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Halt mal still!


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fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 120/2022 vom 08.11.2022

STATIVTEST

Moderne Kameras machen einem das Leben in vielen Hinsichten leicht. Dank effizienter Bildstabilisatoren und guter Bildqualität bei hohen ISO-Einstellungen lassen sich viele Situationen auch ohne Stativ verwacklungsfrei einfangen. Es bleiben trotzdem noch viele Aufgaben, die sich ohne Stativ nicht lösen lassen: Etwa wenn es darum geht, hochaufgelöste Panoramen zu machen, die aus mehreren Einzelbildern zusammengesetzt werden sollen. Oder bei Belichtungsreihen, die zu einer HDR-Aufnahme zusammengefügt werden. Und auch Langzeitbelichtungen gelingen nur, wenn die Kamera gut fixiert ist. Außerdem stellt jeder Fotograf fest, dass der Einsatz eines Stativs dazu beiträgt, mit größerer Sorgfalt zu arbeiten – was sich in besseren Resultaten auszahlt. Ein Stativ sollte leicht zu bedienen sein, auf verschiedenen Untergründen fest stehen und die Kamera möglichst flexibel positionieren. Hinzu kommen ...

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Bildquelle: fotoMAGAZIN, Ausgabe 120/2022

Fotografen wünschen sich, dass Stative ebenso ruhig stehen, wie die Felsen, auf denen die Testkandidaten hier aufgereiht sind.
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... noch ein paar Besonderheiten, die für unterschiedliche Einsatzbereiche von Bedeutung sein können. Und wie bei Kameras gilt auch hier: Das beste Stativ ist jenes, das man dabei hat – kompakte Maße und geringes Gewicht sind deshalb auch vorteilhaft.

Die Testkandidaten dieses Vergleichs liegen alle im gehobenen mittleren Preissegment. Bis auf das Modell von Manfrotto wurden alle Testkandidaten mit einem Kugelkopf ausgeliefert. Diese Technik erlaubt es, die Kamera sehr flexibel einzurichten. Der Zwei-Wege-Neiger von Manfrotto hat allerdings auch Vorteile: Schwenk und Neigebewegungen lassen sich damit flott realisieren und die Kamera kann in der gewünschten Position sehr schnell fixiert werden.

Auch beim Feststellen der Beine stellt das Manfrotto-Modell eine Ausnahme dar: Während die anderen Testkandidaten mit Drehverschlüssen fixiert werden, kommen hier Klemmverschlüsse zum Einsatz. Die arbeiten etwas flotter, neigen aber langfristig dazu auszuleiern. In anderer Hinsicht nimmt das MeFoto-Modell eine Sonderstellung ein: Klar als Reisestativ konzipiert, bietet es einige Zusatzfunktionen – etwa die Option, ein Smartphone auf der mitgelieferten Schnellwechselplatte zu befestigen.

Bei den Messungen der Standfestigkeit gab es erfreuliche Resultate: Selbst bei starken Erschütterungen stehen alle Teststative innerhalb von höchstens 3,5 Sekunden wieder absolut ruhig. Und auch die Auslenkung durch eine zusätzliche Frontbelastung hielt sich in Grenzen.

Aoka KG284C

Das Aoka-Stativ ist eines der teureren im Testfeld. Es macht allerdings auch einen sehr hochwertigen Eindruck – Material und Verarbeitung lassen wenig zu wünschen übrig. Die Drehverschlüsse an den je vier Beinsegmenten lassen sich präzise einstellen und sorgen für stabilen Halt.

In die Stativschulter sind ein 1/4- und ein 3/8-Zoll-Gewinde eingelassen, an denen sich Zubehör wie etwa ein Kontrollbildschirm befestigen lässt. Die Füße werden mühelos von den Beinen abgeschraubt und bei Bedarf durch die mitgelieferten Spikes ersetzt.

Für tiefe Kamerapositionen lässt sich die Mittelsäule umgekehrt einsetzen. Dreht man das mit Kunststoff ummantelte Bein vom Stativ ab, kann man die Mittelsäule darauf anschrauben und erhält so ein angenehm hohes Einbeinstativ – die maximale Arbeitshöhe davon liegt bei 170 Zentimetern.

Das sind noch mal sieben mehr als im Dreibein-Einsatz. Die Kugel des Stativkopfs wird mit zwei separaten Schrauben fixiert – eine für die Grobeinstellung und eine, mit der sich die Kamera schnell nachjustieren und fixieren lässt. Eine weitere Schraube dient zum Lösen des Panoramarings – ein zweiter ist in der Basis der Schnellwechselplatte untergebracht. Das Stativ vibriert nach einer Erschütterung nicht lange nach und auch die Messungen für das Ausweichen bei starker Frontbelastung sind in Ordnung.

Manfrotto MK290XTA3-BH

Das Manfrotto-Stativ ist das zweitschwerste im Testfeld – was vor allem daran liegt, dass es aus Aluminium gefertigt ist. Das hat auch Auswirkungen auf den Preis – mit 160 Euro ist es das Günstigste unter den Testkandidaten. Insgesamt wirkt es robust und gut verarbeitet, das Handling ist aber zum Teil etwas knifflig. Will man etwa einen Arretierriegel für die Einstellung des Anstellwinkels lösen, muss man dafür das betreffende Bein erst leicht nach Innen neigen.

