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GROSSMEISTER des Halftime-Shuffles


drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 11.08.2021

(IV): BERNARD PURDIE, JEFF PORCARO UND ASH SOAN

Artikelbild für den Artikel "GROSSMEISTER des Halftime-Shuffles" aus der Ausgabe 5/2021 von drums & percussion. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

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Der Halftime-Shuffle gilt in Schlagzeugerkreisen als Ikone einer clever gemachten Spielart. Doch das rhythmische Netz ist einigermaßen tricky, weil die Struktur aus Backbeat und papierleisen Ghostnotes ein weites Dynamikspektrum erfordert. Hinzu kommt der treibende Puls der geshuffelten Hihat. Mit der richtigen Dosierung aber entwickelt dieser faszinierende Mikrokosmos eine tiefgehende Magie.

Groove-Charakteristika

Der Halftime-Shuffle ist eine auf Triolen basierende Figur – häufig als Achteltriole von der Hihat gespielt – wobei jeweils die mittlere Note des Hihat-Triplets entfällt. Dieser atmende Zwischenraum wird gerne mit einer Snare-Ghostnote gefüllt, wodurch die Rhythmik eine besondere Signifikanz erhält. Der Halftime-Charakter ergibt sich dadurch, dass der Snare-Backbeat nicht auf »2« und »4«, sondern auf »3« gespielt wird, was eine Halbierung ...

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... der Snarebeats im Verhältnis zu den acht (triolischen) Hihatbeats bedeutet und den Halftime-Charakter effektiert – so weit die analytische Sichtweise. Das klingt erst mal nüchtern und erklärt noch längst nicht, warum wohl der Halftime-Shuffle bei den meisten Drummern eine hochgradige Faszination ausübt. Hierzu muss man das mathematische Korsett durchbrechen und in die tiefere Psyche dieses Drumgrooves vordringen. Insofern bereisen wir die Halftime-Shuffle-Welten Purdies, Porcaros und Soans, um sie miteinander zu vergleichen, Inspirationen daraus zu ziehen und dem magischen Phänomen auf die Schliche zu kommen.

Der Altmeister: Bernard Purdie

Er gilt als einer der meistaufgenommenen Schlagzeuger weltweit und Pionier des Halftime-Shuffles. Nach eigener Aussage hat er auf mehr als 4.000 Alben getrommelt. Die Liste seiner Credits verweist auf Weltberühmtheiten des Soul, Rock und Jazz, darunter Künstler wie James Brown, Steely Dan, Aretha Franklin, Miles Davis, Cat Stevens, B. B. King, Marvin Gaye, Louis Armstrong und wahnsinnig viele andere. Bekannt ist der US-amerikanische Funky-Soulbeat-Drummer vor allem für seinen Halftime-Shuffle-Groove, den er selber als »Purdie Shuffle« bezeichnet. Häufig werden in diesem Zusammenhang die Steely-Dan-Tracks »Home At Last« und »Babylon Sisters« genannt. Purdie wurde vielfach zu seinem Shuffle-Groove befragt – ebenso vielfältig sind seine Antworten ausgefallen. Man kann nicht behaupten, dass es diesen einen »Bernard-Purdie-Halftime-Shuffle« gibt. Vielmehr geht es um das Feel, mit dem Purdie seinen Shuffle-Varianten Leben einhaucht. Dabei sind Tempo, Timing und Dynamik elementare Bausteine, die für ein unverwechselbares Feel sorgen. Der hier stellvertretend abgebildete »Purdie-Halftime-Shuffle« basiert auf einem Two-Bar-Pattern. Neben den geshuffelten Hihatbeats sind es auch die feinen Snare-Ghostnote-Rebounds, die den faszinierendes Charakter prägen. Das notierte Beispiel (Bsp. 1) ist auch in einem Video festgehalten, in dem Purdie seinen vielzitierten Groove demonstriert (zu sehen bei Spielzeit 11:30 Min. bis 14:00 Min., QR-Code).

