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HANDWERK: Danke für die Blumen!


daheim - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 15.06.2018

Floristen brauchen nicht nur ein Gespür für Blumen, sondern auch für Menschen


Artikelbild für den Artikel "HANDWERK: Danke für die Blumen!" aus der Ausgabe 4/2018 von daheim. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: daheim, Ausgabe 4/2018

Julia Föhl bindet einen sommerlichen Brautstrauß für eine Hochzeit im Freien



Blumen begleiten uns durchs Leben


1. Vorbereitung: Blätter stören nur und benötigen viel Wasser, also weg damit.


2. Das Binden erfolgt in einer Spirale. So entsteht eine runde Form. Da sich die Blüten nicht auf einer Höhe befinden, wirkt der Strauß am Ende sehr natürlich.


3. Nachschub: Die Blumen vom Großmarkt müssen zügig versorgt werden


So könnte man sich das Paradies vorstellen: ein Ort der Schönheit inmitten bunter Blumen, deren süßes Parfum sich mit ...

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... dem herben Duft von Cappucino und dem Geplapper guter Freunde mischt. So lange wollte Rahel Plie nin ger doch nicht warten. Mit ihrem Blumenladen, der auch Café ist, hat sie sich einen Traum erfüllt. „Flowers & Friends“ (Blumen und Freunde) heißt ihr kleines Paradies auf Erden, genauer: in Stuttgart.

Einen Ort der Begegnung wollte sie schaffen, erzählt die 36-Jährige, die erst im dritten Anlauf (nach Erzieherin und Gemeindediakonin) Floristin geworden ist. Der Grund: „Ich bin sehr gläubig und ärgere mich über die Kirche, die so wenig mit den Menschen zu tun hat.“ Das Blumencafé ist ihre Antwort darauf.

Der Arbeitstag von Rahel Plieninger beginnt bereits am Vorabend: Einkaufszettel schreiben. Sehr früh am nächsten Morgen fährt sie damit zum Großmarkt. „Zuerst suche ich die regionalen Händler auf“, sagt sie, „das ist mir und immer häufiger auch den Kunden wichtig.“ Außerdem bekomme sie dort Mohn, Freilanddisteln, Kornblumen und Kamille. „Wiesenblumen sind nicht so geschleckt, da ging auch mal der Wind drüber. Diese Natürlichkeit zeichnet uns aus.“

Schnittblumen immer mit dem Messer anschneiden
Als sie den Kofferraum ihres Transporters zum Ausladen öffnet, ist dieser so voll, dass sich die Blumen beinahe selbst auf den Weg nach draußen machen. Jetzt heißt es erst einmal schleppen. Einkauf rein, Topfblumen, Kräuter und Außendeko raus. Vasen mit Schnittblumen tauschen das kühle Hinterzimmer mit dem grünen Holztisch im Laden. Sofort stimmen sie eine duftige Sinfonie an, die einen lauter, die anderen leiser. Freiland rosen und Flieder spielen im Sommer die erste Geige.

Rahel Plieninger und ihre Kollegin Julia Föhl (24) versorgen nun zügig die Schnittblumen vom Markt. Mit wenigen Handgriffen entfernen sie die Blätter von langstieligen Löwenmäulchen. Das sei wichtig, damit die Blumen schön aufblühen, denn die Blätter benötigen viel Energie. Dann schneiden sie die Stängel mit einem scharfen Küchenmesser drei, vier Zentimeter lang schräg an, damit die Pflanze genug Wasser aufnehmen kann. „Auf keinen Fall die Schere benutzen, die quetscht nur“, erklärt Rahel Plieninger. „Dann alle zwei Tage nachschneiden und das Wasser wechseln.“ So könne man auf Blumenfrisch gut verzichten.

Das Blumencafé strahlt eine wohnliche Atmosphäre aus


1. Das Auge kauft mit: Ein umfangreiches Blumenangebot macht Lust auf einen Strauß.


2. Feste Bande: Die Stiele werden gekürzt und mit Kautschuk- und Satinband umwickelt, damit die Braut die Blumen gut halten kann.


