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HALTUNG: Der perfekte Paddock: Platz für eine Auszeit


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 24.05.2018

Relaxen mit Freunden, ein bisschen Bewegung und ganz viel Licht und frische Luft. Das brauchen Pferde in ihrer Freizeit. Ein Paddock sollte dies möglich machen. Wie, verraten wir Ihnen hier.


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Sie sind kein Ersatz für den Auslauf, aber bieten eine nette Abwechslung zur Box: die Einzelpaddocks.


FOTO: RÜWER & RÜB

Waren Sie heute schon im Garten? Oder auf dem Balkon? Ein kleines bisschen frische Luft entspannt genießen – das wollen nicht nur wir Menschen, sondern auch unsere Pferde. Dösen, wälzen, die Seele baumeln lassen. Der tägliche Auslauf auf dem Paddock schafft für sie psychisch, wie physisch einen ...

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... Ausgleich zum Reiten und ist eine gute Alternative, wenn die Weidezeit aus verschiedenen Gründen begrenzt ist. Doch was gehört dazu, um einem Pferd den Platz für die Auszeit artgerecht, sicher und ansprechend zu gestalten? Auf den folgenden Seiten finden Sie drei Paddock-Arten und entsprechende Tipps, wie Sie den typgerechten Raum zum Relaxen für Ihr Pferd schaffen.

UNSERE EXPERTIN

FOTO: PRIVAT

Prof. Dr. Konstanze Krüger
Die Tierärztin und Verhaltensforscherin für Pferde ist als Professorin für Pferdehaltung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen tätig.

WISSEN: Mindestanforderungen an Einzel- und Gruppenpaddocks

Abmessung
► Einzelpaddock: (2-mal Widerristhöhe)2 in qm
► Gruppenpaddock: 150 qm für zwei Pferde und 40 qm für jedes weitere Pferd

Bodenbeschaffenheit
► Einzelpaddock: Rutschfester Hartboden oder mit Sand verfüllte Gitterplatten
► Gruppenpaddock: Teilbefestigung stark beanspruchter Bereiche

Einfriedung
► Höhe: 0,9-mal Widerristhöhe in m
► Einzelpaddock: zwei- bis dreireihiger Festzaun
► Gruppenpaddock: Dreireihiger Elektro-/ Festzaun oder zweireihiger Festzaun mit Stromlitzen

EINZEL- PADDOCK

Der Paddock vor der Box sollte so groß wie möglich sein, damit das Pferd eine gewisse Bewegungsfreiheit hat.


Stromlitzen sind für Einzelpaddocks ungeeignet.


Terrasse mit Aussicht

Als Terrasse mit erweitertem Bewegungsraum, bezeichnet Verhaltensforscherin Professor Dr. Konstanze Krüger Paddocks vor der Box, auf der die Pferde ihr Umfeld beobachten. Dort können sie nach Belieben sonnenbaden und Kontakt mit benachbarten Artgenossen aufnehmen. So ein vorgelagerter Kleinpaddock „ist aber kein Bewegungsersatz“, mahnt die Tierärztin.

Zwar gibt es keine gesetzlichen Vorschriften hinsichtlich Größe, Form, Bodenbeschaffenheit und Einfriedung, wohl aber Empfehlungen verschiedener Organisationen wie der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT). Für den Kleinauslauf vor der Box fordert die TVT eine Mindestfläche von 2,0-mal Widerristhöhe zum Quadrat. Bei einem 1,65 Meter großen Pferd beispielsweise sind das rund neun Quadratmeter. Viel zu klein, um genügend Auslauf zu bieten.

Je mehr Platz ist, desto besser für die Pferde. Bedenken, dass die Tiere bei größeren Paddocks ins Rennen kommen und gelenkschädigende Stopps einlegen könnten, teilt Krüger nicht. Vorausgesetzt die Pferde werden regelmäßig gearbeitet, sodass erst gar keine größeren Bewegungsdefizite entstehen. Außerdem macht der Zeitraum den Unterschied: „Je länger die Pferde nach draußen können, desto geringer ist das Verletzungsrisiko“, verdeutlicht die Verhaltensforscherin. „Wer seine Pferde dagegen nur stundenweise rauslässt, muss sich über Unruhe und Rangeleien über den Zaun nicht wundern.“

Ein absolutes Muss ist eine stabile und verletzungssichere Einfriedung kleiner Paddocks mit mindestens zwei, besser drei Querriegeln. Ideal sind massive verzinkte Stahlrohre, die speziell zur Begrenzung von Paddockboxen angeboten werden. Die Höhe soll laut TVT 0,9 Meter mal Widerristhöhe betragen. Das ergibt bei unserem Beispielpferd mit 1,65 Stockmaß etwa 1,50 Meter. Prof. Krüger rät bei Großpferden zu 1,60 Meter Zaunhöhe, bei Hengsten höher. Um das ohnehin begrenzte Platzangebot nicht weiter einzuschränken und soziale Kontakte zu ermöglichen, sollte kein Elektrozaun verwendet werden.

