Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Grippeimpfung? Ja!


Diabetes-Eltern-Journal - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 25.09.2019

Menschen mit Diabetes – auch Kinder! – sollten sich jährlich gegen Grippe (Influenza) impfen lassen, weil bei ihnen im Fall einer Erkrankung Komplikationen wahrscheinlicher sind. Dr. Nicolin Datz beschreibt den Verlauf der Erkrankung, die möglichen Komplikationen, die Behandlung – und empfiehlt ausdrücklich die jährliche Impfung.


Artikelbild für den Artikel "Grippeimpfung? Ja!" aus der Ausgabe 3/2019 von Diabetes-Eltern-Journal. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Fotos: Konstantin Yuganov - AdobeStock, Tapac - AdobeStock, Arcady - AdobeStock

Im Herbst ist es wieder soweit: Die jährliche Grippeschutzimpfung steht an. Von der STIKO(Ständige Impfkommission, eine 18-köpfige Expertengruppe am Robert Koch-Institut) gibt es allgemeine ...
Neben den dort genannten Gruppen (Personen ab einem Alter von 60 Jahren, Schwangere ab dem zweiten Trimenon, Personen mit erhöhter Gefährdung (z. B. medizinisches Personal)) gibt es eine weitere, die hier von besonderem Interesse ist: Personen ab einem Alter von sechs Monaten, bei denen aufgrund einer bestehenden Grundkrankheit eine besondere gesundheitliche Gefährdung vorliegt. Zu dieser Gruppe gehören nämlich auch Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus. Konkret bedeutet dies: Alle Kinder und Jugendlichen mit Diabetes sollten jährlich die Grippeschutzimpfung erhalten. ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Diabetes-Eltern-Journal. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2019 von #WDET19. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
#WDET19
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Neuer internationaler Konsens zu Zielen für: „Zeit im Zielbereich“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neuer internationaler Konsens zu Zielen für: „Zeit im Zielbereich“
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Was bringen die neuen Insuline?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Was bringen die neuen Insuline?
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Rotavirus-Impfung: Schutz vor Typ-1-Diabetes?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Rotavirus-Impfung: Schutz vor Typ-1-Diabetes?
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Wie viel(e) Follower braucht ein Kind mit Diabetes?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wie viel(e) Follower braucht ein Kind mit Diabetes?
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von KINDER + JUGENDLICHE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KINDER + JUGENDLICHE
Vorheriger Artikel
Entenrennen Lüneburg: VOLLER EINSATZ
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel INDUSTRIE
aus dieser Ausgabe

Im Herbst ist es wieder soweit: Die jährliche Grippeschutzimpfung steht an. Von der STIKO(Ständige Impfkommission, eine 18-köpfige Expertengruppe am Robert Koch-Institut) gibt es allgemeine Empfehlungen zur Durchführung von Impfungen, darunter auch eine klare Empfehlung dazu, welcher Personenkreis eine Grippeschutzimpfung erhalten sollte (siehe Kasten rechts).
Neben den dort genannten Gruppen (Personen ab einem Alter von 60 Jahren, Schwangere ab dem zweiten Trimenon, Personen mit erhöhter Gefährdung (z. B. medizinisches Personal)) gibt es eine weitere, die hier von besonderem Interesse ist: Personen ab einem Alter von sechs Monaten, bei denen aufgrund einer bestehenden Grundkrankheit eine besondere gesundheitliche Gefährdung vorliegt. Zu dieser Gruppe gehören nämlich auch Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus. Konkret bedeutet dies: Alle Kinder und Jugendlichen mit Diabetes sollten jährlich die Grippeschutzimpfung erhalten.

Abwehrende Reaktion in der Sprechstunde

Im Rahmen der Sprechstunde erleben wir am Diabeteszentrum dann immer wieder solche Reaktionen:
„Grippeimpfung? Ich doch nicht.“ – „ Das Risiko ist mir zu hoch.“ – „So ein bisschen Husten und Schnupfen ist doch nicht so schlimm, das hat mein Körper bisher immer erfolgreich bekämpft.“

@@Übertragen wird der Influenzavirus durch Tröpfchen – z. B. beim Niesen.


An Grippe erkrankt zu sein, ist gefährlich. Es bedeutet nicht, „nur ein bisschen Husten und Schnupfen“ zu haben.

Die durch den Influenzavirus hervorgerufene Grippe(Influenza) bedeutet jedoch nicht, „nur ein bisschen Husten und Schnupfen“ zu haben. Die Influenza ist eine hochfieberhafte, ernstzunehmende Erkrankung der oberen Atemwege, die in den unterschiedlichen Altersgruppen einen unterschiedlichen Verlauf nimmt und letztendlich auch zum Tode führen kann.

Die Influenza: Daten und Fakten

Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen, die beim Sprechen, Husten oder Niesen entstehen und auf die Schleimhäute enger Kontaktpersonen übertragen werden. Außerdem ist eine Übertragung über die Hände möglich. Es besteht eine hohe Ansteckungsgefahr(Kontagiosität). Bereits unmittelbar vor Auftreten der ersten Symptome und bei Beginn der Erkrankung ist die Ansteckungsgefahr für andere Personen am höchsten und hält ca. 4 bis 5 Tage an. Eine Virusausscheidung besteht für ca. 7 Tage, bei Kindern sogar bis zu 21 Tage. DieInkubationszeit (Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch) beträgt ein bis zwei Tage.
Die typische Grippesaison beginnt in Europa im Dezember/Januar und endet im März/April. Die jährliche Epidemie beginnt häufig bei den Jüngeren. Kindergarten- und Schulkinder verfügen über keine oder nur eine unzureichende Immunität und spielen daher für die Verbreitung des Virus in der Bevölkerung eine große Rolle. Immer wieder gibt es Pandemien, die die Kontinente überziehen. Die letzte Pandemie 2009/2010 führte nach Angaben der WHO zu 18.500 laborbestätigten Todesfällen weltweit, 252 davon in Deutschland.

