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GYMNASTIZIERUNG UND MUSKELAUFBAU: Ich stärk dir den Rücken


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 40/2019 vom 08.03.2019

„Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde”, heißt es im Volksmund. Doch diesesGlück ist auch mit Verantwortung verbunden , denn nur eine korrekte Ausbildung befähigt das Pferd dazu, den Reiter zutragen, ohne dabei Schaden zu nehmen . Wie Sie Rückenproblemen vorbeugen und warum die Losgelassenheit dabei eine wichtige Rolle spielt, erklärt Anne Schmatelka


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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 40/2019

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KLEINES TRAININGSPROGRAMM AM BODEN

ÜBUNG 1

MÖHRENÜBUNG

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Suchen Sie sich einen ruhigen Platz und achten Sie darauf, dass Ihr Pferd nicht schummelt. Es darf Kopf und Hals nicht mit Schwung nach hinten in Richtung Kruppe bewegen, sondern es soll sich langsam dehnen und den Kopf auf Wunsch in Höhe des Knies oder in Perfektion in Höhe des Sprunggelenks halten können.

Anne Schmatelka, Expertin für Rückenprobleme bei Pferden


ÜBUNG 3


„Wer sein Pferd korrekt und losgelassen von hinten nach vorn reitet, bekommt eine gut entwickelte und schön geschwungene Oberlinie quasi geschenkt!”


DAS BECKEN KIPPEN

Mit dieser Übung können Sie die Mobilität des Beckenbereichs unterstützen. Nehmen Sie zwei Holzstäbchen mit einer abgerundeten Spitze, und üben Sie vorsichtig Druck auf den vorderen Bereich des Beckens aus und zwar links und rechts der Wirbelsäule auf dem langen Rückenmuskel. Ihr Pferd wird mit dem Becken nach vorn kippen. Dabei sehen und fühlen Sie, wie sich der ganze Rücken nach vorn unten schiebt.

Wenn Sie mit den Holzstäbchen vorsichtig und langsam hinten an der Kruppe hinunterfahren, wird Ihr Pferd den Rücken, aber vor allem den Lendenwirbelsäulenbereich, aufwölben.

Ebenso wie beim Aufwölben des Rückens sollten Sie auch bei dieser Übung besonders vorsichtig sein und nicht zu viel Druck ausüben. Anne Schmatelka empfiehlt eine sichere Position leicht seitlich neben dem Pferd. Bei Pferden, die zum Ausschlagen neigen, sollten Sie auf diese Übung lieber verzichten.

UNSERE EXPERTIN

ANNE SCHMATELKA beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der klassischen Reitkunst sowie mit der Gesunderhaltung des Pferdes. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Rückenprobleme. Die Autorin hat bereits mehrere Fachbücher veröffentlicht und gibt ihr Wissen zusätzlich auf ihrer Homepage weiter.www.los-gelassen.com

ÜBUNG 2

AUFWÖLBEN

Auch für diese Übung suchen Sie sich einen ruhigen Ort, an dem sich Ihr Pferd entspannen kann. Um den richtigen Punkt zu finden, gehen Sie folgendermaßen vor: Stellen Sie sich seitlich neben Ihr Pferd. Fassen Sie direkt hinter den Vorderbeinen unter den Bauch. Ungefähr in der Mitte werden Sie eine leichte Vertiefung finden. Das ist der Punkt, an dem Sie mit Ihren Fingerkuppen oder auch mit einem Holzstäbchen einen leichten Druck ausüben, damit sich der Rücken nach oben wölbt. Dieses Aufwölben geht bis zum Widerrist, den man auf diese Weise gut lockern und dehnen kann. Die Wirbelsäule wird in ihrer Mobilität unterstützt, das Pferd im Rücken entlastet.

Anne Schmatelka empfiehlt, diese Übung bei vielen Gelegenheiten zu wiederholen – beim Putzen, kurz vor dem Aufsteigen, oder wenn Ihr Pferd gerade unter dem Solarium steht. Es kann sein, dass Ihr Pferd anfangs nicht begeistert ist, wenn Sie das Aufwölben durchführen. Möglicherweise ist es steif und fürchtet Schmerzen. Um zu verhindern, dass es mit dem Hinterbein ausschlägt, heben Sie ein Vorderbein hoch. Sollten Sie ein Holzstäbchen verwenden, dann setzen Sie es nur mit ganz wenig Druck ein.

