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Haben Sie den Durchblick?


plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 07.07.2021

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Bildquelle: plus Magazin, Ausgabe 8/2021

Dr. Ulrich Oeverhaus, Präsidiumsmitglied der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG)

Iris Stäblein, Produktmanagerin bei der Deutschen Augenoptik AG

Dr. Wolfgang Wesemann, Augen-Experte des Kuratoriums Gutes Sehen e. V.

Es kann das Straßenschild sein, das man während des Autofahrens nur noch verschwommen erkennt. Oder die Buchstaben, die in der Zeitschrift nicht mehr richtig zu entziffern sind: Etwa jeder zweite Erwachsene in Deutschland sieht schlecht. Selbst wer zu den Glücklichen zählt und in jüngeren Jahren von einer Fehlsichtigkeit verschont geblieben ist, merkt spätestens mit Ende 40, wie das Sehvermögen nachlässt. Dann hat sich meist schon eine Alterssichtigkeit (medizinisch: Presbyopie) gebildet.

„Das ist ein natürlicher Alterungsprozess der Augenlinse, der ab Mitte 40 früher oder später jeden trifft“, erklärt der Augenarzt Dr. Ulrich Oeverhaus. „Mit den Jahren verliert die Linse an ...

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... Elastizität und verhärtet. So verliert das Auge die Fähigkeit, auf nahe Gegenstände zu fokussieren.“ Zur Diagnose einer Alterssichtigkeit misst der Augenarzt mit einem Computer-Sehtestgerät die Brechkraft des Auges, also die Fähigkeit der Linse, das Licht so zu bündeln, dass man in der Nähe scharf sieht. Mit einer Art übergroßen Brille werden unterschiedlich starke Gläser ausprobiert und genau die Stärke ermittelt, mit der man bestmöglich sehen kann.

Nur eine Brille kann alles

Je nach Ausprägung kann auch eine normale Lesebrille Abhilfe schaffen. So war es bei Ingrid Radtke aus Boostedt in Schleswig-Holstein. Sie bekam mit Ende 50 Alterssichtigkeit und entschied sich für eine Lesebrille. „Mit den Jahren hatte ich vor allem beim Einkaufen Probleme mit der kleinen Schrift auf den Etiketten der Lebensmittel. Das nervte mich, denn ich informiere mich gern über die Inhaltsstoffe, bevor ich etwas kaufe“, so die 72-Jährige. „Mit meiner Lesebrille fühle ich mich heute sehr wohl und finde sie schick.“

Wer nicht nur eine Alterssichtigkeit, sondern auch eine Weitsichtigkeit hat, der sieht in der Nähe zweifach schlecht. Die Dioptrien für die beiden Sehfehler werden dann addiert und die Brille muss entsprechend stärker sein, damit die Nahsicht wieder klappt. Kommt zu der Alterssichtigkeit hingegen eine Kurzsichtigkeit hinzu, können zwei Brillen notwendig werden, eine Lese- und eine Korrekturbrille für die Ferne. Die meisten Menschen entscheiden sich jedoch für eine Gleitsichtbrille, die beide Sehschwächen ausgleicht. Ab etwa 50 Jahren ist zudem eine spezielle Brille für die Arbeit am Computer sinnvoll. Sie entlastet die Augen auch bei anderen Tätigkeiten mit kürzeren, wechselnden Distanzen bis zu vier Metern.

DIE HÄUFIGSTEN SEHSCHWÄCHEN

→ Kurzsichtigkeit (Myopie): Betroffene sehen in die Nähe gut, aber in die Ferne schlecht. Diese Sehschwäche entwickelt sich meist in der Kindheit. Etwa 25 Prozent der Bundesbürger sind betroffen.

→ Weitsichtigkeit (Hyperopie): Man kann gut in die Ferne sehen, aber in die Nähe schlecht. Das kommt daher, dass Bilder hinter statt auf der Netzhaut abgebildet werden. Die Sehschwäche ist meist angeboren.

Etwa 35 Prozent der unter 60-Jährigen sind weitsichtig.

