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GROW-REPORT: SUPER SILVER HAZE


Highway - Das Cannabis Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 22.10.2019

Growing

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Bildquelle: Highway - Das Cannabis Magazin, Ausgabe 6/2019

Der Name ist schon seit vielen Jahren ehrfürchtig von Kiffer zu Kiffer getragen worden – Super Silver Haze. Ein Name aus dem Cannabissortenreich, der wie nur wenige andere länderübergreifend für guten Geschmack, gute Potenz und gute Laune steht. Chuck Lore hat sich einen dementsprechenden Samen aus dem Hause Zambeza geschnappt und Keimen lassen. Die Ergebnisse lassen sich hier nachlesen.

Wie hier in Highway prot o k o l l i e r t , hatten wir i n z w i s chen etliche selbstblühende Sorten aufgezogen, was unsere Erfahrungen bezüglich verschiedener Wirkungen und Geschmacksrichtungen deutlich ...· m²) emittierte. Sie versorgte die Pflanze mit einem ausgewogenen Spektrum, das sowohl wachstums- als auch blütenfördernd ist. Für die Photosynthese werden gänzlich andere Lichtbestandteile benötigt, als wir Menschen zum Sehen brauchen. Unser Sonnenlicht sieht aus Pflanzensicht aus wie das Spektrum in Abbildung 1 (nach Govindjee), die grün-gelben Bestandteile sind für die Photosynthese von untergeordneter Bedeutung. Umso mehr freute es uns, als wir feststellten, dass das Licht der eingesetzten Leuchte im Bereich von 400 bis 660 Nanometern zum Großteil für das Wachstum genutzt werden konnte, siehe Abbildung 2. Übrigens sind die rund 17 Prozent, die nicht in diesen Bereich fallen und somit nicht für die Photosynthese aufgewendet werden, nicht verloren. Photomorphogenetische Effekte (lichtabhängige Steuerung der Entwicklung von Pflanzen) sorgen dafür, dass die Pflanze gesund aufwächst und reiche Blütenstände ausbildet. Zusätzlich brauchen Pflanzen die gelb-grünen Anteile, um sich orientieren zu können und ihr Wachstum zu stabilisieren. Wir gaben unserer anfangs täglich 16 Stunden lang Licht, so konnte sie gut wachsen und den Calvin-Zyklus in der Dunkelphase vollständig abschließen. Laut den optimistischen Angaben des Herstellers sollte das Gewächs am Ende um die 160 Gramm abwerfen, eine wirklich äußert großzügig bezifferte Menge. Wir stellten uns dennoch auf deutlich weniger ein. Die gesamte Aufzucht erfolgte übrigens in einem Land der Europäischen Gemeinschaft, in dem die Kultivierung einzelner Cannabispflanzen toleriert wird. Wir taten das, um einer möglichen Strafverfolgung in Deutschland zu entgehen. ...