BUCHTIPP

Rückenprobleme und Kissing Spines sind häufige Diagnosen bei unseren Reitpferden, meist entstanden durch fehlerhafte Ausbildung. Oft gelten die betroffenen Pferde als unreitbar. Dass dies nicht so sein muss und dass es möglich ist, ein ehemals rückenkrankes Pferd wieder zu reiten und weiter auszubilden, erläutert dieses Buch. Momentan erhältlich als E-Book über Amazon, die Neuauflage erscheint im Herbst 2019 imCadmos Verlag.

Wenig Bewegung, stundenlanges Sitzen vor dem Computer und einseitige beziehungsweise falsche Belastung – Rückenschmerzen sind zur Volkskrankheit geworden. Doch das betrifft scheinbar nicht nur uns Menschen. Auch bei Pferden häufen sich Rückenprobleme. „Ich gehe davon aus, dass die Zahl der Pferde mit Erkrankungen am Bewegungsapparat und auch die daraus entstehenden Folgeschäden stark angestiegen sind”, sagt Anne Schmatelka, die sich in Ihrem Buch „Über den Rücken” eingehend mit dieser Problematik auseinandersetzt. Eine Gemeinsamkeit, die Mensch und Pferd betrifft: Wir leben in einer erfolgsorientierten Gesellschaft. Alles muss schnell gehen, die körperliche, aber auch die mentale Belastung ist enorm, und Zeit ist Mangelware. Auf Turnieren geht es um spektakuläre Bewegungen, doch eine korrekte Grundausbildung findet man immer seltener. „Die vielen Reitweisen, die schnelle und einfache Erfolge versprechen, machen es dem Pferd schwer, überhaupt gesund zu bleiben”, kritisiert unsere Expertin und gibt zu bedenken: „Wir sind heute leider schon so weit, dass Ausbilder ihren Schülern erklären, dass der unreine Gang – sprich Takt- und Gangfehler – vollkommen normal seien und junge Pferde es erst lernen müssten, sich im reinen Takt zu bewegen. Wenn aus ersten Taktfehlern Gangfehler werden, der Schritt passartig wird, die Pferde im Trab zügellahm sind, der Galopp mit hoher Kruppe nicht durchgesprungen oder schleppend ist, dann liegt das an der falschen Ausbildung und nicht am Pferd.”

Verantwortung übernehmen

Zwar nehmen die heute gezüchteten Reitpferde dem Reitern durch ihre Sensibilität, ihre hohe Rittigkeit und ihre exzellenten Reitpferdeeigenschaften sehr viel ab, jedoch darf die korrekte Ausbildung nicht vernachlässigt werden. Egal, wie viel Talent und Qualität ein Pferd mitbringt. Auf die dressurmäßige Basisarbeit darf nicht verzichtet werden. Als Reiter tragen wir die Verantwortung für die Gesunderhaltung unseres Pferdes. Dazu gehört auch, immer wieder zu reflektieren, bestimmte Methoden zu überdenken, nach Ursachen für mögliche Probleme zu suchen und offen für neue Wege zu sein. „Wer zum Mitdenken bereit ist und den Aufwand gerade bei der Umstellung des Trainings nicht scheut, wird mit einem leistungsfähigen und leistungsbereiten Pferd belohnt”, sagt Anne Schmatelka. Voraussetzung sei, dass einige wichtige Rahmenbedingungen stimmen, wie die richtige Passform des Sattels, optimale Haltungsbedingungen, konsequente Gymnastik und ein ausbalancierter, möglichst korrekter Sitz des Reiters. Zudem müsse das Pferd in richtiger Art und Weise in die Tiefe geritten oder longiert werden. Nicht nur bei bereits bestehenden Rückenproblemen, sondern auch vorbeugend ist es sinnvoll, regelmäßig einen guten Osteopathen zur Kontrolle und Behandlung hinzuzuziehen.

KRITISCHE SELBSTANALYSE

Die folgenden Fragebögen stammen von Anne Schmatelka. Beantworten Sie die Fragen kritisch und ehrlich. „Falls Sie Auffälligkeiten bemerken, sollten Sie einen guten Osteopathen und Tierarzt konsultieren, da Verspannungen und Schmerzen der Grund für das Verhalten Ihres Pferdes sein können”, betont die Expertin.

