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GROSSER SPASS: Mit dem E-Bike von Hamburg nach Berlin


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arrive - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 12.08.2022

RADTOUR 2022

S

Seit über 20 Jahren fahren wir nun gemeinsam Rad – und gegen E-Bikes lästern wir schon lange nicht mehr, auch wenn wir unsere alten Renn- oder Mountainbikes sportlich eher auf der Kurzstrecke bewegen. In Wind oder Regen am Deich entlang, mit vollen Packtaschen und durchschnittlich rund hundert Tageskilometern mutieren wir inzwischen zu Weicheiern, die zwischen einem Active- oder Performance-Motor unterscheiden und sich schon mal fragen, ob man unterwegs zwischenladen muss (kein Bedarf ab 625 Wattstunden).

TAG 1: EIN PFLASTER FÜR DIE SEELE

Angesichts eines wunderschön sonnigen Junitages und einer einstündigen Verspätung, in der wir Bernds Fully-Dämpfer mit einer schnell herbeigeholten Federgabel-Pumpe (300 PSI gibt es nicht an der Tanke) schwergewichtstauglich machten, verpufften all diese Sorgen in einem leichten Rückenwind: Nach 130 Kilometern war das Etappenziel Hitzacker erreicht, ...

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Bildquelle: arrive, Ausgabe 5/2022

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... und selbst Henning mit seinem 500er-Akku hätte nicht nachladen müssen. Die erste Currywurst war obligatorisch, nur Bernd wollte unbedingt was Gesundes: Dass er in seinem Salat ein blutiges Pflaster vorfand, kommentierte der geschockte Wirt mit Blick auf die Köchin: „Sie ist verletzt“….

TAG 2: EIN LANGER, RUHIGER FLUSS

Hitzacker–Wittenberge war eine deutlich kürzere Etappe als die des Vortages, und entsprechend locker gingen wir es an. Immer entlang der Elbdeiche und -Auen radelten wir genüsslich durch die Landschaft, die Tour hatte fast etwas Meditatives: So beschaulich kannten wir den Elbstrom, in dessen Nähe wir ja auch in Hamburg leben, gar nicht. Überhaupt: Es war das erste Mal in über 20 Jahren, dass wir mit Packtaschen von Ort zu Ort fuhren, sonst waren wir immer an einen Standpunkt gereist, von dem aus man gut ausschwärmen konnte. Quer durch das Biosphärenreservat der Flusslandschaft Elbe fuhren wir auch durchs mecklenburgische Städtchen Dömitz, in dessen malerischer Altstadt jedoch die Maler noch einige Arbeit vor sich haben…

Unser Tagesziel Wittenberge ist ein hübscher Ort – die vorgebuchte Pension mit angeschlossener Kneipe direkt an der Elbe sehr gemütlich, und es war überhaupt nicht schlimm, dass in meinem Zimmerchen immer dann der Strom ausfiel, wenn ich im Bad die Lüftung anmachte. Das tolle Frühstück machte mein Duschen im Dunkeln locker wett, zumal wir dort auf eine junge dänische Familie trafen, die mit zwei Cargo-E-Bikes und drei kleinen Kindern vier Monate lang quer durch Europa fuhr – über die Alpen back to Kopenhagen. Wir kamen uns vor wie arme Würstchen angesichts dieser respekteinflößenden Leistung. Getrübt wurde dieser Tag nur durch das Essen beim örtlichen Griechen, das so mies war, dass es als Gesprächsthema den E-Bikes den Rang ablief.

TAG 3: STÖRCHE UND REGEN

Die Apps haben Regen angesagt – und das diesmal mit großer Genauigkeit. Es regnete sich schnell ein, wir konnten endlich einmal in unseren angeblich wasserdichten Kombis fahren, und die am Vortag völlig zugestaubten Bikes wurden wieder sauber. Meinem XD4 war das Wetter völlig egal, es leistete seinen Dienst weiterhin stoisch – da quietschte nichts, und mit seinen breiten All-Terrain-Reifen war es in jeder Situation eine sichere Bank.