Die Flächen von Kleinpaddocks sollten befestigt sein, um die Bodenpflege zu erleichtern. Dazu eignen sich rutschfeste Hartböden wie Betonverbundsteine, zusätzliche Paddockmatten sind laut Prof. Krüger nicht notwendig. Alternativ kann man mit Sand verfüllte Bodengitterplatten verlegen. „Mehr Sand wäre natürlich wünschenswert, weil das Pferd auf weichem Untergrund auch die Möglichkeit hat, sich hinzulegen oder zu wälzen. Allerdings muss der Paddock dann größer sein und wenigstens dreimal Widerristhöhe zum Quadrat messen.“

Füttert der Pferdebesitzer im Paddock Heu, sollte er auf eine natürliche Fresshaltung etwa durch Bodenraufen oder entsprechende Slowfeeder achten. Verwendet er Heunetze oder Lochbeutel, ist ein regelmäßiger Positionswechsel von Vorteil. „Dreht das Pferd seinen Hals mal nach rechts und mal links, ist das nicht so schlimm“, erklärt Prof. Krüger. „Hängt das Netz aber immer in derselben Ecke, sodass es den Hals immer in die gleiche Richtung verdrehen muss, kann das auf Dauer Gesundheitsschäden nach sich ziehen.“

Mit Pflastersteinen ausgelegte Gummimatten sind relativ rutschfest.


FOTOS: B. VAN DAMSEN

Mit Sand ausgelegt sind sie etwas elastischer.


GRUPPEN-PADDOCK

Garten mit Gesellschaft

Zu Mehreren macht Auslauf doppelt Spaß. Deshalb empfiehlt Prof. Krüger für ein Höchstmaß an Bewegung und Beschäftigung die Gruppenhaltung. Die Mindestgröße für den Gruppenpaddock beträgt gemäß TVT 150 Quadratmeter für zwei Pferde und 40 Quadratmeter für jedes weitere Pferd. Diese Mindestanforderung, die auch die „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BEML) so vorgeben, steht aber zur Überarbeitung an, wie Prof. Krüger ankündigt. „Eine Feldstudie im Rahmen einer Doktorarbeit konnte nämlich belegen, dass zwischen Paddockgröße und aggressivem Verhalten ein linearer Zusammenhang besteht. Demnach gehen ab circa 330 Quadratmeter pro Pferd unerwünschte Aggressionen deutlich zurück. Diese Erkenntnis wird in den neuen Leitlinien, deren Angaben auch zur Urteilsfindung vor Gericht herangezogen werden, insofern Berücksichtigung finden, dass der geforderte Mindestraum je Pferd voraussichtlich größer als bisher angegeben wird.“

Während die TVT eine rechteckige Paddockform für mehr Bewegungsanreize vorschlägt, favorisiert die Veterinärin eher quadratische Formen. Der Grund: Bei engen Wendungen in langen schmalen Schläuchen wirken starke Scherkräfte, die Verletzungen provozieren. Legt man einen Rundkurspaddock an, sollten die Wege min- destens drei, besser fünf Meter breit sein, damit die Pferde ungehindert aneinander vorbeilaufen können. Raumteiler wie Steinwälle als Rückzugsmöglichkeit für rangniedere Pferde sind aber laut einer weiteren wissenschaftlichen Untersuchung nicht so effektiv wie angenommen. „Besser ist ein ständig freier Zugang zur Weide als Fluchtpunkt. Wo diese Ausweichmöglichkeit besteht, gibt es weniger Futterneid bedingtes Verjagen durch ranghohe Pferde auch bei einem knapp bemessenen Platzangebot im Fressbereich“, fasst Prof. Krüger das Forschungsergebnis zusammen.

Die Gruppenzusammensetzung ist entscheidend, um Rangeleien vorzubeugen.


