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HAMBURG-AHRENSBURG: NEUES LEBEN!


GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 23.07.2018

Wenn einem ein Stück Land weggenommen wird, kann man sich unnötig aufregen – oder das Beste daraus machen. Der TraditionsclubHamburg- Ahrensburg hat genau das getan und dafür seit 2016 rund zwei Millionen Euro ausgegeben


Artikelbild für den Artikel "HAMBURG-AHRENSBURG: NEUES LEBEN!" aus der Ausgabe 80/2018 von GOLF MAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 80/2018

Das Grün von Loch 16 (vorn), wurde modelliert, zudem erhielt das Par 5 einen zusätzlichen Fairwaybunker. Die Bahn 12 (hinten), ein kurzes Par 3, ist komplett neu.


Architekt Christoph Städler führte mit seinem Team von September 2016 bis Juni 2018 den Umbau durch. Städler weiß, was gute Golfer brauchen: Er wurde im Juni Deutscher Meister der Altersklasse 65.


Die neue Insel von ...

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... Ahrensburg: Der Blick schweift vom Abschlag der 12. Bahn über deren Grün zum Clubhaus. Im Hintergrund liegen die Grüns der Bahnen 16 und 18.


Die ehemalige Bahn 6, jetzt Bahn 7, ist von gelb ein 142 Meter langes Par 3. Damen müssen 118 Meter weit schlagen.


Die im Vergleich zum Foto oben umgekehrte Perspektive von der Clubterrasse auf die sogenannte „Auenlandschaft“.


Traurig und skeptisch war ich, als ich vor ein paar Jahren von der bevorstehenden Umgestaltung des Golfclubs Hamburg- Ahrensburg, kurz GCHA, erfuhr. Genau der Platz, an den ich so schöne Erinnerungen habe, der Ort meiner Golfjugend: Sei es der jährliche Longest-Drive-Wettbewerb im Anschluss an das Jugendferienwettspiel, die kuriosen Momentaufnahmen beim Bongo-Cup, bei dem wir auch mal mit verbundenen Augen abschlagen mussten, oder die unzähligen Runden während des Jugendtrainings, bei dem mir mein bisher einziges Hole-in- One an Bahn 6 gelungen ist.

Baggern und Planierraupen sind diese liebenswerten Orte meiner Erinnerung nun zum Opfer gefallen, und das nur, weil ein vermeintlich naturfreundlicher Pächter den Vertrag für das Areal des Bredenbeker Teichs nicht verlängert hat. Ausgerechnet dieses Gelände ist das Wahrzeichen des Clubs und ziert auch dessen Logo: das Inselgrün der Bahn 11 mit der alten Eiche.

Die Insel liegt im 35 Hektar großen Bredenbeker Teich. Golfer, Angler, Badegäste und Camper erholten sich hier gleichermaßen; Golfer und Angler mussten mittlerweile weichen; Camper und Besucher des Freibads noch nicht.

Früher, nachdem man an dem Par 3 in Richtung Insel geschlagen hatte (Fotos nächste Seite oben), verlief der Weg vorbei an mehr oder weniger aktiven Anglern. Golfclubs mit natürlichen Inselgrüns sind selten, somit war mir kaum vorstellbar dass ein derart einschneidender Umbau gelingen könnte.

Von der Dramatik der vergangenen Jahre war beim Eröffnungs-Scramble vor ein paar Wochen nichts zu spüren, als der ehemalige Präsident Jürgen Wahl den neuen Platz mit einem goldenen Ball einweihte. Auch die Präsidenten der umliegenden Clubs waren geladen – aus Dank, da die GCHA-Mitglieder während des Umbaus auf deren Anlagen vergünstigt oder kostenfrei spielen durften. In solchen Fällen halten Hamburger einfach zusammen!


Die Hamburger Clubs hielten zusammen!


Luftaufnahme aus der Zeit vor dem Umbau: Deutlich wird die Nähe zum dicht besiedelten Wohngebiet. Die kleine Insel unten links im Bild gehört nun nicht mehr zum Platz und verwildert zunehmend.


So schnell verschwinden Golfbahnen, wenn man sie sich selbst überlässt. Die frühere 11. Bahn mit Abschlag und Grün (hinten) ist nach zwei Jahren schon ziemlich zugewuchert.


Christoph Frass ist waschechter Ahrensburger, hat jahrelang die Clubmannschaft unterstützt und ist fester Bestandteil des Trainerteams; auch wir hatten schon so manchen Vierer in Hamburg bestritten. Mit den Worten „Wir spielen zusammen und starten auf Bahn 3, damit das Beste zum Schluss kommt“, empfing mich Christoph überschwänglich zum Eröffnungsturnier, das per Kanone gestartet wurde. Der erste Vorsitzende Dr. Peter Kröger versprach vollmundig: „Der Platz ist optisch und spielerisch ein echter Hochgenuss.“

Nachdem wir ein paar der neu angelegten Löcher gespielt hatten, beschlichen mich erste Zweifel: Vielleicht war meine Skepsis unbegründet, und in der Vergangenheit liegt doch nicht so viel Wehmut, wie Wilhelm von Humboldt meint? Auf dem Platz schien alles viel aufgeräumter und strukturierter als früher.

