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Guten Appetit!


Reader´s Digest Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 24.06.2019

Rund 55 Kilogramm Lebensmittel im Jahr wirft jeder von uns in die Mülltonne. Dabei sind Brot, Joghurt & Co. häufig noch gut genießbar


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Bildquelle: Reader´s Digest Deutschland, Ausgabe 7/2019

Am samstag macht claudia brummer Großeinkauf. Dann füllt sie den Kühlschrank mit Gemüse, Obst, Milchprodukten, Fleisch und Wurst für die kommende Woche und ergänzt Lebensmittel wie Nudeln und Mehl in ihrem Vorratsschrank. Bevor sie die gerade gekaufte Ware einräumt, sortiert die 46-jährige Mutter zweier Kinder alles aus, was vom letzten Einkauf übrig geblieben ist und die Datumsangabe auf der Packung überschritten hat. Wie so oft ist es auch in der zurückliegenden Woche ...

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Am samstag macht claudia brummer Großeinkauf. Dann füllt sie den Kühlschrank mit Gemüse, Obst, Milchprodukten, Fleisch und Wurst für die kommende Woche und ergänzt Lebensmittel wie Nudeln und Mehl in ihrem Vorratsschrank. Bevor sie die gerade gekaufte Ware einräumt, sortiert die 46-jährige Mutter zweier Kinder alles aus, was vom letzten Einkauf übrig geblieben ist und die Datumsangabe auf der Packung überschritten hat. Wie so oft ist es auch in der zurückliegenden Woche im Büro der Unternehmensberaterin an manchen Tagen später geworden, und ein paar der geplanten selbst gekochten Mahlzeiten entfielen. So landen an diesem Samstag zum Beispiel eine Packung Putenbrustfilet und mehrere Becher Joghurt im Müll. Das Fleisch hätte laut Packungsangabe spätestens vor zwei Tagen verbraucht sein sollen, das auf dem Joghurt angegebene Mindesthaltbarkeitsdatum ist vier Tage überschritten. Claudia Brummer ärgert sich. Weniger über zu viel ausgegebenes Geld als über die Verschwendung. Und sie fragt sich: Hätten ihre Familie und sie Joghurt und Fleisch vielleicht doch noch essen können?

EINE FRAGE DES DATUMS

„Den ersten Hinweis gibt bei vorverpackten Lebensmitteln bereits die Kennzeichnung. Besonders leicht verderbliche Lebensmittel wie Fisch, Hackfleisch, Geflügel, frische Gemüsesäfte oder vorgeschnittene Salate tragen ein Verbrauchsdatum“, erklärt Professor Dr. Bernd Lindemann vom Institut für Lebensmittel sicherheit der Hochschule Geisenheim. Die Kennzeichnung lautet „verbrauchen bis …“

„Nach Ablauf dieses Datums können solche Lebensmittel durch eine hohe Keimbelastung gesundheitsschädlich sein, ohne dass Sie dies sehen oder riechen“, sagt Lindemann. Produkte mit bereits überschrittenem Verbrauchsdatum sollten Sie also wegwerfen! „Lebensmittel mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum – erkennbar an der Kennzeichnung ‚mindestens haltbar bis …‘ – hingegen sind in der Regel auch darüber hinaus unbedenklich. Mit diesem Datum garantiert der Hersteller, dass ein Produkt Geschmack und Aussehen bis zu diesem Zeitpunkt behält“, erläutert der Experte. Das Putenfleisch mit dem verstrichenen Verbrauchsdatum hat Claudia Brummer also zu Recht entsorgt. Den Joghurt jenseits des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) hingegen hätte sie genauer unter die Lupe nehmen können. Gut möglich, dass er noch genießbar war.

PRÜFEN MIT ALLEN SINNEN

In welcher Form und wie schnell ein Lebensmittel verdirbt, hängt von seiner Zusammensetzung, Verarbeitung und Lagerung ab. So fördert zum Beispiel ein hoher Wassergehalt Schimmel. Fett verdirbt, wenn es mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Während also saftiges Brot zu Schimmelbildung neigt, werden offen gelagerte fettreiche Nüsse schnell ranzig.