→ Alterssichtigkeit (Presbyopie): Man kann wie bei der Weitsichtigkeit noch gut in die Ferne sehen, aber nicht mehr in die Nähe. Der Grund ist die nachlassende Elastizität der Linse. Weiterer Unterschied zur Weitsichtigkeit: Die altersbedingte Sehschwäche entwickelt sich bei jedem Menschen ab Mitte 40 und ist nicht angeboren.

Individuelle Lösungen

Eine gute Alternative zur Brille sind Kontaktlinsen. „Sie können in jedem Alter getragen werden“, sagt der Medizin-Physiker Dr. Wolfgang Wesemann vom Kuratorium Gutes Sehen. Sie sind wie die Brille für normale Weit- und Kurzsichtigkeit geeignet, aber zugleich auch für die Alterssichtigkeit.

Brille oder Kontaktlinsen? Das ist für viele eine Glaubensfrage. Birgit Hiemann aus Berlin hat sich für eine Zwischenlösung entschieden: Die 62-Jährige ist kurzsichtig und trägt seit rund 25 Jahren Kontaktlinsen.

Mit Mitte 40 kam die Alterssichtigkeit hinzu. „Ich bin sehr aktiv, liebe Wandern und Radfahren. Ganz im Gegensatz zu einer Brille bieten mir die Linsen beim Sport eine uneingeschränkte und freie Sicht sowie optimale Bewegungsfreiheit. Nichts verrutscht oder zerbricht“, erzählt die Journalistin. Daher nutzt sie den Tag über weiche Linsen gegen die Kurzsichtigkeit und trägt zum Arbeiten zusätzlich eine Bild- schirmarbeitsplatz- Brille, abends zum Lesen dann nur eine Lesebrille. „Jeder Alterssichtige“, sagt Birgit Hiemann, „muss für sich eine eigene Lösung finden.“

Richtig gereinigt

Tipps zur Pflege von Brille und Kontaktlinse

Brille 1x täglich unter lauwarmem Wasser abspülen und evtl. Fettfilm mit tensidfreiem Reinigungsmittel oder einem milden Shampoo entfer- nen. Danach mit einem Mikrofaser- tuch abtrocknen.

Monats- und Jahreslinsen täglich reinigen, am besten mit sog. All-in-one- Lösungen.

„Ich fühle mich mit meiner Brille wohl und finde sie schick

Ingrid Radtke (72) trägt wegen Alterssichtigkeit eine Lesebrille

Kontaktlinsen können heute sehr viel. Einige korrigieren sogar gleichzeitig eine Alters-, Kurz- und Weitsichtigkeit. „Das sind sozusagen Gleitsicht-Kontaktlinsen“, erklärt Dr. Wesemann. Diese Eigenschaft besitzen zum einen sogenannte modifizierte Monovision-Linsen. Das bedeutet, man trägt auf dem einen Auge eine Kontaktlinse, die in der Mitte optimal für die Fernsicht eingestellt ist und außen ein wenig für die Nähe. Auf dem anderen Auge trägt man eine Linse, die in der Mitte die Nähe zeigt und außen die Ferne. Zum anderen gibt es multifokale Linsen. Diese kombinieren mehrere Stärken in einer Linse. So wird das scharfe Sehen in verschiedenen Entfernungen wieder möglich. Dabei ist zu beachten, dass Monovision- und Multifokal-Linsen eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigen.

Generell sind Kontaktlinsen auch dann optimal, wenn jemand zwei sehr unterschiedlich gut sehende Augen hat – etwa auf einem Auge eine Fehlsichtigkeit von fünf Dioptrien und auf dem anderen eine Dioptrie von eins. Das können Linsen besser beheben als Brillen. „Auch für Menschen mit einer unregelmäßigen Verkrümmung der Hornhaut sind Kontaktlinsen ideal“, erläutert Augenarzt Dr. Oeverhaus. „Besonders harte Linsen, sogenannte formstabile Haftschalen, korrigieren auch stärkere Hornhautverkrümmungen.“