Das galt allerdings auch für die E-Bikes der Freunde, speziell Eduards neues Cubee-MTB mit dem 730er-Akku und Hennings Riese-und-Müller-Bolide waren unverwüstlich und zeigten in keiner Situation Schwächen. Bald waren wir in Brandenburg, dort, wo die Havel in die Elbe fließt und auf jedem zweiten Mast ein Storchennest ist. Es ging nach Rathenow, wo wir in einem gemütlichen kleinen Hotel am Rande der Innenstadt nächtigten.

Natürlich wurden Schuhe und Socken trotzdem nass, und wir ließen alles auf dem Hotelbalkon trocknen. Dort trafen wir uns nach dem Essen noch mal, um an einem Handy-Kaminfeuer einen denkwürdigen Abend zu verbringen, an dessen Ende eine leere Flasche Gin und so einiger Snack-Verpackungsmüll stand. Wehe, wenn sie losgelassen…

TAGE 4 UND 5: ZWEI SCHÖNE TAGE IN POTSDAM

Erstaunlich, dass wir Rathenow ohne Kopfschmerzen verlassen konnten! Dennoch verfuhren wir uns im Gewirr der vielen Seen im Havelland trotz unserer Rad-Navigationsgeräte mehrfach, was aber nicht schlimm war, denn in Brandenburg führen mehr oder weniger alle Wege nach Potsdam. Und glauben Sie mir, das sind fast alles schöne Wege, auch wenn man merkt, dass man in der Nähe einer Großstadt ist. Der Verkehr, auch auf den Radwegen, nimmt deutlich zu, und man ist quasi doppelt froh, elektro-mobil mit dem Radl unterwegs zu sein. Rund um Potsdam gibt es Hunderte Kilometer wunderschöne Radwege rund um die unendlich vielen Seen, und selbst wir wassererprobten Hamburger hatten mit so viel maritimem Flair nicht gerechnet. Wir umradelten einige der Seen (wie den Heiligen See, an dem die Promidichte angeblich besonders hoch ist, und es war bestimmt Günther Jauch, der da mit einer Boje am Fuß umherschwamm), aber auch der Templiner See, der Schwielowsee und manche anderen sind mehr als urlaubstauglich, ganz besonders für die Radelnden aus dem Auenland.

In der City von Potsdam nächtigten wir in einem konvenienten Stadthotel mit gemäßigtem Luxus, das Ersparte steckten wir in zwei wunderbare Abendessen und hatten an einem späten Nachmittag sogar noch Zeit für einen Besuch des Barberini-Museums, in dem der SAP-Milliardär Hasso Plattner seine beachtliche Monet-Sammlung zeigt und uns mit einer aktuellen Ausstellung abstrakt malender Genies wie Jackson Pollock oder Mark Rothko verzauberte.

TAG 6: KANN DIE BAHN E-BIKE ?

Jetzt mussten wir nur noch die E-Bikes unbeschadet wieder nach Hamburg karren: Nach einer letzten wunderbaren Fahrt entlang des Wannsees landeten wir am Mittag des letzten Tages in Berlin-Spandau, von wo aus wir den Rücktransport organisiert hatten. Versuchen Sie einmal herauszufinden, wo bei einem ICE das Fahrradabteil ist! Kleiner Tipp: Exakt am anderen Ende des Zuges, wenn Sie aufgrund guter Beziehungen die erste Klasse buchen konnten! Aber welches Ende des Zuges wo ist, ist leider auch nicht immer gleich, will sagen, auf den Wagenstandsanzeiger ist nur bedingt Verlass, was in meinem Fall dazu führte, dass ich meinen Zug verpasste und erst zwei Stunden später in einem EC mein treues XD4 an den Haken hing, wobei ich mir hier gewünscht hätte, mein historisches Titan-Mountainbike dabei gehabt zu haben statt das Schwermetall von HNF.

UNTERM STRICH ALLERDINGS: GEILE TOUR, GEILES E-BIKE UND DIE EMPFEHLUNG AN ALLE: NACHMACHEN!