Bereits 2009 hatte sich abgezeichnet, dass der Pachtvertrag für die Insel Ende 2018 nicht verlängert werden würde. Der namhafte Platzarchitekt Christoph Städler wurde mit dem Redesign beauftragt.

Mit leuchtenden Augen erzählt mir mein Viererpartner Christoph Frass vom letzten Turnier, das mit und auf der alten Insel stattfand: Bis in die frühen Morgenstunden wurde eine Party mit Feuerwerk veranstaltet. Das Ziel: ein letztes Hole-in- One auf Bahn 11. „Und ich habe natürlich den DJ gemacht“, berichtet Christoph Frass schmunzelnd. Aus dem Ass wurde nichts, aber auch kein schlechtes Omen für das über eineinhalb Jahre währende Projekt.

Blicken wir zurück: 1964 standen dem Club 44 Hektar Fläche unterschiedlicher Verpächter zwischen Bredenbeker Teich und dem Wohngebiet in Ahrensburg zur Verfügung; ein echter Stadtclub eben. Injedem Fall eine harte Nuss, weil 18 Löcher meist auf mindestens 60 Hektar gebaut werden. Bernhard von Limburger wurde engagiert, der in Deutschland so starke Plätze wie in Bremen zur Vahr, Hubbelrath, Reichswald und Walddörfer gebaut hatte. Er war ein Vertreter der klassischbritischen Golfplatzdesign-Schule, mochte weder ausladende Bunkerlandschaften noch künstliche Wasserhindernisse.

Robert Trent Jones Senior entwarf beziehungsweise überarbeitete in Deutschland lediglich zwei Plätze.


Bauarbeiten 1964. In Ahrensburg entsteht der damals fünfte Golfplatz im Großraum Hamburg.


Direkt vor der Clubterrasse liegt das Grün der 18. Bahn, einem anspruchvollen Par 5.


Beim Eröffnungsturnier spielten Club-Pro Christoph Frass und Redakteurin Isabel von Wilcke zusammen. Und das mit elf unter Par so gut, dass es für den Sieg und die Picknick-Körbe reichte.


Die gemütliche Clubterrasse lädt nach der Runde zum Après-Golf ein.


So sah es noch vergangenes Jahr in Ahrensburg aus. Mit schwerem Gerät wurde sehr viel Erde bewegt.


Limburger, Jones, Städler

Jahre später jedoch zeigten sich Mängel in der Platzarchitektur, bedingt durch die Nähe zu den angrenzenden Grundstücken. Robert Trent Jones Senior wurde angefragt; der Mann, der in seiner 70 Jahre währenden Karriere renommierte Plätze wie Valderrama, Sotogrande, Spyglass Hill und Hazeltine über 400 weitere entworfen oder umgestaltet hat.

In Deutschland ist, neben dem 1987 gebauten Bodensee Golf Club in Lindau, Ahrensburg der einzige Platz, dem Jones Senior 1978 seine Handschrift gab. Er verkürzte den Kurs auf Par 71, was vor allem die Anwohner freute, die weniger Querschläger in ihren Gärten hatten.

Jetzt also der nächste Umbau! Das sich verabschiedende Grün der Bahn 11 wurde zum Anlass genommen, den Platz zu modernisieren. Unter dem Motto „Auf zu neuen Ufern“ erfolgte September 2016 der erste Spatenstich. Dabei waren Städler zwei Aspekte wichtig: Langlebige Grüns und Abschläge zu schaffen und die Bahnen für Freizeitspieler fairer zu gestalten.

Fairwaybunker wurden nach hinten verlegt oder aus dem Spiel genommen sowie Spielelemente umgeordnet, um auch die besseren Spieler zu fordern. Von der Clubterrasse kann man die „Auenlandschaft“ um die neue Insel der Bahn 12 (Foto Seite 74 oben) einsehen. Für die vier neuen Teiche wurden 27 Kubikmeter Boden ausgehoben, wobei eine Wasserfläche von 9.000 Quadratmetern mit einer Wassertiefe von bis zu sechs Metern entstand. Besonderen Wert legte Städler auf heimische Bepflanzungen. Über 2.000 Moderlieschen, 350 Teichmuscheln und 200 Bitterlinge bevölkern die Auenlandschaft. Ziel war und ist es, ein natürlich ökologisches Gleichgewicht herzustellen und eine Überdüngung zu vermeiden. Über 100 Obst- und Solitärbäume ergänzen jetzt den bisherigen Bestand.

Auf der zusätzlich gepachteten Fläche hinter dem 1. Grün entstand die neue Bahn 2, das mir versprochene Highlight. Das Par 3 zeichnet sich durch ein für Ahrensburg atypisches, offenes Design, ohne große Bäume, aus. Wind kann den Schlag Richtung Grün erschweren. Dieses Loch kommt Spielern aller Spielstärken entgegen, da das ondulierte Grün in einem 45 Grad-Winkel zur Spielbahn angelegt ist und auch mit einer zwei-Schlag-Strategie angespielt werden kann. Mein Fazit: Ahrensburg hat es geschafft, Tradition und Moderne erfolgreich miteinander zu verbinden und einen frischen Neustart hinzulegen. Der Umbau ist verdammt gut gelungen. Gratulation!