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„GRÜNE“ FERIEN


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Wohn!Design - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 12.05.2022
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Bildquelle: Wohn!Design, Ausgabe 3/2022

HIDEAWAY ÜBER DEM ORTA-SEE

Tatsächlich wäre ich nie auf die Idee gekommen, meinen Urlaub an einem See zu verbringen. Meer! Immer sehr gerne, je wilder desto lieber. Aber ein stilles Gewässer? Und dann auch noch in den Bergen? Das bedeutet ja, ständig hoch-und runterlaufen zu müssen beim Spazierengehen oder vielleicht gar noch Touren mit dem Mountainbike? Gar nicht meins. Ich bin ein bekennendes Faultier. Es war eine Dienstreise zu Alessi, die mich vor ein paar Jahren „bekehrte“ und mir die Augen öffnete. Gesehen, verliebt. Was für ein schönes Ziel, dieser Orta-See. Hier, südlich der Alpen direkt neben dem Lago Maggiore, ist die Zeit in den Fifties stehen geblieben und alles viel beschaulicher. Kein Schicki-Micki-Publikum, keine Boutiquen, kein Jahrmarkt der Eitelkeiten, dafür gibt es einen Wochenmarkt mit Obst, Gemüse und regionalen Spezialitäten.

Bei meinem ersten Besuch war ich direkt am See ...

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... untergebracht. Das mitten im Ort Orta San Giulio gelegene Hotel verfügte über eine schwimmende Holzterrasse – ein Kracher am Abend zum Sundowner. Aber das war‘s dann auch. Der Tipp, das „La Darbia“ auszuprobieren, kam von einer befreundeten Pressefrau, und die hatte ihn von einer Redakteurin, die hier jedes Jahr Familienferien macht. Für meinen Lebenspartner und mich waren drei Punkte ausschlaggebend: Wir wollten in Covid-Zeiten unter gar keinen Umständen in den Urlaub fliegen. Die Lage der Destination stellte neben dem Blick auf den See auch paradiesische Ruhe in Aussicht.

Es sind Momente wie dieser, die einen Urlaub entspannend machen. Wer an den Orta-See in das „La Darbia“ fährt, der sucht keine Partysause. Hier stehen Ruhe, auf Wunsch diverse sportliche Aktivitäten und piemontesische Küche auf dem Plan. Der hoteleigene Pool ist bis Ende der Saison beheizt. Für „Prinzen und Prinzessinnen auf der Erbse“, empfiehlt sich aber, ein eigenes Kopfkissen mitzubringen. Das wäre auch der einzige Kritikpunkt.

Doch am Ende begeisterte uns das Konzept des Hotels. „Von der Natur umgeben, die Freude im Herzen. Fernab von allem, aber ganz nah bei dir“, lautet der Wahlspruch der Brüder Matteo und Gian Carlo Primatesta. Die beiden Architekten verwandelten eine ehemals landwirtschaftlich genutzte Siedlung in geschmackvolle Ferien-Apartments mit angeschlossener Nobelgastronomie. Ihre Anlage liegt über dem See zwischen Weinbergen und Kastanienwäldern in einem parkähnlichen Garten, der verschiedene Entspannungsmöglichkeiten bietet: Sei es auf den Sonnenliegen rund um den beheizten Pool, auf Rückzugsorten zwischen den Reben oder auf einem der Sofas in einer Outdoor-Lounge mit Blick auf See und Berge. Zwischen den einzelnen Häusern, die zweckmäßig und Ikea-like eingerichtet sind – jedes mit einer Küche für Selbstversorger –, und dem Restaurant mit vorgelagerter Aussichtsterrasse, kann man auch wunderbar durch den Küchengarten flanieren. Hier wächst ein Teil des Gemüses, das die anspruchsvolle Küche unter der Leitung von Matteo Monfrinotti verarbeitet. Von dort wird schon morgens das Frühstück vor die Apartmenttüren geliefert, für das verschiedene Varianten gebucht werden können: vegetarisch, vegan bis hin zu Wurst-und Käsespezialitäten aus der Region. Das meiste davon bio. Tagsüber liefert das Service-Team jederzeit Snacks an den persönlichen Wunsch-und Lieblingsort in der Anlage. Abends lädt das Restaurant zum ambitionierten Mehrgang-Menü, das sich fast auf Sterne-Niveau bewegt.

