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Großer Lückenschluss bei DAB+


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Digital Fernsehen - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 04.11.2022

BR-Empfang durch Tirol

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Bildquelle: Digital Fernsehen, Ausgabe 9/2022

Die Programme des BR werden seit jeher nicht nur im Freistaat, sondern auch in Südtirol ausgestrahlt, wo man zumindest Bayern 1-3, BR Klassik, BR24 und BR Heimat über DAB empfangen kann. Zwischen beiden Sendegebieten klaffte bis jetzt eine große Versorgungslücke in Tirol, Österreich. Bereits seit vielen Jahren war es der Wunsch des BR und auch der südtiroler Rundfunkanstalt RAS, diese Lücke zu schließen. Nachdem Versuche scheiterten, einen leistungsstarken Sender am Patscherkofel hoch über Innsbruck in Betrieb zu nehmen, mit dem man die gesamte Strecke der Inntal- und Brennerautobahn hätte versorgen können, gescheitert waren, wurde die Idee geboren, den Lückenschluss quasi von außerhalb zu vollziehen.

Dazu besann man sich zunächst auf südtiroler Seite des Hühnerspiels. Dieser exponiert gelegene Berg unweit der Grenze zu Österreich am Brenner, wurde bereits in den frühen ...

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... 1980ern von Radiopionieren genutzt, um Privatprogramme nach Innsbruck und Bayern zu senden, wo zu diesem Zeitpunkt bekanntlich noch Rundfunkmonopole herrschten. Anfang 2019 wurde hier, quasi als Test, zunächst ein südtiroler Multiplex mit einem alten Reservesender in Betrieb genommen. Man war sich bei der RAS nicht ganz sicher, ob das Vorhaben auch in der Praxis funktionieren würde. Erste Testfahrten kurz nach der Inbetriebnahme, bei denen die Teams der RAS und von DIGITALFERNSEHEN ihre Ergebnisse miteinander austauschten, waren derart erfolgreich, dass am Hühnerspiel drei neue Sender installiert wurden, über die nun die beiden RAS-Pakete auf Kanal 10B und 10D, sowie das Ensemble mit den südtiroler Privatsendern auf Kanal 10C ausgestrahlt werden. Über diese Anlage wird nicht nur der Empfang auf südtiroler Seite verbessert. Nebenbei erreicht man damit, großteils über Reflexionen, auch den Großraum Innsbruck zwischen Zirl im Westen und Wattens im Osten. Auch auf der Verbindung nach Garmisch-Partenkirchen ist der Empfang soweit gewährleistet, bis mit DAB+ direkt aus Bayern empfangen kann. Womit zumindest der kleine Lückenschluss realisiert wurde.

Sorgenkind Inntalautobahn

Von bayerischer Seite wurde das Inntal nur schlecht erreicht. Hier leistete der Sender am Wendelstein die Hauptarbeit. Für ihn war jedoch mit üblichen oft empfangsschwachen in den Autos fest verbauten DAB+-Radios meist schon kurz nach Kufstein Schluss. Mit sehr guten Geräten und Dachantenne kam man bis zum rund 30 Kilometer südlich der Grenze zu Bayern gelegenen Rattenberg. Danach war selbst mit ausgesuchtem Empfangsequipment auf den folgenden 24 Kilometer gar nichts zu hören. Erst danach tauchte man allmählich in das Versorgungsgebiet des Hühnerspiels ein. Auf deutscher Seite befindet sich kein Sender, der gut in das Inntal reinstrahlen könnte. Infrage kam deshalb nur der klei-ne Senderstandort Inntal Ebbs. Dieser BR-Standort befindet sich etwas nördlich von Kufstein auf österreichischen Boden. Hier erfolgt über einen vergleichsweise kleinen Mast die UKW-Versorgung der BR-Programme für die Region Kiefersfelden, Brannenburg, die vom Wendelstein weitgehend abgeschattet sind. Dafür kommt eine Sendeleistung von 50 Watt zum Einsatz. Für DAB+ hatte man für den nur 712 Meter hoch gelegenen Standort jedoch ein ganz anderes Kaliber vorgesehen, nämlich 10 kW. Diese wurden von der österreichischen Fernmeldebehörde nicht nur genehmigt. Offensichtlich wurde der Plan sogar für gut befunden.

