Lesezeit ca. 5 Min.

Große Hilfe für kleine Riesen


Logo von Ein Herz für Tiere
Ein Herz für Tiere - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 25.02.2022

Artikelbild für den Artikel "Große Hilfe für kleine Riesen" aus der Ausgabe 3/2022 von Ein Herz für Tiere. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Ein Herz für Tiere, Ausgabe 3/2022

WOHLTUENDE ERFRISCHUNG Im Samburu-Gebiet herrscht extreme Dürre. Da sorgt das Wasserloch für die tägliche Abkühlung

Verletzt, hilflos und unendlich schwach, sodass ihn seine kleinen Beine kaum mehr tragen – so wird Long’uro in einem Brunnen gefunden. Ein Großteil seines Rüssels fehlt, jenes für Elefanten so wichtigen Körperteil, mit dem sie Blätter und Zweige abrupfen und durch den sie Wasser ansaugen. Der kleine Elefantenbulle hat Glück: Er wird gerettet und ins Reteti Elephant Senctury gebracht. In der Elefanten-Auffangstation im Samburu-Gebiet im Norden Kenias wird er gemeinsam mit 20 anderen Elefantenwaisen gepflegt und aufgepäppelt.

Zu wenig Wasser

Es ist noch früh am Morgen, aber die Sonne brennt schon heiß vom wolkenfreien Himmel herunter. Der Landcruiser fährt auf der Asphaltstraße langsam in Richtung Norden. Ein paar Kinder sitzen am Straßenrand und betteln. Ich schaue erst weg. Vor allem in Gebieten, in die es viele Touristen zieht, fordern die Mädchen und Jungen immer wieder „Sweets“ – Süßigkeiten. ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Ein Herz für Tiere. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2022 von Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde,
Titelbild der Ausgabe 3/2022 von Rangezoomt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Rangezoomt
Titelbild der Ausgabe 3/2022 von News. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
News
Titelbild der Ausgabe 3/2022 von Erste Hilfe für Notfellchen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Erste Hilfe für Notfellchen
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
So reden Meerlis
Vorheriger Artikel
So reden Meerlis
Unsere Herz-Geschichten
Nächster Artikel
Unsere Herz-Geschichten
Mehr Lesetipps

... Doch hier schaue ich genauer hin – und das Zeichen, was die Kinder hier machen, schockiert mich. Sie betteln um Wasser. Diese klare Flüssigkeit, die bei uns nur so aus dem Hahn selbstverständlich heraussprudelt, ist hier immer weniger vorhanden.

Schon immer galt Samburu als sehr trockene Region, aber der Klimawandel macht dieses Gebiet noch heißer und trockener. Doch Wasser ist die Lebensgrundlage von Mensch und Tier. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Konflikte entstehen. Anders als in einem Nationalpark handelt es sich hier im Norden Kenias um einen Lebensraum, den sich Menschen und Wildtiere teilen. Sie alle suchen Nahrung und natürlich Wasser. So treffen sie vor allem an Wasserlöchern oder Brunnen aufeinander. Da das Grundwasser schwindet, sind die Brunnen oft tief – und werden für Wildtiere zur Falle, auch vielfach für junge Elefanten. Diese werden – wenn möglich – nach ihrer Rettung wieder mit ihrer Herde vereint oder kommen ins Reteti Elephant Sanctuary.

Hilfe für die Schwächsten

„Reteti Elephant Sanctuary ist ein Communityeigenes und eigens geführtes Elefanten-Auffangzentrum“, erklärt der Leiter der Auffangstation, Moses Lenaifa. „Unser Ziel ist es, wilde Elefantenjunge in Not zu retten, sie aufzuziehen und zu rehabilitieren, um sie dann in ihrer natürlichen Umgebung wieder auszuwildern.“

Gestartet im Jahr 2016, hatte das Reteti-Team bereits rund 50 junge Elefanten in seiner Obhut. Derzeit kümmern sich die Ranger und Pfleger in der Auffangstation um 21 Elefantenwaisen. „Warum sie hier sind, hat unterschiedliche Gründe“, weiß Lenaifa. „Bei einigen waren es Konflikte mit hier lebenden Menschen, bei anderen wurden die Mütter durch Wilderei getötet“, sagt er. Am meisten gefährdet seien die kleinen Dickhäuter jedoch durch die von Menschen gegrabenen Wasserlöcher und Brunnen.

„Wenn wir dann von einem verlassenen Elefantenkalb erfahren, müssen wir schnell handeln. Sollte das Kalb aus unterschiedlichen Gründen nicht wieder mit der Mutter zusammengeführt werden können, wird die kenianische Naturschutzbehörde Kenya Wildlife Service kontaktiert, die dann das Kalb einfängt und zu uns bringt“.

Elf der bisher aufgepäppelten Elefantenjungen wurden aus einem solchen Brunnen gerettet, darunter auch der kleine Elefantenjunge Long'uro.

Sein Name ist ein Samburu-Wort und bedeutet „abgeschnitten“. In einem Brunnen gefangen, war er einer Hyäne schutzlos ausgeliefert, und sie biss ihm einen beträchtlichen Teil seines Rüssels ab. Der kleine Dickhäuter mit den langen Wimpern hatte doppelt Glück: Tierärzte und das Reteti- Team entschieden, ihn nicht sofort einzuschläfern und ihm eine Chance zu geben. Tierärztin Jessica Kurere erklärt: „Am Anfang war Long’uro traumatisiert, krank, gestresst und unsagbar dünn, und wir wussten nicht, ob er jemals mit dem abgebissenen Rüssel lernt, eigenständig zu trinken und zu essen.“

Mittlerweile ist seine Wunde am Rüssel verheilt, und Long’uro hat gelernt, wie er mit seinem Rüsselstummel Wasser aufsaugt oder Blätter von Büschen rupft. „Wir sind sehr optimistisch, dass er in den kommenden Jahren genug Erfahrungen sammelt und stark genug wird, um irgendwann allein in Freiheit zu leben“, ist der Leiter der Auffangstation optimistisch.

