Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 9 Min.

GRÜNDERSZENE: DER HIGHSTAPLER


manager magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 24.05.2019

GRÜNDERSZENE Cannabis ist der neue Hype. Start-up-Unternehmer Sebastian Diemer verkündete Megadeals und Forschungs durchbrüche. Doch fast nichts ist so, wie es scheint.


Artikelbild für den Artikel "GRÜNDERSZENE: DER HIGHSTAPLER" aus der Ausgabe 6/2019 von manager magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: manager magazin, Ausgabe 6/2019

1


2


3


4


DIEMERS WELT
Auf Instagram prahlt Gründer Sebastian Diemer mit Saufgelagen (wie auf Mallorca, Bild 1) und zeigt seinen Ferrari (Bild 2). Die Inszenierung bringt Aufmerksamkeit für sein Start-up Farmako, das Cannabis von Nordmazedoniens Ex-Geheimdienstchef Zlatko Keskovski (Bild 3, l.) verkaufen will. Über das polnische Unternehmen von Yuval Soiref (M.) will Diemers Mit - gründer Niklas Kouparanis (r.) den Stoff nach Deutschland ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 8,99€
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von manager magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2019 von Rückrufaktion. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Rückrufaktion
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von BAYER: Giftige Nachfragen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BAYER: Giftige Nachfragen
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von Die Sixt-Brothers. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Sixt-Brothers
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von Netzdiät. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Netzdiät
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von KNORR-BREMSE: Der Sonne zu nah. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KNORR-BREMSE: Der Sonne zu nah
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von METRO: Reales Ende. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
METRO: Reales Ende
Vorheriger Artikel
FINANZMARKTAUFSICHT: DER TURN - AROUND
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel BUSINESS: REBEL: Steph Korey
aus dieser Ausgabe

DIEMERS WELT
Auf Instagram prahlt Gründer Sebastian Diemer mit Saufgelagen (wie auf Mallorca, Bild 1) und zeigt seinen Ferrari (Bild 2). Die Inszenierung bringt Aufmerksamkeit für sein Start-up Farmako, das Cannabis von Nordmazedoniens Ex-Geheimdienstchef Zlatko Keskovski (Bild 3, l.) verkaufen will. Über das polnische Unternehmen von Yuval Soiref (M.) will Diemers Mit - gründer Niklas Kouparanis (r.) den Stoff nach Deutschland schaffen. Die Anlage von Keskovski, die Farmako-Manager Ende Februar besuchten (Bild 4), steht auf dem Gelände einer ehemaligen Chemiefabrik.

Tänzerinnen räkeln sich auf Podesten hinter transparentem Stoff. Sie reiben Po und Brüste an der straff gespannten Verhüllung; es sieht aus, als würden sie sich in einem mit dichtem Rauch gefüllten Gefäß winden. Männer grölen. An der Bar stehen Wodkaflaschen, versetzt mit Cannabisextrakten und versehen mit dem Hinweis: „Farmako Employees Only!“.

Farmako, so heißt das Medizin - cannabis-Start-up aus Frankfurt, das Ende März in einem Innenstadtklub die Erstbelieferung von Apotheken feiert. Sebastian Diemer (32), der schon das Finanz-Start-up Kreditech aufbaute, hat es gegründet. Zwar erst im August 2018, aber er kokettiert bereits mit einem Börsengang „in sechs bis zwölf Monaten“. In Unterlagen, mit denen Diemer bei Investoren wirbt, verspricht er eine schwindelerregende Bewertung: In zwei Jahren könnte Farmako zwei Milliarden Euro wert sein. Mindestens.

Cannabis ist der neue Hype, die ganze Start-up-Szene ist berauscht. Der scheue Pornokönig Fa bian Thylmann (40; Youporn) mischt ebenso mit wie Flixbus- und Zalando-Investor Holtzbrinck Ventures oder US-Rapper Snoop Dogg (47), der einen der größten Cannabisfonds gegründet hat und nun bei der neuen Firma von Finn Hänsel (37), bisher Chef des Umzugs-Start-ups Movinga, eingestiegen ist (Bewertung schon vor Markteintritt: rund 9 Millionen Euro).