Widersetzlichkeiten können auf Schmerzen hinweisen. Forschen Sie deshalb immer nach den Ursachen


Betrachten Sie die Oberlinie und die Muskulatur Ihres Pferdes regelmäßig ohne Sattel


SCHWEIFZIEHEN

Mit dieser Übung erreichen Sie die Dehnung und Entspannung der gesamten Oberlinie des Pferdes. Beginnen Sie mit dem Ziehen am Schweif und beobachten Sie genau die Reaktionen Ihres Pferdes. Beginnen Sie langsam und mit viel Gefühl, und stellen Sie sich vor allem bei den ersten Malen nicht zu dicht hinter das Pferd. Viele Pferde finden diese Übung sehr entspannend und nehmen sie, einmal verstanden, gern an.

ÜBUNG 4

Erste Anzeichen ernst nehmen

„Rückenprobleme und Kissing Spines kündigen sich langsam an”, betont Anne Schmatelka und erklärt: „Anfangs ist das Pferd im Rücken empfindlich, beim Putzen beginnt es unruhig zu werden, unter dem Reiter bewegt es sich in der Lösungsphase hölzern, oder es entstehen erste kleinere Taktfehler. Lektionen erfolgen nicht mehr geschmeidig, die Übergänge werden unrund.” Infolgedessen ändert sich auch die Bemuskelung des Pferdes: Es entwickelt nicht nur eine Kompensationshaltung, sondern auch eine erste Kompensationsmuskulatur. Als Reiter ist es wichtig, dass Sie diese ersten Anzeichen für ernsthafte Probleme so früh wie möglich erkennen und ernst nehmen. Wenn das Pferd beim Putzen empfindlich im Rücken reagiert, mit dem Schweif schlägt oder sich wegdreht, dann ist es nicht kitzelig, sondern es hat Schmerzen. Gleiches gilt für Sattelzwang, also Probleme beim Auflegen des Sattels und beim Gurten. Desweiteren versuchen manche Pferde, beim Aufsteigen und ersten Anreiten davonzulaufen, oder sie klemmen und machen einen Katzenbuckel, manche Vierbeiner steigen oder bocken sogar. „Auch Pferde, die gegen die Hand stoßen oder sich auf die Hand legen, die triebig sind und sich verhalten, die in Wendungen einfach steif sind und deren Kruppenmuskulatur nicht in der Bewegung mitschwingt, die keine Last auf-nehmen, sich nicht korrekt versammeln lassen und keine Galoppwechsel springen, haben oft nichts anderes als Rückenschmerzen”, erzählt unsere Expertin.

EINEN STARKEN RÜCKEN ERREITEN

Eine dressurmäßige Grundausbildung ist unabdingbar, um das Pferd gesund zu erhalten und zum Tragen des Reiters zu befähigen, ohne dabei Schaden zu nehmen. Diese Tipps helfen Ihnen dabei:

• Achten Sie auf ein korrektes „Zügel aus der Hand kauen lassen”.
• Wer in einem übereilten Tempo reitet oder sein Pferd longiert, fördert Verspannungen und Rückenprobleme. Achten Sie deshalb auf ein angemessenes Tempo, in dem Ihr Pferd gut loslassen kann.
• Reiten Sie Übergänge und Tempounterschiede. Achten Sie dabei darauf, Takt, Losgelassenheit und Anlehnung nicht zu verlieren.
• Lassen Sie sich Zeit für die Ausbildung. Jedes Pferd lernt in seinem eigenen Tempo, und sehen Sie es nicht als Rückschritt an, wenn Sie immer wieder an der Basis arbeiten.
• Verzichten Sie auf Hilfszügel, die Kopf und Hals des Pferdes in eine Position zwingen. Eine korrekte Anlehnung ist ein Prozess und lässt sich nicht durch Zwangsmaßnahmen herstellen.
• Gehen Sie viel ins Gelände und lassen Sie Ihr Pferde auch ruhig mal richtig galoppieren, am besten im leichten Sitz. Versuchen Sie dabei doch mal, die Zügel aus der Hand kauen zu lassen, bis Sie spüren, dass Ihr Pferd im Rücken loslässt und abschnaubt.
• Klettern im Gelände stärkt gleichermaßen die Muskulatur der Vor- und der Hinterhand.
• Pferde bringen von Natur aus eine gewisse Schiefe mit. Arbeiten Sie deshalb konsequent an der Geraderichtung, um Fehlhaltungen sowie -belastungen und daraus resultierende Probleme des Bewegunsapparates zu vermeiden

FEST IM RÜCKEN?