Auch Bewegungen am Schwenk-Neigekopf sind etwas hakelig – wobei das System gegenüber den Kugelköpfen der anderen Testkandidaten auch seine Vorteile hat. Die Mittelsäule lässt sich nicht um die eigene Achse drehen – das ist nur über die Basis des Stativkopfs möglich. Die Winkeleinstellungen dafür sind nicht außen, sondern im Zentrum des Stativkopfs aufgedruckt. Präzises Einstellen fällt dadurch etwas schwerer, zumal die Skala bei schlechten Lichtverhältnissen nicht gut abzulesen ist. Obwohl das Stativ nur für Ausrüstung bis fünf Kilogramm Gewicht empfohlen ist, hält es die Ausrichtung sehr gut. Dafür schwingt es bei einer Erschütterung vergleichsweise lange nach.

Rollei Rock Solid Alpha Mark III

Der Name „Rock Solid“ – auf Deutsch „Felsenfest“ – ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber dieses Modell ist allein schon aufgrund seines Gewichts standfester als die Mitbewerber: Zusammen mit dem Stativkopf bringt es fast drei Kilo auf die Waage – und das, obwohl die Beine aus Carbon gefertigt sind. Auf eine Mittelsäule wurde verzichtet, dennoch lassen sich die jeweils drei vergleichsweise langen Beine so weit ausziehen, dass eine Arbeitshöhe von 169 Zentimetern erreicht wird. Da auch die Drehverschlüsse der Beine recht umfangreich sind, lassen sie sich ohne großen Kraftaufwand verlässlich feststellen. An der Stativschulter sind zwei Gewinde angebracht, an denen sich Zubehör mit 1/4- oder 3/8-Zoll-Gewinde befestigen lässt.

Die Verwendung des Stativkopfes ist etwas gewöhnungsbedürftig: An der linken Seite ist eine recht große Feststellschraube angebracht, mit der man eine Grundspannung auf den großen Kugelkopf bringen kann – etwa so viel, dass man die Kamera mit etwas Kraftaufwand noch frei bewegen kann. Ist dann exakt der gewünschte Motivausschnitt gefunden, lässt sich die Kamera mit der kleineren rechten Schraube fixieren. Das gelingt auch bei schwereren Modellen gut – der Hersteller gibt eine maximale Belastbarkeit von 30 Kilogramm an.

MeFoto RoadTrip Pro

In dem relativ kompakten Modell von MeFoto – das ist eine Untermarke des Herstellers Benro – steckt deutlich mehr, als man auf den ersten Blick vermuten möchte. So ist etwa im unteren Teil der Mittelsäule ein aufklappbarer Mini-Beinsatz untergebracht, mit dem sich die Mittelsäule in ein Tischstativ umwandeln lässt. Dieses lässt sich sogar mit dem abschraubbaren Stativbein noch erweitern, was zu einer Arbeitshöhe von 162 Zentimetern führt – interessant kann das etwa für Aufnahmen mit leichten 360-Grad-Panoramakameras in Innenräumen sein. Auch die Schnellwechselplatte verfügt über eine Zusatzfunktion: Sie lässt sich zu einer Halterung für ein Smartphone ausklappen.

Die Transportlänge beträgt nur 41 Zentimeter, trotzdem lässt sich eine Arbeitshöhe von 155 Zentimetern erreichen. Die Nachschwingzeit des relativ leichten Stativs ist erstaunlich kurz – und es weicht auch bei starker Belastung nicht außergewöhnlich stark aus. Reizt man die vom Hersteller angegebene Maximalbelastung von acht Kilogramm allerdings aus, wirkt das Ganze nicht mehr wirklich stabil. Auch die Einstellung des Anstellwinkels der Beine ist etwas fummelig.

Tiltall TC224

Das Tiltall-Modell bietet wenig Besonderheiten – aber einen Funktionsumfang, mit dem die Mehrheit der Fotografen sicherlich zufrieden ist: Das Stativ ist kompakt und leicht, die Mittelsäule lässt sich umkehren, ein Fuß kann als Einbein verwendet werden und die Basis des mitgelieferten Kopfes mit Winkelskala lässt sich um 360 Grad drehen.

Grundsätzlich wirkt das Stativ auch robust, wobei die Verarbeitungsqualität einiger Mitbewerber nicht erreicht wird – insbesondere die Kunststoffelemente machen nicht den Eindruck, für die Ewigkeit geschaffen zu sein. Die Abweichung unter hohem Gewicht war vergleichsweise groß, bei den Vibrationen erzielte das Tiltall aber gute Resultate – insbesondere mit eingezogener Mittelsäule. Dann liegt die Arbeitshöhe allerdings mit 126 Zentimetern auch recht niedrig. Große Fotografen müssen sich bei der maximalen Auszughöhe von 148 Zentimetern bücken, um Motive zu beurteilen. Der Zapfen in der Mittelsäule lässt sich unkompliziert umdrehen. Statt eines 3/8-Zoll-Gewindes ragt dann ein 1/4-Zoll-Gewinde aus der Basisplatte – so lassen sich Kameras auch ohne Stativkopf auf den Beinen anbringen. Das geht bei den Modellen von Manfrotto, Rollei und MeFoto nicht.