Bei Diemer sind mit Jan Beckers (36; Hitfox) und Lieferheld-Mitgründer Nikita Fahrenholz (34) gleich zwei Szeneköpfe investiert. Es gibt kaum einen Investor, der sich den Markt nicht wenigstens anschaut. Auch Oliver Samwer (46) wirbt höchstselbst um Gründer. Alle wetten darauf, dass hier ein Milliardengeschäft entsteht. So wie in Kanada, wo die Bewertungen der Cannabisfirmen im Zuge der sukzessiven Legalisierung explodierten (siehe Grafik „Drogenträume“ Seite 64). Seit 2017 gibt es Cannabis auch in Deutschland auf Rezept – und die Nachfrage boomt. Analysen prophezeien, dass 2028 in Europa Medizincannabis für 55 Milliarden Euro verkauft wird. Natürlich stehen solche Zahlen auch in der Investorenpräsentation von Sebastian Diemer.

Der Farmako-Gründer verkündet die größten Deals – und behauptet, in kürzester Zeit revolutionäre Forschungsdurchbrüche erzielt zu haben. Zwar machte Diemer im Monat März erst rund 250.000 Euro Umsatz. Seinen Firmenwert taxiert er trotzdem schon auf mindestens 100 Millionen Euro. Investoren erzählt er, dass gleich mehrere Geldgeber interessiert seien, zu dieser Bewertung einzusteigen.

Es gibt nur ein Problem: Bei Farmako ist fast nichts so, wie es scheint. Insider berichten von einem „Kartenhaus“, das nur durch immer schrillere Ankündigungen vor dem Zusammenbruch bewahrt werden solle. Die Frage sei nicht, ob es kollabiere, sondern nur wann. Es wäre bei Diemer nicht das erste Mal. Der Betriebswirt, der seine Karriere bei Rocket Internet begann, verkauft sich gern als „einen der erfolgreichsten Gründer Deutschlands“. In Wirklichkeit hat er mit 32 schon mehr verbrannte Erde hinterlassen als manch gestandener Manager beim Renteneintritt. Unter den von ihm gegründeten Start-ups ist keines mit nachhaltigem Erfolg. Diemer ist vor allem ein guter Verkäufer, der Investoren immer wieder davon überzeugen kann, noch mehr Millionen lockerzumachen. Er selbst steigt möglichst auf dem Höhepunkt der Bewertung aus.

Auch bei seiner bekanntesten Gründung Kreditech, einem Anbieter von Onlinekurzzeitkrediten, lief es so. Mit der Geschichte von einem genialen Algorithmus, der anhand von Facebook-Daten oder des Musters der Mausbewegungen vorhersagen könne, wie kreditwürdig jemand sei, trieb Diemer die Bewertung auf über 300 Millionen Euro. 2017 verkaufte er seine Anteile, genau rechtzeitig. Bei der darauf folgenden Finanzierungsrunde krachte der Unternehmenswert zusammen – auf praktisch null. Der vermeintliche Wunderalgorithmus konnte die teils ungewöhnlich hohen zweistelligen Ausfallquoten vergebener Kredite nicht verhindern.

Auch Diemers andere Startups erwiesen sich als Strohfeuer. Digitalkasten, ein Unternehmen, das die Post digitalisieren sollte? Gescheitert. Es wurde an den Konkurrenten Caya notverkauft. Der Rechnungsdienst Finiata? Ihn ließ Diemer zurück, bevor es überhaupt stabile Prozesse gab.

Mit 197 km/h auf Landstraßen

Bei Farmako müsste er nun besonders seriös auftreten. Für Unternehmer im Cannabishandel gelten besondere Anforderungen bei der „Zuverlässigkeit“, sonst kann das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die Lizenz entziehen. Stattdessen pflegt Diemer ein Bad-Guy-Image. Er bestreitet zwar Berichte mehrerer ehema li - ger Mitarbeiterinnen und Mit ar - beiter, dass er Angestellte immer wieder als „Schlampen“ titulierte. Auf Instagram regt er sich hingegen offen über „Schleichfotzen“ auf der Autobahn auf. Dort zelebriert er auch öffentlich seine Trinkgelage („Schon wieder saufi, saufi?“) und seinen Cannabiskonsum („Bau mal einen“).