Wie aber finden Sie heraus, ob ein Lebensmittel verdorben ist? „Anschauen, riechen und vorsichtig probieren“, empfiehlt Silke Schwartau, Leiterin der Ernährungsabteilung bei der Verbraucherzentrale Hamburg. „Schimmel zeigt sich als weißes oder farbiges Geflecht auf der Oberfläche von Nahrungsmitteln wie Brot und Marmelade. Den Befall mit Schädlingen wie Motten erkennen Sie nicht nur an lebenden oder toten Tieren, sondern auch an feinen Gespinsten, die zum Beispiel gemahlene Nüsse durchziehen. Gärprozesse, beispielsweise in Fruchtsäften, machen sich durch Bläschen bemerkbar und sind an ihrem Geruch und Geschmack zu erkennen.“ In all diesen Fällen rät die Expertin zum Wegwerfen.

Auch wenn ein Lebensmittel muffig, ranzig, faulig oder nicht wie gewohnt riecht oder untypisch schmeckt, sollten Sie es nicht mehr verzehren. Undichte Verschlüsse und aufgeblähte Packungen sind ebenfalls ein Warnhinweis. Bei Verdacht auf Verderb gehört stets die ganze Packung in den Müll. Gesundheitsschädliche Keime oder Giftstoffe können sich für Sie unsichtbar bereits im gesamten Produkt ausgebreitet haben.

Milchprodukte, die in der Regel ein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen, verderben unterschiedlich schnell. „Frischmilch etwa wird in der Regel spätestens einige Tage nach Ablauf sauer und flockt aus,“ erläutert Expertin Schwartau. „Die länger haltbare ExtendedShelfLifeFrischmilch verdirbt meist langsamer. HMilch hält ungeöffnet mindestens sechs bis acht Wochen, geöffnet jedoch ebenfalls nur einige Tage. Sie flockt danach nicht aus, sondern schmeckt bitter. Dann sollten Sie sie nicht mehr verwenden.“

Bei anderen Milchprodukten heißt es Finger weg, wenn sich Schimmel oder starke Bläschen bilden, die Produkte ranzig, nach Hefe oder vergoren riechen. Eher früher als später reif für die Tonne sind meist Schnittund Weichkäse, Sahne, Pudding oder Milchreis. „Joghurt, Quark oder saure Sahne können hingegen nach Monaten noch gut sein, da sich gesundheitsschädliche Keime in der sauren Umgebung kaum vermehren“, sagt Schwartau. Auch Butter und Hartkäse sind aufgrund ihres geringen Wassergehalts relativ unempfindlich.

VORRATSHALTUNG LEICHT GEMACHT

• Kaufen Sie nur Mengen, die Sie innerhalb des Verbrauchs- oder Mindesthaltbarkeitsdatums verwerten können. Mit Großpackungen mögen Sie auf den ersten Blick Geld sparen, doch wenn viel im Müll landet, wird es am Ende teurer.

• Halten Sie die auf der Packung angegebenen Lagerbedingungen ein. Denken Sie vor allem beim Einkauf von gefrorener Ware an die Kühlkette und nehmen Sie eine Kühltasche mit.

• Räumen Sie im Kühl-und Vorratsschrank nach vorn, was zuerst verbraucht werden muss.

• Reinigen Sie Kühlschrank und Vorratsschränke regelmäßig. So machen Sie Schimmelpilzen und Schädlingen das Leben schwer.

• Sie haben zu viel Gemüse, Beeren, Fleisch oder Brot eingekauft? Frieren Sie den überschüssigen Teil ein!

WAS TUN BEI SCHIMMEL?

