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Haben Sie den VfL schon verändert, Herr Stroot?


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FFussball Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 11.11.2021

Interview

VfL Wolfsburg

Artikelbild für den Artikel "Haben Sie den VfL schon verändert, Herr Stroot?" aus der Ausgabe 6/2021 von FFussball Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: FFussball Magazin, Ausgabe 6/2021

Tommy Stroot übernahm im Sommer die Mannschaft von Vizemeister VfL Wolfsburg. Zuvor war der 32-Jährige Fußballlehrer beim niederländischen FC Twente Enschede unterwegs, mit dem er 2021 die Meisterschaft feierte. Beim VfL soll er der Architekt des Umbruchs werden und die Wölfinnen in eine neue Ära führen. Im FFussball-Exklusivinterview gibt der Ex-Meppener Einblicke in seine Fußballphilosophie und verrät, welche taktischen Trends als nächstes kommen werden.

Herr Stroot, schön, dass Sie wieder zurück in Deutschland sind. Wie haben Sie Ihre neue sport- liche Heimat Wolfsburg bislang kennengelernt?

Vor allem in den Räumlich- keiten des VfL. Die ersten Monate waren intensiv. Im Trainerteam haben wir anfangs viele Stunden für einen optimalen Start und die Vermittlung unserer Spielidee investiert. Die freien Momente haben wir aber natürlich genutzt, um uns die Stadt und Region anzu- ...

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... schauen. Wir wollen in der neuen Heimat ja auch ankommen. Ich jedenfalls fühl mich pudelwohl.

Sie sprechen Ihre Spielidee an. Besonders wegen Ihrer fußballerischen Vorstellung, wurden Sie schnell interessant für den VfL. Können Sie uns Ihre Fußballphilosophie in ein paar Sätzen näherbringen?

Es ist nicht meine Philosophie, sondern unsere. Uns geht es darum, wie wir als VfL gemeinschaftlich eine Idee verfolgen und diese umsetzen. Natürlich spielt da der Ball eine Hauptrolle, aber auch das Miteinander. Wir wissen, um die Herausforderungen und Belastungen, gerade in den englischen Wochen. Diese müssen wir als große Gruppe lösen. Sprechen wir über den Ball, geht es darum, was wir mit diesem in Ballbesitzphasen anstellen. Wie nehmen wir das Heft des Handelns in die Hand, um dominant zu sein? Wie kontrolliert spielen wir uns Torchancen heraus? Das ist der Weg, den wir verfolgen und den wir nachhaltig stabilisieren möchten.

Welche Voraussetzungen muss denn eine Mannschaft mitbringen, um diesen dominanten Spielstil umzusetzen?

Das Wort Effektivität spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle. Es bringt nichts, wenn du dir in der letzten Linie den Ball hin und herschiebst. Ballbesitz muss auch effektiv sein. Wir wollen immer wieder Situationen auslösen, Überzahl schaffen, um Räume aufzumachen und zu verlagern. Die große Aufgabe ist es, den Ballbesitz so zu nutzen, dass wir als VfL Dominanz ausstrahlen und im selben Moment Torchancen kreieren und Tore erzielen. Im Endeffekt entscheidet das über Sieg oder Niederlage. Und Spiele zu gewinnen ist ja unsere Haupt- aufgabe. Das schafft man mit dem Ball wahr- scheinlicher als ohne.

Der VfL verfügt sicherlich über eines der stärksten Teams in Europa. Wo sehen Sie die Stärken Ihrer Mannschaft?

Hier muss man zunächst auf die Entwicklung des Frauenfußballs im Allgemeinen blicken. Die Dinge verändern und verlagern sich momentan nämlich rasant. Die Vormachtstellung von Lyon und Wolfsburg von vor fünf Jahren hat sich national und international angepasst und verändert. Dennoch sehen wir das Potenzial, das in unserer Truppe steckt. Wir haben die Ambitionen, um ähnliche Ziele wie damals zu spielen. Für uns ist das ein großer Prozess, in dem wir unsere Spielidee stabilisieren müssen, gerade wenn es gegen die größten europäischen Gegner geht. Da spielen verschiedene Facetten eine Rolle.

Welche zum Beispiel?

Mentalität ist ein wichtiger Faktor. Das Spiel gegen Bordeaux hat uns geholfen zu sehen, wie mental stark wir schon sind. Als Trainer siehst du es sehr gerne, wenn man aus so dramatischen Spielen siegreich hervorgeht. Gerade weil der Trainerstab so etwas am schwersten beeinflussen kann. Diese Mentalität steckt in der Truppe und darauf bauen wir alles andere auf.

“Der deutsche Fußball ist flexibler und schwerer auszurechnen."

In der Bundesliga werden die Partien wohl weniger dramatisch zugehen – das hat schon der Saisonauftakt gezeigt. Wie unterscheidet sich eigentlich das Spiel in der Bundesliga zu Ihrer letzten Station in den Niederlanden?

Die Niederländer sind total ballbesitzorientiert. Auch die schwächeren Mannschaften versuchen Situationen spielerisch zu lösen, am Ball für Akzente zu sorgen und mitzuspielen. In Deutschland bekommen wir es dagegen auch mit Mannschaften zu tun, die sich auf die Basis konzentrieren. Diese Teams versuchen zunächst konzentriert zu verteidigen und so Zählbares mitzunehmen. Der Fokus auf das Endresultat und nicht die Art und Weise, wie es zustande kommt ist hier viel größer. Das macht den deutschen Fußball flexibel und schwerer auszurechnen.

