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HALTUNG: Mash richtig füttern: Der Mythos von der warmen Mahlzeit


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 26.02.2020

Die noch immer kühlen Temperaturen verleiten Pferdebesitzer häufig dazu, ihren Pferden mit warmem Mash etwas Gutes tun zu wollen. Dabei ist der ursprüngliche Zweck der Mash-Fütterung ein ganz anderer: Weizenkleie, Leinsamen und Hafer liefern Energie und beeinflussen Darmschleimhaut sowie Verdauung positiv. Vor allem nach Krankheiten, Koliken oder Turnieren kann der Brei Pferde schonend wieder aufpäppeln.


Artikelbild für den Artikel "HALTUNG: Mash richtig füttern: Der Mythos von der warmen Mahlzeit" aus der Ausgabe 3/2020 von Reiter Revue International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Reiter Revue International, Ausgabe 3/2020

Schlabbern, schmatzen, genießen: Viele Pferde lieben Mash. Besonders sinnvoll ist es aber vor allem bei Pferden, deren Verdauung positiv beeinflusst werden soll.


Mash rührt man in warmem Wasser an. ...

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UNSERE EXPERTINNEN

Dr. Anne Mößeler
blickt auf mehr als 15 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Tierernährung zurück. Sie absolvierte die Prüfung zur Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik sowie zum European Veterinary Specialist in Comparative Nutrition an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. 2016 schloss sie ihre Habilitation in der Tierernährung ab. 2017 gründete sie in Hannover ihre Praxis für tierärztliche Ernährungsberatung.

www.praxis-moesseler.de

Constanze Röhm
hat sich seit ihrem Studium in den Niederlanden und Großbritannien intensiv mit dem Thema Pferdefütterung beschäftigt. Sie ist Geschäftsführerin und Eignerin der Unabhängigen Futterberatung Constanze Röhm und hat an verschiedenen Universitäten und Hochschulen Lehrtätigkeiten. Sie berät Pferdebetriebe und verfasst regelmäßig Lehrschriften und Artikel. www.futterberatung- roehm.de

Wenn wir aus dem kalten Stall nach Hause kommen, haben wir häufig nur einen Wunsch: schnell eine heiße Tasse Tee trinken oder eine Suppe essen, damit uns wieder warm wird. Unsere Pferde stehen den ganzen Tag draußen oder im unbeheizten Stall - da liegt es doch eigentlich auf der Hand, dass wir auch ihnen ab und zu eine warme Mahlzeit vorbeibringen. Constanze Röhm, unabhängige Fütterungsspezialistin und Expertin für Gastrointestinal-Erkrankungen beim Pferd, und Dr. Anne Mößeler, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik, erleben diese Denkweise bei ihren Kunden regelmäßig. „Häufige Praxis ist, dreimal die Woche bei kalten Temperaturen Mash zu geben“, berichtet Röhm. „Aber nur weil es kalt ist, brauchen Pferde kein Mash. Entweder geben wir es jeden Tag oder wir lassen es ganz sein.“ Auch Mößeler betont, die Annahme, dass ein Pferd im Winter etwas Warmes braucht, sei extrem vermenschlicht: „Um das Pferd von innen aufzuheizen, bräuchte es eigentlich nur eine ordentliche Portion Heu. Durch die Verdauung entsteht Wärme.“ Der Pferdekörper ist auf die kontinuierliche Nahrungsaufnahme von Raufutter ausgelegt. Die Darmbakterien, die den Futterbrei im Dickdarm zersetzen, wandeln die komplexen Fasern dabei in Energie um - ein Großteil davon ist thermische Energie. Wenn wir warmes Mash aber nicht bevorzugt im Winter füttern sollen, wann und warum füttern wir es dann?

Vom Reste-Essen zum Lieblingsfutter

Um das zu klären, lohnt ein Blick in die Entstehungsgeschichte der Mash-Fütterung. Pferdeernährungsbücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert liefern durchaus erste Hinweise, erklärt Röhm. „Vor zwei- bis dreihundert Jahren fütterte man sehr viel Weizenkleie an Pferde, die zuvor mit Wasser angerührt wurde. Weizenkleie kam direkt aus den Mühlen und war unschlagbar günstig, da sie bei der Produktion angefallen, beziehungsweise übrig geblieben ist. In Verbindung mit Getreide war dies eine Form von Kraftfutter - auch in Zeiten, in denen Pferde noch in Ständern gehalten wurden und wenig Bewegung, vor allem im Winter, hatten. Ich gehe davon aus, man hat damals eher zufällig gemerkt, dass man mit einem Wasser-Kleie-Gemisch nebenbei auch die Verdauung anregen kann.“ Später kam der Leinsamen hinzu, der viel Eiweiß, essentielle Fettsäuren und Schleimstoffe enthält, die sich wie eine Schutzschicht über die Magen-Darm-Wand legen. Das traditionelle Mash aus Weizenkleie, Leinsamen und Hafer zog so in die Pferde-Ernährung und -Medizin ein. Mit dieser klassischen Form schlug man gleich drei Fliegen mit einer Klappe, erklärt Mößeler. „Mit dem Hafer hatte man eine leichtverdauliche Energiequelle für das Pferd, mit dem Leinsamen erzielte man positive Effekte auf die Magen- und Darmschleimhaut und mit der leicht abführenden Wirkung der Weizenkleie konnte man Verstopfungskoliken vorbeugen.“

