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HANSE 348: segeln TEST: Einfach unkompliziert


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 120/2018 vom 09.11.2018

Von ihrer Größe her geht die neueHanse 348 noch knapp als Einstiegs-Cruiser durch. Dasselbe gilt für den Preis. Doch was kann sie leisten, und ist sie wirklich so einfach zu handhaben wie angepriesen?


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Bildquelle: segeln, Ausgabe 120/2018


„Die Testkandidatin segelt spurtreu und ohne jegliche Zicken“


Der erste Blick unter Deck sagt: Dieses Schiff ist modern und gleichzeitig wohnlich eingerichtet. Dank weißer Wände und Decken und des sehr hellen Furniers wirken die Räume hell und freundlich. Allein im Salondach sind zwei Skylights eingelassen, ein drittes sitzt in der Vorschiffskabine. Hinzu kommen Seitenfenster und Rumpffenster, die ...

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... allesamt für große Helligkeit unter Deck sorgen. Farbakzente setzen dunkelgraue Polster und schieferfarbene Arbeitsflächen in der Pantry.

Der anschließende Inspektionsgang macht deutlich, was der erste Eindruck auch noch vermittelte: Im Großen und Ganzen ist die Einrichtung harmonisch und funktional. Kleider-, Badund Geschirrschränke sind vernünftig dimensioniert, der aufklappbare Navitisch ist groß genug zum Aufstellen des Laptops, aber auch für die klassische Navigation mit Sportbootkarten. Die Pantry lässt wenig Wünsche offen, sie ist mit allem ausgestattet, was der Smutje von einer Zehn-Meter-Yacht erwarten kann. Genaueres Hinsehen in versteckte Ecken, zum Beispiel hinter die Rückenlehnen der Sofas, zeigt allerdings, dass man Feintuning von der Hanse 348 nicht erwarten darf. Mehr Sorgfalt beim Angleichen von Laminatübergängen, die normalerweise von Polstern verdeckt werden, aber zum Vorschein kommen, sobald man die Stauräume bestückt, würde man sich wünschen. Dasselbe gilt unter anderem für einen besseren Schutz von Kabelsträngen. Bei einem Basispreis von 110.000 Euro für eine segelfertige Kajütyacht muss man natürlich Abstriche machen, das ist klar. Stellt sich aber die Frage: Darf man Feinschliff und sorgfältigere Verkleidung nicht erwarten, weil das zu diesen Konditionen nicht realisierbar ist? Oder soll einfach nur großzügig darüber hinweggeschaut werden? Insgesamt macht das Interieur aber einen einladenden Eindruck und hat auf jeden Fall Wohlfühl-Potenzial. Alles, was man für einen Segelurlaub mit zwei bis vier Personen braucht, ist vorhanden. Zwar können zwei weitere Personen im Salon auf dem verbreiterbaren Sofa schlafen, doch sechs Segler sind auf einem 34-Fuß-Schiff (unabhängig vom Hersteller) zu viel, zumindest aber eine Herausforderung.

Damit wird auch schnell klar, dass die Standard-Einrichtung die stimmigere Ausbau-Variante ist. Hier gibt es nur zwei Kabinen, eine im Vorschiff, die zweite steuerbord unter dem Cockpitboden. Die Interieur-Variante gilt als Option und bietet eine dritte Kabine im Backbord-Achterschiff, mit dem Nachteil, dass auf eine große Backskiste verzichtet werden muss und damit wenig bis gar kein Platz zum Stauen sperriger Dinge bleibt. Auch das ist kein Hanse-typisches Phänomen. Bei allen Yachten dieser Größe muss auf die dritte Kabine verzichtet werden, wenn man sich Stauraum in Form einer geräumigen Backskiste erhalten will.

