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„Hä, hier sind ja Jungs?!“


Betrifft Mädchen - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 14.01.2020

Heteronormativitätskritische Mädchen*arbeit in der Praxis


Thema „Wie wir das sehen!“ Perspektiven der Redaktion auf Mädchen*arbeit

Seit über 15 Jahren finden sich innerhalb von Publikationen zu Konzepten feministischer Mädchen*arbeit zunehmend Anregungen aus einer heteronormativitätskritischen Perspektive (vgl. Howald 2001; Plößer 2009; Busche et al. 2010). Doch bezüglich des Hinterfragens geschlechtlicher Kategorien scheinen diese Konzepte nur langsam den Weg in die pädagogische Praxis zu finden. Einrichtungen der Mädchen*arbeit gehen nach wie vor mehrheitlich von einer homogenen Gruppe von cis-Mädchen ...

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... aus, an die Angebote gerichtet werden (vgl. Pohlkamp 2018: 60). „Eine Infragestellung oder Öffnung der Geschlechtlichkeit der adressierten Gruppe findet in der Regel nicht statt“ (Pohlkamp 2018: 60). Woran liegt das? Was macht es so schwer heteronormativitätskritische Aspekte in die pädagogische Praxis umzusetzen? Um dieser Frage nach zu gehen skizziert der vorliegende Beitrag kurz aktuelle konzeptuelle Vorschläge, die sich in theoretischen Veröffentlichungen zu heteronormativitätskritischen Perspektive innerhalb von Mädchen*arbeit wiederfinden, ergänzt werden diese durch Erfahrungen aus der Praxis. Hierzu werden im vorliegenden Artikel Auszüge von Interviews angeführt, die ich im Rahmen meines Dissertationsvorhabens entstanden sind. Geführt wurden die Interviews mit Pädagog*innen aus Projekten der Mädchen*arbeit, die heteronormativitätskritische Aspekte in ihre pädagogische Praxis mit einfließen lassen und diese explizit als Teil ihres Konzeptes benennen. Die befragten Personen sind in vier unterschiedlichen Projekten in drei Bundesländern tätig. Der Schwerpunkt der Leitfaden gestützten Interviews lag neben Fragen zum Konzept der Projekte auf der individuellen Erfahrungen von Chancen und Grenzen einer heteronormativitätskritischen Praxis innerhalb der Mädchen*arbeit.

Der Raum oder: wem gehört eigentlich der Schutzraum?

„Es gibt schon eine Offenheit für dieses ‚man benutzt jetzt ein Sternchen’, aber es gibt auch immer noch viel, viel Skepsis und ich glaube vor allem fehlt einfach die Praxis. Das eine ist zwar leicht gesagt, ‚wir sind offen für die alle’, aber sobald ‚die alle’ dann kommen und auch sagen ‚wir sind jetzt hier und wir sind aber nicht Mädchen und wir möchten nicht ‚sie’ genannt werden’, dann wird es halt schwierig.“

Der Raum spielte in Konzepten und Praktiken der Mädchen*arbeit seit Beginn eine wichtige Rolle. Entwickelt um „permanente Benachteiligung und Unterdrückung“ (Savier et al. 1978: S. 166) von Mädchen* zu bekämpfen, findet er sich bis heute in vielen Konzepten als Schutzraum und autonomer ‚Freiraum’ mit einer klar geschlechterhomogenen Ausrichtung wieder (vgl. Bitzan et al. 2001: 51; Pohlkamp 2018: 16). Innerhalb der Überlegungen zu einer heteronormativitätskritischen Mädchen*arbeit wir dieser Schutzraum auf einer konzeptuellen Ebene zunehmend als Experimentierraum gesehen. Dieser soll die Möglichkeit bieten vielfältige geschlechtliche und sexuelle Identitäten, Selbstkonstituierungen und Praktiken, die in einer heteronormativ geprägten Gesellschaft keinen Platz haben, zu erfahren und auszuprobieren (vgl. Pohlkamp/Rauw 2010: 23). Auf einer theoretischen Ebene klingt das schlüssig, doch wenn die binäre Geschlechterordnung in Frage gestellt wird, wenn geschlechtliche Selbstverortungen fluide werden – für wen ist dann der

Raum der Mädchen*arbeit überhaupt geöffnet und für wen nicht?