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Wie hier in Highway prot o k o l l i e r t , hatten wir i n z w i s chen etliche selbstblühende Sorten aufgezogen, was unsere Erfahrungen bezüglich verschiedener Wirkungen und Geschmacksrichtungen deutlich erweiterte. Doch dieses Mal bekamen wir über einen Bekannten im Tausch einen Samen, der laut Angabe nicht selbstblühend sein sollte. Es handelte sich um die Sorte „Super Silver Haze“ von dem Anbieter „Zambeza“. Laut diesem handelt es sich dabei um eine Kreuzung aus Skunk, Haze und Northern Lights. Ihre Wirkung sollte aufgrund der sativalastigen Genetik eher anregend sein, was uns entgegenkam. Dazu sollte die Pflanze nicht länger als 65 Tage lang blühen, das ist für eine Pflanze dieser Art recht kurz. Zählte man zu der ausgewiesenen Blütezeit eine vegetative Phase von zehn Wochen hinzu, braucht sie laut Hersteller rund fünf Monate von der Einsaat bis zur Reife, das ist eine akzeptable Zeitspanne. Das Saatgut wurde also in einen 20 Liter fassenden Blumenkübel eingesetzt. Der Erfolg im Innenraumanbau steht und fällt mit dem Licht und dem Saatgut. Substrat und Dünger sind zwar auch wichtig, haben aber im Verhältnis zur Beleuchtung eine nachrangige Bedeutung. Die Beleuchtung übernahm in diesem Fall eine LED-Spezialleuchte, die in Bodennähe eine photosynthetisch aktive Strahlung (PAR) von rund 450 μmol/(s· m²) emittierte. Sie versorgte die Pflanze mit einem ausgewogenen Spektrum, das sowohl wachstums- als auch blütenfördernd ist. Für die Photosynthese werden gänzlich andere Lichtbestandteile benötigt, als wir Menschen zum Sehen brauchen. Unser Sonnenlicht sieht aus Pflanzensicht aus wie das Spektrum in Abbildung 1 (nach Govindjee), die grün-gelben Bestandteile sind für die Photosynthese von untergeordneter Bedeutung. Umso mehr freute es uns, als wir feststellten, dass das Licht der eingesetzten Leuchte im Bereich von 400 bis 660 Nanometern zum Großteil für das Wachstum genutzt werden konnte, siehe Abbildung 2. Übrigens sind die rund 17 Prozent, die nicht in diesen Bereich fallen und somit nicht für die Photosynthese aufgewendet werden, nicht verloren. Photomorphogenetische Effekte (lichtabhängige Steuerung der Entwicklung von Pflanzen) sorgen dafür, dass die Pflanze gesund aufwächst und reiche Blütenstände ausbildet. Zusätzlich brauchen Pflanzen die gelb-grünen Anteile, um sich orientieren zu können und ihr Wachstum zu stabilisieren. Wir gaben unserer anfangs täglich 16 Stunden lang Licht, so konnte sie gut wachsen und den Calvin-Zyklus in der Dunkelphase vollständig abschließen. Laut den optimistischen Angaben des Herstellers sollte das Gewächs am Ende um die 160 Gramm abwerfen, eine wirklich äußert großzügig bezifferte Menge. Wir stellten uns dennoch auf deutlich weniger ein. Die gesamte Aufzucht erfolgte übrigens in einem Land der Europäischen Gemeinschaft, in dem die Kultivierung einzelner Cannabispflanzen toleriert wird. Wir taten das, um einer möglichen Strafverfolgung in Deutschland zu entgehen.

Abbildung 1: Sonnenlicht


Abbildung 2: Unsere Pflanzenlampe


GROWPROTOKOLL

28.9. Tag der Aussaat.
3.10. Keimling durchbricht Erdreich.
10.10. Keimling wächst langsam, ist rund fünf Zentimeter hoch und spannt drei Zentimeter auf.
17.10. Nun sechs Zentimeter hoch und neun Zentimeter von Blattspitze zu Blattspitze. Ein weiteres Blattpaar ist deutlich zu erkennen.
24.10. Auf acht Zentimeter gewachsen, spannte zehn Zentimeter auf, gesundes, kräftiges Gesamtbild. 1.11. Nun 12 Zentimeter hoch und 16 Zentimeter im Durchmesser, weiterhin gutes Erscheinungsbild.
8.11. Gerade einmal 16 Zentimeter hoch und 20 Zentimeter Durchmesser. Blätter teilweise hellgrün bis gelb, vermutlich wegen der Kälte. Heizung beigestellt.
15.11. 22 Zentimeter hoch, 26 Zentimeter Durchmesser, Blätter wieder grüner.
22.11. 32 Zentimeter hoch, 40 Zentimeter Durchmesser, kräftiges Wachstum mit zahlreichen Seitentrieben.
29.11. 45 Zentimeter hoch, 54 Zentimeter Spannweite, weiterhin kräftiges Wachstum.
6.12. 55 Zentimeter hoch, Spannweite nahezu unverändert, gesundes Wachstum. 20 Zentimeter der Spitze wurden gekappt.
13.12. Seitentriebe haben sich nahezu gleichberechtigt weiterentwickelt, Höhe um die 50 Zentimeter, Spannweite um die 60 Zentimeter. Die oberen acht Seitentriebe heruntergebunden, damit die Krone noch buschiger werden konnte.
20.12. Triebe weiter nach unten gebunden, Höhe darum weiterhin um die 50 Zentimeter, Spannweite etwa 75 Zentimeter. Untere Nebentriebe sind zum Teil ebenso hoch.
27.12. Wachstum hat sich deutlich verlangsamt, Zweige erneut nach unten gebunden, Blütenbildung mit zwölf Stunden Licht täglich eingeleitet.