Der »Shuffle-King«: Jeff Porcaro

DER IKONISCHE »ROSANN A«-GROO- VE ZEUGT VON SPIELER ISCHER KLASSE UND GILT ALS MEILENSTEIN

Jeff Porcaro ist Urheber eines der prominentesten Drumgrooves überhaupt: »Rosanna« [1982]. Jener ikonische Groove zeugt von spielerischer Klasse und gilt als Meilenstein in der Geschichte des Schlagzeugspiels. Dabei liegt die Kernidee des Grooves in den perfekt getimten Ghostnotes, die dem rhythmischen Fluss eine Einzigartigkeit verleihen. Nach eigener Aussage inspirierten ihn Bernard Purdie sowie John Bonham zu diesem Groove:

Aus Steely Dans »Babylon Sisters« und »Home At Last« [Bernard Purdie, 1977, Bsp. 2], sowie Led Zeppelins »Fool In The Rain« [John Bonham, 1979, Bsp. 3], kreierte er seine eigene Interpretation – eine Art Hybrid, wobei er zusätzlich die bekannte Bo-Diddley-Rhythmik [ca. 1955, Bsp. 4], auf der Bassdrum einfließen ließ.

Das Schlagzeugspiel in »Rosanna« (Bsp. 5) basiert auf einem kontinuierlich durchgehenden Triplet-Hihatpattern, bei dem die mittlere Hihatnote entfällt. Genau an dieser Leerstelle fügt Porcaro eine leise Snaredrum-Ghostnote ein. Somit ist das Triplet wieder komplett und besteht aus der Abfolge Hihat, Snare-Ghosting, Hihat. Dieses Triplet-Pattern ist nicht unbedingt Gesetz, aber absolut typisch für alle Arten von Halftime-Shufflegrooves und bildet die atmende Seele eines faszinierenden Mikrokosmos’. In der Tat ist hier aber auch die Krux verborgen. So liegt ein nicht zu unterschätzender Kniff des »Ro- sanna«-Grooves im Snare-Backbeat auf »3«, da unmittelbar auf »3+« eine leise Ghostnote folgt, wodurch sich ein Doppelschlag aus lautem (Main) und leisem Beat (Ghost) ergibt. Dieser spieltechnisch anspruchsvollen Situation folgt zudem noch die Bo-Diddley-Bassdrum-Rhythmik, die einen weiteren Charakterzug des »Rosanna«-Shuffles bildet. Es ist allerdings nicht sichergestellt, ob Porcaro tatsächlich die Ghostnote auf »3+« immer mit aller Konsequenz gespielt hat oder im Sinne des komfortableren Plays auch mal unter den Tisch fallen ließ. Aufschlussreich ist das Video, in dem Porcaro die Inspirationsquellen preisgibt und seinen »Rosanna«-Drumtrack detailliert erklärt (QR-Code).

Der »Killergroover«: Ash Soan

Ash Soan ist ein bekennender Fan von Shuffle-Grooves. Seiner Auffassung nach liegt die Magie in der Interaktion zwischen Main-Beats und Ghostnotes. Zudem sagte der überaus sympathische Brite einmal: »Ich bin kein großer Techniker und ebenso wenig ein Virtuose. Ich kann lediglich Songs spielen.« Bei aller Bescheidenheit sollte man voranstellen, dass er tonnenweise Blockbuster-Alben eingespielt hat (Cher, Seal, Robbie Williams, Billy Idol, Adele, Enrique Iglesias, Dionne Warwick, Celine Dion, Ronan Keating, Nelly Furtado). Seine Groove-Tracks sind auf zahlreichen Number-one-Produktionen zu hören, und er gilt nicht umsonst als First-call- Drummer der UK-Studioszene. Auch zählt Ash Soan zum erlesenen Kreise der »Producers« um Trevor Horn. Und wer Ash Soan einmal live erlebt, dem wird augenblicklich klar, dass dieser Mann nicht nur einen großartigen Sound hat, sondern auch ein wunderbares Feel für Groove.

