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HANDELSSIGNALE DER TRADER-LEGENDEN: Linda Bradford Raschkes Anti-Setup


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 30.01.2020

Anti - das klingt im ersten Moment nicht danach, als wäre Linda Bradford Raschke vom Trading begeistert. Doch weit gefehlt. Sie ist seit fast 40 Jahren am Kapitalmarkt aktiv und leitete von 2002 bis 2015 ihren eigenen Hedgefonds. Der war so erfolgreich, dass sie von JackSchwager sogar in die Elite der Market Wizards aufgenommen wurde. Eine ihrer profitablen Strategien, das Anti-Setup, wird in diesem Artikel vorgestellt.


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Bildquelle: Traders, Ausgabe 2/2020

TEIL 7

Das Anti-Setup wurde erstmals im Buch „Street Smarts: High Probability Short-Term Trading Strategies“ vorgestellt, das Linda Raschke gemeinsam mit Larry Connors im Jahr 1996 ...
Die ...

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Das Anti-Setup wurde erstmals im Buch „Street Smarts: High Probability Short-Term Trading Strategies“ vorgestellt, das Linda Raschke gemeinsam mit Larry Connors im Jahr 1996 veröffentlichte. Die deutsche Übersetzung ist unter dem Titel „Top-Trading-Gewinne: Erfolgreiche Kurzzeit-Trading-Strategien“ erschienen.
Die Kernidee des Anti-Setups ist es, einen Trade in Richtung des Trends aufzubauen, nachdem eine Korrektur beendet ist. Der Indikator, der dafür verwendet wird, ist der klassische Slow-Stochastik-Indikator. Letzterer basiert auf der Annahme, dass die Schlusskurse in einer intakten Aufwärtsbewegung in der Nähe desHochs liegen und in einer Abwärtsbewegung in der Nähe der Tiefs. Folglich vergleicht der Slow-Stochastik den Schlusskurs der aktuellen Periode mit ihrem Hoch und Tief und berechnet das Ganze für eine bestimmte Periodendauer. Dabei oszilliert der Indikator zwischen 0 und 100.

Der Stochastik

Als Grundlage des Slow-Stochastik-Indikators dient der Fast-Stochastik. Er besteht aus einer schnellen %K-Linie und einer langsameren %D-Linie. Die Fast-Stochastik-Linie (%K) zeigt an, in welchem prozentualen Bereich zwischen Hoch und Tief einer bestimmten Periode der letzte Schlusskurs liegt:

%K=100*(Schlusskurs-Tief der Periode)/(Hoch-Tief der Periode)

Die langsamere %D-Linie ist ein einfacher Gleitender Durchschnitt (GD), der auf die %K-Linie angewandt wird:

%D=GD von %K

Martin Goersch

Martin Goersch ist seit 15 Jahren Vollzeit-Trader. Er führt das Schulungsunternehmen DaytradingCoach und ist Head of Trading einer Schweizer Vermögensverwaltung.
mgoersch@daytradingcoach.de

Die beiden Parameter, die im Fast-Stochastik-Indikator festgelegt werden können, sind:
1. betrachtete Periode (Anzahl der berücksichtigten Kerzen)
2. Periode des GD

Da die %K-Linie stark schwankt und damit zu viele potenzielle Handelssignale angezeigt werden, wurde sie aus dem Slow-Stochastik verbannt. Stattdessen dient im Slow-Stochastik die %D-Linie des Fast-Stochastik als %K-Linie. Die neue %D-Linie ist zusätzlich einer Glättung unterworfen. Damit hat der Slow-Stochastik-Indikator drei Parameter, die eingestellt werden können:
1. betrachtete Periode (Anzahl der berücksichtigten Kerzen)
2. Periode des GD
3. Glättung des %D

Einen Vergleich der beiden Indikatoren sehen Sie in Bild
1. Hier zeigt sich direkt, dass der Slow-Stochastik deutlich ruhiger verläuft. Klassischerweise wird er verwendet, um Überkauft-/Überverkauft-Analysen vorzunehmen und Divergenzen zum Kursverlauf zu prüfen. Auch die Kreuzungen der %K- und %D-Linie zeigen potenzielle Handelssignale an.
Im Anti-Setup wird der Indikator aber gänzlich anders verwendet. Der Trend - und damit die Trade-Richtung - wird über die langsame %D-Linie des Slow-Stochastik ermittelt. Die Korrekturen sowie das mögliche Ende der Korrektur werden über die schnellere %K-Linie abgebildet. Dabei weichen die Einstellungen der Parameter deutlich von den Standardeinstellungen ab:
Parameter für %K ist 7
Parameter für %D ist 10
Glättung von %D wird auf 4 gesetzt

Was ein Trader bei einem Anti-Setup sehen will, ist eine %D-Linie, die seit mehreren Kerzen eine klare Bewegung nach oben oder unten vollzieht, und eine %K-Linie, die in die entgegengesetzte Richtung läuft und dann dreht. Von diesem gegensätzlichen Verlauf stammt auch der Name der Strategie.
Es wird auf eine Bewegung der %K-Linie reagiert, die entgegengesetzt zur Richtung der %D-Linie verläuft. Ein Trade wird dann aufgesetzt, wenn beide Linien wieder in die gleiche Richtung laufen (siehe Bild 2).

