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HANDLICH, PRAKTISCH, GUT?


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 17.03.2022

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Glatte Nase und gestraffte Konturen sollen den bereits fünf Jahre alten T-Roc fit für seine letzten Jahre machen. Genug zum Siegen?

ÜBER DEN ERFOLG kleiner SUV gibt es nichts mehr zu sagen. Mit kompakten Maßen, Vielseitigkeit und dem entscheidenden Quäntchen mehr an Sitzhöhe buhlen sie um Käufer. Und das funktioniert. Seit seinem Debüt 2017 ist der VW T-Roc aus den Top Ten der meistverkauften Autos in Deutschland nicht mehr wegzudenken, kommt sogar dem Golf gefährlich nah. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht. Renault Captur und Ford Puma folgten 2019. Höchste Zeit für den Platzhirsch, sich frisch zu machen, um sein Revier zu verteidigen.

Das neue Modelljahr ist äußerlich gut erkennbar an der geglätteten Front, die jetzt mit weniger waagerechten Streben, dafür auf Wunsch mit einem durchgehenden LED-Band zum Kunden rollt. Auf LED-Technik setzt man nun grundsätzlich auch bei Scheinwerfern und Rückleuchten. Letztere sind zudem dunkler getönt und neu gezeichnet. Cleaner, glatter und weniger verschachtelt kommt der T-Roc ...

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... daher. Einigen vielleicht aber auch weniger kernig – Geschmackssache.

Doch die Auswahl ist bekanntermaßen groß. Der Ford Puma setzt mit großem Kühlergrill und Porsche-Macan-Gedächtnis-Scheinwerfern klar auf Sport. Wirkt sehniger und knackiger als seine Kontrahenten. Der Renault Captur hat sich weitgehend den Charakter des Vorgängers bewahrt. Tritt wie ein Clio aus der Muckibude mit breitem Kreuz auf. Das kann er sich auch leisten. Wenn auch nicht in Deutschland, so zählt er doch in ganz Europe zu den Meistverkauften seiner Art. Wir vergleichen die drei Hochstapler so, wie sie auch gekauft werden. Nämlich mit Frontantrieb und 140 (Captur) bis 155 PS (Puma). Kleine Benziner mit ausreichend Reserven.

Im T-Roc überrascht nach dem Entern zuerst sein Schaltgetriebe. Oder besser: der Schaltmast. Er ist enorm lang, ragt weit aus der Mittelkonsole. Für die Bedienung muss die Hand hoch greifen und lange Wege in Kauf nehmen. Immerhin genießt hier auch der Rest des Körpers viel Weite. Der T-Roc bietet am meisten Platz und vor allem den besten Einstieg. Da zwickt es bei Captur und vor allem Puma deutlich früher. Gerade der Kölner verlangt beim Einund Aussteigen nach einem deutlichen Diener, um Kopfnüsse zu vermeiden. Doch auch der Renault ist nichts für lange Kerle. Immerhin tendiert bei ihm als Einzigem die Beinfreiheit nicht gegen null. Oder anders: Die Beine drücken sich hinter etwas größeren Fahrern nicht sofort in deren Rücken. Beim Kofferraumvolumen muss er sich dann aber doch den Deutschen geschlagen geben. Auch wenn allein sein Fach unterm Ladeboden so manchen Spider-Fahrer glücklich machen würde. Hier wie dort aber gibt es ausreichend Stauraum, der bauartbedingt über hohe Ladekanten gefüllt werden muss. Wer plant, etwas zu ziehen, sollte sich näher mit dem VW beschäftigen, der mit einer Anhängelast von 1,5 Tonnen Ford und Renault mit maximal 1,2 Tonnen locker abhängt.

