Lesezeit ca. 4 Min.

HANNA, MUTTER VON 100 KINDERN


Logo von TV Movie
TV Movie - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 25.05.2022

BACKGROUND

Artikelbild für den Artikel "HANNA, MUTTER VON 100 KINDERN" aus der Ausgabe 12/2022 von TV Movie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TV Movie, Ausgabe 12/2022

DER AUGEN-ÖFFNER Hannes Jaenicke (62) zeigt in seiner neuen Dokumentation eindrucksvoll, wie liebevoll, familiär und intelligent so eine Sau wie Hanna (5) ist

Hannes, in deiner neuen Doku machen wir die Bekanntschaft mit Hanna. Man muss sie einfach mögen. Neugierig, liebevoll und schmusig. Erst fünf Jahre alt, aber schon Mutter von über einhundert Ferkeln. Was für eine Sau!

Ja, sie ist ein echtes Schwein.

Intelligent, fürsorglich, überaus klug. Hanna erkennt jeden Menschen wieder, löst, ganz Frau, die größten Probleme, kann sich tausend Sachen merken und riecht unheimlich sauber, wie wir aus deinem Film lernen.

Ja, sie ist eben eine Sau. Im besten Sinne. Sauen sind so. Ist dir klar, wie oft wir das Wort Schwein oder Sau im Alltag verunglimpfen?

Ja, es ist grotesk. „Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich.“ In deiner TV-Reihe „Hannes Jaenicke im Einsatz für …“ hast du schon viele hochbedrohte Arten in der freien Natur beleuchtet. Wieso jetzt das Hausschwein?

Weil Massentierhaltung in der derzeitigen Form gesetzeswidrig, ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von TV Movie. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 12/2022 von DAS COMEBACK DER DINO-LEGENDEN!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DAS COMEBACK DER DINO-LEGENDEN!
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von KINO PLANER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KINO PLANER
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von He’s BACK. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
He’s BACK
Titelbild der Ausgabe 12/2022 von DIE LUSTIGSTE FRAU DEUTSCHLANDS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DIE LUSTIGSTE FRAU DEUTSCHLANDS
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
TOP FERNSEHER FÜR KLEINES GELD
Vorheriger Artikel
TOP FERNSEHER FÜR KLEINES GELD
JETZT NEU!
Nächster Artikel
JETZT NEU!
Mehr Lesetipps

... umweltschädlich und grausam ist. Auch wenn ich seit 40 Jahren Vegetarier bin, weiß ich natürlich, dass Schwein zu unseren wichtigsten Lebensmitteln gehört. Aber wir zwängen sie in riesige Tierfabriken und ignorieren, dass sie feinfühlige Lebewesen sind. Mit empfindlichen Nasen, für die es eine Quälerei ist, in ihren Exkrementen stehen zu müssen.

„SCHWEINE SIND NUR DRECKIG, WENN WIR SIE IN DER MASSENTIERHALTUNG EINPFERCHEN. SIE SIND EXTREM REINLICH, FAST PENIBEL.“

So wie Hanna …

Hanna war mal irgendwo die Zuchtsau Nummer 624, jetzt lebt sie auf einem Gnadenhof in Mecklenburg-Vorpommern, den ganzen Tag an der sauberen Luft, mit frischem Gras und freiem Auslauf. Wenn wir ihre Sprache verstünden, dann würde sie uns sagen, dass sie glücklich ist. Aber wir sind ja saudoof.

Weil wir denken, Schweine seien dreckig?

Schweine sind nur dreckig, wenn wir sie in der Massentierhaltung einpferchen. Sie sind extrem reinlich, und benutzen ähnlich wie Katzen eine‚Toilette’. Sie lernen schneller als Hunde. Und sind uns in ihrer DNA so ähnlich, dass man ihre Organe sogar in Menschen transplantieren kann, soeben geschehen bei einer Herztransplantation in den USA.

Das Schwein ist eines der ältesten Nutztiere der Menschheit.

Richtig. Aber früher haben wir mit diesen Tieren zusammengelebt. Mittlerweile liegen sie abgeschirmt und eingezwängt im Kastenstand, wir haben verdrängt, wie einfühlsam und intelligent sie sind. Heute betrachten wir sie bestenfalls als Schnitzel auf vier Beinen. Wir waren für unseren Film bei Intelligenz-Experimenten dabei, die uns sprachlos gemacht haben: Wie schnell Schweine lernen. Was sie uns alles abgucken. Wie sie Dinge nachmachen, obwohl sie die nur einmal bei uns beobachtet haben. Wir haben im „Clever Pig Lab“ der Wiener Universität gesehen, wie ein Schwein ein Puzzle zusammensetzt. Du musst ein Schwein nicht trainieren, es muss nicht üben. Es guckt dir einfach zu und kapiert, wie man eine Aufgabe löst. Und Fakt ist: Sie können sich unsere Gesichter genau merken.