FOTO: WWW.ARND.NL

Hersteller von Aktiv- oder Bewegungsställen (siehe rechts) bieten für diesen Zweck übrigens einen computergesteuerten Weidezutritt an, bei dem via Chiperkennung nur bestimmte Pferde einer Gruppe Zutrittsberechtigung zur Koppel erhalten. Für Offenställe ohne Computertechnik sind automatische Toröffner mit Zeitschaltuhr erhältlich.

Der Boden von Gruppenausläufen sollte griffig, aber nicht zu tiefgründig und gut zu pflegen sein. Ausgesuchte Stellen mit einer höheren Sandschicht von zehn bis 15 Zentimeter werden gerne zum Wälzen wahrgenommen.

Für Paddocks gilt grundsätzlich, dass die sichere Begrenzung aus Rund- und Halbrundhölzern oder galvanisierten Metallrohren bestehen sollte, am besten kombiniert mit stromführenden Litzen. Bei reinen Elektrozäunen müssen unbedingt drei E-Bänder von vier bis sieben Zentimeter Breite montiert werden. Wichtig: „Befinden sich kleine Ponys in der Gruppe, muss der Zaun auf jeden Fall dreireihig sein und der untere Querriegel oder die Elektrolitze so angebracht werden, dass ein Unterlaufen verhindert wird“, betont Prof. Krüger. Ein Abrunden der Zaunecken sei aber nicht unbedingt erforderlich, nur tote Winkel und spitze Ecken dürfen nicht vorkommen. Tore sollten drei bis vier Meter breit sein und nicht in der Ecke liegen.

In einigen Ställen können Einsteller die Paddocks stundenweise nutzen. Das Parkuhrensystem ist eine gute Idee, um die Übersicht zu behalten. Es funktioniert bei Einzelpaddocks und bei Ausläufen für Kleingruppen.


FOTOS: B. VAN DAMSEN

AKTIV-STALL

Im Bewegungsstall ist der Paddock quasi Wohnbereich und soll die Pferde animieren, Strecken zurückzulegen.


Die Tränke sollte in Stallnähe sein, um alten Pferden den Weg zu erleichtern.


Eine gute Befestigung des Bodens ist das A und O, um auch schlechtem Wetter zu trotzen.


Bereiche wie die Heuraufe sollten gepflastert sein, um sie gut sauber halten zu können.


Park mit Wohn-Flair

Im Aktiv- oder Bewegungsstall ist der Auslauf rund um die Uhr quasi „all inclusive“. Umso wichtiger ist, dass die Böden gelenkschonend und artgerecht sind. Sie sollten ähnlich angelegt sein wie auf normalen Gruppenpaddocks. Stark frequentierte Flächen wie Futterplätze, Tränkebereiche und Stalleingänge sollten aus Gründen der Hygiene und der einfacheren Reinigung gepflastert sein und die übrige Lauffläche idealerweise eine mit Bodenraster befestigte Sandtretschicht von circa fünf Zentimeter Höhe aufweisen. Mittlerweile vertreibt der Fachmarkt auch Produkte, die direkt auf den begradigten Untergrund oder auf eine dünne Ausgleichsschicht verlegt werden können. Wem das zu kostspielig ist, kann sich auch mit Teilbefestigungen auf den Hauptverbindungswegen behelfen. Hierzu werden „etwa ein Meter breite mit Gitterplatten befestigte Pfade zwischen den einzelnen Funktionsbereichen angelegt, die von den Pferden bei Nässe auch bevorzugt aufgesucht werden“, berichtet Prof. Krüger. „Sobald die übrige vermatschte Fläche abgetrocknet ist, wird wieder das gesamte Areal genutzt.“

Um die Bewegungsaktivität im Aktivstall, wie es der Name schon sagt, zu erhöhen, werden Futterstationen, Raufen und Wälzplatz, Schlaf- und Ruhezonen möglichst weit voneinander angeordnet. Deren Verbindungsflächen werden etwa mittels Stichzäunen oder Baumstämmen künstlich so umgeleitet, dass die Pferde zur Erfüllung ihrer wichtigsten Bedürfnisse längere Laufstrecken zurücklegen müssen. Das gelte allerdings nicht für Tränken, die grundsätzlich stallnah installiert werden sollten. „Es hat sich nämlich herausgestellt, dass ältere Pferde nicht genug Wasser aufnehmen, wenn die Tränke zu weit weg ist“, warnt Prof. Krüger.