Am fünften Tag nach der Einsaat zeigte sich der Keimling, der sich normal weiterentwickelte. Binnen einer Woche wuchs er fünf Zentimeter in die Höhe und von Blattspitze zu Blattspitze spannte er drei Zentimeter auf. Diese Werte erhöhten sich in der folgenden Woche auf sechs und neun Zentimeter. Das war deutlich weniger Wachstum, als bei einer selbstblühenden Pflanze, wir waren überrascht. Auch in der darauffolgenden Woche war die Entwicklung verhalten. Der Keimling war erst acht Zentimeter hoch und spannte gerade einmal zehn Zentimeter auf, das war wirklich nicht sehr viel. Sieben Tage später war die Pflanze nicht mehr als zwölf Zentimeter hoch und spannte nur 16 Zentimeter auf. Weil aber das Erscheinungsbild ansonsten sehr gut war, fanden wir uns mit dem langsamen Wachstum ab. Rund einen Monat nach der sichtbaren Keimung war die Pflanze 16 Zentimeter hoch und spannte 20 Zentimeter auf. Weiterhin machte sie einen gesunden Eindruck, der Wuchs war stämmig und kräftig. Wir waren ob des verhaltenen Wuchses nun doch ein wenig irritiert und machten uns im Internet schlau. Und siehe da, die Größe war beinahe normal, wir hatten uns umsonst gesorgt. Allerdings drohte abermals Ungemach. Zunehmend wurden die Blätter heller, so als bekäme die Pflanze zu wenig Dünger. Doch das war ausgeschlossen, das Substrat war hochwertig und wir hatten regelmäßig gedüngt. Zu feucht war die Erde auch nicht und wir rätselten einige Tage, was der Grund für das schwindende Blattgrün sein könnte. Aufschluss gab uns ein einfaches Zimmerthermometer. Es zeigte uns, dass die Temperatur in dem abgelegenen Raum zu stark abgesunken war. Die Nächte waren kalt geworden und wir installierten eine elektrische Heizung. Der kleine Pflanzraum aus gewelltem Kunststoff, den wir zu einer aufrecht stehenden Röhre mit 80 Zentimetern Durchmesser und 100 Zentimetern Höhe geformt hatten, kühlte nun nicht mehr unter 20 Grad Celsius ab. Die Maßnahme war von Erfolg gekrönt, die Blätter wurden bald wieder grüner. Eine Woche nach der letzten Messung konnten wir eine Höhe von 22 Zentimetern und eine Spannweite von 26 Zentimetern vermelden. Unsere Freude war groß, als wir in der folgenden Woche eine Höhe von 32 Zentimetern und einen Durchmesser von 40 Zentimetern messen konnten. Die Blätter waren saftig grün und der Wuchs kräftig. Zudem hatten sich etliche stämmige Seitentriebe ausgebildet, was auf eine reichhaltige Ernte hindeutete. Die vegetative Phase sollte noch drei Wochen dauern. Das war Zeit genug, um noch mehr Pflanzenmasse auszubilden. Außerdem konnten wir diese Phase ja auch beliebig verlängern, wenn uns danach war. Das ist ein großer Vorteil regulärer Pflanzen, die erst aufgrund veränderter Lichtverhältnisse (Photoperiodismus) in die Blüte kommen. Anders als selbstblühende Sorten, die in Abhängigkeit ihres chronologischen Alters zu blühen beginnen, dürfen herkömmliche Cannabissorten, die zu den Kurztagsblühern zählen, maximal einer täglichen Lichteinstrahlung von 13,5 Stunden ausgesetzt sein, wenn sie Blüten ausbilden sollen. Der exakte Wert ist sortenabhängig und die meisten Züchter beleuchten ihre Cannabispflanzen in der Blütezeit mit zwölf Stunden täglich.

Zwei Wochen vor dem geplanten Ende der vegetativen Phase war die Gute auf 45 Zentimeter gewachsen und spannte stolze 55 Zentimeter auf. Der Wuchs war weiterhin kräftig und robust, wir waren stolz auf unser Goldstück.

