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GROW-REPORT: AUTO PURPLE


Highway - Das Cannabis Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 17.12.2019

Unser Tausendsassa Chuck Lore experimentiert weiterhin mit den verschiedensten Cannabissamen der unterschiedlichsten Anbieter, um einen nach dem anderen anzubauen. Dieses Mal stand Auto Purple von Sensible Seeds auf dem Plan, die Erfahrungen wurden wie immer gewissenhaft festgehalten und werden an dieser Stelle den Highway-Leserinnen und -Lesern präsentiert.


Artikelbild für den Artikel "GROW-REPORT: AUTO PURPLE" aus der Ausgabe 1/2020 von Highway - Das Cannabis Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Highway - Das Cannabis Magazin, Ausgabe 1/2020

Do-it-yourself-Experte Chuck Lore


Eigentlich wollten wir keine Cannabispflanzen mit dominanten Indica-Genen mehr aufziehen, aber diese Sorten sind uns zum Stressabbau besser geeignet als sativalastige Arten. Und als wir im Katalog eines Anbieters ...

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... diverser Samen blätterten, fiel uns eine Züchtung mit violetten Blüten ins Auge. Die Pflanze sah einfach appetitlich aus und auch wenn es sich um eine Auto Purple von Sensible Seeds handelte und nicht etwa eine Purple Haze, brummten wir ohne weiter darüber nachzudenken das gleichnamige Lied von Jimi Hendrix, aus dem wir sogleich schmunzelnd die erste Strophe sangen. Während einer von uns das Liedchen trällerte, bestellte der andere das Saatgut. Dieses wurde anschließend, wie auch bei allen anderen Anzuchten, im benachbarten Ausland eingepflanzt und aufgezogen. In diesem Land wird die Aufzucht einzelner Cannabispflanzen toleriert und wir konnten sicher sein, keinen Ärger mit dem Gesetz zu bekommen. Der Pflanztopf fasste 20 Liter Inhalt und die LED-Spezialleuchte emittierte in Bodennähe rund 450 μmol/(s·m²) photosynthetisch aktive Strahlung (PAR). Der Hersteller versprach, dass die Pflanze binnen 55 Tagen nach Keimung reif sein sollte. Wahrscheinlich war das zwar nicht unbedingt zutreffend, aber wir hatten mittlerweile genügend Erfahrung mit diversen Herstellerangaben gemacht, um solche Angaben gelassen zu sehen. Die Erntemenge sollte 30 bis 60 Gramm betragen, das erschien uns im Vorfeld durchaus realistisch.

Übrigens, für die Neugierigen und Wissbegierigen unter den Lesern: es gibt einen Unterschied zwischen Violett und Violett. Zum einen ist Violett die Bezeichnung für „echtes“ Violett mit einer Wellenlänge von etwa 380 bis 430 Nanometern, zum anderen ist es der Oberbegriff für Farben, die aus Blau und Rot gemischt werden. Tatsächlich sind Farben wie Lila, Pink, Purpur oder Magenta Mischfarben aus Blau und Rot, die im physikalischen Lichtspektrum nicht zu finden sind. Die Farben werden allein im Gehirn erzeugt, obwohl es sie im realen Farbspektrum gar nicht gibt. Gemeinhin werden Farben mit mehr Blauanteilen eher mit Lila bezeichnet, während Farben mit mehr Rotanteilen meist mit Purpur benannt werden. Faktisch aber gibt es keine eindeutige Zuordnung und die meisten Menschen verwenden die Bezeichnungen willkürlich. Fünf Tage nach der Einsaat wurde jedenfalls der Keimling sichtbar. Er durchbrach das Erdreich und strebte dem Licht entgegen. Sein Wuchs war vom ersten Tag an kompakt und stämmig. Nach einer Woche war er gerade einmal fünf Zentimeter hoch, spannte aber schon drei Zentimeter auf. Auch in den folgenden sieben Tagen entfaltete sich der Sämling gut. Er wuchs auf acht Zentimeter Höhe und konnte einen Durchmesser von fünf Zentimetern vorweisen. Auch ein zusätzliches Blattpaar war gut erkennbar. Leider entwickelte sich die Pflanze in der Folge eher zurückhaltend. Eine Woche später war sie nur einen Zentimeter größer und spannte gerade einmal neun Zentimeter auf. Ihre Blätter waren ungleichmäßig und verkrüppelt, was wir uns aufgrund der Anpflanzbedingungen nicht erklären konnten. Eventuell, so vermuteten wir, lag es an dem Saatgut selbst. Wir wollten noch ein wenig abwarten und dann entscheiden, ob wir parallel dazu ein weiteres Samenkorn der gleichen Sorte einpflanzten.