Unser Testschiff ist standardmäßig ausgebaut und verfügt daher über eine Backskiste. Die ist riesig, tief, voluminös und zum Glück von zwei Seiten aus zugänglich. Wie üblich lässt sie sich von oben aus bestücken, der zweite Zugang liegt unter Deck, an der Rückwand der Nasszelle. Tatsächlich ist die Luke so groß, dass man in die Backskiste hineinkriechen kann. Wer vermeiden möchte, dass die dort gelagerten Sachen (Klappräder, Segel, Rollkoffer) hin und her rutschen, wird Regale einbauen und/oder Tampen spannen, an denen zum Beispiel die Leinen der Fender angeknüpft werden können, damit sie auch vom Cockpit aus stets griffbereit sind. Unter den Kojen ist der Stauraum von Tanks belegt. Im Vorschiff lagert das Trinkwasser, achtern der Treibstoff. Platz für Kleidung findet man in den Schränken, die sowohl Kleiderstangen als auch Borde haben. Bücher, Brillen etc. können auf den Schwalbennestern abgelegt werden. Man findet sie in allen Schlafräumen und im Salon. Hier sitzt man sich auf zwei Sofas gegenüber, wobei das backbordseitige auch als Navigatoren-Sessel mit Blick ins Cockpit dient. Der Salon-Tisch ist mit zwei Seiten-Flügeln ausgestattet. Hochgestellt ergibt sich eine Tischfläche, die auf jeden Fall für Vier-Personen-Dinner-Runden reicht. Eine pfiffige Lösung wurde für das obligatorische Flaschenfach im Tischbein gefunden. Es ist als Schublade angelegt und wird am Kopfende aus dem Tisch herausgezogen. Unter den Sofas findet man Platz zum Stauen von Konserven, Wasserflaschen etc. Da die Polster mit den Sitzflächen verbunden sind, ist das Wegstauen schnell erledigt.

Das Schiff lässt sich mit kleiner Crew gut segeln


Schick und modern präsentiert sich die Pantry. Neben dem Spülbecken ist ein Abtropfbecken eingebaut, die Kühlbox-Kühlschrank-Kombination lässt sich von oben und von vorn bestücken, der kardanisch aufgehängte Herd verfügt über einen Backofen und eine große Lade darunter, in der „Pütt und Pann“ verschwinden. Erfreulicherweise wurde steuerbord daneben noch ein schmaler Schrank für den Mülleimer eingerichtet. Schapps und Schubladen für Geschirr und Besteck sind in ausreichender Zahl und Größe vorhanden.

Nun zum Bad, das eine wirkliche Überraschung bereithält: Betritt man den Raum, der Backbord neben dem Niedergang liegt, sieht man zunächst nur Waschbecken, WC und Badezimmerschränke. Wenn man dann allerdings um die Ecke schaut und die Falttür zusammenschiebt, öffnet sich ein zweiter Raum mit Dusche und Extra-Sitz. Beim Dreikabinen-Layout würde hier der Ankleidebereich liegen. In die Rückwand der Duschkabine ist die halbhohe Tür zur Backskiste eingelassen.

Ein weiterer, kleinerer Durchlass befindet sich in der Seitenwand. Er dient als Inspektionsluke für den Motor. Mit einem ausführlichen Blick auf Maschine und Motorraum endet der Inspektionsgang durch die Räume. Bei der Hanse 348 braucht man einfach nur die Niedergangstreppe hochzuheben, und der Yanmar-Diesel ist bereit für die Wartung. Bedienpaneel und Gashebel befinden sich achtern neben dem Steuerbord-Rad und sind für den Steuermann gut erreichbar.

Auf zu den Ochseninseln

Leise schnurrend schiebt uns der Motor durch die schmale Einfahrt der Marina Sonwik auf die Flensburger Förde hinaus, wo wir die Segel setzen. Das ist flott erledigt, denn die Selbstwendefock sitzt auf einer Furlex-Rollanlage, braucht also nur kurz ausgerollt zu werden. Das Groß liegt fertig angeschlagen in seinem Lazyback und ist mit einigen beherzten Hüben und Kurbelumdrehungen ins Topp gezogen. Bei allerfeinstem Wetter und zwei bis drei Beaufort aus Nordost segeln wir zunächst in Richtung Dänemark. Ein Kurs, bei dem der Wind von der Seite kommt, sodass wir uns in aller Ruhe mit dem Rigg und den Segeln vertraut machen können. Ein wenig mehr Vorliekspannung für die Fock, ein paar Kurbelhiebe mehr auch für das Großfall, dann noch den Baumniederholer angesetzt und etwas Druck aufs Achterstag gebracht, dann sind wir zufrieden.