Anfang April postete er stolz, wie er am frühen Abend mit 197 Stundenkilometern in einem Ferrari durch eine Tempo-70-Zone im Taunus raste. Dabei hat Diemer seinen Führerschein schon einmal verloren – wegen THC-Rück - ständen im Körper, der berauschenden Substanz der Cannabispflanze. Das allein könnte nach Behördenangaben für die Ab - erkennung der Lizenz ausreichen. Selbst wenn er weiter Geschäfte machen darf – Insider sind überzeugt, dass am Ende nicht viel übrig bleiben wird von den steil aufsteigenden Balken, die in Investorenunterlagen das prognostizierte Umsatzwachstum zeigen.

Bis Ende des Jahres sollen sich die Umsätze fast verzehn - fachen, von 253.000 Euro im März auf über 2,4 Millionen Euro im Dezember. Laut aktuellen Marktdaten ist der Umsatz allerdings bereits im April um mehr als die Hälfte eingebrochen. Farmako bestreitet das, der Umsatz sei gestiegen. Man übertreffe den Businessplan „bei Weitem“, lässt Diemer seine Anwälte erklären.

Kenner zweifeln vor allem daran, dass das Unternehmen überhaupt die notwendigen Mengen Cannabis besorgen kann, um die prognostizierten Umsätze zu erreichen. Diemer fehle es an Stoff. Bislang bezieht das Start-up nur das Produkt („Bedrocan“) der staatlichen niederländischen Cannabisagentur OMC. Sie liefert an alle zertifizierten Händler – und verteilt das Cannabis in Deutschland gleichmäßig an alle Abnehmer. Da sich mit dem Boom immer mehr Händler um die Maximalmenge von 125 Kilo pro Monat bewerben, bleibt immer we - niger übrig.

BETRÜGER ALS IDOL
Sebastian Diemers Mitgründer Niklas Kouparanis wird in der Firma als „Wolf of Cannabis“ gefeiert, eine Anspielung auf den „Wolf of Wall Street“ – einen zu Haft verurteilten Betrüger von Kleinanlegern.


Im Mai sind es nach Agenturangaben nur noch 18 Kilogramm, die jedes deutsche Unternehmen verticken kann (Maximalerlös beim Verkaufspreis von rund 10 Euro pro Gramm: 180.000 Euro). In Farmakos Unternehmenspräsentation ist hingegen vorgesehen, allein im Mai mehr als 800.000 Euro umzusetzen, im Juni schon fast eine Million Euro.

Erreichbar wäre dies nur mit neuen Lieferanten – die Diemer bereits aufgetan haben will. Einen Durchbruch verkündete er Ende März: Farmako habe den „weltgrößten Importvertrag für Medizincannabis“ abgeschlossen – 50 Tonnen sollen aus Nordmazedonien kommen. Die „Bild-Zeitung“ schrieb von einem „grü nen Wunder“, das Lieferengpässe auf dem deutschen Markt überwinden könnte. Ab Juni will Farmako das Cannabis auf den Markt bringen. Weitere fünf Tonnen erwarte man ab Herbst aus Kanada. Es ist allerdings zweifelhaft, ob Farmako diese Ankündigungen erfüllen kann. Diemer verweist zwar darauf, dass die Lieferter - mine „vertraglich zugesichert“ seien. Doch bislang fehlen nicht nur dem Partner in Kanada die notwendigen Lizenzen. Auch die Lieferungen aus Nordmazedonien stehen noch infrage. Aus dem Land dürfen bislang überhaupt keine Cannabisblüten exportiert werden.

Es gibt zwar Bestrebungen, die Gesetze zu ändern, doch Farmako bräuchte dann noch eine Genehmigung aus Deutschland. Behördenkenner halten es für fraglich, ob die erteilt wird. Die Aufsichtsämter sind zurückhaltend bei Importen aus Ländern, in denen es starke orga nisierte Kriminalität gibt.

