt hält mittlerweile eine Vielzahl an smarten Bratenthermometern bereit. Das iGrill ist quasi der Pionier, anfangs noch nicht unter der Weber-Flagge. Das Weber iGrill 2 kostet etwa 100 Euro und kommt mit zwei Fühlern. Bis zu vier Fühler lassen sich an einer Basiseinheit betreiben; sie schlagen mit je rund 20 Euro zu Buche.

Im Rahmen unseres Praxistests erzielten wir mit der AppPerfect Steak brauchbare Ergebnisse. Für das klassische Steak tut es die App allemal.


Das iGrill 2 macht’ s einfach: Spieß in den Fleischkern stecken, App öffnen, Zieltemperatur angeben, fertig. Das Smartphone gibt zuverlässig Laut, sobald die gewünschte Kerntemperatur erreicht ist.


Zunächst laden wir die iGrill-App aus dem Google Play Store und koppeln das Thermometer mit dem Smartphone, was auf Anhieb gelingt. Die iGrill-App schlägt für bestimmte Fleischsorten und Garpunkte die passende Zieltemperatur selbst vor. Im Fall eines Filet-Steaks und der Garstufemedium rare sind das laut iGrill 2 exakt 54 Grad. Wir verlassen uns auf die Angabe und grillen mit einem auf 300 Grad vorgeheizten Gasgrill drauf los. Die 54 Grad sind nach etwas mehr als vier Minuten erreicht, trotz zwischenzeitlichem Wenden des Grillguts. Das iGrill 2 erinnerte uns mit einem Alarm auf dem Smartphone daran, dass das Fleisch fertig ist. Um es kurz zu machen: Das Ergebnis war schlicht perfekt, das Fleisch zart, mit einer krossen Kruste und einem schönen Branding. Einziger Kritikpunkt: Aufgrund der Bluetooth-Verbindung der iGrill-Basis zum Smartphone fällt die Reichweite gering aus. Bei Sichtverbindung schafften wir bis zu 20 Meter, sobald sich eine Wand zwischen Grill und Smartphone befindet, sind es nicht mehr als fünf bis zehn Meter. Hier haben reine Funk-Thermometer die Nase vorn.

Smarte Grillgeräte

Kommen wir zum Herzstück des Barbecues – dem Grill. Auch hier gibt es mittlerweile smarte Modelle; zumindest, wenn es nach den Marketing-Aussagen der Hersteller geht. Am weitesten geht aus unserer Sicht Tefal mit demOptigrill Smart . Dabei handelt es sich um einen elektrischen Kontaktgrill, der sich in weiten Teilen vom Smartphone aus steuern und überwachen lässt.
Echte Grill-Fans werden jetzt sagen: Das ist doch kein Grill. Stimmt. Für viele muss ein Grill mit Kohle oder Gas befeuert werden und natürlich auch entsprechend qualmen. Doch nicht jeder hat einen Garten, wo das keinen stört. Im Gegenteil: Die meisten wohnen doch in der klassischen Mietwohnung und sind schon für einen kleinen Balkon dankbar. Derzeit gibt es den smarten Optigrill ab etwa 160 Euro. Damit ist er rund 30 Euro teurer als die Version ohne Bluetooth.
Kompromisse muss man bei der Größe der beiden Grillplatten machen. Die rund 660 Quadratzentimeter reichen bestenfalls für drei Steaks. Tefal hat zwar auch eine XL-Variante zum gleichen Preis im Angebot, davon gibt es aber keine smarte Version. Die Kopplung des Grills mit einem Apple-Tablet klappt innerhalb von Sekunden. Die App zeigt unten mittig über ein Symbol an, dass die Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und Grill aktiv ist. Ein Fingertipp drauf, und es öffnet sich das Dashboard. Das ist im Prinzip lediglich eine digitale Kopie der physikalischen Tasten am Optigrill selbst. So lässt es sich manuell grillen oder eines der vorgegebenen Programme nebst gewünschter Garstufe auswählen. Der Grillvorgang selbst lässt sich allerdings nur am Gerät selbst in Gang setzen. Das dürfte Sicherheitsgründe haben.