Wer, wie wir, „Cucina Casalinga“ bevorzugt, beispielsweise Steinpilze mit selbstgemachten Nudeln, einen frischen Fisch aus der Pfanne oder ein gut gemachtes Risotto, muss rund um den Orta-See lange suchen. Fast alle Gastronomien sind bemüht, den beiden Sterne-Restaurants vor Ort, also in Orta San Giulio, nachzueifern. Das kann bisweilen etwas anstrengend sein. Selbst in einem Agriturismo in unmittelbarer Nähe zum Hotel standen so exotische Gerichte wie Zwerchfell vom Rind mit Schokoladenstücken oder Esel-Ragout auf der Karte, integriert in ein experimentell wirkendes 10-Gänge-Menü. Die Küche im La Darbia war liebenswürdig genug, uns auf Wunsch auch „bodenständige“ Gerichte oder einfach mal ein Filet mit Salat zu servieren. Dazu gab es einen hauseigenen Spumante, der genauso köstlich war, wie das selbstgebackene Brot (oben) mit Salzbutter, das süchtig machte.

Mitten in unseren Aufenthalt fiel die Weinlese, bei der Hotelgäste eingeladen waren, mitzuhelfen. Tatsächlich machten alle mit (selbst ich, siehe S. 149) und fegten den Weinberg in so kurzer Zeit leer, dass die Familie Primatesta vollkommen perplex war. Als Lohn servierte das La-Darbia-Team im Anschluss ein Vorspeisen-Buffet de luxe mit anschließendem Meeresfrüchte-Risotto (das stand übrigens leider nie auf der Speisekarte) und Dolce im Garten. Was für ein schöner Moment für die Gäste, sich untereinander kennenzulernen. Fast alle aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und England angereist – alle sehr angenehm und in bester Laune, was auch auf den grandiosen Service im La Darbia zurückzuführen ist. Die Freundlichkeit der Mitarbeiter ist echt überwältigend. Man fühlt sich zu Hause und immer herzlich abgeholt.

So verliefen die Tage beschwingt: morgens ein Spaziergang nach Orta San Giulio (Foto rechts) vorbei an den Villen am See. Eine Tour auf die Insel „Isola San Giulio“ mit einem der altmodischen Boote, um Kloster und Feriendomizile dort zu bestaunen oder einfach nur die Aussicht auf den See zu genießen (oben). Es war so leer wie auf unseren Fotos, abgesehen von ein paar Busladungen voller Tagestouristen am Wochenende, die aber genauso schnell wieder abtransportiert wurden, wie sie gekommen waren. Vier gute Eisdielen, kleine Bistros mit wunderbaren Snack-und Weinkarten sowie diverse Möglichkeiten, „hoch-und runterzulaufen“, brachten auch mich am Ende in Schwung. Entspannung und Belohnung für den „beschwerlichen“ Fußweg zurück ins Hotel boten nachmittags das Sonnendeck und ein gutes Buch. Ja, viele Gäste radelten derweil mit einem hoteleigenen Mountainbike die kleinen Straßen entlang zu irgendwelchen Aussichtspunkten, manche besichtigten Kirchen oder kamen uns mit Wanderrucksack und beseeltem Blick entgegen. Jeder, wie er mag. Natürlich hätten wir mal hinüber zum Lago Maggiore düsen oder den Monte San Giulio erstürmen können, der die schönste Sicht auf den See bietet. Es blieb bei zwei kleinen Ausflügen: Der erste führte nach Omegna zu Alessi, um meiner besseren Hälfte das Traditionsunternehmen zu zeigen. Der andere ans gegenüberliegende Seeufer nach Pella, für einen Caffè auf der Promenade. Kein Vergleich ...

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AUF DER SUCHE NACH SICH SELBST?