Doch nicht alle Menschen mögen das Gefühl, auf ihrem Auge einen Fremdkörper zu haben. Zudem kommt es gerade in der zweiten Lebenshälfte aufgrund hormoneller Veränderungen oftmals zu trockeneren Augen. „In diesem Fall bieten Brillen einen besseren Tragekomfort“, sagt Medizin-Physiker Dr. Wesemann. Vielleicht benutzen auch deshalb in Deutschland rund 41 Millionen Menschen eine Brille, aber nur etwa drei Millionen wählen Kontaktlinsen. Für Dr. Wesemann ist das nicht verwunderlich: „Brillen sind die einfachste und unkomplizierteste Korrektur einer Fehlsichtigkeit.“

Dauerlösung: Augen-OP

Eine weitere Möglichkeit, um Sehschwächen, Alterssichtigkeit, aber auch grauen Star zu korrigieren, ist das Einsetzen einer Kunstlinse. Dafür tauschen Ärzte die erkrankte Linse gegen eine künstliche aus, sodass wieder eine optimale Sicht in der Nähe und Ferne möglich ist. Das Risiko ist dank neuer Verfahren sehr niedrig und das Ergebnis hält ein Leben lang.

Eine langfristige Korrektur bei Alters- und Fehlsichtigkeiten bietet auch das Augenlasern. Dr. Anke Messerschmidt-Roth aus Roßdorf bei Marburg ist froh, dass sie sich im Frühjahr letzten Jahres dafür entschieden hat. Die 42-Jährige ist Medizinwissenschaftlerin und leitet an der Marburger Uniklinik die Forschungszentrale der Augenklinik. „Als bei mir mit Anfang 40 zur Kurzsichtigkeit noch die Alterssichtigkeit kam, hätte ich eine Gleitsichtbrille gebraucht. Ich weiß jedoch, dass sie Verspannungen im Nacken auslösen kann. Das wollte ich ausschließen“, erzählt sie.

Solche Verspannungen können entstehen, wenn Träger von Gleitsichtbrillen oft den Kopf bewegen, um durch die gewünschte Zone der Brille zu schauen. Anke Messerschmidt-Roth entschied sich nach genauem Abwägen für die Laser-Methode namens Presbyond. Diese ist insbesondere für sportlich-aktive Menschen mit beginnender Alterssichtigkeit geeignet. Zwar altert die Linse nach dem Eingriff weiter, doch nach dem Lasern braucht man sehr lange keine Brille mehr, erst mit etwa 58 Jahren eine schwache Lesebrille. Über ihre Erfahrungen nach dem Eingriff sagt die Medizinerin: „Ich war erleichtert und überglücklich, denn mir ging es wie allen meinen Patienten – ich konnte sofort gut sehen.“ Für welche Sehhilfe man sich auch immer entscheidet: Wichtig ist, im Alltag damit klarzukommen. Nur so lassen sich die schönen Augenblicke genießen.

Sabine Hoffmann

„Kontaktlinsen geben mir mehr Freiheit

Birgit Hiemann (62) nutzt Linsen und zwei Brillen

WELCHE KONTAKTLINSEN GIBT ES?

Formstabile (harte) Linsen:

Brauchen keine Tränenflüssigkeit, um ihre Form zu halten

Bestehen aus sauerstoffdurchlässigem Kunststoff

Selbst für komplizierte Hornhautverkrümmungen geeignet

Je nach Material können sie ein bis zwei Jahre verwendet werden

Weiche Linsen:

In der Form sehr flexibel, passen sich der Hornhaut gut an

Aus Silikon-Hydrogel, hohe Sauerstoff-Durchlässigkeit

Für jede Fehlsichtigkeit geeignet

Wechsel je nach Linse nach einem Tag, einem Monat, nach einem halben oder ganzen Jahr

Alleskönner auf der Nase

Iris Stäblein von der Deutschen Augenoptik AG gibt Tipps rund um die Gleitsichtbrille

Wann ist der perfekte Zeitpunkt für eine Gleitsichtbrille?

STÄBLEIN Das hängt vom Grad der Fehlsichtigkeit und der Anforderung an die Brille ab. Grundsätzlich wird die Alterssichtigkeit ab Mitte 40 spür- bar. Ab dann ist eine Gleitsichtbrille als Vorsorge durchaus sinnvoll.