Vanguard Veo 3+ 263CGHT

Beim Vanguard-Modell kommt eine ausgefuchste Konstruktion zum Einsatz, die es ermöglicht, gleich zwei Kameras darauf zu nutzen: Fährt man die Mittelsäule ganz aus und löst den Klemmmechanismus, lässt diese sich in eine horizontale Position schwenken. Auch andere Winkeleinstellungen sind möglich.

Zusätzlich zum hochwertigen Kugelkopf BH-160S (der Doppel-Achsen-Kopf wird von Vanguard solo für 130 Euro angeboten) wird der einfache zweite Kopf MA1 mitgeliefert, der am anderen Ende der Mittelsäule angebracht werden kann. Der erlaubt zwar keinerlei Ausrichtung, ermöglicht es aber, zum Beispiel eine Videokamera oder ein Fernglas zusätzlich zu fixieren. Das Packmaß ist mit beinahe 80 Zentimetern relativ lang, allerdings schafft das Stativ mit der Mittelsäule eine maximale Arbeitshöhe von über 1,80 Metern. Alle Bedienelemente wirken sehr hochwertig und arbeiten präzise. Praktisch sind die Tasten, mit denen sich die Arretierungen der Beinwinkelstellung lösen lassen – das ist bei den Mitbewerbern oft komplizierter. Auch die Feststellknöpfe des Stativkopfs lassen sich sehr präzise bedienen. Er verfügt sowohl in der Basis als auch unmittelbar unter der Schnellwechselplatte über 360°-Rotationsskalen, was präzises Ausrichten erleichtert.

FAZIT

»Einen klaren Favoriten gibt es nicht.«

Jeder der Testkandidaten hat individuelle Vor- und Nachteile. So ist etwa das Tiltall-Stativ nicht das standfesteste im Test, wiegt dafür aber besonders wenig. Die Überprüfung des Verhaltens ohne Stativkopf demonstriert, dass dieser für die Stabilität eine entscheidende Rolle spielt. Es kann sich also durchaus lohnen, Beine und Kopf separat zu erwerben – oder ein bereits vorhandenes Stativ mit einem zusätzlichen Kopf aufzuwerten. Auch hier gilt ähnlich wie bei Kameras: Um sich mit dem Einsatz des Stativs wirklich vertraut zu machen, ist etwas Eingewöhnung nötig – dann erst lässt sich die Ausrichtung während man das Motiv durch den Sucher fixiert blind einstellen und fixieren. Dank seiner hohen Stabilität setzte sich das Rollei Rock Solid Alpha Mark III minimal vom restlichen Testfeld ab – die fehlende Mittelsäule macht es durch die langen Beine wett. Das Modell von MeFoto überzeugt mit seiner Vielseitigkeit bei kompakten Maßen und niedrigem Preis.

SO TESTEN WIR

Viele verschiedene Aspekte spielen bei der Bewertung eines Statives eine wichtige Rolle. Zunächst überprüfen wir den Lieferumfang – mitgelieferte Spikes oder Werkzeug werden dabei positiv bewertet. Eine objektive Bewertung der Verarbeitung ist kaum möglich. Dennoch machen wir uns im praktischen Einsatz ein Bild davon, wie präzise die verschiedenen Bauteile aufeinander abgestimmt sind, und ob diese den Eindruck von Langlebigkeit machen. Für Bauteile aus robusten Metallen gibt es hier eine bessere Bewertung als für Kunststoff – insbesondere, wenn dieser labil wirkt.

Auch die Anwenderfreundlichkeit wird im Praxistest ermittelt. Lässt sich die Beinlänge unkompliziert variieren, kann die Mittelsäule ohne großen technischen Aufwand umgedreht werden, kann der Stativkopf auch ohne hinzuschauen schnell in die benötigte Position gedreht werden? Sind etwa die verschiedenen Bedienknöpfe am Kopf unterschiedlich geformt, führt das zu einer besseren Bewertung.

Um die Stabilität zu ermitteln, setzen wir ein Messverfahren ein. Dafür wird eine Kamera auf dem Stativ angebracht, und alle Verschlüsse werden kräftig angezogen. Ein auf der Kamera befestigter Laserpointer ermöglicht es, im Abstand von etwa sieben Metern an einer Wand die Auslenkung der Kamera bei Be- und Entlastung zu messen. Außerdem wird die Stativ-Kamera-Kombination durch eine definierte Erschütterung in Schwingung versetzt. Mit Hilfe einer Videoaufnahme des Leuchtpunkts des Laserpointers lässt sich genau ermitteln, wie lange es dauert, bis die Vibration komplett zum Stillstand gekommen ist. Sonderfunktionen wie die horizontal schwenkbare Mittelsäule beim Modell von Vanguard können zu Aufwertungen führen.