„Auch wenn es Überwindung kostet – mit Schimmel befallenes Brot, Obst, oder Konfitüre gehören komplett in den Müll“, sagt Dr. Nicole Lorenz vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin. „Schimmelpilze bilden Giftstoffe, sogenannte Mykotoxine, die schon in geringen Mengen gesundheitsschädlich sein können. Neben akuten Effekten wie Erbrechen, Durchfall oder Beeinträchtigungen des Immunsystems kann eine wiederholte Aufnahme über einen längeren Zeitraum auch Krebs verursachen oder das Erbgut schädigen.“ Wie weit Schimmelpilze und die von ihnen produzierten Toxine bereits in ein Lebensmittel eingedrungen sind, können Sie mit bloßem Auge nicht erkennen, weshalb das BfR bei fast allen Lebensmitteln mit Schimmel bildung zum Entsorgen rät. Ausnahme von dieser Regel sind Hartkäse mit einem geringen Feuchtigkeitsgehalt wie Parmesan oder luftgetrockneter Schinken am Stück. „In diesen Fällen reicht es aus, die befallenen Stellen großzügig zu entfernen“, erklärt Expertin Lorenz. „Gesundheitlich unbedenklich sind zudem sogenannte Edelschimmel, die Käsespezialitäten wie Camembert und Roquefort, aber auch Edelsalami ihren typischen Charakter verleihen.“

Eier können Sie etwa zwei Wochen über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus verzehren. Dieses muss entweder auf der Packung oder bei loser Ware auf einem Schild oder Begleitzettel angegeben sein. Sie sollten die Eier dann allerdings nur noch gut durcherhitzt verwenden, zum Beispiel hart gekocht oder in Kuchen gebacken. Das tötet schädliche Keime wie Salmonellen ab. Sind Sie sich beim Alter unsicher, rät Expertin Schwartau zum Schwimmtest : „Legen Sie das Ei in ein Glas Wasser. Frische Eier bleiben unten, alte Eier schwimmen an der Oberfläche. Letztere sind nicht mehr zum Verzehr geeignet.“

Verpackte Wurst kann im unteren Teil des Kühlschranks bis zu fünf Tage nach Ablauf des MHD noch gut sein, Salami und geräucherter Schinken am Stück auch deutlich länger. Doch sobald sich erste Veränderungen zeigen, etwa eine schmierige Oberfläche, ein Grün- oder Graustich oder ein unangenehmer Geruch, gilt: unbedingt weg damit!

Verpacktes Brot und Brötchen sind normalerweise noch einige Tage nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums in Ordnung. Doch behalten Sie das Gebäck gut im Auge: Schon kleine weiße Pünktchen und ein muffiger Geruch deuten auf Schimmelbefall hin. Warten Sie mit dem Wegwerfen nicht, bis sich der Schimmel ausgebreitet hat. Sonst besiedeln seine Sporen womöglich auch andere Lebensmittel, die in der Nähe lagern.

Bei Trockenwaren macht sich Verderb oft durch einen muffigen oder ranzigen Geruch bemerkbar. Getreideprodukte, Nüsse und Trockenfrüchte schmecken dann manchmal bitter. Alle diese Produkte sind anfällig für Schädlinge, Nüsse und Gewürze außerdem für Schimmel. Haben Augen und Nase keinen Hinweis auf Verderb gegeben, besteht kein Grund zum Wegwerfen, selbst wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum schon lange überschritten ist: Müsli, Getreideflocken, Mehl, Nüsse, Trockenfrüchte, Kekse, Gebäck, Gewürze, Tee und Schokoladenprodukte schmecken meist noch mehrere Wochen bis Monate darüber hinaus. Nudeln, Reis, Kaffee oder Kakao sind sogar oft noch Jahre später genießbar.