Heutzutage wird Mash in diversen fertigen Mischungen angeboten, die nur noch mit warmem Wasser angerührt werden müssen. Allerdings haben diese unter Umständen nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Mash zu tun, da sie zwar als Brei gefüttert werden, aber teilweise weder Hafer noch Weizenkleie enthalten. „Der Begriff ist sehr weit gefasst“, ergänzt Mößeler. „Grünmehl, bestimmte Rohfasern und Heucobs werden auch eingeweicht verfüttert - und manchmal als Mash verkauft.“ Hintergrund ist, dass die Hersteller sich auf die Bedürfnisse und Erkrankungen der Pferde eingestellt und ihre Produkte angepasst haben. Deswegen ist es für Pferdebesitzer nicht immer einfach durchzublicken, welche Mash-Form für ihre Pferde die richtige ist.

Keinen Hunger? Oft hilft Mash

Beide Expertinnen empfehlen, zunächst genau zu überlegen, welchen Effekt man mit der Fütterung von Mash erzielen, also welches Defizit man ausgleichen möchte. Gleichzeitig ist es wichtig, die Gesamtration des Pferdes zu betrachten und seinen individuellen Bedarf zu kennen. Dies spielt vor allem dann eine Rolle, wenn Mash in größeren Mengen oder über einen längeren Zeitraum gegeben werden soll. Fehlt dem Pferd Gewicht oder hat es zu viel Gewicht? Soll es nach einer Krankheit oder einem anstrengenden Turnier aufgepäppelt werden? Ist das Pferd von Cushing oder einer anderen metabolischen Erkrankung mit Insulinresistenz betroffen? Habe ich einen Senior, der schlechte Zähne und wenig Appetit hat? „Mash hat vor allem seinen Platz in der Rekonvaleszenz“, stellt Röhm klar. „Gerade wenn es darum geht, ein Pferd nach Erkrankungen, Koliken, Operationen oder Schockzuständen wieder anzufüttern, ist es überaus wertvoll. Wir haben hier ein Futtermittel, das breiig ist, sehr gerne gefressen wird und Energie bringt.“ Diese Meinung vertritt auch Mößeler: „Mash ist häufig eine gute Lösung, wenn Pferde aus irgendwelchen Gründen mäkelig mit dem Fressen sind, wie zum Beispiel nach Krankheiten oder Fieber.“ Auch bei Turnieren hat sich Mash bewährt. Die Pferde werden hier viel gearbeitet und benötigen Energie, gleichzeitig haben sie Stress und häufig weniger Appetit. Manche Produkte auf dem Markt seien speziell für eine kurzfristige Gabe in diesen Fällen angedacht. „Man sollte immer genau hinschauen. Bei Rekonvaleszenz kann es durchaus Sinn machen, wenn man vorübergehend mit den zugesetzten Spurenelementen höher geht.“

Bei alten Pferden raten die Expertinnen dazu, die Mash-Fütterung mit einer Heucob-Fütterung zu kombinieren. Als einziges Krippenfutter sollte Mash auch hier nicht gegeben werden, da es sonst zu einem Ungleichgewicht in der Nährstoffversorgung kommen kann. Viele Senioren haben Zahnprobleme, können nicht mehr gut kauen und neigen generell zu wenig Appetit sowie Untergewicht. „Wenn ich deswegen auf das Heu beziehungsweise die Heucobs verzichte und sehr viel Mash füttere, muss ich die Calcium-Versorgung im Blick behalten“, warnt Mößeler. Hintergrund ist, dass Weizenkleie und Hafer Phosphor enthalten und in der Ration dann das Calcium-Phosphor-Verhältnis unter Umständen nicht ideal ist. „Unbedingt darauf achten, ob der Hersteller Calcium ergänzt hat“, rät die Expertin. „Wenn ich selber ein Mash mische, ist natürlich Phosphor drin.“ Im Endstadium eines Pferdes kommt es jedoch, so Röhm, in erster Linie darauf an, dass es zum Fressen motiviert wird. „Diese Pferdegruppe ist die einzige, bei der ich zur Not auch mit Mash arbeiten würde, das mit ätherischen Ölen versetzt ist. Der Geruchsreiz wirkt appetitanregend, aber ist natürlich auf Dauer nur mäßig gesund.“

