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GUARDIANS OF THE GALAXY


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Games Aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 17.11.2021

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Bildquelle: Games Aktuell, Ausgabe 12/2021

Titel von großen Publishern, die auf Basis sündhaft teurer Lizenzen entstanden sind, sind definitiv nicht die Spiele, bei denen ich normalerweise als erstes „hier!“ schreie, wenn in der Redaktion gefragt wird, wer denn Lust hätte, sich um den obligatorischen Test zu kümmern. Weil ich großer Fan der Filmumsetzungen bin und durchaus offen für Dinge, die außerhalb meiner Komfortzone liegen, machte mich Square Enix‘ Version der Guardians of the Galaxy dann aber doch neugierig. Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber dem Lizenztitel, die vor allem daher rührt, dass der Publisher mit Marvel‘s Avengers ein Servicegame abgeliefert hat, das so ziemlich alle meiner schlimmsten Reservationen gegenüber der sogenannten AAA-Spieleindustrie bestätigt, nahm ich mich also der Sache an. Eidos Montreal, die Square Enix bei Avengers bereits mit zusätzlichen Arbeiten unter die Arme griffen und nun bei Guardians als ...

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... Entwickler fungieren, versprachen bereits im Vorfeld einen reinen Singleplayertitel mit Storyfokus ohne Mikrotransaktionen oder DLCs. Die Voraussetzungen für ein angenehmes Spielerlebnis sind also schon allein dadurch um einiges besser als bei der wahrscheinlich berühmtesten Superheldentruppe der Welt.

WIR TÖTEN DEN SPACE-PAPST!

