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HANNAH HERZSPRUNG


Max - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 10.07.2021

Artikelbild für den Artikel "HANNAH HERZSPRUNG" aus der Ausgabe 2/2021 von Max. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Max, Ausgabe 2/2021

Pullover aus Wolle/Kaschmir von Chanel

WENN ICH AN DAS LEBENSGEFÜHL, DIE LEBENSLUST MEINER Kindheit DENKE, DANN VERMISSE ICH das manchmal. MEINE UN­ BESCHWERTE KIND­ HEIT WAR UND IST MEINE BASIS, mein Gerüst FÜR ALLES.

MAX: Hat die Pandemie Deinen Blick auf das Leben geändert?

Hannah Herzsprung: Bei all den Schicksalen, die Corona mit sich bringt, habe ich Gott sei Dank diese Zeit vor allem gesundheitlich gut überstanden. Aber ich finde in der Tat, dass einem so ein wenig die Lebensfreude und die Leichtigkeit genommen wurde.

MAX: Als ob der Stöpsel gezogen wurde?

Hannah: Vor allem fliegt einem diese Leichtigkeit ja auch nicht zu, es ist schwer genug, dieses Gefühl auch unter normalen Umständen zu erhalten.

MAX: Romy Schneider hatte einst einen Zettel von ihrem Vater erhalten, da stand drauf: „Pack deine Kindheit in die Tasche und lauf davon.“

Hannah: Wenn ich da an das Lebensgefühl, die Lebenslust meiner Kindheit denke, dann vermisse ...

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... ich das manchmal. Meine unbeschwerte Kindheit war und ist meine Basis, mein Gerüst für alles. Diese Leichtigkeit, die ich erleben durfte, die Freiheit, das Glück … Ich bin auf dem Land aufgewachsen, sehr idyllisch und angstbefreit. Und Corona hat einem irgendwie diese Angstfreiheit genommen oder zumindest attackiert.

MAX: In jeder Lebenslage?

Hannah: Man wusste einfach nicht, wie wird der nächste Tag, die nächsten Wochen? Was passiert noch? Unsicherheit schleicht sich ins Leben, nicht nur ins berufliche, sondern in alle Bereiche. Die letzten Monate habe ich gespürt, ich musste kämpfen, mir die Leichtigkeit zurückholen. Ich habe erkannt, dass ich das all die Jahre als selbstverständlich hingenommen habe, und mir ist bewusst geworden, was da abhanden gekommen ist.

MAX: Hat sich etwas in Deiner Wahrnehmung verändert?

Hannah: Tatsächlich ja, ich will versuchen, wachsamer zu sein, die Dinge wirklich bewusster wahrzunehmen. Das Leben voll zu leben.

MAX: Machst Du Dir so etwas wie eine Bucket List?

Hannah: Ich habe jetzt keine Liste von Dingen gemacht, die ich unbedingt mal erleben muss. Aber mich zieht es tatsächlich aufs Land zurück. Ich bin happy in Berlin, bin aber auf dem Land in Bay­ ern aufgewachsen. Und es ist ein Ziel, ein Wunschtraum von mir, ein Häuschen auf dem Land zu haben und dorthin zurückzuziehen. Mich zieht es raus aus der Stadt.

ICH WILL VERSUCHEN, WACH­ SAMER ZU SEIN, die Dinge wirklich bewusster wahrzunehmen. DAS LEBEN VOLL ZU LEBEN.

MAX: Wie würdest Du Lebenslust für Dich definieren?

Hannah: Das ist eine große Frage (lacht). Ich trau mich gar nicht, darauf eine Antwort zu geben. Irgendwie ist das Leben, die Freude und Lust daran, ja auch ein Prozess. Ich lebe sehr im Jetzt. Jeder Tag schenkt mir irgendwie etwas Neues. Das nehme ich an, versuche, das Beste daraus zu machen. Ich fühle jeden Tag so etwas wie Lebenslust. Wunderschöne Erinnerungen an meine Kindheit haben mich geprägt und geben mir Halt im Hier und Jetzt. Die machen mich aus, geben mir Sicherheit, daran halte ich mich fest. Aber ich finde auch, dass es wichtig ist, neugierig zu bleiben. Die Lust am Leben nicht zu verlieren, wissbegierig zu sein. Deshalb liebe ich meinen Beruf auch so sehr: Ich erlebe immer so viel Neues, kann anderes ausprobieren, mir aneignen, in Rollen schlüpfen, sie leben und erleben.

MAX: Drehst Du gerade?

