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GT4 GEGEN GT3 DAS DUELL UM DIE PORSCHE-KRONE


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 13.01.2022

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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 2/2022

Porsche 718 Cayman GT4

420 PS ab 101 235 Euro

Porsche 911 GT3

510 PS ab 175 848 Euro

WIR MÜSSEN REDEN. Über die Marke Porsche an sich und ihren Kern im Besonderen. Denn auch wenn die schnellen Schwaben hierzulande inzwischen fast 60 Prozent SUV und Luxuslimousinen verkaufen, das Wesen der Marke (und beinahe jedes dritte Auto) heißt 911. Und, zugegeben, seit 2005 immer öfter auch Cayman. Der kleine Bruder des Elfers hat uns über die Jahre immer wieder begeistert und verblüfft. Bis hin zu der (fast schon ketzerischen) Frage: Wer ist denn nun der wahre Porsche? Um die Antwort zu finden, baten wir zwei richtig heiße Vertreter der jeweiligen Baureihe zum Duell. 718 Cayman GT4 gegen 911 GT3 – wer regiert die Porsche-Welt?

Der GT4 profitiert dabei ganz ungeniert von allerhand Komponenten aus dem Elfer – bei seinem Debüt 2019 natürlich noch von der Baureihe 991.2. Aufhängungen und Federelemente sind rundum ...

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... aus Leichtbaumaterial gefertigt, an der Hinterachse sorgt eine integrierte Helperfeder im System für ständige Vorspannung.

Gegenüber seinem Gen-Spender hilft dem jungen Wilden die Mittelmotor-Architektur, die seinen Schwerpunkt im Vergleich zum 911 deutlich weiter nach vorn schiebt. Zwar lasten auch im GT4 noch 57 Prozent des Gewichts auf der Hinterachse, doch die ganze Fahrcharakteristik dreht sich deutlich mehr um die Fahrzeugmitte. Dennoch ist der Cayman alles andere als kritisch zu fahren, auch wenn er sich nicht ganz so auf die Ideallinie gekleistert anfühlt wie der GT3. Im kleineren der beiden Zuffenhäuser ist einfach mehr Bewegung zu spüren, das Auto kommuniziert mehr mit dem Fahrer. Die Beziehung ist einen Tick emotionaler, er flüstert einem quasi über das Popometer ins Kleinhirn, was er als Nächstes mit einem vorhat. Dabei hilft die beim PDK- Modell nochmals überarbeitete mechanische Hinterachssperre, die rabiater zupackt und die Traktion nochmals entschlossener verteilt.

Sachsenring

Exakt 3671 Meter lang. Wetter: 23 Grad, sonnig und trocken

Dass er dennoch dem neuen 911 GT3 auf dem Sachsenring nicht davoneilen kann, ist nur logisch. Allein über die Mehrleistung von 90 PS fährt der Elfer so viel Vorsprung heraus, dass auch das kleinere und agilere Wesen des Cayman nichts ausrichten kann. Vor allem, weil er trotz der kompakteren Abmessungen auf unserer Waage schwerer ist als der 911. Es sind zwar nur 16 Kilogramm, aber erwartet hätten wir doch etwas anderes. Das zeigt auf der anderen Seite aber nur, wie hervorragend die Entwickler beim GT3 an der Gewichtsschraube gedreht haben.

PORSCHE 718 CAYMAN GT4

Wohltuend klassisches Cockpit mit echten Knöpfen und wenig Ablenkung. Auch hier nimmt der Drehzahlmesser natürlich den Platz direkt vorm Fahrer ein

Auch sonst sind die Voraussetzungen für schnelle Runden so gleich, wie es die jeweilige Aufpreisliste hergibt: Clubsport-Paket, Keramikbremsanlage, klebrige Cup-2-Reifen aus dem Hause Michelin, das Doppelkupplungsgetriebe PDK und die hervorragenden Kohlefaser-Vollschalensitze haben beide an Bord. Wobei Kenner gerade an den Sitzen die unterschied liche Abstammung erkennen. Der GT3 hat die Schulterstützen kantiger ausgeformt als beim 718. Nicht dass es einen großen Unterschied machen würde, aber die Schalen wurden eben doch nicht einfach vom Vorgänger übernommen, wie viele behauptet hatten. An solchen Kleinigkeiten merkt man, dass Porsche wirklich jedes Detail überarbeitet, auch wenn es gemeinhin bereits den Ruf des Perfekten genießt.