„Grad dieser Schutzraumgedanke, das ist doch ein Schutzraum und wo weicht das auf? Und dann ist es eben kein Schutzraum mehr für die Mädchen oder für die cisgeschlechtlichen Mädchen, oder ob es so ist, die Frage stellt man sich dann. Also für mich ist es immer noch ein Schutzraum, auch wenn das geöffnet wird, aber ich glaube, dass es Personen gibt, die das in Frage stellen und einfach sagen, dieser rein weibliche Schutzraum fällt dann weg, wenn man das öffnet. Ja, das kommt dann auch schnell dazu, dass man dann irgendwie so ein Interessenskonflikt hat, das kommt dann eher von Außen: Was ist denn jetzt wichtiger, ist jetzt wichtiger, dass sich Frauen oder Mädchen geschützt fühlen oder ist es wichtiger, dass z. B. Trans-Personen auch einen Raum haben? () Und das wurde auch von Außen schon thematisiert, ob, ob sich diese Mädchen, die schon vorher in Anführungsstrichen da waren, dann nicht eingeschränkt fühlen in ihrer Freiheit, wenn dann eben Trans-Mädchen oder Trans-Jugendliche da hin kommen.“

Fachpersonen sind plötzlich damit konfrontiert „Kriterien bzgl. der Auswahl der Adressat_innen und Pädagog_innen heteronormativitätskritischer Mädchen_ arbeit festzulegen und über Möglichkeiten nachzudenken, wie diese sich auch angesprochen fühlen könnten“ (Nordhoff 2018: 67). Hierbei berichten diese sowohl von dem Druck ihre Entscheidungen nach Außen legitimieren zu müssen als auch von der Angst innerhalb der Öffnung wiederum Personen auszuschließen. Diese Angst bezieht sich einerseits auf Mädchen*, die sich geschlechtlich nonkonform positionieren.

„In einem bestimmten Prozess von ‚Ich möchte jetzt ER genannt werden, ich möchte DEN Namen benutzen’, wirst Du natürlich so bald Du Dich in einem Mädchenraum bewegst, automatisch geoutet.“

Das, was innerhalb einer heteronormativitätskritischen Mädchen*arbeit bleibt, ist die Bezugnahme auf die Kategorie Mädchen*. Wenn also eine Person von der Umgebung als männlich wahrgenommen werden möchte, outet jeder Kontakt zur Einrichtung diese Person als Trans*person. Andererseits bezieht sich die Angst auf den Ausschluss von Besucher* innen, die aus unterschiedlichen Gründen explizit einen Raum wählen, bzw. für die ein Raum gewählt wird, der suggeriert ausschließlich von cis-Mädchen und -Frauen besucht zu werden.

„Es war so, dass die beiden [Mädchen], als die Eltern das [Raumerweiterungskonzept] mitbekommen haben, nicht mehr kommen durften, aus religiösen Gründen. Also das war ein krasser Moment, weil dann natürlich die Fragen auftauchten, für wen ist dieser Raum eigentlich, wer hat einen Anspruch darauf, wem nehmen wir den Raum damit, wenn wir das so machen?“

Auch den Besucher*innen selbst zu erklären, für wen der Raum eigentlich geöffnet ist und für wen nicht, stellte in der Praxis eine Hürde dar:

„Teilweise fand ich es auch nicht so einfach, das zu kommunizieren, das war einfach eine Grenze, die in der Praxis anstrengend war, weil es natürlich vorkam, dass wir auch immer darum bemüht waren, dass neue Mädchen kommen und das natürlich aber hieß, dass es bei jedem Besuch von potentiellen neuen Besucher innen1, eine Vorstellung gab und dann kam: ‚Hä, hier sind ja Jungs?!’“