Nach der Wartezeit war das Pflänzchen auf zwölf Zentimeter Höhe gewachsen und spannte nun 15 Zentimeter auf. Die Blätter waren frisch und auch die neuen waren makelfrei. Wir glaubten zwar nicht, dass sich die Pflanze in dem kommenden Monat wie vom Produzenten angedacht weiterentwickeln könnte, aber der Plan, einen zweiten Samen parallel einzupflanzen, wurde fallengelassen. Die nächsten sieben Tage wuchs die Gute kräftig, sie maß 23 Zentimeter in der Höhe und hatte einen Durchmesser von 35 Zentimetern. Der Gesamteindruck war hervorragend und wir konnten erste Anzeichen der einsetzenden Blüte erkennen.

GROWPROTOKOLL (I)

14.3. Tag der Aussaat.
19.3. Keimling ist sichtbar.
26.3. Fünf Zentimeter hoch und spannt drei Zentimeter auf.
2.4. Acht Zentimeter hoch und fünf Zentimeter Durchmesser, weiteres Blattpaar erkennbar.
9.4. Neun Zentimeter hoch und ebenso viel von Blattspitze zu Blattspitze. Wuchs ist sehr verhalten und die Blätter sind verkrüppelt.
16.4. Zwölf Zentimeter hoch, Spannweite nun 15 Zentimeter, das kommende Blattpaar ist einwandfrei.
30.4. 23 Zentimeter hoch, Pflanze spannt 35 Zentimeter auf, sehr guter Gesamteindruck, erste Zeichen der Blüte erkennbar.
7.5. 38 Zentimeter hoch, 44 Zentimeter Durchmesser, weiterhin sehr guter Gesamteindruck.
14.5. 62 Zentimeter hoch, mehr als 60 Zentimeter Durchmesser, Blütenbildung hat deutlich sichtbar eingesetzt.
21.5. 80 Zentimeter hoch, Durchmesser unverändert, Blüten werden dichter.
28.5. Blüten bilden sich weiter aus, erste verfärbte Stigmen zu erkennen.
4.6. Ein Viertel der Stigmen verfärbt, zahlreiche dünne Trichome erkennbar, massive Geruchsprobleme.
11.6. Rund die Hälfte der Stigmen verfärbt, Trichome meist gefüllt, zur Hälfte trübe.
15.6. Erste bernsteinfarbene Trichome erkennbar, die Pflanze ist reif.
16.6. Erntetag.

GROWPROTOKOLL (II)

13.5. Errechneter Tag der Ernte laut Hersteller.
4.6. Geschätzter Tag der Ernte nach unseren Beobachtungen.
16.6. Tatsächlicher Erntetag.

Zeit von Einsaat bis zur Ernte: 94 Tage
Zeit von sichtbarer Keimung bis zur Ernte: 89 Tage

Erntevolumen (frisch, erste Wahl): 94 Gramm
Erntevolumen (frisch, Straßenqualität): 33 Gramm
Erntevolumen (getrocknet, erste Wahl): 21,5 Gramm
Erntevolumen (getrocknet, Straßenqualität): 9,5 Gramm

Nach einer weiteren Woche staunten wir nicht schlecht, als wir das Gewächs vermaßen. Auf stolze 38 Zentimeter Höhe, das waren 15 Zentimeter mehr als bei der letzten Messung, war es gewachsen. Und auch in der Spannweite hatte es fast zehn Zentimeter zugelegt. Die Blätter waren kräftig und sattgrün, ein wahres Prachtexemplar zeigte sich uns. Am ursprünglich errechneten Erntetag war aus dem zarten Keimling eine 62 Zentimeter große Königin geworden, die mehr als 60 Zentimeter aufspannte und deutlich sichtbare Blütenansätze zeigte. Ihr Blattgrün war unverändert und uns schien es, dass die Herrlichkeit lieber noch ein wenig weiter wachsen wollte, ehe sie erntebereit sein würde. Wir vermuteten, dass es noch rund drei Wochen dauern würde, ehe die tatsächliche Ernte anstünde. Zwei Wochen vor dem also nun neu geschätzten Erntetermin war der Gesamteindruck hervorragend. Das Grün der Blätter war weiterhin saftig und die Blüten wurden dicker und dichter. Obwohl die vegetative Phase vorbei war, war unsere Pflanze auf stolze 80 Zentimeter gewachsen. Trotz ihrer ausgeprägten Indica-Gene war das Wuchsbild eher das einer sativalastigen Pflanze. Die Blattspitzen waren schmal und die Internodien waren für indischen Hanf ungewöhnlich groß. Sieben Tage später, also eine Woche vor dem geschätzten Erntezeitpunkt, wurden die ersten Stigmen (Blütennarben) dunkel. Die Blüten selbst waren allerdings noch recht klein und Trichome, die Drüsenhaare der Pflanze, waren auch noch keine sichtbar. Wir vermuteten daher, dass es bis zur Reife doch länger als gedacht dauern würde. Es waren nun seit der Keimung zehn Wochen vergangen, das war viel Zeit für eine selbstblühende Pflanze. Aber alle Ungeduld half nicht, die Gute war noch nicht so weit.