Bilder können bisweilen nur einen Teil einer Intention transportieren: „Atmen“ – so wird man auf der Homepage zu dem wohl exklusivsten und nachhaltigsten Well-Being-Retreat auf Mallorca empfangen, weit weg vom Ballermann. „Es Racó d‘Artà ist ein Rückzugsort, an dem Sie Inspirationen für neue Wege finden können. Ein Ort, an dem Sie eins mit der Natur werden können. Hier entdecken Sie sich selbst.“ Für manche eine bedrohliche Vorstellung, für andere, wie unsere Fotografin Patricia Parinejad, ein Stück Alltagsglück. Von ihr kam der Tipp für diese Destination. Gerade hat die Wahl-Mallorquinerin einen Alternativ-Guide über das Eiland an den Start gebracht. Wer könnte also besser darüber Auskunft geben, welches das schönste Hotel der Insel ist, als die Autorin von „Green Mallorca“? Das Fünf-Sterne-Resort liegt im Nordosten in der Nähe des „Parc natural de la península de Llevant“. Zum nächsten Strand ist es ein ziemliches Stück – der ist allerdings mega – doch wer sich für dieses Hotel entscheidet, hat vielleicht sowieso andere Pläne als im Sand zu rösten ... „Es Racó heißt, sich wie zu Hause zu fühlen. Es Racó heißt, barfuß zu sein, zu schlendern und das Zeitgefühl zu verlieren. Es Racó bedeutet, sich mit der Erde zu verbinden, sich im Schatten eines Olivenbaums auszuruhen. Es Racó heißt Veränderung: Es geht um einen Lebensstil, in dem die Verbundenheit mit sich selbst im Mittelpunkt steht. Es Racó heißt nichts tun. Es heißt, alles zu fühlen.“ Das reicht von Produkten aus der Region, die sich zu köstlichen Kreationen verbinden und im hoteleigenen Restaurant serviert werden, über die Unterbringung in verschiedenen Villen – ihre Ausstattung zielt darauf ab, sämtliche Sinne zu aktivieren – bis zu speziellen Kursen, die Gäste belegen können. Meditation und Kontemplation, sportliche Aktivitäten bis hin zu interessanten Workshops, die im Einklang mit der Natur und der Umwelt stehen. „Jeder neue Tag im Es Racó gibt uns die Gelegenheit, weitere neue kleine Schätze zu entdecken.“ Beispielsweise einige Zeit in der eigenen Imkerei zu verbringen und etwas über das Leben der Bienen zu erfahren. Alle Materialien, die im Retreat von Antoni Esteva (Architekt) und Jaume Danus (Baumeister) verwendet wurden, sind natürlich: Der Boden ist mit mallorquinischem Kalkstein belegt, die Wände sind aus Naturstein und tragen einen Kalkputz, Raumteiler aus Bio-Hanfseilen hängen im Türrahmen, Vorhänge und Kissen sind aus Leinen gefertigt, Teppiche aus Wolle, Möbel und Leuchten sind Eigenentwürfe. Jede Ecke ist feinfühlig bis ins Detail geplant. Zum Wohlfühlen.

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NATUR UND ABGESCHIEDENHEIT

Vielleicht sind Sie schon einmal auf den Kanaren gewesen und hatten das Glück, im Flieger einen Fensterplatz zu haben. Für einen kurzen Moment bietet sich Tausende Meter unter Ihnen ein atemberaubendes Szenario. Die Route streift das Hohe Atlasgebirge von Marokko. Allein ein Blick darauf reicht aus, um die Erhabenheit der Landschaft zu erahnen. Wildnis, spektakuläre Felsformationen, und dazwischen liegt auf 1.820 Meter ein Wolkenkuckucksheim: Das „Kasbah du Toubkal“, im Dorf Imlil gelegen, ist die perfekte Wahl, wenn sie in die faszinierende Welt des Toubkal-Nationalparks eintauchen möchten, der sich entlang der Flanken des höchsten Bergs Nordafrikas erstreckt, dem Jbel Toubkal mit 4.167 Metern. Nur 60 Kilometer von Marrakesch entfernt, findet sich hier eine Welt abseits allen Trubels, ein Ort des Friedens. Das Hotel verfügt über 14 komfortable Zimmer mit eigenem Bad, von denen drei wie ein komplettes Haus konzipiert sind. Darüber hinaus sind drei Familienzimmer buchbar. Beiden Kategorien gemeinsam sind ein herrlicher Garten und die Terrassen mit einem unvergleichlichen Blick auf das Gebirge.