Was es mit diesem Ausdruck auf sich hat, erklärt unsere Expertin:

„Wenn das Pferd im Rücken fest ist, heißt das, dass es sich verspannt. Pferde, die im Rücken fest sind, haben häufig ein langsames Hinterbein, sind triebig, steif, es gibt Anlehnungsprobleme. Viele galoppieren nicht an, bocken oder sind widersetzlich. Übergänge erfolgen stockend, die Pferde kommen auf die Vorhand oder drücken auf das Gebiss. Das sind alles Hinweise auf Schmerzen, und meist ist die Diagnose Kissing Spines dann nicht mehr weit. Für mich sind das immer Alarmsignale. Wenn man diesen Punkt erreicht hat, sollte man den Ausbildungsweg überdenken.”

Manche Pferden versuchen, sich durch Bocksprünge gegen den schmerzenden Rücken zu wehren


Weitere Alarmsignale erkennen

Kann das Pferd trotz kontinuierlichen Trainings in der Anlehnung nicht konstant sein, dann weist auch das auf Probleme mit der Wirbelsäule beziehungsweise der Rückenmuskulatur hin. Beobachten Sie Ihr Pferd an der Longe und unter dem Sattel: Bewegt es sich anfangs hölzern und fußt es im Schritt wie im Trab mit den Hinterhufen nicht einmal in die Spur des Vorderhufs? Wird das Gangbild nach einer Aufwärmphase zwar besser, doch haben Sie weiterhin das Gefühl, dass irgendetwas nicht rundläuft? Neigt Ihr Pferd in Trabverstärkungen dazu, nur eiliger zu werden und Taktfehler zu zeigen? Oder fällt es auf die Vorhand und lässt sich nicht wieder aufnehmen? Auch dann sollten Sie die Anzeichen ernst nehmen. Ein weiterer Hinweis auf Rückenprobleme: Sie können nicht entspannt und bequem aussitzen. „Wieder andere stellen das Kauen komplett ein, lassen sich nicht stellen oder biegen”, betont Anne Schmatelka und fügt hinzu: „Das Pferd verspannt und verkrampft sich, was mit der Zeit zu Kompensationsverhalten, zu einer Schonhaltung führt. Gangmuster und Muskulatur verändern sich.” Zudem litten viele Pferde mit Rückenproblemen unter deutlichem Gewichtsverlust. Sie wirkten eckig und kantig trotz guten Futters. „Wenn Reiter oder Trainer hier nicht die Bremse ziehen, werden aus diesen Rückenproblemen sehr schnell Kissing Spines”, gibt unsere Expertin zu bedenken. „Man weiß, dass es je nach Intensität der fehlerhaften Arbeit schon innerhalb von 14 Tagen zu periostalen Reaktionen, also Knochenhautreizungen, kommen kann.”

Eine Frage der Muskulatur

Werfen wir einen Blick auf die Anatomie und die Biomechanik des Pferdes. Eine wichtige Rolle in Bezug auf einen gesunden Bewegungsapparat spielt der lange Rückenmuskel. Pferde sind nicht dazu gemacht, Lasten zu tragen. Stellen Sie sich vor, Sie gingen auf allen Vieren und müssten auf einmal eine Stunde lang einen schweren Rucksack auf dem Rücken tragen. Wohlgemerkt bewegt sich dieser im Gegensatz zu einem Reiter nicht einmal. Ohne die entsprechende Muskulatur und Kraft würden Sie wahrscheinlich bald über Schmerzen klagen. Doch ein kurzer Gang ins Fitnessstudio würde nicht ausreichen, um den Belastungen standzuhalten. Ebenso braucht es Zeit, um den langen Rückenmuskel des Pferdes so aufzubauen, dass er weitestgehend stabil ist und seine Funktion beim Reiten übernehmen kann. Laut Anne Schmatelka sind drei Jahre korrekten Trainings nötig. Sie kritisiert: „Wenn man das weiß, ist es umso unverständlicher, dass so viele junge Pferde schon früh versammelnde Lektionen gehen müssen.” Der lange Rückenmuskel arbeitet im Schritt und im Trab wechselseitig, je nachdem, welches Bein sich nach vorn bewegt. Eine rückwärtswirkende, harte Hand des Reiters sowie eine Überzäumung haben zur Folge, dass sich der Rückenmuskel versteift. Hinterhand und Schulter des Pferdes werden blockiert und können nicht mehr elastisch nach vorne schwingen. Jedoch ist die unverspannte, wechselseitige Tätigkeit dieses Muskels notwendig, um Schritt und Trab taktrein zu erhalten.