Diemers Geschäftspartner ist Nordmazedoniens Ex-Geheimdienstchef Zlatko Keskovski (48), ein kahlköpfiger Kampfsportler mit stechendem Blick, der eine Cannabisfabrik auf dem teils schwer mit krebserregenden Substanzen verseuchten Gelände einer früheren Chemiefabrik in der Hauptstadt Skopje betreibt.

Der Exporteur singt Mafialieder

Als die Farmako-Manager ihn Ende Februar in seiner Heimat besuchen, filmt Diemers Mitgründer und CEO Niklas Kouparanis (29) begeistert mit seinem Handy. Beim Dinner reißt Keskovski die Arme in die Luft: Begleitet von einem Akkordeon intoniert er inbrünstig die Liebesballade „Parla più piano“ aus dem Mafiaepos „Der Pate“. Am nächsten Morgen dann führt er die Delegation durch seine Anlage auf dem Gelände der Chemiefabrik, in Schutzkleidung geht es durch eine Hanfplantage. Kouparanis ist schwer beeindruckt.

Wegen des Gifts machen sich die Farmako-Manager keine Sorgen. Die Mazedonier haben „uns mehrfach versichert, dass die Kultivierungs-Facility mindestens einen Kilometer vom kontaminierten Gelände der Chemiefabrik entfernt ist“, erklärt das Unternehmen. Direkt aus Nordmazedonien importieren will Farmako trotzdem lieber nicht. Sicherheitshalber soll das Cannabis über ein polnisches Unternehmen in die EU eingeführt werden. Das sei „einfacher“, erklärt Farmako. Mitarbeiter berichten, dass man so Ärger mit deutschen Ämtern umgehen will.

Die für den Kontakt mit den Behörden verantwortlichen Mitgründer hat Diemer allerdings verloren. Marcus Ewald (35) und Torsten Rössing (36), die für Farmako die Lizenzen für den Cannabishandel organisiert hatten, haben ihre Unternehmensanteile kurz nach dem Nordmazedonien-Deal zurückgegeben. Dabei müssten die Aktien nach Diemers Berechnungen Millionen wert sein.

Auch die für klinische Studien verantwortliche Ärztin hat gekündigt.

Insgesamt haben drei von Diemers fünf Mitstreitern aus dem vor sechs Monaten präsentierten „Gründungsteam“ die Firma verlassen.

Übrig ist neben Diemer und Kouparanis nur: Patrick Schmitt (26), der sich „Chief Science Officer“ nennen darf. Der For schungs - chef, der gerade seine Master - arbeit fertiggestellt hat, hatte seinen großen Auftritt bei der Firmenparty mit den Tän zerinnen. Schmitt hat sich dort nicht nur um den Wodka mit Schuss gekümmert. Er durfte auf der Tanz - fläche auch das Mikro nehmen und schier Unglaubliches verkünden. Farmako habe die Spitzenforschung amerikanischer Elite - universitäten übertrumpft: „Wir haben fucking MIT geschlagen, wir haben fucking University of Berkeley geschlagen!“ Es sei gelungen, den „weltweit effizien - testen Syntheseorganismus“ für Cannabinoide zu entwickeln. Damit könne man Cannabisextrakte mit „mehreren Hunderttausend Euro Marge“ synthetisieren, ohne den Anbau von Pflanzen.

Ein wahrhaftiges Wunder

Wie schon bei Kreditech hat eine Diemer-Firma wieder mal eine angeblich bahnbrechende Technik entwickelt. Die Profitmargen würden bei unglaublichen 97 bis 98 Prozent liegen, heißt es in Farmako-Dokumenten. Eine Lizenz zum Gelddrucken.

Gut vier Wochen nach der Party verkündete Diemer auch schon den ersten Deal. 36 Tonnen biosynthetisch produzierte Cannabinoide werde man nach Kanada exportieren. Noch in diesem Jahr soll der Versand beginnen. Es wäre ein wahrhaftiges Wissenschaftswunder. Oliver Kayser (52), Professor an der Technischen Universität Dortmund, beschäftigt sich seit zwölf Jahren mit der Cannabinoidgewinnung. Farmakos Behauptung, mit einem Gramm Bakterien 4,5 Kilogramm THC gewinnen zu können, sei schon „biotechnologisch sehr schwer vorstellbar“ und „nach bisherigem Stand der Wissenschaft sehr unwahrscheinlich“.