Die* Mädchen*arbeiterin* oder wer macht eigentlich Mädchen*arbeit?
Wie schon in den ursprünglichen Konzepten wird auch in heteronormativtätskritischen Überlegungen den Pädagog*innen eine bedeutende Rolle zugeschrieben. Statt der gemeinsamen Betroffenheit und Parteilichkeit steht nun die Selbstreflexion der eigenen Vorstellungen und solidarisches Handeln im Vordergrund (vgl. Pohlkamp/Rauw 2010: 23). Fachkräfte sind somit herausgefordert sich unabhängig von ihrer eigenen Lebensweise „mit normativer und nichtnormativer Geschlechtlichkeit und Sexualität auseinanderzusetzen und tiefer liegende Selbstverständlichkeiten im eigenen Denken und Handeln zu hinterfragen“ (Hartmann 2009: 56). Darüber hinaus sollen Pädagog*innen, um Mädchen* Denkanstöße bieten zu können, selber über ein heteronormativitätskritisches Wissen verfügen und dieses ständig erweitern. Zu diesem Wissen gehören zum Beispiel Kenntnisse über Transgender, Transsexuelle und ihre gesetzliche Situation (vgl. Pohlkamp/Rauw: 26). In der Praxis scheint das jedoch zu fehlen.

„Ich habe erlebt, dass es schon eine Offenheit gibt, aber dass es dann wiederum einfach an Wissen fehlt. Wenn Du mit Kindern und Jugendlichen arbeitest, die mit diesen Themen konfrontiert sind, ist es notwendig, dass Du ein bisschen Wissen hast darüber wie diese Gesellschaft funktioniert und was die für Erfahrungen machen.“

Ein weiterer Aspekt der in Bezug auf die Fachpersonen in den Interviews mehrfach erwähnt wurde, jedoch in Veröffentlichungen zu einer heteronormativitätskritischen Mädchen*arbeit nur wenig Beachtung findet, ist die geschlechtliche Selbstverortung der Pädagog*innen.

„Ich sehe eine riesen, also eine riesen Lücke und ein riesen Bedarf darin, dass es einfach mal um das Personal geht. Ich erlebe, dass es in der Mädchenarbeit und auch in anderen weiteren Zusammenhängen, eine Offenheit gibt. Dass es ganz viel dieses gibt, ‚Mädchen dürfen dies und das sein, Mädchen müssen nicht Mädchen sein wollen, es sind nicht alle Mädchen bei Geburt Mädchen’, dass es also für diese ganzen Optionen mittlerweile schon mehr Offenheit gibt, aber es fehlt mir total der Rückschluss auf die Facharbeiter innen. () Plötzlich hatte ich einen Alltag wo ich rund um die Uhr Frau ‚Hmhmhm’ war, wo ich nur noch weiblich gelesen wurde, oder benannt wurde, bzw. so gelesen wurd’ ich nicht mal, es war immer klar es gibt diesen Anspruch: Du musst eigentlich eine Frau sein.“

Das Dilemma

„Pädagog_innen einer heteronormativitätskritischen Mädchen_arbeit sind mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, die sich v.a. im Spannungsverhältnis zwischen Dekonstruktion und Reproduktion bzw. zwischen theoretischen Ansprüchen und praktischer Umsetzbarkeit bewegen.“ (Nordhoff 2018: 68)
Die Interviews zeigen, dieser Widerspruch, dieses Dilemma ist nicht auflösbar. Geschlechtliche und sexuelle Kategorisierungen sind wirkmächtig, da entlang dieser Zuschreibungen Hierarchisierungen und Diskriminierungen stattfinden. Sie müssen benannt werden um Macht-und Herrschaftsstrukturen aufdecken zu können (vgl. Nordhoff 2018: 66), gleichzeitig engen sie ein, schließen Menschen in Schubladen ein und aus bestimmten Räumen aus.

„Es ist auch die Aufgabe von Mädchenarbeit diese Kategorie Mädchen zu hinterfragen und zu überlegen, wie, wie kann man da mit diesem Dilemma umgehen, dass man eigentlich die Kategorie behalten muss, weil die gesamtgesellschaftlich einfach, weil es die gibt und weil die wirksam ist. Aber wir wollen die ja auch auf eine Art und Weise durchbrechen. Aber dieses Dilemma zeigt sich halt in ganz vielen Bereichen.“

In Anbetracht dieses Dilemmas verwundert es nicht, dass Fachpersonen und Institutionen sich scheuen ihre Konzepte zu überdenken, ihre Räume zu öffnen.