Gibt es wesentliche Unterschiede bei den einzelnen Modellen?

STÄBLEIN Ja. Bei kostengünstigen Modellen verfügt das Glas etwa über schmalere Bereiche für die Nah- und Fernsicht. Das Sehen ist also eingeschränkt, seitliche Bereiche sind nur durch stärkere Kopfbewegungen zu erkennen. Hochwertige Gläser besitzen hingegen größere Sehbereiche und ermöglichen einen Überblick über den gesamten Raum.

Was muss ich denn für eine gute Gleitsichtbrille bezahlen?

STÄBLEIN Das ist ganz unterschiedlich und hängt von der Stärke und den Gläsern ab. Eine gute Gleitsichtbrille bekommen Sie schon für etwa 400 Euro, manche kosten aber auch bis zu 1.200 Euro.

Muss ich eine Gleitsichtbrille anders pflegen als eine normale Brille?

STÄBLEIN Nein. Alle Brillengläser, egal, ob für die Ferne, Nähe oder zum Lesen, benötigen dieselbe Pflege.

Was müssen Menschen mit Augenerkrankungen wie einer altersbedingten Makula-Degeneration (AMD) oder grünem Star beim Kauf einer Gleitsichtbrille beachten?

STÄBLEIN Im Fall einer AMD kann eine spezielle Filtertönung notwendig sein. Das wird von einem Augenarzt oder Optiker geprüft. Beim grünen Star gibt es keine Besonderheiten, die beachtet werden müssen. Grundsätzlich müssen aber beide Erkrankungen auf jeden Fall vom Augenarzt abgeklärt worden sein.

Eine Gleitsichtbrille ist beim Treppensteigen etwas gewöhnungsbedürftig, weil im unteren Bereich der Brille die Stufen weiter weg erscheinen, als sie sind. Haben Sie Tipps dazu?

STÄBLEIN Hier hilft nur Üben, Üben, Üben. Wer eine neue Gleitsichtbrille hat, sollte sich vor eine bekannte Treppe stellen und bewusst den scharfen Sichtbereich suchen. Laufen Sie nun mit diesem scharfen Punkt die Treppe hoch – am besten so lange, bis Sie sich sicher fühlen.

Stundenlange Computer-Arbeit schadet ja den Augen und fördert Nackenschmerzen – vor allem mit einer Gleitsichtbrille auf der Nase. Was hilft?

STÄBLEIN Probieren Sie eine sogenannte Arbeitsplatzbrille. Die bekommen Sie beim Optiker. Sie hat einen ähnlichen Aufbau wie eine Gleitsichtbrille. Allerdings wird beim Blick durch den oberen Bereich des Glases nicht die Ferne, sondern nur etwa ein bis vier Meter scharf gesehen. Dafür ist der Zwischen- und Nahbereich breiter als bei der Gleitsichtbrille. Das ermöglicht gutes Sehen am PC ohne starke Kopfbewegungen. Der Preis ist abhängig von Stärke und Individualisierung der Gläser. Eine Zuzahlung durch die Krankenkasse ist im Normalfall nicht möglich, außer Sie haben eine Zusatzversicherung für die Augen abgeschlossen. Oft gibt es auch Unterstützung vom Arbeitgeber.

Nicht vergessen: Augen-Check-up

→ Ab 50 Jahren alle zwei Jahre eine allgemeine Untersuchung der Augen durchführen lassen. Kostet ca. 20 Euro. Dabei prüft der Arzt auch, ob das Risiko eines Glaukoms (grüner Star) besteht. „Zur Früherkennung dieser Krankheit wird der Augendruck gemessen und der Sehnerv betrachtet“, sagt Augenarzt Dr. Ulrich Oeverhaus. „Wird der grüne Star frühzeitig erkannt, ist er mittels spezieller Augentropfen gut therapierbar. Unbehandelt kann das Auge jedoch erblinden.“

→ Ab 60 Jahren zusätzlich ein jährlicher Sehtest zur Früherkennung einer altersbedingten Makula-Degeneration (AMD).

WICHTIG: Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten für beide Untersuchungen nur, wenn bereits ein Verdacht auf eine Erkrankung besteht.