Zum Konzept der Hanse 348 gehört eine einfache Handhabung, die sogar das Einhandsegeln ermöglichen soll. Daher sind alle Leinen nach achtern ins Cockpit geführt und laufen auf Winschen zu, die in Griffnähe des Rudergängers montiert sind. Weil es sich beim Vorsegel um eine Selbstwendefock handelt, (Genua samt Beschlagsausrüstung gelten als Extras) gibt es nur eine Fockschot, die auf der Steuerbordseite in einer Klemme belegt werden kann. Die Großschot wird gespreizt auf dem Kajütdach geführt und läuft mit ihren beiden Enden auf beide Steuerstände zu, mit dem Vorteil, dass der Skipper jederzeit reagieren kann, egal an welchem Rad er gerade steht. Kurz vor Erreichen der dänischen Küste gehen wir hoch an den Wind, nehmen die Segel dicht und die Ochseninseln ins Visier. Mit etwas Krängung und angenehm leichtem Ruderdruck zeichnet die Hanse 348 eine gleichmäßige Spur ins Ostseewasser, denn unsere Testkandidatin segelt spurtreu und ohne jegliche Zicken. Im Gegenteil: Sie wirkt sehr gelassen und kann auch mal ohne Skipper auskommen. Dann braucht nur die Feststellschraube am Rad dichtgesetzt zu werden, und der Rudergänger hat beide Hände frei, um die Schoten nachzujustieren, das Achterstag noch ein bisschen dichter zu ziehen und der Fock ein klein wenig Luft zu geben. So getrimmt, marschiert die Zehn-Meter-Yacht richtig los. An der Kreuz lesen wir als Höchstwert 5,8 Knoten ab. Später auf Halbwindskurs erhöht sich der Wert auf 6,0. Das sind Werte, mit denen Schiff und Mannschaft sehr zufrieden sein dürfen, zumal das Segeln selbst ausgesprochen entspannt zugeht. Ideal, um sich in aller Ruhe an Oberdeck umzuschauen und ein paar Fotos zu schießen, vom Heck aus in die Segel, vom Vorschiff hinein ins Cockpit.

Beim Gang nach vorn wird deutlich, dass die unteren Salinge sehr breit und sehr tief angeschlagen sind. Von den Püttingen, die ganz außen am Rumpf montiert sind, laufen die Unterwanten in einem stumpfen Winkel zum Mast, mit dem Ergebnis, dass man sich ums Want herumwinden muss, um zum Bug zu gelangen. Wie bei vielen Yachten vergleichbarer Größe ist der Aufbau außerdem breit angelegt. Das bringt viel Bewegungsfreiheit unter Deck, andererseits werden aber die Seitendecks schmal. Ein Manko, mit dem man auf der Hanse 348 gut leben kann, denn während des Segelns muss nur selten jemand auf das Vorschiff. Schließlich ist die Fock selbstwendend und aufrollbar und kann komplett aus dem Cockpit heraus bedient werden. Einzig, wenn es von einem raumen Gang auf Am-Wind-Kurs geht und man die Yacht nicht in den Wind stellen möchte, ist ein Gang nach vorn erforderlich, um die Fock-Schürze über den Seezaun zu heben.