Am Ende steht die Auswilderung

Es ist 12 Uhr mittags – Zeit für die nächste Flasche Milch für die kleinen Elefanten. Dorothy Lowakutuk und jeder ihrer Teamkollegen rufen „ihren“ Elefanten mit seinem speziellen Laut. So klingt es wie eine kleine Melodie aus sich wiederholenden Worten und Lauten. Die Elefantenjungen sind auf ihre persönlichen Pfleger geprägt, erkennen sie an ihrem Geruch und ihrer Stimme. Die kleinen Elefantenwaisen, die gerade noch mit Tierpflegern auf einem Spaziergang im Busch waren, stürmen mit flatternden Ohren auf den Platz und zu „ihrem“ Pfleger. Der Rüssel wird um die Milchflasche geschlungen – und dann wird erst einmal in großen Zügen getrunken.

Die Milch wird für jeden kleinen Elefanten individuell zusammengestellt, und Ziegenmilch bildet dabei die Basis. Doch damit die kleinen Dickhäuter gesund bleiben und gut wachsen, werden noch viele andere Zutaten zugemischt, unter anderem Öl aus Samen vom Moringabaum und Honig. Auch die Spaziergänge gehören zum täglichen Ritual. Schließlich sollen die Tiere mehr und mehr selbstständig werden, denn am Ende steht für alle Waisen das große Ziel: die Auswilderung. Da das Gebiet, in das die Elefanten ausgewildert werden, anders als bei anderen Elefanten-Waisenhäusern auch von Menschen besiedelt ist, sollen die Tiere ihre Scheu vor Menschen möglichst auch während ihrer Zeit in Reteti nicht verlieren. „Sie sollen wild bleiben, sonst sind Konflikte mit den Menschen programmiert“, sagt Moses Lenaifa. Aus diesem Grund werden sie nach der Auswilderung auch nicht mehr mit ihrem Namen angesprochen und menschlicher Kontakt auf ein Minimum beschränkt. Für zehn der Elefantenwaisen hat die Auswilderung bereits problemlos geklappt.

❝Das Dorf arbeitet mit Reteti zusammen und steht hinter dem Projekt❞

Weitere Infos

Touren zum Reteti-Waisenhaus bietet

Frank Wirth an:

https://rhinowatchlodge.com

Spenden:

ProWIN pro nature Stiftung

IBAN DE 87 5925 2046 0050 0338 24 BIC SALADE51NKS

Per Paypal: @proWINStiftung

Alle ziehen an einem Strang

Wichtig für Reteti ist, dass die Dorfgemeinschaft hinter der Auffangstation steht und alle Seiten zusammenarbeiten. „Wir helfen uns gegenseitig“, erklärt Lenaifa. Die Menschen melden uns, wenn ein Elefantenkalb in Not ist oder es Konflikte gibt. Unser Team, bestehend aus 61 engagierten jungen Frauen und Männern, kommt direkt aus der Community. Sie haben sichere Jobs und regelmäßiges Einkommen und kümmern sich gut um die Elefantenwaisen. Wir wiederum kaufen die Milch von ihren Ziegen. Außerdem fließen 60 Prozent der Eintrittsgelder, die wir von den Besuchern einnehmen, ebenfalls in die umliegenden Dorfgemeinschaften“, sagt er. Zudem habe Reteti einen 14,6 Kilometer langen Wasserzufluss geschaffen, der auch den Menschen aus den Dörfern Zugang zu Wasser ermöglicht, wenn die Dürre extrem groß ist. Durch die Corona-Pandemie blieben die Eintritssgelder der Touristen in den vergangenen zwei Jahren aus und brachten das Projekt in große finanzielle Schwierigkeiten. Unterstützung kam Anfang 2022 glücklicherweise von der deutschen proWIN pro nature Stiftung, die 20.000 US-Dollar spendete. Die Kenianerin Maisha Wirth von der Madrugada Stiftung, die sich als Vertretung der deutschen proWIN pro nature Stiftung um Menschen und Tiere kümmert, war vor Ort und überbrachte die gute Botschaft. „Es ist sehr wichtig für mich, eine Organisation wie Reteti zu unterstützen, weil sie die Initiative ergreifen, um eine bedrohte Tierart zu retten. Der Mensch ist der Grund, warum diese riesigen Tiere vom Aussterben bedroht sind. Deshalb ist es auch wichtig, dass der Mensch alles dafür tut, Elefanten zu schützen“, sagt sie und fügt hinzu: Ich komme aus einer Familie, für die Natur- und Tierschutz eine hohe Priorität hat, und mir liegt dieses Projekt sehr am Herzen. Wir sollten in Harmonie mit allen anderen Kreaturen leben, schließlich ist jede Art ein Puzzleteil des großen Ganzen und ungemein wichtig.“

Durch die Spende kann Reteti weiter agieren und wachsen – und so auch zukünftig den kleinen Dickhäutern helfen, wenn sie in Not geraten.