Empfangspraxis

Selbstverständlich waren wir gespannt, wie sehr der Sender Ebbs zur Empfangsverbesserung des bayerischen DAB+ auf dem Weg nach Innsbruck beitragen würde. Dazu haben wir unser Testfahrzeug zusätzlich zum eingebauten, äußerst tauben Digitalradio und dem nachträglich eingebauten Kenwood KDC-X7200DAB mit Dachantenne, mit einem DAB+-Autoadapter Tiny C5, ebenfalls mit Dachantenne, versehen. Der C5 erlaubt uns, während der Fahrt ständig die Signalstärke und Qualität im Auge zu behalten.

Unser Weg führt uns zunächst von Kitzbühel über Ellmau zum Autobahnanschluss Wörgl, etwa 14 Kilometer südlich von Kufstein. Hier war schon in der Vergangenheit großteils grenzwertiger DAB+-Empfang mit auch längeren Aussetzern vom Wendelstein möglich. Ab etwa Ellmau scheint sich der neue Sender Ebbs positiv bemerkbar zu machen, indem der Empfang nun spürbar stabiler ist, als er es in der Vergangenheit war. Zudem steigt die Signalstärke, je mehr wir uns dem Inntal nähern. Im nördlichen Inntal dürfen wir uns nun über Signalstärken von rund 25 bis 30 dB erfreuen. Mit zunehmender Entfernung nimmt zwar die Signalstärke etwas ab, pendelt aber im Wesentlichen zwischen rund 17 und 23 dB hin und her. Was jedenfalls genug ist, um selbst das taube Werksautoradio am spielen zu halten. Zugegeben, für uns war es schon etwas ungewohnt, das bayerische Signal auf der Höhe von Rattenberg nicht mehr zu verlieren und weiter stabilen Empfang zu haben. Etwa ab Schwaz, ab rund 53 Kilometer vom Sender Ebbs entfernt, werden die bayerischen Signale allmählich schwächer und überschreiten kaum noch die 20-dB-Marke. Dennoch ist weiter für stabilen Empfang mit allen Digitalradios gesorgt. Der klappt auch noch bei rund 15 dB Signalstärke noch wunderbar. Etwa diesen Wert behalten wir bis kurz vor Hall in Tirol. Hier macht das Inntal einen Knick, dem die inzwischen aus etwa 66 Kilometer entfernten Signale nur noch schwer folgen können. Binnen einem Kilometer sackt die Signalstärke auf unter 10 dB und noch weiter ab und lässt das DAB+-Radio allmählich verstummen. Diesen Effekt haben wir absichtlich herbeigeführt, indem wir unsere Radios daran gehindert haben, automatisch auf die südtiroler Multiplexe zu wechseln. Nur so konnten wir die tatsächliche Reichweite des neuen Senderstandorts austesten.

Geht noch etwas weiter

In der Praxis überlappen sich die Versorgungsgebiete des Senders vom südtiroler Hühnerspiel und jenen in Ebbs bei Kufstein. Da in der Überlappungszone beide Multiplexe stabil zu empfangen sind, wird man von dem Wechsel nichts merken. Zumindest nicht, wenn man Bayern 1-3, BR Klassik, BR24 und BR Heimat hört. Die restlichen BR-Wellen werden in Südtirol nicht verbreitet. Womit etwa mit BR Schlager und Puls etwa bei Hall Schluss ist. Dasselbe trifft auch auf Privatsender wie Antenne Bayern, Rock Antenne oder etwa egoFM zu. Ganz zu ende ist der Bayern-Empfang in Hall jedoch noch nicht. Auf den rund sechs Kilometer nach Innsbruck kommt der von uns primär getestete Kanal 11D immer wieder brauchbar durch. Selbst in der City von Innsbruck, durch die wir kreuz und quer fahren. Freilich dominiert hier das Signal aus Südtirol, was im Radiodisplay zum Beispiel an „RAS Bayern 3“ zu erkennen ist. Immer wieder aber ist auch nur „Bayern 3“ zu lesen, was auf den Sender Ebbs schließen lässt. Für die Bevölkerung rund um Innsbruck bedeutet dies, dass sie, mit einem sehr vertretbaren Antennenaufwand zumindest stationär auch die beiden originalen BR-Muxe auf Kanal 10A und 11D bekommen sollten. Somit lassen sich hier sieben zusätzliche attraktive Programme empfangen.

