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Handy-Zoom: WI E GUT ZOOMEN SMARTPHONES?: KOMMEN SIENÄHER!


Computer Bild - epaper ⋅ Ausgabe 17/2019 vom 02.08.2019

Aus kurzer Distanz machen viele Handys gute Aufnahmen. Was aber, wenn das Motiv weit weg ist? COMPUTER BILD hat die Zoom-Aufnahmen von acht Smartphones verglichen.


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Bildquelle: Computer Bild, Ausgabe 17/2019

Auf dem Handy-Display ist das Motiv mit der Standardbrennweite (26 mm, umgerechnet ins Kleinbildformat) zu sehen. Der Kasten mit der gestrichelten Linie und das große Bild im Hintergrund zeigen den Ausschnitt bei zehnfachem Zoom.


Wer vor der Lombardsbrücke in Hamburg steht und über die Binnenalster in Richtung Südwesten blickt, kriegt mit jedem Smartphone ein Panorama mit viel Wasser unten, viel Himmel oben und in der Mitte einem Häuserstreifen ...

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... hin. Aber ranzoomen an die Häuserzeile am anderen Ufer mit dem Kirchturm des Hamburger Michel, der gut 1,5 Kilometer entfernt ist? Kein Problem, versprechen Smartphone-Hersteller, denn mittlerweile können auch Handys zoomen. Weil sie aber keinen Platz für Objektive mit langen Brennweiten haben, müssen Handys mit optischen und elektronischen Tricks weit entfernte Motive nah heranholen. Aber wie gut funktioniert das?

Drei Wege zum fernen Ziel

Antworten liefert der Handy-Zoom-Test, in dem sich sieben Top-Modelle von Samsung, Apple, LG, Sony, Google und OnePlus mit dem Zoom-Star P30 Pro von Huawei messen. Aber wie kann ein gerade mal 1 Zentimeter dickes Handy überhaupt zoomen? Dafür gibt’s derzeit drei Möglichkeiten:
■ Digital-Zoom: Bei Handys mit nur einer Linse spreizt der Nutzer einfach zwei Finger auf dem Display, und schwupps, schon füllt der so weit entfernte Hamburger Michel den ganzen Bildschirm. Das sieht dann aber schon auf dem Display matschig aus und etwa auf dem Fernseher richtig gruselig. Denn wie mit einem Bildbearbeitungsprogramm vergrößert der Fotograf einfach einen Bildausschnitt. Das Handy muss dann die Bildinformationen interpolieren, also die Pixel rechnerisch aus der Umgebung ermitteln. Darum gilt reines Digitalzoom wie im Google Pixel 3 XL oder dem Samsung Galaxy S9 als „böser Zoom”, den es tunlichst zu meiden gilt.
■ Mehrere Linsen: Mehrfachkameras mit Tele-Linse liefern bessere Ergebnisse. Schließlich verdoppelt ein zweifaches Zoom die Größe von Gegenständen und Personen im Foto. Aber obwohl die Foto-Apps mit ihren Reglern richtiges Zoomen versprechen, haben solche Handys eine zweite Linse mit fester Brennweite und kein Objektiv wie eine Digitalkamera, das stufenloses Zoomen erlaubt. Stattdessen nutzt die Elektronik im Smartphone die Informationen beider Linsen, um das Bild in der gewünschten Zoomstufe zu errechnen. Vier Handys (Apple, LG, Sony und Galaxy S10 Plus) haben alle sehr ähnliche Optiken. Umgerechnet ins Kleinbildformat reicht ihr Zoom von 26 bis 52 Millimeter. Für klassische Digitalkameras sind 50 Millimeter allerdings nicht Tele-sondern schlicht Standardbrennweite, weshalb diese vier Handys auch keine Tele-Monster sind.

Mehrere Linsen, mehr Megapixel: Noch einen Schritt weiter gehen Huawei und OnePlus mit ihren komplexen Hybrid-Zoom-Lösun-gen. Sie arbeiten ebenfalls mit mehreren Linsen, zusätzlich aber auch mit mehr Megapixeln. So wählt das OnePlus 7 Pro aus den 48 Megapixeln des Standard-Objektivs und den 8 Megapixeln der 74-mm-Telelinse den gewünschten Ausschnitt – im Prinzip ist auch das ein Digital-Zoom. Aber weil der kleine Ausschnitt rund 10 Megapixel hat, sieht das Ergebnis als Vollbild trotzdem gut aus.