Ein freundliches und sachkundiges Berberteam kümmert sich um Ihr Wohlergehen und organisiert auf Wunsch Touren zur eigenen Trekking-Lodge, die eine Besteigung des Toubkal beinhalten. Optional sind Aufenthalte in der Wüste Agafay, in einem Riad in Marrakesch und Essaouira buchbar. Infos unter kasbahdutoubkal.com

ENTSPANNEN UND AUFTANKEN

Ein Blick in die Stube des Biohotels „Grafenast“ und ein weiterer auf einen der Teller reichte aus, uns zu charmieren. Die Herberge in Schwaz, nahe Innsbruck, hat ihren Gästen aber weitaus mehr zu bieten: „Grafenast ist ein stiller und kraftvoller Platz. Der Ausblick über das Inntal öffnet Horizonte und schärft die Sinne.“ Dafür stehen im Hotel außerdem eine Waldsauna, ein Biorestaurant „mit regionaler Küche und internationalem Twist“ sowie Seminar-Angebote zur Verfügung, die von Yoga und Fasten (wer bitte kommt bei dieser Küche auf so eine Idee?) bis zu Kultur-und Kreativthemen reichen. „Alle Zimmer wurden nach strengen Kriterien der Nachhaltigkeit und Ökologie gebaut. Um diesen Komfort genießen zu können, verzichten die Gäste gerne auf TV und sonstige Strahlenquellen. Durchdachte Schlafsysteme, Dinkelpolster und Lärchenholzböden sorgen für Entspannung pur“, wissen Peter und Waltraud Unterlechner, die das Familienhotel in vierter Generation leiten. „Ich habe das Glück, an einem Platz zu arbeiten und zu leben, der anderen als Urlaubsort dient, der einem guttut, das ist etwas sehr Wertvolles“, erzählt Unterlechner, dessen Großvater Toni zu Beginn des 20. Jahrhunderts hier seine Heimat fand und den Grundstein für das heutige Hotel legte. Zunächst verirrten sich hierher nur Urlauber aus der Stadt, die auf dem Weg zum Kellerjoch waren. Aus dieser Zeit stammt die Stube, die damals wie heute dem Thema Schlemmen und Verweilen gewidmet ist. Schon immer ist die Küche vom Geschmack Tirols geprägt, nur sehr viel ökologischer ausgelegt.

Etwa mit regionalen Spezialitäten wie dem Alpbachtaler Ziegenrohmilchkäse oder dem Pillberger Biokalb. Gäste sind übrigens dazu angehalten, ihre individuellen kulinarischen Wünsche zu äußern, beispielsweise nach vegetarischen oder veganen Speisen. Unterlechner und seine elf Geschwister sind bereits mit Ökostrom, Mülltrennung, Bio-Lebensmitteln und regionalem Handel groß geworden. Von daher ist Nachhaltigkeit kein neuer Ansatz. „Wir müssen wieder lernen, mit der Natur umzugehen“, findet der Hotel-Leiter, der darin Potenzial für den Tourismus der Zukunft sieht.

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IRGENDWO IM NIRGENDWO

Wir alle haben in den letzten zwei Jahren erfahren, was es heißt, isoliert zu sein, sich vielleicht einsam und alleine zu fühlen. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen, wie diese Zeit zu einem Paradigmenwechsel geführt hat: Sich dieser Einsamkeit bewusst zu stellen und all den Gedanken und Themen, die plötzlich auftauchen, wenn die Ablenkung fehlt, ist auch eine Chance, sich selbst besser kennenzulernen.