Sieben Tage danach war die Pflanze 55 Zentimeter hoch, Spannweite und Allgemeinbild waren praktisch unverändert. Um einen buschigen Wuchs zu provozieren, wurden 20 Zentimeter der Spitze abgeschnitten. Sie sollte uns als Steckling dienen und die Kosten für das Saatgut reduzieren, das war der Plan. Bis zum Ende der vegetativen Phase war es auch nur noch eine Woche, rückblickend hätten wir die Spitze wirklich früher kappen sollen. Darum wollten wir die weitere Entwicklung abwarten und die Zeit bis zur Einleitung der Blüte gegebenenfalls verlängern. Einen Tag nach dem errechneten Ende der vegetativen Phase war die Pflanze dann auf rund 50 Zentimeter gewachsen und die Spannweite hatte auch noch einmal gut zugelegt. Die acht oberen Seitentriebe entwickelten sich nahezu gleichberechtigt weiter und bildeten eine dichte Blätterkrone. Die Zeit, die Blüte einzuleiten, wäre günstig gewesen. Doch uns kam eine spontane Idee, wir wollten das Verfahren, das sich „Screen of Green“ (SCROG) nennt, zumindest ansatzweise ausprobieren. Dazu banden wir die oberen Seitentriebe herunter, sodass die Pflanze alles in allem rund 45 Zentimeter hoch war. Wir hofften darauf, dass sich nun auch die Seitentriebe der Seitentriebe gut entwickeln würden. Ein Sachverhalt soll hier jedoch nicht unterschlagen werden. Durch das kühler werdende Wetter erhöhten sich die Energiekosten nicht unerheblich. Statt der runden zwei kWh, die bislang täglich für die Beleuchtung aufgewendet wurden, waren es nun wegen der zusätzlichen Heizung stolze sechs kWh. Zwar spielte Geld nicht die Hauptrolle, aber ein wenig ärgerlich war es schon. Alles in allem waren es wahrscheinlich rund hundert Wintertage, an denen wir zusätzlich heizen mussten. Dies schlug mit etwa 115 Euro zu Buche, dazu kam noch der Aufwand für die Beleuchtung. Wir beschlossen, die Kosten penibel aufzulisten und nach der Ernte zu berechnen, ob sich der Anbau auch wirtschaftlich gelohnt hatte.

Eine Woche später war die Pflanze weiter gut gewachsen. Wir banden die Triebe erneut herunter, sodass die Höhe unverändert blieb. Die Spannweite hatte sich durch die Maßnahme auf circa 65 Zentimeter erhöht. Alles in allem sah die Gute so aus, als ob es vier große und etliche unwesentlich kleinere Pflanzen wären, die dort wuchsen. Das kam daher, dass sich auch die unteren Seitentriebe weiterentwickelt hatten und nun auch Bestandteile der Krone waren. Wir hätten das sicher noch weiter ausbauen können, doch wegen ihrer Größe war der Platz in unserer einfachen Pflanzkiste nahezu aufgebraucht. Spätestens nach einer weiteren Woche wollten wir also die Blüte einleiten. Nach Ab lauf dieser Zeit banden wir die Triebe nach und leiteten die Blütenbildung ein, indem wir die Lichtzufuhr auf zwölf Stunden täglich begrenzten. Sieben Tage später hatten sich wieder acht nahezu gleichberechtigte Haupttriebe ausgebildet, die flankiert von etlichen Nebentrieben nach oben strebten. Die Vorstellung, dass jeder dieser Triebe ähnlich viele Blüten ausbilden könnte, füllte unsere Herzen mit optimistischer Vorfreude. Das gute Gesamtbild änderte sich auch in der kommenden Woche nicht. Wir zählten sogar einen weiteren Trieb mehr, der sich den Weg zur Krone gebahnt hatte. Er zeigte, wie die anderen Triebe auch, erste Anzeichen der kommenden Blüte. Gewachsen war die Pflanze auch noch einmal kräftig, fast 70 Zentimeter war sie nun hoch. Bis zur Ernte waren es noch fast acht Wochen. Das war genug Zeit, um kräftige Blütenstände zu entwickeln, wir waren weiterhin gespannt. Zwei Wochen später waren erste welke Blätter zu erkennen und die Blütenstände hatten sich deutlich verdickt. Sie maßen im Schnitt ein bis zwei Zentimeter im Durchmesser, Trichome waren allerdings noch keine zu sehen. Weil es aber noch gut sechs Wochen bis zum errechneten Erntetermin waren, machten wir uns keine Sorgen. Besonders bemerkenswert fanden wir, dass sich durch das Herunterbinden etliche weitere Nebentriebe gebildet hatten, die durch das dichte Blattwerk nach oben strebten. Wir banden darum alle Triebe noch einmal nach und versuchten, eine möglichst gleichmäßige Fläche zu bilden. Leider war nun auch der letzte Platz in der kleinen Anzuchtbox aufgebraucht, sodass wir nicht das ganze Potential der Pflanze ausschöpfen konnten. Besorgt wegen der fortschreitenden Alterung inspizierten wir die Gute eine Woche später erneut. Etliche Blätter waren bereits abgestorben und hingen trocken an den Trieben, ebenso viele waren gelb beziehungsweise braun geworden. Den Blüten ging es allerdings weiterhin gut, sie wuchsen und ihr Geruch verstärkte sich. Darum hofften wir zuversichtlich, dass die Pflanze all ihre Kraft für den Ausbau der Blütenstände aufbrachte und darum den Blättern die Nährstoffe entzog. Rund drei Wochen vor dem geplanten Erntetermin hatte unsere Prinzessin ihre Blütenpracht weiter ausgebaut. Unzählige Knospen hatten sich an den oberen Trieben gebildet, wir bekamen fast schon Angst ob der Menge, die wir wahrscheinlich bald ernten konnten. Ansonsten sah die Gute allerdings recht mitgenommen aus. Bis auf die blütennahen Blätter waren fast alle anderen gelb oder abgestorben. Das nahe Ende der Cannabispflanze war unübersehbar. Leider hatte auch der Steckling bereits sein Ende gefunden – er konnte keine Wurzeln schlagen und begann zu faulen, der Grund war uns unklar.