Am geschätzten Erntetag, die Pflanze war elf Wochen alt, waren etliche der größeren Blätter welk oder gelb. Trichome waren auch zu sehen, allerdings waren sie noch nicht gefüllt und recht dünn. Die Blüten selbst waren zierlich und die Stigmen auch erst zu einem Fünftel verfärbt. Einerseits waren wir froh, dass die Pflanze weiterhin Blütenstände aufbaute. Anderseits fanden wir es ungewöhnlich, dass sich eine selbstblühende Sorte so viel Zeit ließ. Dazu kam ein Geruch, der wirklich außergewöhnlich intensiv war. Im Raum selbst stank es wie mitten in einem blühenden Cannabisfeld und die Wohnung roch, als ob wir die Polstermöbel mit Cannabis ausgestopft hätten. Zwar mussten wir keine Angst vor einer Entdeckung haben, aber einer der Hausbewohner sprach uns wenig erbaut und sehr nachdrücklich auf den Gestank hin an. Wir beeilten uns, einen elektrischen Luftreiniger auf Aktivkohlebasis zu installieren, das reduzierte den Geruch deutlich und zumindest im Flur war nichts mehr von der Pflanze zu riechen. Die nun zwölf Wochen alte Pflanze zeigte etliche welke Blätter, die auch in Blütennähe zu finden waren. Die Trichome hatten sich gut gefüllt, waren jedoch zur Hälfte noch klar. Zwar sahen wir noch keinerlei violette Farbtöne, aber die Ernte stand unmittelbar bevor. Wir beschlossen, die Herrlichkeit nun alltäglich zu überprüfen und sobald die Mehrzahl der Harzdrüsen trübe sein würde, mit der Ernte zu beginnen. Vier Tage später war es dann auch soweit, die meisten der Trichome waren milchig und einige bernsteinfarbene waren auch zu erkennen. Das waren untrügliche Zeichen für den Reifegrad der Pflanze, die wir dann am nächsten Tag komplett abernteten.

Nach dem Trocknen hatten wir mehr als 30 Gramm gut rauchbares Marihuana, davon sogar 21,5 Gramm der allerbesten Qualität – schöne lilafarbene Blüten, die wir jetzt erst bewundern konnten, als wir sie von den umgebenden Blättern befreit hatten, und ein aromatischer Geruch erfreuten uns schon vor dem Genuss. Nachdem wir also den Himmel geküsst hatten und wieder gelandet waren, nahmen wir den Rechner zur Hand und berechneten, was der Spaß kostete. Erde und Dünger veranschlagten wir mit fünf Euro, der Samen machte rund sechs Euro aus. Dazu kamen Energiekosten von etwa 45 Euro und der anteilige Betrag für die LED-Spezialleuchte von 13,50 Euro. Der Luftfilter war geliehen, kostete also außer dem Strom nichts. Alles zusammen rund 70 Euro, je Gramm fielen also Kosten von 2,33 Euro an. Das mag manchen viel Geld für selbstgezogenes Gras sein, wir waren jedoch durchaus zufrieden. Fazit: die Aufzucht der Pflanze war unkompliziert, aber wegen des Geruchs nicht unkritisch. Für eine selbstblühende Sorte war der Ertrag angemessen, die Zeit bis zur Reife lag leider am oberen Ende der Skala. Überzeugend war die Qualität des Marihuanas, dessen vorwiegend körperliche Wirkung uns nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Wer keine Angst vor Entdeckung hat und sich Zeit lassen kann, der ist mit dieser Züchtung gut beraten.