Im Hafen parkt man die Yacht vorzugsweise rückwärts ein. Dann kann man bequem über die heruntergelassene Badeplattform von und an Bord steigen, statt über den Bug zu klettern oder sich seitlich hochzuziehen. Tatsächlich kann einer allein die komplette Schiffsführung übernehmen, während es sich alle anderen im Windschatten der großen Sprayhood bequem machen können – Füße hochgelegt, den Rücken an die Kajütwand gelehnt. Selbst in den Wenden können Gastsegler ruhig sitzenbleiben, denn die Fock kommt von alleine über, genau wie das Groß. Da es keinen Traveller gibt, kann nach dem Über-Stag-Gehen alles bleiben, wie es ist – bis ein Kurswechsel angesagt ist oder eine besonders starke Böe das Auffieren erfordert.

Am Testtag erleben wir das nicht. Unser Segelausflug geht entspannt und ohne jede Hektik vonstatten.

TESTDATEN

Testrevier:
Flensburger Förde
Test-Bedingungen:
2 bis 3 Beaufort, wenig Welle
Konzept:
Fahrtenyacht
Preis:
ab ca. 110.000 Euro

DECKSLAYOUT: Der Fokus liegt auf einfacher Handhabe für die kleine Crew

1. Zentrale: Plotter und Kompass sind mittig am Salontisch installiert und von beiden Rädern aus gut einzusehen


2. Umlenkung: Sämtliche Leinen laufen nach achtern. Die Fock ist selbstwendend ausgeführt


3. Plattform: Die Badeleiter muss separat gelagert und bei Bedarf eingehängt werden


4. Segel: Im Standard-Paket sind Dacron-Segel von Elvström enthalten


UNTER DECK: Helle Oberflächen und viele Fenster sorgen für Wohnlichkeit

1. Geräumig: Der Salon wirkt hell und wohnlich und bietet genug Platz für die gesamte Crew plus eventuelle Gäste


2. Lieblos: Teilweise sind Kabel recht ungeschützt verlegt


3. Pantry: Große Doppelspüle, Kühlschrank-Truhe-Kombination, kardanisch aufgehängter Herd mit Ofen: Hier kann gut gekocht werden


4. Navigation: Die Naviecke bietet ausreichend Platz, um auch mit Papierseekarten arbeiten zu können


5. Detail: In der Mitte des Salontischs befindet sich eine praktische Flaschenschublade


6. Backskiste: Sie ist von der Nasszelle aus gut zugänglich

TESTERGEBNISSE

Segeltragezahl: 4,2

Ihr Wert gibt das Verhältnis von Segelfläche zur Verdrängung an. Wie viel Segelfläche eine Yacht bis zum Reffen tragen kann, hängt jedoch von der Tiefe des Schwerpunkts und der Stabilität ab. Der Wert einer typischen Fahrtenyacht liegt bei 4,2. Steife Cruiser-Racer erreichen über 5.

Ballastanteil: 33 %

Mit einem Ballastanteil von 33 Prozent liegt die Hanse 348 auf der sicheren Seite. Einen Ballastanteil von 25 % sollte eine Fahrtenyacht mit dem üblichen, moderaten Tiefgang aus Gründen der Seetüchtigkeit nicht unterschreiten.

Längen-Breiten-Verhältnis: 2,9: 1

Das Längen-Breiten-Verhältnis von 2,9: 1 spricht für eine ausgewogene Fahrtenyacht, wie wir sie tatsächlich erlebt haben. Reinrassige Regattayachten können das Verhältnis 2,2: 1 haben. Zusammen mit dem Ballastanteil und der Lage des Schwerpunkts hat dieser Wert großen Einfluss auf die Segeleigenschaften.

Rumpfgeschwindigkeit: 7,5 kn

Maximal erreichte Fahrt am Testtag: 6,0 kn, 6,0 Knoten bei drei Beaufort und 90 Grad zum Wind, unter Groß und Selbstwendefock.

FAZIT

Ausgewogen.

PRO
● einfache Handhabung
● ausgewogene Segeleigenschaften
● begehbare Backskiste

CONTRA
● Finish unter den Salonbänken grob
● Elektro-Kabel schlecht geschützt