Konserven, Konfitüren und Marmeladen bleiben in der Regel mehrere Monate bis hin zu Jahren nach Ablauf des MHD genießbar. Professor Lindemann rät, vor dem Öffnen die Verpackung zu begutachten: „Verbeulte oder rostige Dosen, aufgeblähte Tetrapackungen oder Deckel, die nicht richtig fest sitzen sind gute Gründe, das Produkt sogleich zu entsorgen.“ Es lässt sich nicht ausschließen, dass sich durch Mikroorganismen Giftstoffe gebildet haben. Sind die Verpackungen noch einwandfrei, schnuppern Sie, bevor Sie probieren: Was gärig, sauer oder faulig riecht oder – im Fall von Dosen – metallisch schmeckt, ist verdorben.

Pflanzenöle, die beißend beziehungsweise ranzig riechen oder bitter schmecken, sollten Sie nicht mehr verzehren. Bei Leinöl und Nussölen ist das häufig schon kurz nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums der Fall, bei Raps-, Sonnenblumen- und Olivenöl meist auch mehrere Monate später noch nicht. Eine Trübung weist ebenfalls auf Verderb hin. „Nur bei Aufbewahrung im Kühlschrank ist es ganz normal, wenn ein Öl ausflockt und eintrübt“, erklärt Expertin Schwartau. Bei Zimmertemperatur hingegen sollte es klar sein.

Viele Tiefkühlwaren können Sie noch mehrere Monate, nachdem das Mindesthaltbarkeitsdatum verstrichen ist, genießen. Vorausgesetzt, die Kühlkette wurde nicht unterbrochen. „Mikroorganismen vermehren sich bei Temperaturen unter 18 Grad nicht“, erläutert Professor Lindemann. Gefrierbrand – er zeigt sich durch weiße, trockene Stellen – beeinträchtigt zwar den Geschmack, ist aber unbedenklich.

Gekühlte Fertigprodukte, etwa Teigwaren oder Frikadellen, sind schwer einzuschätzen. „In ihnen können sich schädliche Keime vermehren, ohne dass Aussehen, Geruch oder Geschmack darauf hindeuten“, erläutert Expertin Schwartau. Aus einem anderen Grund gilt das auch für stark gewürzte Lebensmittel, etwa pikante Brot aufstriche: Das intensive Aroma oder die Schärfe überdecken Anzeichen dafür, dass diese Lebensmittel verdorben sind. All diese Produkte sollten Sie deshalb nur kurze Zeit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus verwenden und im Zweifel wegwerfen.

KEIN MINDESTHALTBARKEITSDATUM?

Es gibt nur wenige verpackte Lebensmittel, für die kein Verbrauchsoder Mindesthaltbarkeitsdatum vorgeschrieben ist. Dazu zählen kaum verderbliche Lebensmittel wie Essig, Zucker, Salz sowie viele alkoholische Getränke und Zuckerwaren. „Aber auch unverarbeitetes Obst und Gemüse tragen keine Datumsangabe, denn die Haltbarkeit schwankt je nach Erntezeitpunkt, Sorte und Lagerbedingungen zwischen wenigen Tagen bis hin zu vielen Wochen“, erläutert Professor Lindemann. Sie müssen sich also ganz auf Ihre Sinne verlassen. „Gemüse, Kartoffeln, Kräuter und Obst mit faulen oder matschigen Stellen, Verfärbungen, einem untypischen oder vergorenen Geruch sollten Sie nicht mehr verzehren.“ Auch stark gekeimte oder großflächig grüne Kartoffeln sollten Sie entsorgen, denn sie enthalten giftiges Solanin.

Wer Brot und Brötchen, Fleisch, Wurst oder Käse beim Bäcker, Metzger oder an der Bedientheke im Supermarkt kauft, kann sich nicht an einem Mindesthaltbarkeitsdatum orientieren. Sie sind zum baldigen Verzehr bestimmt, also spätestens innerhalb weniger Tage. Wenn Sie sich unsicher sind, ob die Ware noch in Ordnung ist, gilt auch bei Unverpacktem: anschauen, riechen, vorsichtig probieren und im Zweifelsfall entsorgen.


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