3.1. Acht kräftige Haupttriebe wachsen nahezu gleichwertig in die Höhe, Pflanze weiterhin kräftig.
10.1. Blütenbildung ist sichtbar, die höchsten Triebe sind auf fast 70 Zentimeter gewachsen.
24.1. Blüten sind etwa ein Zentimeter dick, die größeren Blätter beginnen zu welken, Seitentriebe erneut nach unten gebunden.
31.1. Etliche welke Blätter entfernt, Pflanze scheint alle Kraft in ihre Blütenstände zu stecken.
7.2. Fast alle großen Blätter sind gelb oder abgestorben, nur die blütennahen Blätter sind noch grün. Blüten werden dicht und dichter, eine große Ernte zeichnet sich ab.
14.2. Blütenstände werden weiterhin dichter, erste Trichome füllen sich für das Auge sichtbar mit Harz, vereinzelte verfärbte Stigmen. Steckling schlug nicht an und faulte, er wurde entsorgt.
17.2. Lichtdauer auf elf Stunden reduziert.
21.2. Pflanze ist deutlich sichtbar gealtert, sonst nahezu unverändert.
28.2. Erste Trichome werden milchig, Ernte naht.
7.3. Mehr als zwei Drittel der Trichome sind milchig. Ernte beginnt und wird auf mehrere Tage verteilt.
12.3. Ernte und Erstverarbetung komplett beendet. Einsaat bis Erntebeginn:
160 Tage Sichtbare Keimung bis Erntebeginn: 155 Tage Vegetativen Phase: 85 Tage Blütezeit: 70 Tage Erntevolumen (frisch, erste Wahl):
279 Gramm Erntevolumen (frisch, Straßenqualität):
114 Gramm Erntevolumen (getrocknet, erste Wahl): 70,1 Gramm Erntevolumen (getrocknet, Straßenqualität):
30,4 Gramm

