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Hahnweide: Wieder da!


FLUGZEUG CLASSIC - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 11.11.2019

Endlich! Nach dreijähriger Durststrecke lud die Hahnweide wieder zu einem großen Fliegertreffen ein – und hielt gleich eine faustdicke Überraschung parat


FLIEGERTREFFEN AUF DER HAHNWEIDE 2019

Artikelbild für den Artikel "Hahnweide: Wieder da!" aus der Ausgabe 12/2019 von FLUGZEUG CLASSIC. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: FLUGZEUG CLASSIC, Ausgabe 12/2019

Dicht an dicht gedrängt stand auf der Hahnweide in diesem Jahr nicht nur das Publikum. Annähernd 400 Flugzeuge aus neun Jahrzehnten Luftfahrtgeschichte gaben sich ebenfalls ihr Stelldichein


Das Highlight unter den ausländischen Gastflugzeugen: die Republic P-47 Thunderbolt. 18 Zylinder und mehr als 2500 PS setzten sich hier in Bewegung. Auf der Hahnweide war man hautnah dabei!


Neben vielen amerikanischen Warbirds gab ...

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... es bei der Airshow auch ein paar sowjetische Maschinen zu sehen. So zum Beispiel die Jakowlew Jak-3 von Will Greenwood


Warbird-Sound, 100 Jahre Luftfahrt und Gänsehaut pur! Keine andere Flugveranstaltung in Deutschland bietet ein solch dicht gepacktes Programm wie das traditionelle Oldtimer-Fliegertreffen auf der Hahnweide. Geschlagene drei Jahre mussten die Freunde der Hahnweide diesmal warten, ehe es schließlich im September wieder so weit war. Kein Wunder, dass die Besucher den Segelflugplatz der Fliegergruppe Wolf-Hirte am Fuße der Teck in diesem Jahr regelrecht stürmten. Die ersten Enthusiasten machten es sich mit ihren Wohnmobilen schon am Mittwoch und Donnerstag auf den Wiesen rund um das Veranstaltungsgelände gemütlich.

Inzwischen ist auch der Freitag als Ankunftstag schon lange kein Geheimtipp mehr, sondern ein fester Bestandteil der Show. Dieser Tag ist nicht nur dem Anflug für einen Großteil der über 400 teilnehmenden Flugzeuge gewidmet, sondern bietet auch ein eingeschränktes Flugprogramm.

So verwundert es nicht, dass der Copilot einer Slingsby T.21 das Fliegertreffen schon am Freitagvormittag traditionell mit dem Trompetengruß eröffnete. Es folgten die Antique Aeroflyers, die die Gäste mit der Morane-Saulnier MS.317, der Curtiss Robin J-1, der Ryan STA Special und der Taylorcraft L-2M begeisterten und schon mal auf die kommenden Tage mit ihrem bunten Flugzeug-Mix einstimmten. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits viele Fotografen die begehrten und leicht erhöht gelegenen Plätze nahe des Aufsetzpunkts an der östlichen Schwelle der Grasbahn gut belegt.

Nach strahlend blauem Himmel und brennendem Sonnenschein folgten am Samstag die ersten Vorboten des Herbstes. Am frühen Morgen verhüllten tief hängende Wolken noch die nahe liegende Burg Teck und der Nebel lag über dem Flugfeld, als die ersten Besucher über das Gelände schwärmten. Der Großteil belagerte verständlicherweise die Warbirds und inspizierte deren Details aus nächster Nähe. Schließlich ist dies eine der wenigen Gelegenheiten, mit einer so großen Anzahl von flugfähigen Militärmaschinen auf Tuchfühlung zu gehen.

Ein Hauch von Oshkosh

Einige Enthusiasten stapften aber auch durch die nebelfeuchte Wiese bis zum gegenüberliegenden Parkplatz für die unzähligen Kleinflugzeuge, die tags zuvor gelandet waren – wo sonst gibt es schon eine so große und bunte Sammlung von Flugzeugen aus ganz Europa? Die Besucher wurden nicht enttäuscht: Die Fläche platzte auch dieses Jahr fast aus allen Nähten und versprühte einen Hauch von Oshkosh, dem weltweit größten Fliegertreffen im US-Bundesstaat Wisconsin.