Für Reisehungrige, die ähnliche Erfahrungen in beinahe unberührter Natur erleben möchten, haben wir hier ein absolutes Highlight: die Casa Etérea mit ihrer verspiegelten Fassade nahe San Miguel de Allende, auf einer Hochebene unter den Gipfeln des Los Picachos-Gebirges. Die Kleinstadt, in die sich die Elite des Landes im Sommer zurückzieht, liegt etwa 150 Meilen nördlich von Mexiko-Stadt. Verwinkelte Straßen mit Kopfsteinpflaster, bezaubernde barocke und neoklassizistische Kolonialarchitektur und die vielgestaltige rosafarbene Parroquia-Kirche haben San Miguel de Allende seinen Platz im UNESCO-Weltkulturerbe und seinen Ruf als eine der Kronjuwelen Mexikos eingebracht. Wer sich für einen Aufenthalt in der Casa Etérea entscheidet, startet hier. Der Transport erfolgt mit Geländewagen, die Hänge hinauf vorbei an Laubwäldern in den zahlreichen Canyons und ausgedehnten Eichenwäldern auf den Hochebenen. „Die geringe Bevölkerungsdichte in den Bergen und die Tatsache, dass die Fahrzeuge nur bis zu einem gewissen Punkt gelangen, haben eine außergewöhnliche Artenvielfalt bewahrt, darunter Falken, Klapperschlangen, Weißwedelhirsche und Berglöwen“, erzählt Prashant Ashoka. Der in Mexiko lebende Schriftsteller und Designer aus Singapur hat Casa Etérea ins Leben gerufen. „Die Vision war, eine Bühne für die Natur zu schaffen. Daher war das Thema Nachhaltigkeit entscheidend, um das Projekt wirklich vollständig in die Umwelt zu integrieren.“ Um die Landschaft möglichst unangetastet zu lassen, wurde das Fundament aus Gestein errichtet, das der Berg entbehren konnte. „Durch die Ausrichtung des Standorts, eine effiziente Belüftung und Isolierglas reguliert das Haus die Temperatur im halbtrockenen Wüstenklima des zentralenmexikanischen Hochlands auf natürliche Weise.“

Das 75 Quadratmeter große Haus ist für zwei Personen ausgelegt und bezieht seinen gesamten Strom aus Solarenergie. Die Wasserversorgung wird durch aufgefangenes Regenwasser sichergestellt. Die verspiegelten Paneele erhielten eine gemusterte Ultraviolettbeschichtung, die das Glas für die Vögel sichtbar macht, während es für das menschliche Auge reflektierend bleibt.

„Im ersten Tageslicht schimmert das Haus wie ein phosphoreszierender, blau gefärbter Kasten, der in Kontrast des Berghangs in nächtlicher Schwärze steht. Und in den schillernden Farben des Sonnenuntergangs flackert das Volumen wie eine Fata Morgana in der Landschaft, bevor es ganz verschwindet. Das Licht wird zu einem strukturellen Element dieses Entwurfs und verzerrt die Perspektive. Ich wollte, dass dieses Zusammenspiel von Licht und Form ein tiefes Gefühl der Ehrfurcht vor der Wildnis hervorruft und Fragen über unsere Rolle als Mitstreiter bei der Erhaltung unserer Ökosysteme aufwirft.“ Der Name „Etérea“ – aus dem Spanischen übersetzt „ätherisch“ – spielt genau auf dieses Zusammenspiel an und suggeriert in den Augen des Designers „eine nebulöse Vision. Meine Absicht war es, die Architektur als ortsspezifische Installation und als Erweiterung der Umgebung zu sehen, sowohl visuell als auch funktional.“

Die zwei geradlinigen Baukörper sind als ein komplett offener Raum gestaltet. Vom zentralen Wohn-und Schlafraum aus geben raumhohe Glasschiebetüren den Blick auf die hoch aufragenden Felsen frei. Der Poolbereich vor der überdachten Terrasse liegt in einem von Oliven-und Granatapfelbäumen beschatteten Hain. Zur Sicherheit und um die Privatsphäre zu gewährleisten, wurden ferngesteuerte Außenrollläden installiert. Laut Ashoka besitzen abgeschiedene Unterkünfte dieser Art die Kraft, uns nach innen zu wenden: „Die heutige Zeit hat uns unsere Abhängigkeit von unserer Umwelt deutlich vor Augen geführt. Und Auszeiten an abgelegenen Orten können uns eine seltene Stille und Gelegenheit bieten, eine Brücke zwischen uns und der natürlichen Welt zu bauen.“

Wem etwas mehr Abwechslung vorschwebt, der kann an geführten Wanderungen und ATV-Touren teilnehmen oder auch eine Reittour buchen, die von Concho, einem lokalen Viehzüchter, der auf dem Berg lebt, angeboten wird. Ob auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, nach sich selbst, ob als Naturfreund oder als Liebhaberin einer exotischen Flora und Fauna – dieser Spot scheint eine Reise wert zu sein.

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