WAS KORREKTES TRAINING BEWIRKEN KANN

Die Fotos stammen aus dem Archiv von Anne Schmatelka. Sie zeigen die Entwicklung der Muskulatur von Bamboo im Abstand von 12 Monaten.

Um die fehlerhafte Muskulatur zu korrigieren und das Pferd aufzubauen, wurde ein Jahr lang nur an den Grundlagen gearbeitet: Zügel aus der Hand kauen lassen, korrekte Übergänge, große gebogene Linien, häufige Handwechsel und Tempounterschiede. Alles, was die junge Remonte in den ersten Jahren der Ausbildung eigentlich lernen sollte. „Leider beherrschte Bamboo alle diese Grundlagen nicht”, erinnert sich Anne Schmatelka. „Er war im Rücken fest wie ein Brett, war triebig, hatte ein langsames Hinterbein, massive Anlehnungsprobleme und war sehr gestresst.” Durch die Grundlagenarbeit bekam er neues Vertrauen. Bamboo lernte, dass ihm nichts passiert, dass Bewegung Spaß macht und dass der Reiter nur das fordert, was sein Pferd auch mental leisten kann. Dadurch konnte Bamboo auch innerlich immer mehr entspannen und äußerlich – sprich körperlich – loslassen.

Bamboo vor dem Aufbautraining mit festem Rücken und wenig Muskulatur


Bamboo ein Jahr später nach konsequenter Grundlagenarbeit mit deutlich veränderter Oberlinie


Korrektes „Zügel aus der Hand kauen lassen” stärkt den Rücken


Losgelassenheit und Gymnastizierung

„Die Losgelassenheit ist das A und O, wenn ein Pferd gesund bleiben soll. Nur wenn alle Muskeln unverspannt tätig sind, können sie so arbeiten, dass sie mit ausreichend Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden”, erklärt die Expertin. Vergessen Sie nie, dass Muskeln nur dann unverspannt arbeiten können, wenn es dem Pferd auch mental gutgeht. Reiten darf nicht mit Stress verbunden sein. Anne Schmatelka erinnert sich an einen Satz von Paul Stecken: „Der Rücken ist das Bewegungszentrum des Pferdes. Nur wenn er zum Schwingen kommt und das Pferd beim Reiten den Rücken hergibt, lässt es sich innerlich und äußerlich los und bleibt gesund!” Egal, ob Sie Übergänge, Hufschlagfiguren oder Vorwärtsabwärts reiten, und unabhängig vom Ausbildungsstand Ihres Pferdes: Die Förderung und Erhaltung der Losgelassenheit spielt immer eine entscheidende Rolle. Ebenso sollten Sie stets Wert auf eine gute Gymnastizierung sowie ein abwechslungsreiches Training legen und regelmäßig einen Osteopathen zu Rate ziehen: „Die Behandlung osteopathischer Läsionen sowie gymnastische Übungen, die die Mobilität des Pferdes gewährleisten, sorgen für schmerzfreie Arbeit unter dem Reiter, den Erhalt der Elastizität und ermöglichen den Aufbau korrekter Muskulatur.”

Wir haben einige Übungen für Sie zusammengestellt, die sowohl zur Vorbeugung von Rückenproblemen als auch bei bereits bestehenden Beschwerden helfen können.


Fotos: Daniel Elke (1), slawik.com (7), IMAGO/ Frank Sorge (4), Privat (3)