So klickten bereits am frühen Morgen unzählige Kameras. Die Piloten hingegen ließen es nach kurzer Nacht und langer Fliegerparty ruhig angehen und drehten sich noch einmal im Zelt oder Schlafsack um. Die einmalige Atmosphäre zog in diesem Jahr auch Piloten aus Dänemark und auffällig viele Flugzeugführer aus Großbritannien an. Für Steve Moody, Pilot einer Wittman Tailwind, war die Hahnweide sein bisher längster »Ausflug«, wie er verriet: »So weit wie diesmal bin ich noch nie geflogen. Mein Flug führte mich über Calais und Freiburg bis hierher. Und es hat sich auf jeden Fall gelohnt, die Atmosphäre hier ist einmalig.«

Als Lokalmatador kam Wilhelm Heinz mit seiner P-51D Mustang »Louisiana Kid« zur Hahnweide und präsentierte den Warbird im Flying Display


Schrecksekunden! Sichtlich zu kämpfen hatte der Pilot der »Buchón« beim Start auf der recht holprigen Graspiste


Jet Sound – direkt aus Manching kam Airbus-Testpilot Geri Krähenbühl mit der Me 262 der Messerschmitt Stiftung zur Flugvorführung über der Hahnweide


Große Überraschung

Der Blick über all die am Boden geparkten Flugzeuge zum Anfang des Tages war ohne jeden Zweifel auch ein Beweis dafür, wie reich Deutschland an historischem Fluggerät inzwischen geworden ist. Unzählige Piper Cubs parkten dort, während eine Piaggio (FW) P.149 D und eine Dornier Do 27 die Tradition der ehemaligen Verbindungsflugzeuge der Luftwaffe aufrechterhielten.

Daneben verteilten sich fünf Boeing Stearman über das Gelände ebenso wie acht hierzulande stationierte North American T-6 beziehungsweise Harvard AT-6. Und bei einem Großteil der etwa 100 anwesenden Doppeldecker handelte es sich um Bücker Jungmann und Jungmeister, die traditionell den Großteil der Zaunplätze zwischen Segelflugzeugen und Warbirds beherrschten. Es war eine Masse an Fluggeräten, die man während der kurzen Zeit der Öffnung der Flightline nur schwer überschauen konnte.

Am Samstag ging es dann erst einmal beschaulich mit zwölf Segelflugzeugen los, die am Himmel ihre Bahnen zogen – eine unmissverständliche Hommage an den Ursprung der Hahnweide als Segelfluggelände und an den Segelflugzeugbau beim Unternehmen Schempp-Hirth in der benachbarten Stadt Kirchheim unter Teck.

Während die Besucher die Köpfe gen Himmel reckten, bot sich den Piloten der Segelflugzeuge ein ebenfalls faszinierender Anblick. »Es schaut wunderschön aus von oben«, funkte einer der Segelflieger zum Boden, und auch Michael Diller, Pilot der Akaflieg München Mü13d des Vereins zur Förderung des historischen Segelflugs erlebte etwas ganz Besonderes: »Ich wurde bis auf 1100 Meter Höhe geschleppt. Von dort hatte ich einen beeindruckenden Blick auf die Täler, die noch im Nebel lagen. Im Flug, auf etwa 800 Meter Höhe, schaue ich links aus meinem Fenster und sehe dort den Schulgleiter SG 38 über mir in der Luft!« Dessen Pilot, nur auf einem Holzbrett sitzend und durch Fliegerbrille und Lederkappe vor der kalten Zugluft geschützt, erhielt dann auch den größten Applaus, als er schließlich landete.


»Mir gefällt, dass die alten Flugzeuge hier noch von einerGrasbahn aus geflogen werden.«


Während die zahlreichen Piloten das Treffen vor allem nutzen, um sich untereinander auszutauschen, ist die Hahnweide für den Großteil der Besucher zweifelsohne eine beeindruckende und zudem Deutschlands größte Warbirdshow. Zwar zog der Veranstalter das Programm durchaus ausgewogen mit einem gelungenen Mix aus Segel-und Kunstflug auf, doch war der Warbird-Schwerpunkt unverkennbar.