3. Ein Brautstrauß kommt selten allein. Rahel Plie ninger (rechts) hat einen Tischkranz mit den gleichen Blumen gesteckt


Zeit, sich in dem Blumencafé genauer umzuschauen, das eine wohnliche Gemütlichkeit ausstrahlt. Im vorderen Bereich befinden sich Bar und Bistro tische, im hinteren Regale mit Zimmerpflanzen, schönen Vasen und Töpfen. Und ein grünes Sofa. „Hier“, sagt die Chefin, „besprechen wir mit den Kunden große Aufträge wie zum Beispiel Hochzeiten.“ Bis zu 40 bewältigen sie in den Sommermonaten.

Brauttyp und Brautstrauß müssen zueinander passen
Eine Floristin muss nicht nur ein Gespür für Blumen haben, sondern auch für Menschen. „Wir schauen uns die Brautleute genau an, lassen sie erzählen, was sie sich vorstellen und wo sie heiraten“, sagt Rahel Plie nin ger. Dann besprechen sie anhand von Beispielbildern Farbkonzept, Stil und Blumenauswahl. „Anstelle des klassischen kompakten Rosenstraußes ist ein Trend heute viel Grün und Weiß“, erklärt Julia Föhl, die Brautstraußexpertin. Auch Blumenkränze fürs Haar sind beliebt. Sie blättert in dem Auftrag, den sie heute bearbeiten. Die Braut sei sehr natürlich, und die Trauung wird draußen stattfinden. Alle waren sich einig: Das muss ein bunter Sommerstrauß werden.

Ein Strauß wird immer in einer Spirale gebunden
Eine Kundin betritt den Laden. Sie wünscht einen besonderen Strauß für einen ganz besonderen Menschen, eine andere holt einen Geburtstagsgruß für eine Kollegin ab. „Ich bin so froh, dass es diesen Blumenladen gibt“, sagt sie.

Julia Föhl hat inzwischen die Blumen für das Brautbukett herausgesucht. Auf dem Bindetisch liegen Röschen, Nelken, Kamille, Trommelschlegel, Lisianthus, Asclepias, Rosmarin, Eukalyptus, Olive. „Ein Strauß wird immer in einer Spirale gebunden“, erklärt sie und fügt eine Blume nach der anderen hinzu. Sie achtet darauf, die Farben zu mischen und die Kamille nicht zu quetschen, „damit sie tanzen kann“, bindet Grün hinein, weil es beruhigend wirkt. Jetzt darf sie bloß keinen Krampf in der Hand bekommen.

Am Ende präsentiert sie einen Strauß, der eine ebenmäßige Kugelform besitzt, weil sich die Blüten auf unterschiedlichen Höhen befinden, und sehr natürlich wirkt. „Das ist die hohe Kunst und harte Blickschule“, sagt Rahel Plieninger, die parallel dazu einen Kranz mit den gleichen Blüten für die Tischdekoration gesteckt hat. „Man muss Blumen binden, wie sie gewachsen sind, und dafür ein Gespür entwickeln.“ Wissen, warum etwas schön aussieht oder auch nicht. „Drei Blumen am falschen Platz ändern alles.“

Der Goldene Schnitt macht den Strauß perfekt
80 Euro wird allein der Brautstrauß kosten, der jetzt mit Bast abgebunden wird. Julia Föhl schneidet die Stiele in diesem Fall gerade und in einer Länge ab, die dem Strauß ideale ästhetische Proportionen verleiht: ein Drittel Stiel, zwei Drittel Blumen – der Goldene Schnitt. Dann wickelt sie ein grünes Kautschukband um die Stiele und darüber ein weißes Band aus Satin, das sie mit Nadeln feststeckt. Nun kommt der Moment der Wahrheit: Ist der Brautstrauß exakt symmetrisch gebunden, bleibt er von alleine stehen. „Das ist mein Anspruch“, sagt sie und stellt ihn auf den Tisch. Fast.

„Wir sind schnell, wenn es sein muss, schaffen wir fünf Hochzeiten in zwei Tagen“, sagt Rahel Plieninger und sinniert: Blumen begleiten uns durchs ganze Leben, zu Geburt, Konfirmation, Hochzeit, Geburtstagen, Tod. „Immer wenn es existenziell wird.“ Darauf muss man bei Flowers & Friends nicht warten. Nachmittags öffnet das Café, und am Wochenende wird Frühstück serviert an diesem Ort der Schönheit, wo sich Menschen und Blumen begegnen.

KONTAKT:Flowers & Friends, Rotenbergstr. 2, 70190 Stuttgart; Tel. 07 11/ 93 31 75 71; www.flowersandfriends.de