Das Wort „Nutztier“ gefällt dir gar nicht …

Was ich nicht verstehe: Unsere„Haustiere“ wie Hunde und Katzen verwöhnen wir, weil wir sie lieben. Schweine gehören wie Milchkühe zu den sogenannten „Nutztieren“, die zur Befriedigung unseres Appetits grausam gequält werden. Sie sind intelligent, sozial und neugierig, gelten als Glückssymbol. Ihr Grunzen ist laut neuester Forschung eine subtile Sprache. Trotzdem misshandeln wir sie im Kastenstand, der schon seit den 1990ern illegal ist, in stinkenden Fabriken und kaufen sie als billiges Nahrungsmittel. Diesem Widerspruch wollten wir nachgehen. Wir brechen täglich millionenfach Tierschutzgesetze, die im BGB verankert sind! Mahatma Gandhi hat mal sinngemäß gesagt: Der Zivilisationsgrad einer Gesellschaft misst sich daran, wie sie mit ihren Tieren umgeht. Und da schneidet Deutschland miserabel ab.

Du bist neben der Schauspielerei ein glühend politischer Mensch, seit langem Mitglied der Grünen. Warum dann nicht ab in die Politik?

Ehrlich: Ich glaube, dass ich mit meiner TV-Arbeit mehr erreichen kann, als wenn ich mich in Parteigremien mit diversen Koalitionspartnern herumschlagen muss.

Meinst du, unter dem neuen grünen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir wird sich im Tierschutz etwas verbessern?

Ein bisschen was bestimmt, ja. Ich kenne ihn ein wenig, und ich weiß, der will kämpfen. Özdemir wird sich mit der mächtigen Fleischlobby anlegen. Allein die fünf größten Fleischverarbeiter in Deutschland setzen pro Jahr über 40 Milliarden Euro um. Das ist ein bisschen wie David gegen Goliath, aber ich traue Cem Özdemir das zu. Schlimmstenfalls beißt er sich die Zähne aus, aber er wird es versuchen. Der lässt sich nicht so herumschubsen wie seine Vorgängerin.

Weniger Fleisch – die einfachste Lösung?

Schon wegen des CO2-Ausstoßes der Fleischindustrie wäre das ein Riesengewinn. Oder das neue Stammzellenfleisch aus der Petrischale, für das kein Tier mehr geschlachtet werden muss. Die USA und Israel sind da weiter als wir; bei Blindverkostungen in New York konnten die Kunden den Unterschied zwischen Stammzellenfleisch und ‚echtem’ Fleisch nicht mehr feststellen. Und dieses neue Fleisch wird demnächst sogar ohne Stammzellen von echten Tieren produziert, sodass kein Tier mehr leiden muss. Und es wird immer erschwinglicher.

Aber bis dahin?

Konventionelles Fleisch wird teurer werden, wir werden irgendwann nicht mehr die verminderte, sondern volle Mehrwertsteuer darauf zahlen. Dann kommen wir vielleicht wieder dahin, wie es früher war. Bei meiner Großmutter war es selbstverständlich, dass man unter der Woche Spaghetti mit Tomatensoße oder Pellkartoffeln mit Quark aß – um sich dann auf den Sonntagsbraten zu freuen. Kasseler mit Sauerkraut, Tafelspitz oder Sauerbraten bei Oma.

Mochtest du das damals?

Es war unfassbar lecker! Fleisch essen muss wieder ein Event werden, was Besonderes, auf das man sich freut, statt es dreimal am Tag als Billigprodukt zu essen, als Aufschnitt oder Würstchen. Meine Lieblings-Statistik ist: Franzosen geben 24 Prozent ihres Einkommens für Essen aus, Italiener 23 Prozent, Deutsche knapp 11 Prozent. Wir geben Geld lieber für teure Autos, Handys und TV-Geräte aus. Aber hast du bei Tisch, Wein und Kerzenschein schon mal einen unglücklichen Italiener oder Franzosen erlebt?

HANNES JAENICKE: IM EINSATZ FÜR … … DAS SCHWEIN

DIENSTAG, 31.5., 22.15 UHR, ZDF (AUCH IN DER ZDF-MEDIATHEK ABRUFBAR)

DIE GLORREICHEN 10

DIE GRÖSSTEN VERFÜHRER DER GESCHICHTE DOKU MIT ERZÄHLER HANNES JAENICKE SONNTAG, 5.6., 16.40 UHR, ZDF NEO

Interview: Thorsten Ehrenberg