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Grüne Mitbewohner


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g&v Gestalten & Verkaufen - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 01.10.2022

Ende Juli betitelte die Gärtner-Wochenzeitung TASPO ihr monatlich veröffentlichtes Preisbarometer mit „Grünpflanzen legen im Sommer zu“. In der Preis-Umfrage kommen immer Vertreter unterschiedlichster Sparten zu Wort, im Juli auch der Florist Frederik Brandes aus Hillerse. Er nannte unter den Top-Sellern im Indoor-Bereich Calathea, Alikasia, Monstera und Caladium, die Verkaufspreise lagen zwischen 15,00 und 50,00 Euro. In dem gleichen Beitrag nannte auch Erzeuger Martin Löwer aus Seligenstadt, der im Rhein-Main-Gebiet fünf Gartencenter betreibt, „Grünpflanzen“ als Top-Seller, Orchideen und andere Indoor-Blühpflanzen hingegen als Flop-Seller.

Frederik Brandes bezeichnet die Entwicklung der Indoor-Pflanzen in seinem Fachgeschäft als „sehr positiv“, was auch „der Corona-Pandemie und dem Home-Office-Trend geschuldet“ sei. Er schätzt, dass er etwa „25 Prozent“ seines Gesamtumsatzes mit ...

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Umfangreiches Zimmerpflanzenangebot von Andreas Scheu auf dem BGM Mannheim: Wie wird sich das Segment angesichts der Energiepreise entwickeln?
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... Indoor-Pflanzen macht – beachtlich bei der Schnittblumen-Orientierung klassischer Floristik-Geschäfte.

Dass Raritäten im Segment von Zimmerpflanzen das Salz in der Suppe sind, bestätigt Jörg Breitenfeld, Geschäftsführer beim Blumengroßmarkt in Düsseldorf: „Man kann das gut bei Orchideen erkennen. Die laufen bei uns eigentlich immer gut, Raritäten, etwa Sonderfarben, sind aber sofort weg.“ Jörg Breitenfeld ist ebenfalls der Meinung, dass die Corona-Pandemie dem Segment „ Auftrieb gegeben hat“. Die Nachfrage sei nun „etwas abgeflacht“, es gäbe zwar auch „weiterhin Zuwächse“, doch nicht in dem Maße „wie es manchmal in der Presse beschrieben wird“.

Beachtenswert sei, „wie deutlich das Preisniveau bei grünen Zimmerpflanzen angestiegen ist“. Jörg Breitenfeld spricht von einem „interessanten Segment“, um das sich die Floristen aber zu wenig kümmern würden. „Neun von zehn Floristen haben Zimmerpflanzen nicht ausreichend auf dem Schirm.“ Wobei man wissen muss: Der BGM Düsseldorf ist stark auf den Schnittblumenbereich ausgerichtet.

Auf dem BGM in Mannheim ist dem dortigen Geschäftsführer Hans-Georg Biller etwas ganz anderes aufgefallen – was den Zimmerpflanzensektor zukünftig stark prägen wird. „Im August wurden Phalaenopsis Viertrieber an der Uhr für zwei Euro verramscht.“ Zwei Euro: Bei solch einem Preis kann wohl kein Erzeuger/ Anbieter kostendeckend arbeiten. „Da wollten wohl eine Reihe großer Spieler in der Branche schnell noch rechtzeitig ihre Ware loswerden, bevor die Heizsaison beginnt“, vermutet Hans-Georg Biller.

Ja, die Erzeuger und Anbieter von Zimmerpflanzen blicken gebannt auf die Energiepreisentwicklung, denn ihre Produkte mögen nun mal keine kalten Füße. Wie die Erzeuger von Kulturen aus der Warmhausproduktion reagieren werden, wird sich noch in diesem Jahr bei den Weihnachtssternen zeigen. Die Frage lautet: Wird es wie gewohnt im November/ Dezember bei den Weihnachtssternen ausreichend zweite Sätze, die beheizt werden müssen, geben?

Diese Frage stellt sich in ähnlicher Weise auch bei den Zimmerpflanzen. Ob blühende Arten wie Orchideen und Anthurien oder grüne Zimmerpflanzen wie Monstera und Calathea: Ohne ausreichende Wärme geht es bei den oft ursprünglich aus den Tropen/Subtropen stammenden Pflanzen nicht. Die Energiekrise wird zu einem wichtigen Aspekt, der darüber mitentscheidet, welche Zukunft das Segment hat. Ob ein breites Angebot wie das von Andreas Scheu aus Worms (siehe Foto) auch zukünftig zu vertretbaren Preisen möglich sein wird, bleibt abzuwarten.

Versorgungssicherheit ist eine neue Frage beim Geschäft mit Zimmerpflanzen. Lange bekannt ist hingegen der Aspekt, wie wichtig die richtige Präsentation im Einzelhandel ist. Seit Jahren viel Erfahrung hat Daniela Grabas-Rönn, die ihr Blumenfachgeschäft in der Hafen-City in Hamburg betreibt. Früher führte sie noch ein zweites Geschäft, damals fuhr sie regelmäßig in die Niederlande, um Pflanzen zu kaufen. Heute, bei weniger Volumen, versorgt sie sich über den BGM Hamburg.

Für Daniela Grabas-Rönn waren Zimmerpflanzen „immer ein wichtiges Standbein“, das zwischen 20 und 30 Prozent vom Gesamtumsatz bringt. Im Sommer war die Nachfrage „eher schleppend“, was aber nicht am Segment der Indoor-Pflanzen, sondern an der allgemeinen Kaufzurückhaltung und an dem Urlaubstsunami gelegen haben könnte. In einem Nebensatz sagt die in Hamburg sehr bekannte Unternehmerin: „Wir waren im Mai in den Niederlanden zum Einkauf, vielleicht war der Laden danach auch einfach nur zu voll.“ Damit bestätigt sie die Präsentationsvorstellungen von Frederik Brandes: Zimmerpflanzen benötigen ausreichend Raum, um ihren Charme zu entfalten.

Bestätigt werden von ihr ebenfalls andere Aspekte: Der Kundenkreis ist eher jung, und viele Käufer entscheiden sich für Übertöpfe. In dem Blumenfachgeschäft in der Hafen-City wird unter anderem die nicht gerade preiswerte Marke DutZ geführt. Dass zahlreiche Kunden keine monetären Berührungsängste spüren, ist ein Zeichen dafür, wie wertvoll vielen Menschen ihr pflanzlicher Mitbewohner ist.

Und Pflanzen werden im Gegensatz zu Sträußen schnell zu Mitbewohnern, zu regelrechten „Wesen“. Früher hat man die Menschen belächelt, die mit ihren Pflanzen sprechen. Heute, in Zeiten, in denen selbst Bäume umarmt werden, sind emotionale Beziehungen zu Pflanzen viel selbstverständlicher. Pflanzen gelten im Gegensatz zu Schnittblumen als Lebewesen (was sie ja auch sind) – Pflanzen sind mehr als nur Dekoration. Wenn der Zwei-Meter-Ficus in kurzer Zeit all seine Blätter verliert oder der imposante Elefantenfuß nicht mehr zu retten ist – dann kann das so betroffen machen wie die Krankheiten von Bello oder Mieze.

Da liegt eine Chance des Blumenfachhandels, der im Gegensatz zu Anbietern wie Ikea persönlich berät und somit neben Pflanzenwissen auch Emotionen vermitteln kann.