Im direkten Vergleich zwischen Fast- und Slow-Stochastik zeigt sich, dass der Slow-Stochastik (unterer Sub-Chart) deutlich ruhiger verläuft.


Quelle: www.agenatrader.com

Die grüne %D-Linie vollzieht seit mehreren Kerzen eine klare Bewegung nach oben, während die rote %K-Linie zunächst in die entgegengesetzte Richtung läuft und dann dreht. Ein Trade wird aufgesetzt, wenn beide Linien wieder in die gleiche Richtung laufen.


Quelle: www.daytradingcoach.de

Ende November 2019 kam es zu einem nahezu lehrbuchhaften Anti-Setup in der PayPal-Aktie. Während die langsamere %D-Linie (grüne Punkte) seit mehreren Tagen aufwärts verlief, vollzog die schnellere %K-Linie (rot) eine mehrtägige Abwärtsbewegung. Nachdem die %K-Linie wieder in die Aufwärtsrichtung drehte und damit einen Haken formte, war das Setup vollendet.


Quelle: www.agenatrader.com

Mitte Oktober 2019 gab es ein Anti-Setup in der NVIDIA-Aktie, die sich übergeordnet seit September wieder klar in einem Aufwärtstrend befand. Nach dem Hoch vom 12. September leitete die Aktie eine vierwöchige Korrektur ein. Die %D-Linie (grüne Punkte) lief seit mehreren Tagen aufwärts, die %K-Linie (rot) vollzog eine dreitägige Abwärtsbewegung. Bereits zwei Tage vor dem eigentlichen Chart-Ausbruch war das Anti-Setup vollendet. Spätestens mit dem Ausbruch über das Septemberhoch konnten Swing-Trader in der NVIDIAAktie eine Long-Position etablieren. Die orange Linie stellt eine Variante des Trailing-Stopps für Swing-Trades dar. Dabei handelt es sich um die untere Begrenzung des Donchian-Channels in der 5er-Einstellung.


Quelle: www.agenatrader.com

3. Der Kurs muss nach oben über die Signalkerze ausbrechen.

Für das Short-Signal gilt genau die umgekehrte Situation: %D sollte mindestens vier Perioden abwärts laufen, %K muss eine gegenläufige Bewegung über mindestens zwei Perioden vollziehen; nach Ausbildung eines Hakens, wenn die %K- wieder in Richtung der %D-Linie zeigt, ist das Signal schließlich vollendet.
Prinzipiell können Signale in beide Richtungen gehandelt werden. Der Autor bevorzugt die Einstiege allerdings in Richtung des übergeordneten Trends. Denn der zusätzliche Vorteil aus dem Trend der höheren Zeitebene führt letztlich zu einer besseren Trefferquote.
Die Art der Stoppsetzung obliegt natürlich ganz dem persönlichen Stil des Traders. Linda Raschke beschreibt die Stoppstrategie in ihrem Buch als recht aggressiv. So wird der initiale Stopp nach dem Einstieg direkt an das gegenüberliegende Ende der Signalkerze gesetzt. Innerhalb von drei bis vier Kerzen der gleichen Periode sollte dann laut Raschke der Exit in einer dynamischen Bewegung in Richtung des Trades erfolgen
In Bild 3 ist ein Anti-Setup in der PayPal-Aktie von Ende November 2019 dargestellt. Die langsamere %D-Linie (grüne Punkte) lief seit mehreren Tagen aufwärts, die schnellere %K-Linie (rot) vollzog eine mehrtägige Abwärtsbewegung. Nachdem die %K-Linie wieder in die Aufwärtsrichtung drehte, war das Setup vollendet. Raschke weist in ihrem Buch allerdings darauf hin, dass sie bei solchen Ausgangslagen das Setup gerne antizipiert. Sobald die %K-Linie mindestens drei Tage korrigiert hat, setzt sie eine Stopp-Kauf-Order über das Hoch des Vortages. Wird dieses Hoch überschritten, dreht normalerweise auch die schnellere %K-Linie wieder nach oben.
Wird das Hoch jedoch nicht überschritten, so wird die Einstiegsorder am nächsten Tag auf die neue Tageskerze angepasst. Über das klassische Antisignal wäre ein Trader beim Preis von 104,80 US-Dollar in der PayPal-Aktie long gegangen; über den antizipierten Einstieg hätte die Order aber bereits bei 103,23 US-Dollar gegriffen. Für Trades, die nur aufgrund des Anti-Setups eingegangen werden, sind ein enger Stopp und eine kurze Haltedauer richtig, denn ein Anti-Setup liefert einen zeitlich kurzen Vorteil in die Trade-Richtung. Nur wenn das Setup mit einem deutlichen Ausbruch über oder unter ein markantes Chart-level kombiniert wird, können daraus gute mittelfristige Swing Trades entstehen. In Bild 4 ist ein Anti-Setup in der NVIDIA-Aktie von Mitte Oktober 2019 dargestellt. Übergeordnet befindet sich die Aktie seit September wieder in einem klaren Aufwärtstrend. Nach dem Hoch vom 12. September leitete der Kurs eine vierwöchige Korrektur ein. Der Ausbruch über das Hoch fiel mit dem Anti-Setup zusammen. Die %D-Linie (grüne Punkte) lief seit mehreren Tagen aufwärts, die %K-Linie (rot) vollzog eine dreitägige Abwärtsbewegung. Bereits zwei Tage vor dem eigentlichen Chart-Ausbruch war das Anti-Setup vollendet. Spätestens mit dem Ausbruch über das Septemberhoch konnten Swing Trader in der NVIDIAAktie eine Long-Position etablieren.