Verlauf der Erkrankung

• Säuglinge erkranken überwiegend mit dem Bild eines Infektes der oberen Atemwege(Bronchitis) und hohem Fieber. In diesem Alter verläuft die Erkrankung meist sehr schwer. Die Kinder müssen oft intensivmedizinisch behandelt werden.
• Klein- und Schulkinder erkranken ebenfalls mit Infekten der oberen Atemwege, aber auch Durchfall, Übelkeit und Appetitlosigkeit können als Symptome auftreten. Gelegentlich zeigt sich auch ein vorübergehender Ausschlag am Körper. Das hohe Fieber kann zu Fieberkrämpfen führen.
• Jugendliche und junge Erwachsene zeigen plötzlich auftretendes Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen. Husten tritt meist erst nach 4 bis 5 Tagen auf und kann bis zu mehreren Wochen als Reizhusten bestehen.

Wer sollte zur Grippeschutzimpfung gehen?
• Personen ab dem 6.Lebensmonat mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens:
-chronische Erkrankung der Atmungsorgane
-chronische Herz-Kreislauf-, Leber- oder Nierenerkrankungen
-Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen
-chronische neurologische Erkrankungen mit durch Infektionen getriggerten Schüben
-Personen mit angeborener Immundefizienz
-HIV-Infektion
• Personen ab 60Jahren
• Schwangere ab dem 2. Trimenon, bei Vorliegen eines Grundleidens im 1. Trimenon
• Personen mit erhöhter Gefährdung (z. B. medizinisches Personal)

Mögliche Komplikationen

Eine gefürchtete Komplikationen in allen Altersgruppen ist das Auftreten einer Lungenentzündung mit möglichem Lungenversagen oder zusätzlicher bakterieller Infektion. Auch Herzmuskelentzündung, Hirnhautentzündung und Muskelentzündung sind gefürchtete Komplikationen und führen zu schwerwiegenden Verläufen mit langen Klinikaufenthalten oder sogar bleibenden Problemen.
Für Komplikationen sind bestimmte Personengruppen besonders gefährdet (s. Kasten S. 25). Patienten mit Diabetes sind eine dieser Personengruppen, da der Stoffwechsel im Rahmen eines hochfieberhaften Infektes mit erhöhtem Insulin- und Flüssigkeitsbedarf zu hohen Blutzuckerwerten bis hin zur Ketoazidose entgleisen kann. Diese führt dann zu einer stationären Aufnahme und ist potentiell lebensgefährlich.

So wird die Grippe behandelt

Die Therapie ist in allen Altersgruppen zunächst symptomorientiert: Die Senkung des Fiebers und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr stehen an erster Stelle. Treten zusätzliche bakterielle Infektionen auf, müssen Antibiotika gegeben werden, bei weiteren Komplikationen sind ggf. eine Beatmung und intensivmedizinische Behandlung notwendig. Bei Personen mit einem erhöhtem gesundheitlichen Risiko kann eine antivirale Therapie versucht werden. Das Problem ist, dass diese Therapie in den ersten 24 bis 48 Stunden begonnen werden muss – die Diagnose muss also früh gestellt werden.
Vor der Influenza kann man sich schützen. Der sicherste Schutz ist die jährliche Impfung im Oktober/November. Die Weltgesundheitsorganisation WHO gibt jedes Jahr eine aktuelle Empfehlung der Impfstoffe bekannt. Für Kinder gibt es zu injizierende inaktivierte Impfstoffe (abgetötete Viren) und für zwei-bis 17-jährige seit 2012/2013 auch einen nasal zu verabreichenden Lebendimpfstoff (abgeschwächte Viren). Zwei Wochen nach der Injektion beginnt der Impfschutz und ist für eine Grippesaison gültig.


Der sicherste Schutz vor einer Grippe-Erkrankung ist die jährliche Impfung im Oktober/November.


Nebenwirkungen der Impfstoffe

Vorübergehende lokale Reaktionen an der Impfstelle können eine Rötung und Schmerzen sein; wird der nasale Impfstoff verwendet, kann ein Schnupfen auftreten. Es kann zu Allgemeinsymptomen mit leicht erhöhten Temperaturen sowie Muskel- und Gliederschmerzen und Unwohlsein für 2 bis 3 Tage kommen. Bei Hühnereiweißallergie sind die hier genannten Impfstoffekontraindiziert, also nicht anzuwenden, da sie in Spuren Hühnereiweiß enthalten. Es gibt für diese Fälle spezielle Impfstoffe.

Fazit

• Die Influenza ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die mit sehr hohem Fieber, Atemwegsinfekten und Muskelschmerzen einhergeht und zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann.
• Die Verläufe sind je nach Altersgruppe unterschiedlich.
• Bei Vorliegen einer Grunderkrankung besteht ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Verläufe und Komplikationen.
• Bei Vorliegen eines Diabetes mellitus besteht ein erhöhtes Risiko für eine Stoffwechselentgleisung mit Entwicklung einer Ketoazidose.
• Kinder mit Diabetes gehören zu dem Personenkreis mit erhöhtem Gesundheitsrisiko und sollten jährlich eine Grippeschutzimpfung erhalten.

Foto: Christoph Burgstedt - AdobeStock

Dr. med. Nicolin Datz

Oberärztin Pädiatrie III Diabeteszentrum für Kinder und Jugendliche „Auf der Bult“, Hannover
E-Mail: datz@hka.de