In den Niederlanden ist das 4-3-3-System fast schon Gesetz. So lassen Sie auch in Wolfsburg spielen. Der Ansatz ist ja sehr offensiv, was gilt es bei der Umsetzung, besonders für die Defensivspielerinnen, zu beachten?

Das ist phasenabhängig. Eine Außenverteidigerin in Ballbesitz kann beispielsweise entscheiden, ob sie dribbelt oder eine Situation über Passspiel löst. Wo liegen die Räume, muss ich verlagern? Habe ich mit der Aktion nichts mehr zu tun, liegt meine Aufgabe wieder wo anders. Die defensiven Spielerinnen sind mehr und mehr Auslöserinnen des offensiven Spiels und bekommen dementsprechend mehr Ballkontakte als in der Vergangenheit. Sie müssen häufiger die richtigen Momente finden, um Torchancen heraufzubeschwören. Somit liegt in den Ballbesitzphasen der Fokus auch viel mehr auf ihnen. Das ist aber kein Problem. Die Qualität haben wir im Kader. Passen sich die Gegner drauf an, gibt es eben mehr Räume in der höchsten Linie. Das 4-3-3 steht vielleicht auf dem Papier, wenn man das Spiel aber anhält, haben wir durchaus verschiedene Grundordnungen, die wir situati- onsbedingt nutzen.

Das System lebt ja von einer außerordentlichen Fitness und Laufbereitschaft der Spielerin- nen. Wie kann man die Grundla- gen dafür schaffen, ohne selbst zum „Schleifer“ der Marke Felix Magath zu werden – obwohl dieser in Wolfsburg großen Erfolg hatte...

Grundsätzlich halte ich das 4-3-3 nicht für eine Formation, die höhere Fitness- und Kondi- tionsanforderungen, als andere Spielsysteme verlangt. Die Räume auf dem Feld sind durch unsere Positionierung durchaus gut aufgeteilt. Dementsprechend ist das kein Punkt, der mich besonders fordert Dinge anders zu machen. Konditionsarbeit wird bei uns nicht wie bei Felix Magath gelöst, sondern vieles läuft über den Ball. Wir holen uns die nötige Fitness in verschiedenen Trainingsformen unabhängig vom Spielsystem.

Der VfL hat einen größeren Umbruch hinter sich. Waren Sie eigentlich in den Sommer-Trans- ferentscheidungen involviert?

Selbstverständlich findet da ein Austausch statt. Mit der Vertrags- unterschrift beim VfL war man gleichzeitig auch nicht mehr in die Personalplanungen beim FC Twente involviert. Dementsprechend hatte ich ein wenig mehr Raum, mich mit der neuen Saison zu befassen. Wir haben immer wieder Termine gefunden, uns auszutauschen, damit die Leute vor Ort ihren Job auch im Interesse des künftigen Trainerteams erledigen können. Die Mitarbeiter des VfL haben dann auch sehr gute Arbeit geliefert. Aktiv mit Spielerinnen habe ich aber kaum telefoniert.

Durften Sie denn Wünsche äußern, welche Spielerinnen- Typen Ihr neues Team verstärken werden?

Es ist immer ein Austausch. Natürlich ist davor schon eine gewisse Kaderstruktur vorhanden. Es war aber klar, dass mit dem personellen Umbruch auf Trainerseite, es auch die Möglichkeit gab, auf Spielerinnenseite etwas zu verändern. Das war die Ausgangsposition. Dann schaut man wie der Kader aussehen könnte, wo Potenziale auf den einzelnen Positionen liegen, und dann spricht man auch gemeinsam über Spielerinnen.

Derzeit haben Sie noch mit einigen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Wie ist da der Stand? Wir dürfen bei uns die Vorbelastungen vor der aktuellen Saison nicht außer Acht lassen. Wir haben hier eine sehr gute medizinische Abteilung. Zusammen schützen wir Spielerinnen lieber für eine gewisse Zeit, um sie im nächsten Moment topfit auf dem Platz zu haben. Sie irgendwie durchzudrücken ist nicht unsere Maxime. Dementsprechend ist es bei vielen Akteurinnen so, dass wenn es hart auf hart kommen würde, sie durchaus spielfähig wären. Wir haben aber immer ein Auge darauf, unseren Kader langfristig fit zu halten.

Wie hat sich der Frauenfußball Ihrer Meinung nach in den letzten zehn Jahren taktisch verändert und was wird in den nächsten Jahren zu erwarten sein?

In Etappen geschehen im Fußball eigentlich immer ähnliche Dinge. Mal lässt sich die defensive Organisation etwas einfallen, was zum Trend wird, dann kommt eine offensive Idee dagegen, die funktioniert und einen neuen Trend setzt. Das passiert regelmäßig. Wenn ich jetzt auf den Frauenfußball im Speziellen blicke, dann ist es natürlich so, dass mit der Entwicklung im Jugendbereich eine ganz andere Qualität in die Vereine einströmt. Dadurch können die Klubs viel mehr auf Ballbesitz oder mit höherem Tempo Fußball spielen. Aber auch durch athletische Verbesserungen und höhere Handlungsschnelligkeit wird das internationale Niveau weiter steigen. Dieser Bereich hat noch höhere Entwicklungspotenziale als der Taktische – auch wenn beide voneinander abhängen.

Welcher kommende Trend zeichnet sich Ihrer Meinung nach jetzt schon ab?

Dadurch dass der Juniorinnenfußball schon ein sehr hohes Niveau erreicht hat, kommen die Spielerinnen noch besser ausgebildet in den Frauenbereich. Ich kann mir vorstellen, dass durch mehr Dynamik, Präzision und Tempo dem Umschaltspiel wieder eine gesteigerte Bedeutung zukommt.