„Kleine SUV sind längst die neuen Volkswagen. Traditionelle Konzepte werden von den Hochbeinern verdrängt.“

Malte Büttner, Redakteur

FORD PUMA 1.0 ECOBOOST ST-LINE X

Sport wird bei Ford gern großgeschrieben. So wirkt der Puma im Auftritt am kraftvollsten und dynamischsten. Im Cockpit (1) ebben die Emotionen dann etwas ab. Das Bediensystem wirkt unaufgeräumt und verspielt. Gut: Der Spurassistent lässt sich bequem am Blinkerhebel deaktivieren. Knackige bis knorpelige Schaltung (2). Serienmäßige 18-Zöller (3) bei ST-Line. Fahrer Ivo strahlt auf der Rückbank (4) dabei ist der Einstieg alles andere als einfach: Der Puma ist am knappsten geschnitten, der Türausschnitt ist klein, das optionale Panoramadach kostet zusätzlich Kopffreiheit.

Der einzige Dreizylinder im Vergleich (5) schlägt sich wacker, liefert die beste Performance. Nur bei der Laufkultur schlagen die Kontrahenten sanftere Töne an. Angenehme, aber enge Sportsitze (6) bei der ST-Line. Komfortliebhaber sollten zu einer anderen Ausstattung oder gleich zu einem anderen Modell greifen. Mit 456 Litern bietet der Kofferraum (7) bei stehender Bank den meisten Platz.

Auch im Kapitel Connectivity liegt VW vorn, hier hat das Facelift gutgetan. Das Navi „Discover Pro“ kostet zwar deftige 1765 Euro, wirkt aber flüssig und lässt sich gegenüber den anderen beiden mit „Hallo Volkswagen“ aktivieren. Er hat auch als Einziger CarPlay ohne Kabel. Apps gibt es zumindest im Shop, eine Google-Ansicht fehlt aber ebenso wie ein Drehregler für laut/leise. Das System des Renault reagiert leicht verzögert, die Zieleingabe könnte während der Fahrt einfacher sein, dafür passt die Sprachbedienung. Das Sync-3-System von Ford wirkt simpler. Die Platzierung des Displays sollte mehr dem Fahrer zugeneigt sein. Die kleinen Buchstaben des Navis lassen sich kaum während der Fahrt treffen, Sprachbefehle akzeptiert es nur sehr starr.

RENAULT CAPTUR TCe 140 INTENS

Die Verarbeitung des Renault geht grundsätzlich in Ordnung, stößt auf schlechten Straßen aber an ihre Grenzen (1). Der stehende 8-Zoll-Touchscreen (2) arbeitet oft etwas verzögert, die Icons sind arg klein geraten. Die klassische Klimabedienung sitzt darunter, ist sehr gut zugänglich. Als Intens kommt der Captur serienmäßig mit 17-Zoll-Alus (3). Das eher kleine Format kommt ihm beim Abrollkomfort und späterem Wechsel, der etwas günstiger ausfällt, zugute. Das Platzangebot in Reihe zwei ist stark limitiert. Die Sitzfläche ist kurz und flach, die Kopffreiheit durch das abfallende Dach eingeschränkt. Auch der Einstieg verlangt mit schmalen Türausschnitten viel Beweglichkeit (4). Der 1,33-Liter-Vierzylinder (5) ist eine Gemeinschaftsentwicklung mit Mercedes, läuft kultiviert und sparsam. Er dreht leicht und linear, wirkt aber etwas zugeschnürt. Angenehmen Sitzkomfort bieten die breiten Sessel. Auf Strecke aber sind sie etwas zu weich, bieten wenig Seitenhalt (6). Kleinster Kofferraum des Trios (7).

Kuschelig weich ist dagegen das aufpreispflichtige DCC-Fahrwerk des T-Roc. Zumindest im Komfortmodus. Im Sportmodus lässt es dagegen keine Unklarheiten über den Fahrbahnbelag mehr aufkommen. Das Gleiche gilt für die Lenkung, die für jeden Geschmack die notwendige Härte bereithält. Ebenfalls adaptiv, wenn auch grundsätzlich deutlich strammer, ist der Puma ausgelegt. Der Renault federt französisch kommod. Nur die Lenkung wünschen wir uns etwas entschlossener und rückmeldungsintensiver. Sein eher gemütliches Naturell wird auch auf der Teststrecke deutlich, wo sein ESP – übrigens bei keinem der drei abschaltbar –am rigidesten eingreift und die Fuhre am besten verzögert. Der VW bleibt neutral, setzt ebenfalls voll auf Sicherheit. Eher durchschnittlich ist sein Bremsweg von 38,2 Metern. Kaum besser sind die 37,6 Meter, die sich der Puma gönnt. Zumal bei Ford die Fahrdynamik mittlerweile Tradition hat. So lässt der Puma im Grenzbereich deutlich mehr zu und zuckt ab und an sogar leicht mit dem Heck. Das macht Laune, auch wenn die Käufer es im Alltag in der Regel entspannter angehen lassen dürften.