Zu den großen Überraschungen gehörte etwa die Me 262 der Messerschmitt Stiftung, die zuvor lange von der Bildfläche verschwunden war. Pilot Geri Krähenbühl hatte sie direkt aus Manching hergeflogen.

Als weitere »Messerschmitt« kündigten die Kommentatoren sodann die Hispano Aviación HA 1112 »Buchón« an, obwohl es sich bei dem Jäger eigentlich um einen spanischen Lizenzbau der Bf 109 mit Rolls-Royce-Merlin-Motor handelt. Für den Piloten Richard Grace aus England war es eine faszinierende Erfahrung, die »Buchón« ins Schwäbische zu bringen: »Für mich war der Flug hierher eines meiner bisher schönsten Flugerlebnisse. Diese Landschaft mit den Bergen und Hügeln von oben zu sehen, war bildschön! Ich hoffe, dass den Leuten die ›Buchón‹ gefällt und dass sie es genießen, sie am Boden und in der Luft zu sehen.«

Es war seine Premiere auf der Hahnweide, die in seinen Augen einen idealen Rahmen für eine solche Veranstaltung bietet: »Es ist eine großartige Show, und es gefällt mir zu sehen, dass die alten Flugzeuge hier noch von einer Grasbahn aus geflogen werden. Das sieht man nicht mehr allzu oft!«

Leicht hat es ihm der ehemalige Segelflugplatz allerdings nicht gemacht: »Die ›Buchón‹ hier rein-und auch wieder rauszubringen, war eine ziemlich interessante Erfahrung. Starten und Landen hier ist kein Spaß! Auf dieser Piste ist die ›Buchón‹ kein einfaches Flugzeug. Ich weiß, dass die Messerschmitt Stiftung mit ihren Maschinen hier nicht mehr landet, und ich kann verstehen, warum. Mit etwas Wind ist es schon in Ordnung, aber ohne Wind wird es, sagen wir mal, interessant.«

Der »Buchón«-Pilot hat sich daher penibel auf die Piste vorbereitet: »Ich wurde vorgewarnt und habe mir jedes Video auf YouTube angesehen, das ich finden konnte. So war ich gut vorbereitet. Ich würde jedes andere Flugzeug hier gerne landen – außer der ›Buchón‹!«

Großartige Show! Sichtlich angetan zeigte sich »Buchón«-Pilot Richard Grace von seinem ersten Besuch des traditionellen Oldtimer-Fliegertreffens


Radim Vojta brachte die elegante Spitfire in den Farben von RAF-Fliegerass Otto Smik aus dem tschechischen Pilsen ins Schwäbische


Stammgäste fehlten

Dennoch folgte er der Einladung: »Ich wollte zu dieser Show kommen, weil sie schon eine so lange Tradition hat; die Leute hier sind sehr nett und zuvorkommend, und es ist alles bestens organisiert!«

Gemeinsam mit der »Buchón« aus England trat eine Republic P-47D Thunderbolt auf, ein Flugzeugtyp, der ebenfalls seine Premiere auf der Hahnweide feierte. Imposant war hierbei insbesondere der Größenvergleich der mächtigen Thunderbolt mit der zierlich wirkenden Spanierin.

Für »Buchón«-Pilot Richard Grace ist diese Formation allerdingsdaily business : »Wir fliegen in England als ›Ultimate Fighters‹, eine noch größere Gruppe aus Thunderbolt, Bu-chón, Spitfire und Mustang. Daher befinde ich mich mit der Thunderbolt jedes Wochenende in Formation. Jon Gowdy in der P-47 weiß haargenau, mit welcher Leistung er fliegen muss, damit ich in der deutlich schwächeren ›Buchón‹ mithalten kann. Er folgte mir sozusagen vorweg.«

Ähnlich prominent wie die massive Front der P-47 Thunderbolt stach auch die Sea Fury T.20 in der Reihe der Warbirds hervor. Daneben wirkten weitere Jagdflugzeuge wie die Hawker Hurricane, die North American P-51 Mustang oder die Curtiss P-40 Warhawk mehr als schmächtig.