Ein Blick auf den Zucker

Besitzer von Cushing-Pferden oder Pferden, die eine andere metabolische Erkrankung mit Insulinresistenz haben, müssen bei jeder Mash-Fütterung darauf achten, dass das Produkt nur eine sehr geringe Menge an frei verfügbaren Kohlenhydraten enthalten darf. „Es kommt hier auf die Definition an“, erklärt Mößeler. „Wenn ich Mash als die klassische Mischung aus Weizenkleie, Leinsamen und Hafer definiere, ist es definitiv nicht das Richtige für diese Pferde. Wenn ich Mash generell als flüssiges oder breiiges Futter definiere, was auch eingeweichte Heucobs einschließt, haben diese Pferde damit kein Problem.“ Viele Produkte enthalten Grünmehl und den Hinweis, dass sie für Pferde mit Cushing oder PSSM geeignet sind. Anstelle von Getreidestärke wurde hier Gras verarbeitet.

Unter Umständen können jedoch auch diese Sorten ungeeignet sein: „Je nachdem, was in welchem Erntezustand verarbeitet wurde, kann die Menge an frei verfügbaren Kohlenhydraten relativ groß sein“, warnt Röhm. „Der Zuckeranteil liegt manchmal bei über zwölf Prozent und das ist definitiv für diese Erkrankungen zu hoch.“ Mößeler ergänzt, dass manchmal auch Apfelfasern und Karottentrester zugesetzt sind. „Vor allem Karottentrester kann erhebliche Zuckermengen enthalten.“ Ein möglicher Ausweg ist ein relativ hoher Anteil an Eiweiß und gesunden Ölen im Mash. Pflanzliche Öle bringen Energie; die Zugabe von Salz kann außerdem Elektrolytverluste nach starkem Schwitzen ausgleichen. Es muss eben nicht nur schmecken, sondern allen voran sollte das Futter individuell auf das Pferd abgestimmtsein.

Die Basics der Mash-Fütterung

→ Bei der Gabe über einen längeren Zeitraum oder in größeren Mengen die Vitaminisierung und Mineralisierung prüfen. Weizenkleie und Hafer sind sehr phosphorreich, weswegen vom Hersteller Calcium ergänzt sein sollte. Manche Sorten enthalten zusätzliche Spurenelemente. Auch der Zuckergehalt sollte deklariert sein.

→ Beim selbst hergestellten Mash liegt das Verhältnis von Weizenkleie, Hafer und Leinsamen in der Regel bei 40-40-20. Damit handelt es sich klar um Kraftfutter, das nicht zusätzlich zur normalen Ration gegeben werden sollte, sondern lediglich das normale Kraftfutter ersetzt. Alles andere würde den normalen Energiebedarf überschreiten. Ansonsten gilt: 200 Gramm Weizenkleie pro 100 Kilo Pferd, bei Krankheit vorübergehend mehr. Am besten abwiegen, da Kleie sehr leicht ist - man verschätzt sich schnell mit dem Gewicht.

→ Vor allem Weizenkleie quillt sehr stark nach. Deswegen immer ausreichend Wasser hinzufügen und darauf achten, dass die Mischung nicht mehr nachquellen kann. Andernfalls drohen nach dem Verzehr Komplikationen im Verdauungstrakt des Pferdes, da die Mischung dort nachquillt.

→ Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass zu flüssiges Mash zu Durchfällen führen kann. Fakt ist: Ein Pferd trinkt ohnehin viel Wasser, so dass es keine Rolle spielt, ob das Mash mehr Wasser enthält. Die abführende Wirkung entsteht durch zu große Mengen Weizenkleie.

→ Leinsamen enthält eine Vorstufe der Blausäure, was immer wieder zu Bedenken führt. Aber einem Großpferd können bis zu 100 Gramm unaufgekocht gefüttert werden. Am besten geschrotet oder gequollen geben, sonst sind die Schleimstoffe in der Schale gebunden und haben keinen positiven Effekt mehr auf die Magen-Darm-Wand.

→ Mash wird häufig nachgesagt, dass es das Fell schön glänzen lässt. Dieser Effekt lässt sich vor allem durch die Zugabe von pflanzlichen Ölen erzielen, zum Beispiel Leinöl, Rapsöl oder Sonnenblumenöl.

→ Praktische Tipps: Wenn Mash im Trog gefüttert wird, diesen danach gut säubern. Die feuchten Zutaten können sonst leicht verderben. Sollte Mash mit heißem Wasser angerührt werden, kühlt im Eimer die Oberfläche schnell ab. Alles, was darunter ist, bleibt heiß und das Pferd kann sich böse verbrennen. Vor dem Füttern also nochmals umrühren und die Temperatur prüfen.


FOTO: WWW.ARND.NL

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FOTO:PRIVAT

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