Huawei treibt dieses Prinzip mit dem P30 Pro auf die Spitze, denn neben seinem 40-Megapixel-Chip für die Standardkamera hat es ein Teleobjektiv mit 135 Millimeter Brennweite. Nur dank seines Periskop-Tricks, der das einfallende Licht über ein Prisma um die Ecke lenkt, passt die Optik überhaupt in ein dünnes Handy. Beim Zoomen stehen zwar auch hier nur noch 10 Megapixel zur Verfügung, die Kombination aus hoher Auflösung und optischem Zoom sorgt aber für wenig Qualitätseinbußen. Der zweifache „Auflösungs-Zoom” und das fünffache optische Zoom multiplizieren sich so zu einer zehnfachen Vergrößerung.

Realitätsnahe Testbedingungen

Allerdings steigt mit der Brennweite auch die Gefahr verwackelter Fotos. Ob mit einer großen Digitalkamera oder mit dem Smartphone – Weitwinkelaufnahmen gelingen locker und knackscharf aus der Hand. Doch wer das Zoom maximal ausreizt, muss das Bild stabilisieren. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Der Klassiker ist ein Stativ, das COMPUTER BILD auch für diesen Test nutzte, um vergleichbare Bedingungen und damit Ergebnisse ohne mal mehr, mal weniger starkes Freihandgewackel zu erzielen.

Weil aber die meisten Menschen immer ihr Handy, aber nur selten ein Stativ durch die Gegend tragen, gleicht auch ein Bildstabilisator im Smartphone selbst die Bewegungen des Fotografen zumindest teilweise aus. Und weil der Test nicht im Labor, sondern im Freien stattfand, hatte die Technik trotz Stativ genug zu tun – schließlich bietet das flache Handy dem Wind eine große Angriffsfläche.

So musste die Bildstabilisierung bei den Testaufnahmen immer wieder eingreifen; was dabei möglich ist, zeigte das P30 Pro. Das Huawei-Topmodell stabilisierte das Bild so sehr, dass es erst verzögert nachgeführt wird. Wenn sich der Fotograf mit der KI („künstliche Intelligenz”) im Handy auf einen Bildausschnitt geeinigt hat, gelingen sogar ohne Stativ Zoomaufnahmen mit 10-oder gar 50-facher Vergrößerung.

10 -FAC HE ZO OMAU FNAHME IM DETAIL : DETAILS: ZEIT FÜR EIN ALSTER?

Das Aufmacherfoto auf der vorhergehenden Seite haben alle Kandidaten noch ganz ordentlich hinbekommen. COMPUTER BILD hat es mit dem Huawei P30 Pro geschossen, obwohl das OnePlus 7 Pro und das Galaxy S10 Plus in dieser Aufnahmesituation mindestens ebenbürtig waren. Die zehnfache Zoomaufnahme sah auf den Displays der Testkandidaten noch ziemlich okay aus. Wer die Unterschiede in der Bildqualität klar erkennen will, muss deshalb einen kleinen Ausschnitt aus der Zoomaufnahme genau betrachten. So zeigt der Bildvergleich unten, was die acht Testkandidaten vom Glockenturm des Michels mit seinem 8 Meter großen Ziffernblatt aus 1550 Meter Entfernung übrig lassen. Das jeweils zweite Bild zeigt, ob die Schrift im oberen Teil des Schilds des Alsterhauses aus 620 Meter Entfernung auf dem Handyfoto überhaupt noch lesbar ist.

Huaweis Handy-Zoom-Monster

Dem enormen technischen Aufwand, den Huawei betreibt, kann allenfalls OnePlus noch halbwegs folgen. Neben dem P30 Pro ist das 7 Pro das einzige Gerät, bei dem man das Wort „ALSTER” noch ohne Probleme lesen kann (siehe Detailbilder links). In den vergleichsweise detailreichen Zoomaufnahmen des OnePlus 7 Pro stört allerdings kräftiges Bildrauschen. Besonders bei einfarbigen Flächen wie dem Himmel fällt das selbst bei guten Lichtverhältnissen auf. Die anderen Handys filtern das Rauschen besser weg, dafür gehen aber eben auch Details verloren.

Ansonsten haben die Kandidaten ab Platz 3 (siehe Tabelle nächste Seite) vor allem dem P30 Pro wenig entgegenzusetzen. Sie müssen für diesen Extremvergleich entweder ihr optisches Zweifachzoom digital verfünffachen oder das Bild gleich digital zehnfach vergrößern.


„Mit zehnfachem Zoom ist das P30 Pro der Hammer. In anderen Aufnahmesituationen sind einige Konkurrenten aber besser!
Michael Huch
Redakteur


P30 Pro nicht immer überlegen!