Auf den Schalen sitzt zumindest der 1,96 Meter große Redakteur im Elfer einen Tick besser, fühlt sich enger mit dem Fahrzeug verbunden, dafür klingt der näher beim Fahrer platzierte Vierliter im Mit­ telmotor-Coupé einfach präsenter. Direkt hinter dem rechten Ohr rappelt und klackert es im Leerlauf und Teillastbereich so verdächtig, dass man meinen könnte, der Mechaniker hätte bei der Wartung einen 13er-Schlüssel im Motorraum vergessen. Aber wie bei allen guten Rennmaschinen: Im Stand klingen sie wie ein Sack Nüsse, doch wenn sie am Limit bewegt werden, greift alles plötzlich ineinander, als wäre es nie anders gewesen. Wer die beiden saugenden Boxermotoren ausdreht, erkennt erst die Sinnhaftigkeit der Ganganschlüsse.

PORSCHE 911 GT3

Der winzige PDK-Knubbel wurde beim GT3 durch einen im Schaltsack-Look ersetzt. Und bitte beachten: Lenkrad kreisrund – abgeflacht muss nämlich nicht sein

Auf dem Ring knabbert der Elfer derweil Zehntel für Zehntel von der Zeit des Cayman ab, die wir schon einige Tage zuvor, aber bei identischen Bedingungen gesetzt hatten. Das Einlenken in die ersten winkligen Kurvenkombinationen gelingt instinktiv, wer im Omega die Drehzahl hoch hält, kann das Heck am Ausgang schön eindrehen, das Umsetzen klappt ohne den geringsten Zucker, und in den nicht enden wollenden Linkskurven hoch zur Ralf-Waldmann­ Kurve spürt man richtig, wie die Aerodynamik arbeitet. Die meiste Zeit holt der GT3 aber im letzten Sektor, wo es gleichermaßen auf rabiates Bremsen, hohen Kurvenspeed und viel Punch bergauf ankommt. Macht 1,88 Sekunden Vorsprung auf den GT4.

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Auch längsdynamisch lässt der 911 seinem in die Jahre gekommenen Kompagnon keine Chance: Beschleunigung, Elastizität, alles geht im GT3 schneller – sogar schneller als die Werksangabe. Und dann sind da noch die Bremsen: Mit 28,7 Metern aus 100 km/h versetzt er uns in ungläubiges Staunen, die 109,8 Meter aus 200 km/h sind schlicht sensationell.

Zum Schluss kommt noch das Kapitel, welches dem 911 in diesem hausinternen Duell im wahrsten Sinne den Sieg kostet: die Kosten. Ja, in diesem Bereich spielt Geld meist eine untergeordnete Rolle, aber bei über 70 000 Euro Differenz müssen wir doch mal drüber reden. Für den einen oder anderen Querdynamik-Junkie liegt hier nämlich vielleicht die Grenze zwischen „Kann ich mir gerade so leisten“ und „Vergiss es“, also der Unterschied zwischen fast perfektem oder gar keinem Fahrspaß. Und es müssen beim Cayman ja nicht gleich wie hier 120 000 Euro sein, los geht der GT4 bei 101 235 Euro. Immer noch viel, aber sicher nicht zu viel für eine Führungsrolle in der Porsche-Welt.

PLATZIERUNG

Punkte maximal 400

1. 303 Punkte

Porsche 718 Cayman GT4 Das agile, leichtfüßige Handling und der präsente Sound begeistern, den Sieg bringt der Preisvorteil.

2. 295 Punkte

Porsche 911 GT3 Überragende Messwerte und ein Fahrerlebnis wie im Rennsport lassen uns jubeln, die Kosten eher zusammenzucken.

FAZIT

ALEXANDER BERNT, GUIDO NAUMANN

Fast schon eine kleine Sensation: Der bereits seit 2019 für Furore sorgende Cayman GT4 schlägt den frischeren und viel stärkeren 911 GT3. Auf der Strecke und auch längsdynamisch ist der große Bruder zwar eine absolute Macht, mehr Fahrspaß pro Euro gibt’s aber beim 718 Cayman GT4. Ihm gehört die Porsche-Welt.