Die Handlung beginnt nicht allzu lange, nachdem sich die Guardians of the Galaxy zu einer Truppe zusammengeschlossen haben. Erst seit einem halben Jahr ungefähr sind die Fünf als Team unterwegs. Während Star-Lord (Stimme: Jon McLaren), Rocket (Alex Weiner) und Groot (Robert Montcalm) sich bereits etwas länger kennen, stießen Gamora (Kimberly-Sue Murray) und Drax (Jason Cavalier) erst später dazu und haben noch starke Probleme, sich an den jeweils anderen zu gewöhnen. Immerhin ist Gamora die Tochter von Thanos und damit des Mannes, der Drax‘ Familie ermordet hat. Und auch im restlichen Team existieren Spannungen: Rocket fühlt sich nicht zuletzt durch die Ankunft der neuen Mitglieder an die Seitenlinie gedrängt und lässt keine Gelegenheit aus, sich mit Star-Lord zu messen, seine Überlegenheit unter Beweis zu stellen und mehr Einfluss auf sämtliche Entscheidungen einzufordern. Diese Konflikte müssen jedoch erst einmal ruhen. Denn direkt bei der ersten Spielmission erregen die Guardians die Aufmerksamkeit der Weltraumpolizei Nova Corps, angeführt von Star-Lords Exfreundin Ko-Rel, die der Truppe eine saftige Strafe aufs Auge drückt. Während die Guardians noch Pläne schmieden, wie sie innerhalb der kurz bemessenen Frist an die erforderlichen Units kommen sollen, bahnt sich jedoch noch eine ganz andere Bedrohung an – mit verheerendem Ausmaß. Anhänger der Kirche der Wahrheit haben unter Führung des fanatischen Raker einen Weg gefunden, die gesamte Galaxis durch übernatürliche Versprechungen und Visionen zu gläubigen Gefolgsleuten zu machen. Die Kirche, die die vollständige Missionierung des Universums als eines ihrer Hauptziele definiert hat, macht mit Ungläubigen und denen, die sich ihren lügnerischen Verführungen widersetzen, kurzen Prozess. Schon bald sollen sich die Wege der Helden mit denen des tyrannischen Weltraumpapstes kreuzen. Die gigantische Armee, die dieser hinter sich geschart hat, ist dabei aber noch das geringste Problem, mit dem sich die Guardians konfrontiert sehen. Rakers wahre Macht liegt darin, seinen Anhängern eine Welt aufzuzeigen, in der sich durch die Macht des Glaubens ihre sehnlichsten Wünsche erfüllen und selbst die Toten wieder ins Leben zurückkehren können. Die Auseinandersetzung der Guardians mit Raker bietet einen erzählerischen Rahmen, in dem wir nach und nach immer mehr über die einzelnen Figuren lernen. Guardians of the Galaxy stützt sich bei der Interpretation der Charaktere auf die bekannten gleichnamigen MCU-Gegenstücke, jedoch unterscheidet sich ihr Hintergrund auch in entscheidenden Punkten von diesen. So erhielt Peter Quill den Namen Star-Lord in Eidos‘ Version nicht von seiner Mutter Meredith (Mylène Dinh-Robic) verliehen, sondern er benannte sich nach seiner Lieblingsband. Dennoch spielt die Beziehung zu Meredith eine große Rolle. In Flashbacks erfahren wir, wie Peter von einem ganz normalen irdischen Jugendlichen mit Faible für Heavy Metal und Dun-geons & Dragons zu einem interstellaren Weltraumpiraten wurde. Und auch Drax strebt nicht etwa auf Rache an dem irren Titanen Thanos, sondern hat diesen zu Beginn der Geschichte bereits längst getötet und muss sich nun damit auseinandersetzen, was er jetzt tun soll, da er sein Ziel erreicht hat. Im Laufe des Spiels begegnen wir noch weiteren alten Bekannten aus den Filmen und vor allem aus den zahlreichen Comicvorlagen. An dieser Stelle soll aus Spoiler-Gründen natürlich nicht verraten werden, welche Fanlieblinge aus den Heften alle einen Auftritt haben. Jedoch sei gesagt, dass es sich nicht immer nur um kleine Easter Eggs handelt, sondern die Story auch ein paar wirklich große Figuren-Enthüllungen bereithält. Besonders beeindruckt hat mich, wie organisch die Konflikte und Charakterentwicklung der einzelnen Guardians in die Rahmenhandlung eingefügt sind. Obwohl jeder der Helden sozusagen einen eigenen Teil der Geschichte erhält, drängt sich die persönliche Geschichte nicht komplett in den Vordergrund, sondern ergibt sich immer aus den Entwicklungen während der Missionen. Wie in einem Film oder einer Miniserie werden immer wieder kleine Hinweise gesät, die auf spätere Ereignisse hindeuten. Was die Erzählstruktur und die stimmige Charakterisierung der Figuren angeht, hat das Team von Eidos definitiv seine Hausaufgaben gemacht. Es ist erfreulich, dass sich außerdem getraut wurde, bei der Story auch in wirklich düstere Gefilde abzudriften und Themen wie Gehirnwäsche, Trauer, Selbstzweifel und religiösen Eifer anzuschneiden. Zwar entspricht die Kirche der Wahrheit ih-rer Vorlage aus den Comics, wenn Gamora sich an einer Stelle sehr deutlich darüber auskotzt, dass sie es nicht ertragen kann, dass Kinder von der Institution missbraucht werden. Man kann, wenn man möchte, aber durchaus schaurige Parallelen zu gewissen Vereinigungen aus der echten Welt erkennen.

