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HANDWERK: EIN MANN, EIN BOOT


Servus in Bayern - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 28.05.2020

Im Hinterland des Ammersees freut sich Peter Liebner über ein einzigartiges Privileg: Er darf täglich seine große Liebe treffen. Unbeirrt folgt er damit einer Familientradition.


Artikelbild für den Artikel "HANDWERK: EIN MANN, EIN BOOT" aus der Ausgabe 6/2020 von Servus in Bayern. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Servus in Bayern, Ausgabe 6/2020

@@Liebe zum Detail. Peter Liebner studiert in seiner Werft den akkurat gezeichneten Plan. Für einen Bootsbauer ist größte Sorgfalt von maßgeblicher Bedeutung. Da wird nichts dem Zufall überlassen und jedes noch so kleine Detail exakt unter die Lupe genommen.


@@Frauen erwünscht. Johanna Wagner misst noch einmal genau nach. Für die Auszubildende in der Werft gibt es keinen schöneren Beruf. Neben handwerklichem Geschick ist auch ...

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... Kreativität gefragt. Und später kann sie dann überall auf der Welt arbeiten.


Steuermann gesucht. Vieles im Bootsbau wird maschinell gefertigt – wie etwa dieses elegante, schön polierte Steuerrad (links). Doch der letzte Feinschliff erfolgt per Hand. Peter Liebner (rechts) setzt den kleinen Hobel an und schleift noch einmal über die Rundungen der Bootsunterseite.


Ein Mann, eine tiefgehende Passion. Wer wie Peter Liebner seine Leidenschaft zum Beruf machen kann, der weiß, dass es sich dabei um ein Geschenk – möglicherweise sogar von ganz oben – handelt.

In Pürgen, einem hübschen Dorf im Hinterland des Ammersees im bayerischen Alpenvorland, plant, baut und restauriert der 54-Jährige Boote. Kleine Boote, große Boote, Ruder-, Segel-und Elektroboote. Die Vielfalt ist enorm. Peter Liebners Elan und Engagement sind es ebenso.

Ganz von ungefähr kommt eine solche Berufung natürlich nicht. Peter Liebner, geboren in Utting am Ammersee, wurde die Liebe zum Bootsbau buchstäblich in die Wiege gelegt. Sowohl Vater als auch Großvater hatten sich dem Bootsbau verschrieben und gingen ihrer Arbeit auf der Werft des dortigen Segelclubs nach. Für den Sohn beziehungsweise den Enkel wurden die beiden sozusagen im Vorübergehen zu Vorbildern. „Ich bin am Seeufer aufgewachsen“, erzählt Peter Liebner. „Für mich war das kein Luxus, sondern völlig normal – eben Alltag, ganz einfach. Mein Vater arbeitete auf der Werft, mein Großvater arbeitete auf der Werft. Das gehörte zu unserem Familienleben.“

VON KINDESBEINEN AN

Unbeschwert und frei war seine Kindheit. Noch heute ist er dankbar dafür, dass er in dieser wunderschönen Umgebung aufwachsen durfte. Von der Schönheit des Sees ist er bis heute eingenommen.

Schon im Alter von fünf Jahren nahm er mit einem Opti – so heißt das kleine und leichte Segelboot für Kinder – an der ersten Regatta seines Lebens teil. Dass er als erwachsener Mann eine Ausbildung zum Bootsbauer absolvieren würde, sei im Grunde, wie er sagt, eine ganz logische Folge gewesen. „Etwas anderes hätte ich mir gar nicht vorstellen können. Schon damals war ich mit meiner Arbeit absolut verwachsen.“

Im Angestelltenverhältnis zu arbeiten –wie Vater und Großvater es getan hatten –, das allerdings war seine Sache nicht. „Ich wollte mein eigener Herr sein, wollte meine eigenen Vorstellungen verwirklichen und zu meinen eigenen Bedingungen arbeiten.“ Und so legte er im Alter von 23 Jahren die Meisterprüfung ab, wurde Pächter beim Augsburger Segelverein in Utting und gründete kurzerhand seine eigene Werft.

Heimathafen. Fast ein Dutzend kleiner Boote haben in der schönen alten Werft in Utting am Ammersee Platz. Hier nahm mit Peter Liebners Vater und Großvater alles seinen Anfang.Und auch er selbst lässt von dieser Werft aus noch regelmäßig Boote zu Wasser.


EIN AUGE FÜR SCHÖNHEIT

Bei Regatten in ganz Europa verband Peter Liebner das Geschäftliche mit seiner Leidenschaft fürs Segeln, traf auf ebenso Bootsbegeisterte und machte viele von ihnen zu seinen Kunden, indem er mit grundsolider Arbeit und einem Auge für Schönheit und Eleganz überzeugte. Bald schon wurde die Werft zu klein, Peter Liebner zog nach Pürgen um und holte sich eine Mannschaft von acht Mitarbeitern an Bord. Heute arbeiten auch zwei weibliche Azubis in der Werft. Gemeinsam kümmert man sich mit viel Eifer um den Neubau von Booten, aber auch um die Restauration betagter und zu Schaden gekommener Oldtimer. „Im Grunde ist das meine größte Leidenschaft“, gesteht Peter Liebner, „die verlorene Schönheit eines Schiffs wieder zurückzuholen.“

„Man ahnt gar nicht, was da manchmal im Verborgenen ruht“, fügt er hinzu und erinnert sich dabei an ein Boot, das zwanzig Jahre ohne Fürsorge im Wasser gelegen hatte. „Im Boden klaffte ein solch großes Loch, dass sich bereits ein Baumstamm seinen Weg hindurch gesucht hatte“, erzählt er kopfschüttelnd. Ein ganzes Jahr lang hat er diesem verwahrlosten „Sorgen-und Waisenkind“ seine Aufmerksamkeit geschenkt, bis letztendlich „wieder eine Prinzessin“ daraus geworden ist. Auch privat ist Peter Liebner nur schwer von seinen Booten zu trennen. Gerade im Sommer gäbe es nichts Schöneres, sagt er, als am Abend mit Frau und Freunden in den Sonnenuntergang zu segeln.

„So ein kleiner Urlaub am Ende eines Tages hat schon was“, schwärmt er und fügt lachend hinzu: „Wenn ich den See seh, dann brauch ich kein Meer mehr.“

Bootsbau Liebner: Peter Liebner, Am Wiesengrund 4, 86932 Pürgen, Tel.: 08806/25 31, bootsbau-liebner.de