Bei diesem Anti-Setup im Ein-Stunden-Chart des DAX-Future verläuft die %D-Linie fallend, während die %KLinie in der Korrektur einen Haken nach unten formt.


Quelle: www.agenatrader.com

Das Währungspaar USD/ZAR befand sich übergeordnet im Abwärtstrend. Am 16.12.2019 entwickelte sich die %D-Linie im Ein-Stunden-Chart abwärts und die %K-Linie generierte den typischen Haken, sodass ein Short-Setup gegeben war. Das Kursziel wurde durch das letzte Tief bestimmt (blaue Punkte), der initiale Stopp lag über der Signalkerze (rote Punkte).


Quelle: www.agenatrader.com

Eine Variante des Trailing-Stopps für Swing Trades wird durch die orange Linie dargestellt. Dabei handelt es sich um die untere Begrenzung des Donchian-Channels in der 5er-Einstellung, also um die Anzeige des jeweiligen tiefsten Tiefs der letzten fünf Handelstage. Auf den Einstieg bei 190,22 US-Dollar am 15.10.2019 folgte am 15.11.2019 bei 204,28 US-Dollar der Ausstieg per Trailing-Stopp.

Verschiedene Zeitebenen

Beim Anti-Setup handelt es sich um ein Multi-Timeframe-Setup, sodass die Indikatorsignale in jeder beliebigen Zeitebene verwendet werden können. Im Index- und Währungsbereich hat der Autor zum Beispiel sehr gute Erfahrungen mit dem Ein-Stunden-Chart gemacht. Hier ist es allerdings wichtig, die ursprünglichen Managementregeln von Linda Raschke anzuwenden, nämlich einen engen Stopp und eine relativ kurze Haltedauer. Trades, die im Ein-Stunden-Chart aufgesetzt werden, sollten dann innerhalb der nächsten Stunden geschlossen werden. Bild 5 zeigt beispielhaft ein Anti-Setup im Ein-Stunden-Chart des FDAX.

Kursziele

Da die trendfolgenden Einstiege beim Anti-Setup nach einer Korrektur über mehrere Kerzen erfolgt, liegt das erste Kursziel des Trades immer am letzten Hoch oder Tief der Trendbewegung. Dort sollte die Position aufgelöst oder zumindest Teilgewinne mitgenommen werden. Ein Beispiel ist das im Währungspaar USD/ZAR in Bild 6. Übergeordnet befand sich das Währungspaar im Abwärtstrend. Am 16.12.2019 entwickelte sich die %D-Linie im Ein-Stunden-Chart abwärts, die %K-Linie generierte den typischen Haken, ein Short-Setup war gegeben. Das Kursziel wurde durch das letzte Tief bestimmt, der initiale Stopp lag über der Signalkerze.

Fazit

Mit dem Anti-Setup haben Trader ein weiteres professionelles Multi-Timeframe- und Multi-Market-Setup zur Hand. Mittels des recht simplen und einfach zu erkennenden Setups können nicht nur kurzfristige Trades innerhalb eines Tages aufgebaut werden, sondern auch kurze Swing Trades mit einer Haltedauer von mehreren Tagen. Die Kombination mit markanten Ausbrüchen aus Chart-Formationen kann aber auch starke mittelfristige Swing Trades in Trendrichtung ermöglichen.
Linda Raschke zählt nicht ohne Grund zu den „Magiern der Märkte“. Ambitionierte Händler sollten sich also die Zeit nehmen und ihre Setups genau studieren.