Ein erster Schritt ist wohl, sich diesem Dilemma zu stellen, sich einzugestehen, dass die Ambivalenzen nicht immer lösbar sind. Es gilt die Fähigkeit zu trainieren Ungewissheit und Widersprüche auszuhalten. Denn eine Lösung kann es weder sein, den Raum der Mädchen*arbeit als einen geschlechtlich homogenen Raum beizubehalten, aus dem alle Menschen, Besucher*innen wie Pädagog* innen, die sich der auferlegten Zweigeschlechtlichkeit nicht beugen wollen oder können, ausgeschlossen werden. Noch kann es die Lösung sein Mädchen* arbeit abzuschaffen, solange die Gesellschaft mit ihrem hierarchisierenden Geschlechterverhältnis und den daraus resultierenden Diskriminierungen besteht. Es gilt sich dieser Situation zu stellen: „Lachend und mit Mut zur Fehlerfreundlichkeit“ (Pohlkamp 2018: 62).

Und trotzdem: Mädchen*arbeit!

„Es gibt Menschen, die regen sich darüber auf, dass wir überall das Sternchen hinmachen und sagen, was soll das. Die nehmen es nicht ernst und denken das ist abgehoben, nicht in der Realität verwurzelt.“

Was sich in den Interviews zeigt, ist, dass es für diesen Prozess Mut braucht, Durchhaltevermögen und solidarische Bündnisse. Es braucht Platz zum Denken und viel Austausch mit anderen Fachkräften, mit politischen Aktivist*innen. Die Interviewten berichten von Zukunftswerkstätten in (queer-)feministischen Zentren, von Diskussionsgruppen und Fortbildungen.

„Das haben wir aufgesogen und das hat uns auch viel, also sowohl viel Energie als auch wirklich viele Anstöße gegeben. Also ohne das hätten wir glaube ich gar kein Forum gehabt, auch überhaupt sowas wie einen Entwicklungsprozess anzugehen.“

Durch die Vernetzung mit aktuellen (queer-)feministischen Räumen und Akteur*innen gewinnt die Mädchen*arbeit das zurück, was in ihrer Entstehung so bedeutsam war: eine Bündnispartner* in zum Austausch über Konzepte, praktische Umsetzungen und Grenzen. Und auch das der Mädchen*arbeit so wichtige Prinzip der Partizipation gewinnt in diesem Dilemma an neuer Bedeutung:

„Da gab es die die Frage ‚Wie machen wir das mit den jungen Mädchen, wie gehen wir damit um? Da haben wir dann halt einfach mit den Trans Jungs gesprochen und gesagt, ‚Was möchtet ihr denn, wie wollen wir denen das denn sagen, möchtet ihr denen das sagen, wie könnt ihr Euch das vorstellen? Und da gabs dann irgendwie ganz ja ganz schöne Momente.“

Durch eine offene Kommunikation und eine wertschätzende Diskussionskultur haben alle Beteiligten die Möglichkeit voneinander zu lernen, vielfältige Lebensweisen kennen und schätzen zu lernen. Es gilt Ambivalenzen zu benennen und auszuhalten. Dies ist ein Lernprozess für Pädagog*innen aber auch ein Lehrauftrag, den diese in Bezug auf junge Menschen zu erfüllen haben. In einer Welt der vielfältigen Lebensweisen, müssen alle die Fähigkeit erlernen, Annahmen immer wieder zu hinterfragen und zu korrigieren, sich selbst mutig zu positionieren und anderen Raum zu geben eben dieses zu tun. Mädchen*arbeit leistet hier –wie auch die letzten 40 Jahre, einen wichtigen Beitrag: Sie begleitet und stärkt junge Menschen, ihren Weg zu gehen, allen Normierungen und Zwängen zum Trotz.

„Ich glaube, dass es Mädchen und junge Frauen gibt, die davon profitieren, wenn es heteronormativitätskritische Mädchenarbeit gibt, weil es darin um viel mehr als Genderidentitiät oder eine Sexualität geht, sondern es geht um Rollen und es geht um Bilder von ‚Wer bin ich’, ‚Wie habe ich zu sein’, ‚Wen kann ich lieben und mit wem kann ich sexuelle Kontakte haben’ und ich glaube, dass es wichtig ist, da weiter dran zu bleiben um irgendwie Optionen zu schaffen.“

Anmerkungen
1 Die im Sprachfluss eingefügte Pause zur Kennzeichnung des gendergaps sind im Transkript durch eine Leerstelle markiert.