In der folgenden Woche entwickelte sich die ursprüngliche Pflanze wie erhofft weiter. Vereinzelt hatten sich die Stigmen (Blütenstempel) verfärbt und die Trichome begannen, sich für das Auge sichtbar mit Harz zu füllen. Die Schönheit hatte sich mit einem ersten silbrigen Glanz überzogen, sie wollte ihrem baldigen Ende einen würdigen Abgang verschaffen. Auf Rat eines Bekannten reduzierten wir ein paar Tage später die Lichtdauer auf elf Stunden täglich. Das sollte, so die Meinung des Manns, der Pflanze nahenden Winter signalisieren und die Blütenbildung weiter antreiben. Obwohl er nachdrücklich auf lediglich zehn Stunden Licht täglich drängte, kamen wir ihm nur halb entgegen. Immerhin benötigte die Pflanze das Licht zum Wachstum und zur Blütenbildung, dazu war alles in allem die Entwicklung bislang doch recht erfreulich gewesen. Übrigens waren auch die Außentemperaturen wieder gestiegen, die Zusatzheizung sprang deutlich seltener an und darum sank der Energieverbrauch um eine Kilowattstunde täglich. Zehn Tage vor dem errechneten Erntetermin machte die einstige Schönheit einen bescheidenen Gesamteindruck. Es waren noch mehr gelbe und abgestorbene Blätter zu erkennen. Hätte die Pflanze als Zierstrauch im Garten gestanden, wäre sie umgehend entsorgt worden. Einzig und allein die Blütenpracht war es, die begeisterte. Es waren vielleicht ein Fünftel der Stigmen verfärbt und die Trichome waren auch noch sehr klein. Aber allein die Fülle der Blüten war bemerkenswert. Wir schätzten, dass es noch zwei bis drei Wochen bis zum richtigen Erntezeitpunkt waren. In der 22. Woche nach Aussaat und Keimung war es dann so weit, die Trichome waren zu einem großen Teil milchig und wir begannen mit der Ernte. Aus Zeitnot konnten wir nicht alles auf einmal verarbeiten, die Menge der Blüten machte eine Verteilung auf mehrere Tage notwendig. Am Ende konnten wir dann auf rund 70 Gramm getrock netes Marihuana der ersten Wahl, bestehend aus den beschnittenen Blütenständen, blicken. Dazu kamen noch einmal rund 30 Gramm der zweiten Wahl, also hochpotente Schnittreste, die durchaus genießbar waren. Die Wirkung war wie erwartet eher anregend und förderte die Geselligkeit, allerdings kam im Abklang des Rauschs Müdigkeit auf. Alles in allem waren wir zufrieden und freuten uns über das hochwertige Gras. Die Aufzucht der Pflanze war also ein voller Erfolg. Wir hatten zum einen mehr Marihuana, als wir in den nächsten Monaten hätten rauchen wollen. Zum anderen war auch der Preis völlig in Ordnung, trotz des Einsatzes der energiehungrigen Heizung. Wegen des moderaten Geruchs war der Anbau unauffällig und die Sorte kann für Liebhaber geselliger Runden bedenkenlos empfohlen werden. Die nach dem Rausch einsetzende Müdigkeit ließ sich tagsüber mit einer Tasse Kaffee bekämpfen und abends half sie beim Einschlafen. Unserer Meinung nach handelt es sich bei dem Saatgut um eine rundum gelungene Züchtung.

Am Ende blieb die Frage, ob sich der Anbau auch gerechnet hatte und ob automatische Pflanzen nicht lohnender wären. Die Kosten waren durch die lange Anbauzeit deutlich höher, als bei selbstblühenden Gewächsen, der Ertrag allerdings auch. Wir wollten ehrlich zu uns selbst sein und rechneten genau aus, was wir aufgewendet hatten. Der größte Posten waren die Energiekosten. Diese berechneten wir wie folgt:

44 Tage je 1.920 Watt = 84,48 kWh

100 Tage je 6.000 Watt = 600 kWh

16 Tage je 5.000 Watt = 80 kWh

Zusammen also 734,48 kWh, das entspricht rund 220 Euro. Dazu kamen noch Kosten in Höhe von fünf Euro für Erde, Dünger und Kleinmaterial, sieben Euro für das Saatgut und anteilige Kosten für die LEDLeuchte in Höhe von zwölf Euro. Alles in allem also runde 245 Euro, die wir aufgewendet hatten. Davon entfielen allerdings allein 140 Euro auf die Heizung, im Sommer hätten wir uns diese sparen können. Jedes Gramm der besten Qualität hatte uns also knapp 3,50 Euro gekostet, das war ein akzeptabler Preis. Und ohne Heizkosten wären wir auf knapp 1,50 Euro je Gramm gekommen, das wäre dann sogar ausgesprochen günstig gewesen. Bemerkenswert empfanden wir, dass die Kosten bei automatisch blühenden Pflanzen ähnlich hoch waren. Das Gramm kostete bei diesen Sorten auch um die zwei Euro, je nach Qualität des Saatgutes mal etwas mehr, mal etwas weniger. Die Antwort auf die Frage, was also günstiger sei, fiel uns schwer. Wir tendierten dazu, im Sommer den Anbau von regulären Pflanzen, am besten im Freiland oder im Gewächshaus, zu bevorzugen. In den kühleren Monaten bietet sich der Innenraumanbau von selbstblühenden Arten an, allerdings wollen wir in der Winterzeit keine Cannabispflanzen mehr kultivieren. Der Aufwand für die zusätzliche Heizung ist bei uns zu hoch. Wer aber einen Pflanzplatz in einem beheizten Raum hat, der braucht sich um die anfallenden Heizkosten natürlich keinerlei Gedanken zu machen.

Do-it-yourself-ExperteChuck Lore