VW T-ROC 1.5 TSI STYLE

In der Vergangenheit wurde die Materialauswahl im Innenraum des T-Roc häufig kritisiert. Sie ist besser geworden. Allerdings gibt es an hinteren Türverkleidungen oder am unteren Armaturenträger (1) noch immer genug Verbesserungspotenzial. Serienmäßig ist jetzt der neue 13,2-Zoll-Touchmonitor in der Mitte (2), der weitgehend mit der moderneren Software des neuen Golf gespeist wird. Der Testwagen stand auf 1090 Euro teuren 19-Zöllern (3). Dass er die auch beim Komfort gut wegsteckt, verdankt er nur seinem adaptiven DCC-Fahrwerk. Gerade hinten bietet er die größte Breite, die beste Kopffreiheit und die am besten konturierten Sitze. Auch wenn es hier nicht so aussieht, die Beinfreiheit ist ein Manko (4). Mit 445 Litern bei stehender Bank ist er Durchschnitt, mit bis zu 1290 Litern bei umgelegten Lehnen der Lademeister (5). Der 1,5-Liter-TSI (6) ist ein idealer Alltagsmotor mit guter Laufkultur und ausreichend Reserven. Der optionale ErgoActive-Sitz (7) lohnt nicht nur für Vielfahrer.

Wirklich überzeugend verzögert hier nur der Renault

Auch beim Motor beweist Ford Sportgeist. Der Einliter-Dreizylinder läuft zwar am kernigsten, bringt aber auch die besten Fahrleistungen – und bittet dafür kräftig zur Drehzahl. Kultivierter, wenn auch deutlich zugeschnürter fühlt sich der Renault an, der mit der geringsten Leistung das Schlusslicht bildet. Den idealen Kompromiss aus Power und Komfort findet der Hubraumriese im Vergleich, der VW. Der 1,5-Liter-Motor läuft äußerst kultiviert, drückt schon von unten kraftvoll raus. Dafür gönnt er sich mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,7 Litern auch einen guten Schluck mehr als Ford und Renault, die es bei glatten sieben Litern bewenden lassen.

Tiefer in die Tasche greifen muss man auch beim Kauf des T-Roc. Mit einem Testwagenpreis von 36 005 Euro liegt er stolze 8305 Euro über dem Renault. Mit glatten 30 000 Euro ebenfalls deutlich günstiger ist der Einstieg in den Puma.

Nach Punkten schafft es der überarbeitete T-Roc dennoch wieder oben aufs Treppchen. Doch die drei liegen dicht beisammen, jeder ist ein guter Kauf. Kein Wunder, dass kleine SUV so erfolgreich sind.

PLATZIERUNG Punkte maximal 800

1. VW T-Roc 1.5 TSI Style Kultivierter, kraftvoller Antrieb, hoher Fahrkomfort. Materialauswahl im Detail einfach. 550 Punkte

2. Ford Puma 1.0 EcoBoost ST Line Sportliches Fahrwerk, kerniger Motor. Defizite beim Platzangebot. 530 Punkte

3. Renault Captur TCe 140 Ordentlicher Fahrkomfort, angenehmer, aber etwas schlapper Motor. Fairer Preis. 513 Punkte

FAZIT

MALTE BÜTTNER, DENNIS HEINEMANN

Der VW T-Roc ist ein perfekter Allrounder mit gutem Platzangebot, kultiviertem Motor und gutem Komfort. Nur die Bremswerte und der hohe Preis enttäuschen. Der fahraktive Puma ist die sportliche Alternative. Er bringt Laune in den Alltag, dürfte aber mehr Platz bieten. Dem ausgewogenen Renault bleibt nur ein sehr guter dritter Platz.