Raffinierter Beat: »Redzone Killer«

Ein ikonenhafter Ash Soan ist auf dem Album »7« des britisch-nigerianischen Künstlers Seal zu finden: »Redzone Killer« [2015] basiert auf einem hochgradig elegant getrommelten Halftime-Shuffle (Bsp. 6), der sich erst so richtig offenbart, wenn man mit dem Mikroskop mal genauer hinhört. Obschon das Schlagzeug in der Produktion relativ trocken gemischt ist und in den Details gar nicht so vordergründig abläuft, spürt man dennoch diese Magie, die den Song trägt. Das liegt im Wesentlichen auch an der Empathie und Energie, mit der Ash Soan den Groove nahezu lebt, so als wäre er mit Geist und Körper Teil dieses rhythmischen Juwels. Raffiniert gemacht sind zudem auch die regelrecht einmassierten Hihat-Openings, die dem Flow des Drumgrooves eine weitere Signifikanz verleihen.

Geradezu erfrischend ist Ash Soans Videoclip (QR-Code), in dem er den »Killer-Groove« explizit vorstellt. Das Video ist unbedingt zu empfehlen, um die geschmeidige Verzahnung von Hihat-Shuffles, kernigen Backbeats und extrem leisen Snare-Ghostings nachzuvollziehen. Optisch und akustisch sind hier alle Details wunderbar auszumachen. Auch vom Sound her sind die Drums transparent eingefangen.

Kernidee: eleganter Flow

Wer hat wann was gespielt und wer hat’s interpretiert und weiterentwickelt? Mit dieser Fragestellung begibt man sich auf Pfade der Erkenntnis. Manchmal scheinen die Dinge offensichtlich und stellen sich sehr transparent dar. Zumindest im Falle der drei Drummerikonen Purdie, Porcaro und Soan. Man schöpft aus den Quellen der Inspiration, und es entstehen neue, wenn nicht sogar großartige Dinge. Purdie gilt als wegbereitend für seine Schöpfung des »Rolling Shuffle«, dessen Idee sich in etlichen Iconic-Grooves wie »Slave To The Rhythm« oder »Rosanna« widerspiegelt. Die unmittelbare Inspiration ist ablesbar. Im Zuge der Schlagzeug-Pop- kultur blicken wir auf einen Fundus eleganter Halftime-Shuffles, die sicherlich zu den wunderbaren Errungenschaften der Schlagzeugwelt zählen. Doch was genau ist so faszinierend daran? Zum einen ganz bestimmt die spieltechnisch anspruchsvolle Herausforderung, an der sich mancher schon ›die Stöcke ausgebissen‹ hat. Hier richtet sich der Fokus besonders auf die Dynamik zwischen Snarebackbeat und Snare-Ghostings, die so fein wie ein Blatt Papier klingen. Nicht minder spannend ist das Konzept des Shuffle-Triplets in Form einer cleveren Interaktion von Hihat und Snare-Ghostings. Diese rollende und federnde Figur bestimmt die grundlegende Idee dieses elegant klingenden Groove-Flows.

BERNARD PURDIE GILT ALS WEGBE REITEND FÜR SEI- NE SCHÖPFUNG DES »ROLLIN SHUF FLE«

Pumpender Achtzylinder

Hinzu kommt der Backbeat auf »3«, der schließlich für das Halftime-Feel sorgt, und dieses ist in seiner naturgegebenen Art von relaxtem Charakter. So basiert der Halftime-Shuffle auf dem Mikrokosmos eines dynamisch fein gewobenen Triplets und klarem Backbeat-Statement auf der gechillten »3«. Wohin die Reise schließlich gehen soll, bestimmt nicht nur das Tempo des Grooves (Songs), sondern auch der Approach des komplexen Groovearrangements und insbesondere das der Bassdrum. Mehr in Richtung »Fool In The Rain« oder doch eher in Richtung »Redzone Killer«? Wie auch immer die Interpretation ausfallen mag, eines dürfte klar sein: Der Halftime-Shuffle setzt auf das Spiel agiler Triplets, deren Windrichtung mit den Bassdrum-Akzenten Fahrt aufnimmt. Dabei agiert der Backbeat auf »3« wie der solide Puls des pumpenden Achtzylinder-Diesels, der jegliche Hektik aufsaugt und den Groove atmen lässt, als wolle er sich im Sonnensegel entspannt zurücklehnen.

Text: Tom Schäfer