Jay D. Keasling (55), Professor an der Universität Berkeley und eine Koryphäe auf dem Gebiet synthetischer Biologie, hält Farmakos Behauptungen für ein „Hirngespinst“. Die veröffentlichten Aussagen „entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage“. Renommierte Wissenschaftler forschen seit Jahren an der künstlichen Herstellung von Cannabinoiden. Teilschritte gelingen im Labor. Doch an dem Versuch, den Prozess auf industriellen Maßstab zu übertragen, scheitern bislang alle. Und Farmako hatte bis März dieses Jahres nicht mal ein eigenes Labor.

Einen Ausweg hält sich Diemer ohnehin offen: Die Lieferungen wurden nur „nach Produktionskapazität“ versprochen. Insider verweisen zudem darauf, dass der kanadische Partner Zenabis vor allem selbst möglichst schnell spektakuläre Meldungen brauche, um den stetigen Kursverfall zu stoppen (minus 53 Prozent seit Börsengang). „Es sind zwei Kartenhäuser, die sich gegenseitig stützen.“

CANNABISPATE
Der Berliner Investor Jan Beckers (Hitfox) gab Diemer rund eine Million Euro. Auf dem Papier hat sich der Einsatz mehr als verzehnfacht. Wenn einer den Preis zahlt.


TEURE WETTE
Lieferheld-Mitgründer Nikita Fahrenholz soll zu einer Bewertung von 50 Millionen Euro eingestiegen sein. Dabei machte Farmako im Monat März erst rund 250.000 Euro Umsatz.


Fragt sich, wie lange noch. Der Geldverbrauch ist enorm. Farmako hat bereits im letzten Jahr nach internen Dokumenten knapp eine Million Euro verbrannt (Farmako bestreitet dies) und prognostiziert in internen Dokumenten Personal- und Overheadkosten von fast fünf Millionen Euro für 2019. Gelingt es nicht, die Einnahmen schnell wachsen zu lassen, muss dringend eine neue Finanzspritze her. Sonst spitzt sich die Lage bedrohlich zu.

In E-Mails wirbt Diemer bei potenziellen Geldgebern um weitere 8 bis 12 Millionen Euro. Wenn er dabei die Bewertung von 100 Millionen Euro durchsetzen kann, hätten die frühen Investoren aus der Szene zumindest auf dem Papier schon mal fette Profite gemacht: Jan Beckers, der 2018 zu einer Bewertung von rund acht Millionen Euro eingestiegen war, hätte seinen Einsatz mehr als verzehnfacht. Ex-Lieferheld-Mann Fahrenholz, der im April investierte, den Wert wohl verdoppelt. Vorausgesetzt, es finden sich Willige, die ihnen die Anteile abkaufen. Diemer suggeriert in Interviews enorme Nachfrage: „Kein Tag vergeht“, an dem ihn nicht Kleinanleger anschrieben. Was die wohl nicht wissen:

Farmako-CEO Kouparanis wird intern als „Wolf of Cannabis“ gefeiert. Eine Anspielung auf den Film „Wolf of Wall Street“, der von den Betrügereien eines später zu Haft verurteilten Aktienhändlers erzählt. Der Mann pumpte wertlose Unternehmen auf und stieg aus, bevor die Investoren die Masche verstanden hatten.

Im Stil des Filmplakats haben Mitarbeiter ein Poster erstellt, das Kouparanis anstelle des Betrügers zeigt. Sebastian Diemer postete es auf Instagram. Als Titelzusatz steht auf dem Plakat: „Ein Far - mako-Film“.

Das Ende ist leider sehr vorhersehbar.

Philipp Alvares de Souza Soares/ Christina Kyriasoglou/Jonas Rest


Fotos: Wolfgang Stahr / laif, instagram.com/derdiemer (3), instagram.com/wavenik

Foto [M]: instagram.com/derdiemer

Fotos: Matt Observe / News.at, PR