LAUFEN, QUATSCHEN, SCHIESSEN

Da sich das Gameplay in vielen Abschnitten darauf konzentriert, herumzulaufen und den Gesprächen der Figuren zu lauschen, ist eine fesselnde Story auch elementar wichtig. Zwar ist Guardians of the Galaxy ein Action-Spiel und wird dieser Einordnung vor allem im letzten Drittel auch gerecht, vorher gibt es allerdings viele Passagen, die man gut und gerne als Walking-Simulator bezeichnen könnte. Der Hauptanteil der Missionen besteht neben vereinzelten Kämpfen und Cutscenes daraus, die Umgebung nach Hinweisen zu durchsuchen, die die Story vorantreiben, oder den richtigen Weg zu finden. Außerdem gibt es, ähnlich wie in Uncharted, kleine Hüpfpassagen, in denen wir Star-Lords mit Hilfe seiner Raketenstiefel über Abhänge bugsieren. An manchen Stellen müssen wir unsere Begleiter anweisen, eine Aufgabe für uns zu erledigen. So kann zum Beispiel Rocket Computer hacken und sich in Tunnel quetschen, die für die anderen Guardians zu eng wären, und Drax kann mit seiner immensen Stärke Felsen verschieben oder mit einem Schlag Durchgänge freimachen. Um diese Stellen zu finden, können wir mit Drücken auf R3 (ich testete auf PS5) Star-Lords Visor aktivieren und in eine Ansicht wechseln, in der Objekte hervorgehoben werden, mit denen wir interagieren können. Darunter auch Fundorte von Kostümen und Items, mit denen wir Quills Ausrüstung verbessern können. Das Kerngameplay wird häufig durch Cutscenes aufgebrochen, in denen wir dann entscheiden können, wie sich Star-Lord verhalten oder wie er antworten soll. Das hat zwar keinen immensen Einfluss auf die generelle Entwicklung der Story, entscheidet aber im Detail zum Beispiel darüber, wer euch später in einer Schlacht zur Seite steht oder ob ihr über ein bestimmtes Upgrade verfügt oder nicht. Außerdem geben einem diese Momente das Gefühl, bei den etlichen Dialogen nicht nur stiller Zuschauer zu sein, sondern aktiv den Gesprächsverlauf beeinflussen zu können. Wenn sich Star-Lord wie so oft in eine Sackgasse gequatscht hat und Worte nicht mehr helfen, stürzen wir uns mit gezogenen Pistolen in den Kampf. Dort können wir proportional zu der abschließenden Bewertung unserer Performance Erfahrungspunkte gewinnen, die dann in neue Kampffähigkeiten investiert werden können. Wer seine Feinde ausschaltet, ohne getroffen zu werden, generiert mehr Erfahrung. Alle Guardians haben vier verschiedene Moves, von denen anfangs nur einer freigeschaltet ist. Wie auch im regulären Gameplay erteilen wir unseren Mitstreitern mit Druck auf L1 und einen zugeordneten Button (Groot Viereck, Gamora Dreieck, Drax Kreis und Rocket X) Befehle. Über ein ähnliches Ringmenü, das wir mit L3 öffnen, können wir auch Star-Lords eigene Kampffähigkeiten aktivieren. Zusätzlich verfügt unser Protagonist über eine Elementarkanone, die im Verlauf des Spiels um weitere Schussvarianten erweitert wird. Auch diese werden mittels D-Pad über ein Ringmenü ausgewählt. Die restlichen Tasten haben im Kampf ebenfalls eigene Funktionen: Geschossen wird auf R2 und R1 (Elementarkanone), Anvisiert auf L2, mit der Kreistaste weichen wir aus, auf Viereck starten wir einen Nahkampfangriff und auf X wird wie sonst auch gesprungen. Mittels Dreieck können wir dann bestimmte Punkte auf dem Schlachtfeld anvisieren, die von den Guardians für eine Spezialattacke genutzt werden können. So kann Gamora zum Beispiel durch einen Schwertschlag Seile durchschneiden und Kisten oder andere befestigte Objekte auf Gegner herunterfallen lassen. Wollen wir die Lebensleiste von Gegnern schneller reduzieren, können wir sie ins Straucheln bringen und so dafür sorgen, dass sie bei den nächsten Angriffen schutzlos sind. Wer gezielt darauf achtet, welche Attacken der Guardians Gegner aus dem Gleichgewicht bringen, kann diese kombinieren und so auf einen Schlag deutlich mehr Schaden anrichten. Schutzlose Gegner können das Ziel mächtiger Gruppenangriffe werden, die wir auslösen, indem wir gleichzeitig zwei Buttons drücken. Haben wir genug Energie gesammelt, können wir außerdem mit R1 und L1 gleichzeitig einen sogenannten Huddle ausführen, mit dem wir unsere Mitstreiter buffen können.