In diesem Vergleich ging es ausschließlich um die Leistungsfähigkeit im – für Handys – extremen zehnfachen Zoombereich. Hier ist das Huawei P30 Pro eine Klasse für sich. In anderen Aufnahmesituationen und mit kürzeren Brennweiten sieht die Sache aber anders aus. So gelang das Aufmacherfoto an der Alster dem Galaxy S10 Plus besser. Ein Blick in die COMPUTER BILDTesttabellen bestätigt: Mit Standardbrennweite liegt das P30 Pro mit der Note 2,3 für die Fotoqualität bei Tageslicht im Mittelfeld der ZoomtestKandidaten. Die gleiche Note holten das iPhone XS und das Sony Xperia 1. Am besten schnitten hier das Galaxy S10 Plus und das Google Pixel 3 XL mit der Note 2,2 ab. Am schlechtesten waren das OnePlus 7 Pro (2,9) und das LG V40 ThinQ (3,0).

Bei wenig Licht glänzte hingegen wieder das P30 Pro, bei bewegten Objekten waren alle anderen besser. Die besten Selfies macht das Galaxy S10 Plus, die schönsten Videos das iPhone XS. Kurz: Das Huawei P30 Pro hat zwar nicht unter allen Umständen die beste Handykamera, aber unterm Strich das aktuell beste KameraGesamtpaket.

Wozu eine klassische Kamera?

Bei dem tollen Abschneiden des Huawei P30 Pro fragt sich der Laie vielleicht, wofür er überhaupt noch eine richtige Digitalkamera mit Objektiv braucht. Die Antwort ist einfach: Er braucht sie, wenn er erstklassige Fotos will. Wie die selbst im Vergleich mit dem P30 Pro aussehen können, zeigt der Bildvergleich im Kasten rechts. Doch solche Kameras sind teuer, am nötigen Equipment hat der Fotograf schwer zu schleppen, und der Umgang mit einer Systemkamera wie der Nikon Z7 erfordert deutlich mehr Einarbeitung als ein Smartphone. Für den beeindruckenden (Zoom) Schnappschuss zwischendurch ist das P30 Pro aber nahezu perfekt.[mhu/mjs]

FAZIT

Im Vergleich von Smartphone-Aufnahmen mit Zehnfach-Zoom zeigt Huaweis Topmodell P30 Pro, was derzeit machbar ist. Im Alltag reicht aber oft ein zweifacher oder gar kein Zoom. Und da sehen die anderen Geräte nicht mehr so alt aus, zumal sie auch im Smartphone-Alltag überzeugen.

Mit Wind und kleinem Stativ herrschten keine optimalen, aber vergleichbare Bedingungen für alle Handys.


Nur fürs Foto: Das Huawei P30 Pro erlaubt sogar eine 50-fache Vergrößerung. Dann leidet die Qualität aber deutlich.


SO HOLEN SIE DAS OPTIMUM AUS IHREM HANDY: TIPPS FÜR ZOOMAUFNAHMEN

NIKON Z7


HUAWEI P30 PRO
Die Ausschnitte aus den Zoomaufnahmen zeigen, dass eine Top-Kamera wesentlich mehr Details zeigt als das beste Zoom-Smartphone.


GEHEN STATT ZOOMEN

Bewegung ist gesund und kommt der Bildqualität zugute. Wie das? Wenn Sie näher an ein Motiv herangehen, sinkt die Gefahr verwackelter und verwaschener Fotos, die Bildqualität steigt.

RICHTIGE ZOOMSTUFE NUTZEN

Optimale Qualität liefern die Handys mit den echten Brennweiten ihrer Tele-Linse, beim P30 Pro etwa sind das 135 Millimeter (5-fache Vergrößerung). Bei geringerer Vergrößerung ist die Bildqualität etwas schlechter, weil die Elektronik den Zoomfaktor berechnen muss. Bei stärkerer Vergrößerung leidet auch die Qualität stärker, weil das Handy dann meist digital auf den gewünschten Ausschnitt zoomt.

MIT STATIV GUT AUFGESTELLT

Je näher Sie heranzoomen, desto schwieriger ist es, die Kamera still zu halten. Am besten hilft ein Stativ. Selbst winzige Halter im USB-Stick-Format wirken schon Wunder. Alternativ legen Sie das Handy ab und starten gegebenenfalls den Timer. Als Kompromiss sollten Sie zumindest Ihre Hände oder Unterarme abstützen.

SPÄTER VERGRÖSSERN

Nutzen Sie die höchstmögliche Fotoauflösung, und vergrößern Sie das Bild im Nachhinein mit einem Bildverarbeitungsprogramm. Sichttests von COMPUTER BILD haben gezeigt, dass das oft bessere Ergebnisse bringt als das digitale Zoom im Handy.


Foto: iStock; Montage: COMPUTER BILD