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HAAA … ATSCHI!


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petra - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 03.02.2022

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Bildquelle: petra, Ausgabe 3/2022

Eigentlich sind Blütenpollen ganz harmlose Wesen. Aber manchmal verwandeln sie sich in unsere ärgsten Feinde. Dann haben wir plötzlich juckende Augen und entzündete Nasenschleimhäute, bekannt als He uschnupfen, in schlimmen Fällen sogar Atemnot und Asthma. Aber warum? Der Grund ist eine Überreaktion des Immunsystems. „Bei Allergikern bekämpfen unsere sogenannten T-Zellen wie eine völlig überengagierte Schutztruppe eigentlich harmlose Substanzen wie Gräserpollen“, erklärt Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin an der Uni Augsburg. Als Dermatologin und Autorin des Buchs „Überhitzt. Die Folgen des Klimawandels für unsere Gesundheit“ kennt sie sich mit allen Arten von Allergien aus. Beim Heuschnupfen, der Rhinitis, handelt es sich um eine Soforttyp- Allergie. Innerhalb von Sekunden bis Minuten treten bei diesem Allergietyp die Symptome auf. Auslöser sind neben Pollen oft auch Insektengifte (Pestizide), ...

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... Haare von Haustieren oder Allergene in Lebensmitteln.

WIE MAN HEUTE BEHANDELT

Reagiert ein Mensch auf mehrere Stoffe allergisch, spricht man von Kreuzallergien. Im Extremfall kann es hier zum anaphylaktischen Schock kommen – die schlimmste Form, weil sie den ganzen Körper betrifft mit Atemnot, Herz-Kreislauf-Problemen und oft auch Panik, sodass rasche ärztliche Hilfe gebraucht wird. Aber so weit muss es nicht kommen. „Jede Allergie ist spezifisch. Man weiß heute genau, welche Protein-Struktur sie auslöst“, weiß Traidl-Hoffmann. Sie zu analysieren und zu benennen ist daher der erste Schritt zur Besserung.

30% der Erwachsenen erkranken im Laufe ihres Lebens an mindestens einer allergischen Erkrankung.

Quelle: RKI

WELCHE POLLEN FLIEGEN WANN?

Seit Jahren beginnt der Pollenflug früher im Jahr. Haselnuss-Pollen fliegen teils bereits im Dezember, gefolgt von der Erle im Januar und der Birke im Februar. Im Frühsommer beginnt die Gräser- und Roggenblüte. Etwa Mitte Juli startet der Beifuß. Im Spätsommer verlängert sich die Pollensaison durch das eingeschleppte Traubenkraut (Ambrosia). Allerdings gibt es starke regionale Unterschiede, im Westen und Süden Deutschlands startet der Pollenflug deutlich früher als im Norden und Osten. Genaue Infos liefert der deutsche Polleninforma- tionsdienst per App oder unter pollenstiftung.de

MACHT UNS UNSERE UMWELT KRÄNKER?

Erschreckend viele Kinder sind von Heuschnupfen, Atemnot oder anderen Symptomen betroffen. Aber auch viele ältere Menschen, die bisher keine Beschwerden hatten. Für den Anstieg der Allergien sind laut Wissenschaftlern und Medizinern sowohl Klimawandel und Umweltschäden als auch Lebensstil und Essgewohnheiten verantwortlich. Die Quantität der Pollen hat insgesamt zugenommen. Und auch ihre Qualität verändert sich stetig – sie werden aggressiver und setzen, bedingt durch die Anwesenheit von Schadstoffen in der Luft, mehr allergieauslösende Eiweiße und entzündungsfördernde Substanzen frei.

60% der Betroffenen nehmen alternative Heilmethoden in Anspruch (z.B. „DHU Heuschnupfenmittel“).

Quelle: DAAB

NEHMEN DIE ALLERGIEN WIRKLICH ZU?

Leider ja. Schon seit den 1970er Jahren hat die Häufigkeit allergischer Erkrankungen, zumindest in Ländern mit einem westlichen Lebensstil, stark zugenommen. Laut Statistik entwickelt heute jeder dritte Deutsche im Laufe seines Lebens eine Allergie – Tendenz steigend. Bei Kindern sind Jungen öfter betroffen, im Erwachsenenalter erkranken mehr Frauen als Männer (35 Prozent und 24 Prozent, Quelle: RKI). Vor allem Nahrungsmittel-Allergien und Atemwegserkrankungen nehmen insgesamt zu. Hier gelten der Klimawandel und damit die länger andauernden „Flugphasen“ von Pollen als auslösende Faktoren. Und gerade in städtischen Räumen kommt die hohe Belastung der Luft mit Schadstoffen hinzu: Wenn an verkehrsreichen Straßen viel Kohlendioxid freigesetzt wird, wirkt das wie Dünger für die Pflanzen – und die Pollen tanzen ...