Literatur

Bitzan, Maria/Daigler, Claudia 2001: Eigensinn und Einmischung. Einführung in die Grundlagen und Perspektiven parteilicher Mädchenarbeit. Weinheim und München.

Busche, Mart/Maikowski, Laura/Pohlkamp, Ines/Wesemüller, Ellen (Hg.) 2010: Feministische Mädchenarbeit weiterdenken. Zur Aktualität einer bildungspolitischen Praxis. Bielefeld.

Hartmann, Jutta 2009: Heteronormativität. In: Betrifft Mädchen 2009, 2: Queer! Wie geht nicht heteronormative Mädchenarbeit, S. 52-58.

Howald, Jenny 2001: Ein Mädchen ist ein Mädchen ist kein Mädchen? Mögliche Bedeutungen von ‚Queer Theory’ für die feministische Mädchenbildungsarbeit. In: Fritsche, B./Hartmann, J./Schmidt, A./Tervooren, A. (Hrsg.): Dekonstruktive Pädagogik. Erziehungswissenschaftliche Debatten unter poststrukturalistischen Perspektiven. Opladen, S. 295-310.

Nordhoff, Katharina 2018: Herausforderungen heteronormativitätskritischer Mädchen_arbeit. In: Betrifft Mädchen 2018, 2: Raumplanung! Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der Mädchen*arbeit, S. 59-63.

Plößer, Melanie 2009: I kissed a girl and I liked it? Queere Perspektiven für die feministische Mädchenarbeit. In: Betrifft Mädchen 2009, 2: Queer! Wie geht nicht heteronormative Mädchenarbeit, S. 64-69.

Pohlkamp, Ines/Rauw, Regina 2010: Mit Lust und Beunruhigung. Heteronormativitätskritik einbringen. In: Busche, Mart/Maikowski, Laura/ Pohlkamp, Ines/Wesemüller, Ellen (Hg.): Feministische Mädchenarbeit weiterdenken. Zur Aktualität einer bildungspolitischen Praxis. Bielefeld, S. 21-36.

Pohlkamp, Ines 2018: Sich neu orientieren. Anmerkungen zur Anerkennung von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt. In: Betrifft Mädchen 2018, 2: Raumplanung! Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der Mädchen*arbeit, S. 59-63.

Savier, Monika 1978: Teil 1. In: Savier, M./ Wildt, C.: Mädchen zwischen Anpassung und Widerstand. Neue Ansätze zur feministischen Jugendarbeit. München, S. 12-82.

Johanna Schmitz arbeitet seit 2009 im Mädchen* treff der Alten Feuerwache Köln und promoviert zu Perspektiven einer heteronormativitätskritischen Mädchen*arbeit. Kontakt: johanna.schmitz@altefeuerwachekoeln.de

Nachruf für Hiltrud von Spiegel

Hiltrud von Spiegel ist am 22. September 2019 gestorben. Sie war Professorin im Bereich Theorien und Methodik Sozialer Arbeit – zuerst in Bielefeld und dann in Münster.
Ihr Interesse galt vor allem der Systematik professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit. In diesem Feld hat sie sowohl wunderbar differenzierte Tabellen entwickelt, die die Komplexität von pädagogischem Handeln als auch institutionellen Prozessen auffalten und die so helfen, Verwobenheiten in Alltagsvollzügen besser zu verstehen.
Bei aller systematisch-theoretischer Genauigkeit und Strenge war sie der Praxis verbunden und zugewandt. So hat sie 1998 den ersten Vortrag auf der (aller) ersten Fachtagung der LAG Mädchenarbeit in NRW e.V. gehalten zum Thema „Qualitätsstandards für Mädchenarbeit“. Dieser Beitrag (dokumentiert im ersten Rundbrief der LAG Mädchenarbeit NRW) stellt noch immer eine gültige Basis für eine Konzeptentwicklung in der Mädchenarbeit dar. Hiltrud von Spiegel fehlt mit ihrer Freundlichkeit, ihrer Klugheit, ihrer feinen, sympathischen Art.

Ein Haiku für sie:
Kirschblütenhügel –
der Stein, auf dem ich schlafen werde,
wird weicher sein. Rotsu