ZU VIELE KNÖPFE

Wem diese Steuerung etwas überladen vorkommt, ist mit dieser Ansicht sicher nicht alleine. Da die Kämpfe sonst schnell eintönig würden, ist es essenziell, über eine Auswahl an verschiedenen Attacken zu verfügen und dynamischere Strategien anwenden zu können. Trotzdem sorgt das vollkommen mit unterschiedlichen Funktionen belegte Kontrollschema dafür, dass man schnell den Überblick verliert. So ist es mir häufig passiert, dass ich den Balken, der sich auffüllt, je länger man schießt, im Chaos der Effekte und Button-Einblendungen aus dem Auge verloren habe und meine Waffe überhitzte, weil ich nicht rechtzeitig einen Knopf gedrückt habe. Außerdem ist der L3-Button extrem sensibel, wodurch ich in zahlreichen Gefechten unabsichtlich Spezialattacken ausgelöst habe, die mich dann mit einer längeren Abklingzeit bestraften. Mit der Zeit wird man dieses System allerdings schon Herr. Wo ich anfangs noch das Gefühl hatte, komplett von Funktionen erschlagen zu werden, meisterte ich die Kämpfe zum Schluss mit Leichtigkeit, was auch daran liegt, dass der normale Schwierigkeitsgrad sehr gnädig konzipiert ist. Und auch auf schwer sind die Kämpfe nicht so knackig, dass das für Frust sorgen würde. Trotzdem geschahen mir häufig noch Ausrutscher, bei denen ich in der Hitze des Gefechts aufgrund der sensiblen Steuerung den falschen Knopf drückte. Wirklich ins Gewicht fällt so etwas natürlich nur, wenn man aufgrund eines Fehlers einen Schlag kassiert und die Kampfbewertung dadurch herunter- gestuft wird. Ab einem bestimmten Punkt im Spiel sind die Kampfbewertungen dann aber ohnehin überflüssig. Sobald man alle Fähigkeiten freigeschaltet hat, erhält man für absolvierte Gefechte nämlich auch keine Erfahrungspunkte mehr, was zwar logisch ist, einem aber auch der Befriedigung beraubt, für ein Scharmützel die Höchstwertung einzufahren. Das passierte mir ein ganzes Stück vor dem Endgame, was die letzten paar Kämpfe ein Stück weniger unterhaltsam machte. Neben Kämpfen, Erkunden und Cutscenes gibt es zudem Flugpassagen, in denen wir die Kontrolle über Star-Lords Raumschiff Milano übernehmen und Objekten ausweichen oder Gegner torpedieren müssen. Diese sind jedoch äußerst spärlich gesät. Auch, wenn das alles jetzt nicht gerade die Krönung innovativen Gameplays ist und ich es bevorzugt hätte, wenn Entscheidungen etwas weitreichenderen Einfluss gehabt hätten, ist das Gesamtpaket wirklich rund. Alle typischen Guardians-Elemente sind vorhanden und das Spiel bietet genug Abwechslung und hat exakt die richtige Länge, sodass keine Langeweile durch Wiederholung aufkommt.

ER HAT DIE HAARE SCHÖN

Optisch ist Guardians of the Galaxy eine echte Wucht. Die knalligen Farben, coolen Designs und hochwertigen Effekte kommen auf der PS5 voll zur Geltung. Vor allem die Haare der Figuren, insbesondere Rockets Fell und Star-Lords geckenhafter Haarschnitt, sehen in Nahaufnahmen wirklich beeindruckend aus. Einzig Zähne und Augen wirken in manchen Szenen ganz schön gruselig. Vor allem Meredith Quill wirkt durch ihre blitzblanke Knabberleiste wie eine puppenhafte Imitation eines Menschen. Und Mantis (Emmanuelle Lussier-Martinez), die in dieser Version stark an die Figur Harley Quinn der Comic-Konkurrenz DC erinnert, könnte mit ihren gigantischen Pupillen, ihrem riesigem Schlund und mehr Zähnen als Stefan Raab auch direkt einem Horrorfilm entsprungen sein. Zum Glück sind zumindest die Designs der fünf Hauptfiguren einladend und angenehm anzusehen. Auch, wenn ich mit Star-Lords Auftreten als gelackter Dudebro, der sich für den Oberwitzbold hält, anfangs nur wenig anfangen konnte, muss ich gestehen, dass er mir in den rund 24 Spielstunden, die ich bis zum Abspann mit ihm verbracht habe, durchaus ans Herz gewachsen ist.