WIE DIAGNOSTIZIERT MAN ALLERGIEN?

Zu Beginn der Diagnostik steht das ärztliche Gespräch: Welche Beschwerden treten wann auf? Und welche Pollen könnten im entsprechenden Zeitraum geflogen sein? Erster Schritt zur Identifikation ist dann ein Hautoder Pricktest. Dabei tropft der Arzt bis zu 20 Testlösungen mit den häufigsten Allergenen wie Pollen und Hausstaubmilben auf den Unter-oder Oberarm. Zuvor hat er dort die Haut leicht eingeritzt, damit die Lösung eindringen kann. Ein positiver Pricktest (Quaddelbildung) zeigt aber nur, ob jemand für ein Allergen sensibilisiert ist, anders gesagt, ob er überhaupt die Bereitschaft hat, allergisch zu reagieren. Es muss nicht heißen, dass er oder sie auch tatsächlich stark allergisch reagiert. Mehr Klarheit über die Schwere der Allergie liefert daher ein Bluttest. Dabei wird die Gesamtmenge von Immunglobulin E (IgE) im Körper bestimmt. Diese Antikörper verbinden sich mit den Allergenen und lösen so eine allergische Reaktion aus. Moderne Testverfahren ermöglichen es, die genaue Menge IgE gegen betimmte Allergene wie Hasel oder Gräser zu bestimmen. Das Ergebnis wird in Klassen von 1 (gering) bis 6 (stark) eingeteilt. Falls jemand Beschwerden hat, Prick-und Bluttest aber negativ ausfallen, kann zuletzt ein Provokations-Test Klarheit liefern. Dabei wird ein bestimmtes Allergen in die Nase oder in den Bindehautsack des Auges geträufelt. Nach zehn Minuten lässt sich beurteilen, ob eine lokale Reaktion erfolgt ist.

KANN MAN ALLERGIEN ERBEN?

Wenn allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen oder allergisches Asthma in der Familie vorkommen, ist auch das eigene Allergierisiko erhöht. Am größten ist es, wenn beide Eltern unter der gleichen allergischen Erkrankung leiden. Es wird aber nicht die Allergie an sich vererbt, sondern die Veranlagung. Sind Eltern oder Geschwister betroffen, heißt das nicht zwangsläufig, dass man selbst erkrankt. Eine weitere Rolle spielt das Darm-Mikrobiom, das ebenfalls teilweise vererbt wird. Forscher haben entdeckt, dass bei Allergikern die Zusammensetzung der Bakterien auf der Schleimhaut gestört ist. Noch steht nicht fest, inwieweit die Einnahme von Probiotika Allergikern helfen kann.

WELCHE THERAPIE HILFT WIE?

An erster Stelle steht die Vermeidung des Kontakts mit den Pollen. Starke Beschwerden kann man mit Medikamenten wie Antihistaminika und Kortison behandeln. Abhängig von den Symptomen kann man die Präparate als Nasen- oder Augentropfen anwenden oder als Tabletten einnehmen. Die Ursache der Beschwerden, also die Überreaktion des Immunsystems, therapiert man mittels einer spezifischen Immuntherapie. Dabei versucht man, das Immunsystem langsam an den unverträglichen Stoff zu gewöhnen. Zeigt die Behandlung Erfolg, schwächt sich die Immunreaktion bei Kontakt mit dem Allergen ab oder bleibt sogar ganz aus. So kann auch verhindert werden, dass sich die Allergie verschlimmert und zum Asthma bronchiale wird.

WAS TUN IM ALLTAG?

In Zeiten mit hohem Pollenflug möglichst wenig im Freien aufhalten. Sowohl FFP2- als auch medizinische Masken sind wirksame mechanische Barrieren. Sport drinnen machen oder kurz nachdem es geregnet hat. Schuhe und Jacken im Eingangsbereich lassen und Kleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen. Staubsauger mit hohem Staubrückhaltevermögen wählen und Feinstaubfilter verwenden. Nasenduschen (z.B. tetesept) spülen Pollen aus der Nase. Bettwäsche jede Woche wechseln und bei 60 Grad waschen. Wäsche nicht im Freien trocknen. Abends duschen und Haare waschen. Pollenschutzgitter an den Fenstern anbringen und Raumluftreiniger mit Allergenfiltern installieren. Für Autos Pollenfilter nutzen.