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Gute Reise


Ein Herz für Tiere - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 23.08.2019

Jeden Herbst machen sich zahllose Zugvögel auf den Weg in ihre Winterquartiere. Wir verabschieden die Tiere in den Süden


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Bildquelle: Ein Herz für Tiere, Ausgabe 9/2019

KLAPPERSCHNABEL
Der Weißstorch ist ein Langstreckenzieher und überwintert in Afrika


Langsam werden die Tage wieder kürzer, das Laub färbt sich bunt und die Äste von Eberesche und Sanddorn biegen sich unter der schweren Last ihrer reifen Früchte: Der Herbst hält Einzug ins Land. Wenn die Temperaturen sinken, machen sich viele Zugvogelarten auf den Weg in ihre Winterquartiere. In großen Schwärmen ziehen sie zwischen September und November über unsere Köpfe hinweg und hinterlassen ...

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Schöne schwärmerei

Mehr als 100 Millionen Zugvögel verlassen jedes Jahr ihre Brutgebiete in Deutschland und machen sich auf die Reise in den warmen Süden. Zwischen September und November lässt sich fast täglich der Vogelzug von Schwalben, Störchen oder Kranichen beobachten. Die Flugformationen von Staren sind ein besonders spektakuläres Naturschauspiel. Stare bilden Schwärme mit mehreren tausend Tieren, die wie wabernde Wolken aus unzähligen, kleinen Körpern aussehen. Die Vögel tanzen am Himmel wie Fische im Wasser. Sie fliegen zusammen, stieben auseinander und vollführen eine wunderbare Flugshow. Durch die Schwarmbildung sparen die Sperlingsvögel reichlich Energie, denn sie erzeugen mit ihren Flügelschlägen kleine Luftwirbel, die Aufwind geben. Außerdem schützt die Gruppenbildung die einzelnen Tiere gegen Angreifer aus der Luft. So gelangen die Vogelschwärme sicher in ihre Winterquartiere. Diese liegen bei Staren und anderen Kurzstreckenziehern wie Feldlerchen oder Kranichen im winterwarmen Westeuropa oder im milden Mittelmeerraum.

Kräftezehrende reise

Vogelarten wie Weißstorch, Kuckuck oder Mauersegler nehmen einen wesentlich längeren Weg auf sich und fliegen bis südlich der Sahara. Sie gehören zu den sogenannten Langstreckenziehern. Diese Tiere verbringen oft nur wenige Monate in unseren Breiten und sind in Deutschland meist zwischen April und August zu sehen. Doch egal ob kurz oder lang: Was für uns ein wunderschöner Anblick und ein wahres Naturschauspiel ist, bedeutet für die Zugvögel eine gefährliche Kraftanstrengung. Auf der Reise lauern überall Gefahren. Beispielsweise können Stromleitungen und Windkraftanlagen zur tödlichen Falle werden und das eine oder andere Überwinterungsgebiet kann durch Dürre oder menschliche Besiedlung zerstört werden. Zusätzlich werden die Zugvogelbestände durch Wilderei und Jagd bedroht.

Warum nehmen also die Vögel diese Strapazen auf sich und ziehen jedes Jahr in den Süden? Es ist nicht die Wärme, die die Vögel davonlockt, sondern der Nahrungsmangel. Die meisten Vögel auf Wanderschaft ernähren sich fast ausschließlich von Insekten, die hierzulande im Winter fehlen oder bei eisiger Kälte nur schwer aufzufinden sind. Bei einer geschlossenen Schneedecke und gefrorener Erde pickt es sich schlecht nach schmackhaften Krabbeltieren am Boden. Im Süden dagegen schwirren und kriechen zu dieser Zeit ausreichend Insekten herum.

Eine Frage der Gene

Der Zugdrang ist den meisten Vögeln übrigens angeboren. Auch die Länge der Route und die Richtung sind genetisch festgelegt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Zugstrecke und Flugverhalten nicht verändern können. Über die Zeit und mehrere Generationen hinweg haben viele Zugvögel ihre Strategien verändert. Viele verkürzen ihre Wege – wer muss schon nach Afrika, wenn es auch in Westeuropa Futter für alle gibt? Andere kehren schon früher zu uns zurück oder sparen sich ihre Kräfte ganz und treten die anstrengende und gefährliche Reise gar nicht mehr an.

Zugvögel sind also in der Lage, sich an die sich verändernden Umweltbedingungen, zum Beispiel durch den Klimawandel, anzupassen. Weit ziehende Vögel werden daher immer seltener. Besonders auffällig ist das geänderte Zugverhalten bei Störchen. Die Schreitvögel profitieren als Kulturfolger von der Nähe zum Menschen und sind sehr flexibel bei der Nahrungssuche. Inzwischen fliegen sie häufig im Winter nicht mehr ins ferne Afrika, sondern suchen sich für die kalte Jahreszeit ein Plätzchen in Spanien oder Portugal und decken ihren Nahrungsbedarf mit Speiseresten von Mülldeponien. Rund ein Drittel unserer Weißstorch-Population verweilt sogar das ganze Jahr über in Deutschland.

Die meisten Zugvögel verlassen aber nach wie vor das Land und machen sich Jahr für Jahr auf ihre große Reise in den Süden. Doch keine Sorge, es ist kein Abschied für immer. Wir können uns trösten, denn sie kommen ja wieder – und das schon im nächsten Frühjahr.

Ach, so ist das!

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