Interaktive Anleitungen

Komfortabler gestaltet sich der Grillvorgang über den MenüpunktKochanleitung . Hier finden sich Hunderte interessanter Rezepte mit Zubereitungshinweisen und einer interaktiven Schritt-für-Schritt-Anleitung. Nach jedem Arbeitsvorgang wird dieser mitFertig bestätigt, und die App geht zum nächsten Schritt. Abschließend wird noch die gewünschte Garstufe eingegeben und der Grillvorgang am Gerät gestartet.
Der Aufheizvorgang wird in der App mit etwa zwei Minuten angegeben. Tatsächlich dauert es zumindest im Steak-Modus ganze sechs Minuten, bis man dazu aufgefordert wird, das Grillgut aufzulegen. Immerhin sind die beiden Kontaktflächen dann rund 270 Grad heiß, was sich für einen Elektrogrill mehr als nur sehen lassen kann. Entsprechend zischt es auch beim Auflegen der Steaks. Die Rauchentwicklung ist dennoch sehr gering.

Der Grill passt auf

Der Clou beim Tefal-Grill ist, dass er beim Zuklappen die Dicke des Fleisches erkennt und die Garzeit automatisch daran anpassen soll. Der Fortschritt des Grillens wird mit einer Farbwechsel-LED signalisiert. Diese pulsiert beim Aufheizen lila. Während des Grillens geht es dann von Grün (rare) über Gelb (medium rare) und Orange (medium) bis Rot (well done). Die Farbe verändert sich nahezu übergangslos. Und: Es geht richtig schnell. Unsere etwa zwei Zentimeter dicken Steaks waren bereits nach knapp zwei Minuten im Bereich zwischen Gelb und Orange, an der Grenze von rare medium zu medium. Also runter vom Grill und rauf auf den Teller. Die beiden Steaks wiesen ein gleichmäßiges, wenn auch etwas blasses, Branding auf. Beim Anschnitt zeigte sich, dass das Fleisch sehr zart, aber minimal drüber gegart war. Allerdings geht das Fortschreiten des Garvorgangs sehr schnell vonstatten. Schon wenige Sekunden zu lang, können ein perfektes Ergebnis verhindern. Bereits beim zweiten Versuch konnten wir den Garpunkt genau treffen. In diesem Fall sollte das Fleisch noch leicht blutig sein, was perfekt hingehauen hat. Das Branding wurde trotz der kürzeren Grillzeit nicht sichtbar heller. Der Optigrill besitzt noch weitere Automatik-Programme, etwa für Würstchen, Sandwiches oder Fisch. Wir haben nur das Sandwich-Programm ausprobiert. Aus einem Fladen, belegt mit Schafskäse, türkischer Wurst und Rucola, wurde binnen weniger Minuten ein leckerer Snack ohne großen Aufwand.

Fazit: Smart grillen – braucht’s das?

Beim Grillen ist es smart, wenn man verantwortungsvoll mit den Zutaten umgeht, raffinierte Rezepte umsetzt und Geduld walten lässt. So lassen sich die besten Ergebnisse erzielen. Ein smartes Grillthermometer leistet dabei gute Dienste. Ein analoges macht seine Sache nicht schlechter – und kostet nur einen Bruchteil, zudem werden die Batterien nicht leer. Ungeachtet dessen machen die smarten Gadgets, die wir ausprobiert haben, Spaß. Noch wichtiger: Sie funktionieren und erleichtern das Grillen. So bekommt etwa der Tefal OptiGrill Smart nahezu perfekte Steaks hin, ohne dass man sich groß drum kümmern muss. Das Ganze klappt aufgrund der geringen Rauchentwicklung sogar drinnen. Doch das bekommen auch die Versionen ohne Smartphone-Anbindung hin. Letztlich beschränkt sich die Smartheit der Grillutensilien auf eine bequemere Überwachung des Grillvorgangs und auf die Alarmierung des Grillers bei Erreichen bestimmter Temperatur-, Zeit- oder Gargrenzen. Das Grillen muss bzw. darf man noch weitestgehend selbst übernehmen. Dazu liefern die verschiedenen Apps zahlreiche, teils ausgefallene Grillrezpete – und so wird das ganze Grillvergnügen auch eine smarte Angelegenheit.

Mit der automatischen Grillfunktion des Tefal OptiGrill Smart gelangen uns perfekte Steaks.


Der Grillvorgang lässt sich beim OptiGrill Smart dank der App gut überwachen und steuern.