■ Unfall auf der Hahnweide

Unter den abfliegenden Aishow-Maschinen kam es am Sonntag, dem 15. September, um 13:30 Uhr zu einem Rollunfall. Eine startende Jodel 1050 zog immer weiter nach links und kollidierte dann mit einer auf dem Taxiway rollenden Cessna 172. Der Vorfall ereignete sich auf der den Zuschauern abgewandten Seite der Startbahn. Die vier Insassen der beiden Maschinen wurden leicht verletzt. Ein Feuer brach nicht aus, und die Rettungskräfte waren sehr schnell am Unfallort. Das Flugprogramm setzten die Veranstalter danach allerdings nicht mehr fort.Peter W. Cohausz

Eine Jodel 1050 krachte mit einer Cessna 172 zusammen – Krankenwagen und Feuerwehr waren sofort zur Stelle


Foto Peter W. Cohausz

Eine große Lücke hinterließen ehemalige Stammgäste auf der Hahnweide. Nach bis zu sechs Exemplaren war diesmal keine einzige Junkers Ju 52 beim Fliegertreffen präsent. Lediglich der Nachbau einer einmotorigen Junkers F 13 diente sozusagen als Wellblechersatz. Am späten Nachmittag sorgte dann die Formation aus jeweils zwei Klemm Kl 25 und zwei Kl 35 zweifelsohne für einen der »Hahnweide-Momente« in diesem Jahr.

Wie kein anderer versteht sich der Schwede Mikael Carlson im Umgang mit dem Fokker-Dreidecker, und stellte dies wieder einmal imposant unter Beweis. Auch …


… im Blériot-Eindecker glänzte Carlson vor historischer Kulisse (Burg Teck)


Spektakuläre Vorführung

Eine Klasse für sich und Institution auf der Hahnweide ist Mikael Carlson. Der Schwede brachte in diesem Jahr seine Blériot XI und den Dreidecker Fokker Dr.I nach Deutschland. Während am Freitag die Blériot zum Sonnenuntergang ein faszinierendes Programm in den Himmel zauberte und den Duft von Rizinusöl versprühte, nutzte er für das Abendprogramm am Samstag seinen Fokker-Dreidecker. Die Präsentation bei Sonnenuntergang war spektakulär, und Carlson zeigte sich abermals als Könner am Steuerknüppel solch historischer Maschinen. Die Leistung des Le-Rhône-Umlaufmotors setzte er gekonnt in Höhe um, während er das abfallende Gelände der Hahnweide geschickt für sein Flugprogramm nutzte.

Zugleich stieg das Blanix-Team mit seinen beiden Segelflugzeugen auf ausreichende Höhe auf, um den Besuchern mit einer gekonnten Kombination aus lautlosem Kunstflug und Feuerwerk einen würdigen Abschluss dieses Tages zu bieten. Der zeitliche Ablauf hätte nicht besser geplant sein können, und diese traditionellen Programmpunkte am späten Abend waren auch einer der Gründe, dass sehr viele Gäste die Veranstaltung erst nach Einbruch der Dunkelheit verließen.

Durfte auf dem Segelfluggelände nicht fehlen: Der Schulgleiter SG 38 war zwar nicht das älteste, aber ursprünglichste Fluggerät der Veranstaltung


Was bringt die Zukunft?

Vom veranstaltenden Verein war zu vernehmen, dass der neue dreijährige Rhythmus eine gute Entscheidung war. »Die ganze Veranstaltung war mit ihrer jetzigen Größe schon ziemlich über unseren Verein herausgewachsen «, ließ der Pressesprecher verlautbaren. Da schade ein Jahr Pause zwischen dem zwei Jahre andauernden Aufwand für die Organisation des Fliegertreffens keineswegs. Auf die Frage der Moderatoren ans Publikum, ob es mit einem neuen dreijährigen Rhythmus im Jahr 2022 wieder ein Oldtimer-Fliegertreffen geben solle, gab es von den Besuchern unmissverständlich Applaus. Der Fliegergruppe Wolf Hirth dürfte es schwerfallen, sich dieser Aufforderung zu entziehen.

Die Leser vonFlugzeug Classic werden wir über den genauen Termin auf jeden Fall rechtzeitig informieren.


Fotos Andreas Zeitler