Hannah: Ja, im Moment drehe ich die vierte Staffel von „Babylon Berlin“. Mein Beruf ist quasi meine Lebenslust! Das heißt nicht, dass mein Beruf über allem steht und ich nur dafür lebe, aber er gibt mir viel Lebensfreude. Ich kann entscheiden, wie weit ich gehe, wie weit ich mich hinauswage. Es gibt da kein richtig und kein falsch. Wichtig ist es auch, offen zu bleiben, sich nicht zu sperren gegen Kritik oder andere Vorgehensweisen.

MAX: Wie gehst Du mit Kritik an Deinen Rollen, Deinem Spiel um?

Hannah: Ich musste lernen, damit umzugehen. Aber auch das war und ist ein Prozess: dafür offen zu sein. Schließlich ist Film ja auch eine Kunstform. Es darf dich immer anders abholen, dich anders berühren. Es können nicht alle alles mögen oder ähnlich fühlen und verstehen. Ein Film kann für jeden etwas anderes auslösen. Als Schauspielerin mache ich ja Filme nicht für mich, sondern für den Zuschauer.

MAX: Das klingt, als ob Du viel investierst. Fällt es Dir schwer, aus dieser Film- Bubble wieder rauszukommen?

ICH FINDE ES WICHTIG, NEUGIERIG ZU BLEIBEN. Deshalb liebe ich meinen Beruf auch so sehr: ICH ERLEBE IMMER SO viel Neues, KANN ANDERES AUSPROBIEREN, mir aneignen, in Rollen schlüpfen, SIE LEBEN UND ERLEBEN.

ICH GLAUBE ICH BIN MUTIGER GEWORDEN. Ich bin angstbefreiter, ruhe mehr in mir. Es ist alles spannend, UND ICH GLAUBE, DAS LEBEN UND DIE ROLLEN werden noch spannender.

Hannah: Nein, tatsächlich gar nicht. Für den Zeitraum halte ich die Konzentration sehr hoch, bin sehr fokussiert. Die Drehzeiten sind sehr intensiv, aber eben zeitlich begrenzt. Ich kann es gut hinter mir lassen.

MAX: Du teilst also Deine Lebenslust mit uns über Deine Rollen.

Hannah: Ich freue mich, mit meiner Darstellung und Interpretation der Rolle die Zuschauer mitzunehmen. Die magischen Momente am Set fließen da natürlich auch hinein. Meine Lust an der Rolle gebe ich weiter. Ich bin oft nach Drehschluss erschöpft, denn ich versuche immer, alles zu geben. Ich bin ehrgeizig, will es gut machen, aber man braucht eine Weile, um mit der Rolle wirklich zu verwachsen, und da schleichen sich auch mal Selbstzweifel ein. Die verschwinden aber sehr schnell, dann überwiegt die Spielfreude.

MAX: Brauchst Du Feedback beziehungsweise Lob, dass Du alles toll gemacht hast?

Hannah: Nein, eigentlich nicht. Ich bin am Set dann im Arbeitsmodus, brauche eigentlich kein Lob, nur Feedback. Ich bin dann ganz bei mir. Wenn ich so drüber nachdenke, könnte ich davon so einiges ins reale Leben mit rübernehmen (lacht).

MAX: Muss Dein Privatleben in Balance sein, damit Du im Beruf liefern kannst?

Hannah: Vor Störfeuern ist ja keiner gefeit. Das ist ja auch das Leben. Das gehört dazu, das sind Erfahrungen, die mich prägen, und das kann nicht immer leicht sein. Muss es auch nicht …

MAX: Wusstest Du immer schon, dass die Schauspielerei Dein Ding ist?

Hannah: Ich wollte es sehr früh. Ich war immer sehr neugierig. Mein Vater ist auch Schauspieler, wollte aber für mich, dass ich eine sichere Schiene fahre. Abitur machen, studieren. Und ich bin ihm dankbar dafür. Ich habe das Studium zwar dann abgebrochen, was er gar nicht so toll fand, aber ich bin froh, den Weg so gegangen zu sein.

MAX: Du wirst bald 40 – macht Dir das Älterwerden im Schauspielberuf Angst?

Hannah: Nein – es macht mir wirklich Spaß, mit Erfahrung in die Rollen zu gehen. Ich glaube auch, ich bin mutiger geworden. Regisseure nehmen mich auch anders wahr. Ich bin angstbefreiter, ruhe mehr in mir. Es ist alles spannend, und ich glaube, das Leben und die Rollen werden noch spannender.