DIE STIMMEN STIMMEN

Nicht zuletzt ist das auch der hervorragenden englischen Vertonung zu verdanken. Insbesondere Rockets Voice-Actor macht einen Wahnsinnsjob und kommt der Filmfassung von Bradley Cooper extrem nahe. Doch auch der restliche Cast ist überzeugend, sodass man auch mal darüber hinwegsieht, wenn Gamora mitten im Kampf einen peinlichen Wortspiel-Spruch wie „Knife to meet you“ raus haut. Die Zahl der Sätze, die für das Abenteuer eingesprochen wurden, ist immens und die konstanten Sticheleien unter den Figuren helfen wirklich, das Guardians-Feeling aufrecht zu erhalten. Einzig, dass Schimpfwörter wie „Fuck“ und „Shit“ mit „flark“ und „scutt“ ersetzt wurden und diese in fast jedem Gespräch vorkommen, oft auch in Kombination, wirkt auf Dauer nervig und infantil. Zumindest ist mir bei anderen Videospielen selten so viel „Fickscheiße“ begegnet wie in Guardians of the Galaxy. Die deutsche Sprachausgabe ist dann ebenfalls verflarkt solide, wenn auch nicht ganz so divers wie die des Originals. Ich hatte das Gefühl, die Sprecher heben sich auf Englisch stimmlich stärker voneinander ab, was den Figuren noch etwas mehr Persönlichkeit verleiht. Was den restlichen Sound angeht, steht bei den Guardians natürlich alles auf Rock & Roll. Der Soundtrack enthält lauter lizensierte Songs aus den 70ern und 80ern sowie eigens für die fiktive Band Star-Lord komponierte Musik. Die Lieder spielen an bestimmten Stellen in der Handlung und können an Bord der Milano gehört werden. Ganz so schön eingesetzt wie im von James Gunn zusammengestellten Soundtrack zu den Filmen werden die Stücke nicht, insgesamt sorgt die musikalische Untermalung aber trotzdem für Stimmung.

MEINUNG

Christian Fußy

Guardians of the Galaxy schafft es tatsächlich, das Feeling der Filme ordentlich in spielbarer Form umzusetzen. Die Truppe mag anfangs nur wenig sympathisch und mit ihren konstanten Streitereien untereinander zu redselig wirken, mit der Zeit bin ich ihrem kratzbürstigen Charme aber dann doch erlegen. Auch wenn das Gameplay aus Standard-AAA-Spielelementen zusammengesetzt ist und das überfrachtete Kampfsystem ein bisschen mehr Feinschliff hätte vertragen können, habe ich meine Zeit mit den Guardians genossen. Nach dem Durchspielen gibt es einen New-Game-Plus-Modus, in dem wir mit allen freigeschalteten Fähigkeiten erneut beginnen können, und die Möglichkeit, in einzelne Kapitel zurückzugehen und an manchen Stellen andere Entscheidungen zu treffen. Zwar mag das nicht für jeden genug Anreiz sein, die Story direkt nach dem Durchspielen noch einmal zu starten, dafür gibt es aber auch keine Mikrotransaktionen, kein unnötiges Grinding und keine Paywalls, sondern von der ersten Spielsession an Spaß wie noch zu Papas Zeiten. Guardians of the Galaxy wirkt für mich wie die Big-Budget-Version eines Marvel-Spiels aus der PS2-Ära. Und das im besten Sinne.

WERTUNG

Stärken und Schwächen

+ Stark erzählte, fesselnde Story

+ Detailreiche Umgebungen und Figuren

+ Gute Musikuntermalung

+ Ordentliche Spielzzeit von etwas über 20 Stunden

+ Zahlreiche Comic-Easter-Eggs

+ Hervorragende Vertonung

+ Konventionelles, aber abwechslungsreiches Gameplay

+ Keine Mikrotransaktionen

- Überfrachtetes Kampfsystem

- Teilweise peinliche Dialoge und Gags

- Entscheidungen spielen keine wahnsinnig große Rolle

Fazit

Galaktisch gut!

Square Enix erweisen sich der Marvel-Lizenz im zweiten Anlauf als würdig.