Testfahrt durch Tirol

Situation in Innsbruck

Neben dem österreichischen Digitalradiopaket mit 16 Privatsendern sind im Großraum Innsbruck auch drei Multiplexe aus Südtirol quasi ortsüblich. In den Paketen RAS1 (Kanal 10B) und RAS 2 (Kanal 10D) sind 22 öffentlich-rechtliche Programme enthalten. Darunter sechs Kanäle des BR, DLF Kultur und DLF Nova, drei Spartensender der schweizer SRG und neben den Hauptprogrammen der RAI auch das lokale RAI Südtirol, das großteils in Deutsch sendet. Zudem kann man hier die ORF-Kanäle Ö1, Ö3, FM4 und ORF Radio Tirol über DAB+ empfangen. Sie werden landesweit in Südtirol und über einen Sender im Trentino ausgestrahlt. Damit sind die ORF-Radios zwar bis ans Südufer des Gardasees im besten DAB+ zu hören, in Österreich aber nicht. Schließlich ziert sich der ORF nach wie vor, mit DAB+ im eigenen Lande aktiv zu werden. Weiter kommt auf Kanal 10C ein Paket mit 14 südtiroler Privatradios. Womit 52 Programme aus vier Ländern zu hören sind. Was für österreichische Verhältnisse außergewöhnlich viel ist. Im innsbrucker Osten haben wir die Empfangssituation an einem beliebig ausgewählten Parkplatz im Detail untersucht. Hier kamen die drei Multiplexe aus Südtirol mit rund 15 bis 16 dB an. Was für die Region eher wenig ist. In weiten Teilen der Stadt haben wir jedenfalls deutlich über 20 dB ermittelt. Zusätzlich gingen uns auch die beiden von Ebbs ausgestrahlten bayerischen Pakete auf Kanal 10A und 11D ins Netz. Bei einer Distanz von rund 70 Kilometer und vor Ort bereits ungünstigen topografischen Gegebenheiten erreichten wir jeweils rund 11 dB. Das ist zwar nicht mehr allzu stark, genügt aber noch für ungestörte Wiedergabe.

Fazit

Dank des Senders Ebbs sind nun die beiden BR-Multiplexe im Inntal bis fast nach Innsbruck bestens zu empfangen. Gemeinsam mit dem Sender der RAS auf dem Hühnerspiel kann man nun die wichtigsten BR-Programme auch auf dem Weg durch Tirol/Österreich in ausgezeichneter Qualität empfangen. Von Frankfurt bis zum Gardasee lückenlos Bayern 3 und mehr hören zu können, ist nun gelebte Realität geworden. Mehr noch! Die Versorgung mit BR-Programmen im Bundesland Tirol ist nun definitiv besser, als jene mit dem bundesweiten österreichischen DAB+-Ensemble. Schließlich sind die BR-Pakete und auch weitere, primär über den Sender Wendelstein, unter anderem auch noch brauchbar in der Region St. Johann/Tirol und Kufstein zu bekommen. Abschließend bleibt uns zu der ausgezeichneten DAB+-Versorgung auf der österreichischen Inntal-Autobahn, der Region Innsbruck und der Brenner-Autobahn, nur eines zu sagen: Danke Bayerischer Rundfunk und Rundfunkanstalt Südtirol.

THOMAS RIEGLER

DAB+ in der Praxis