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Happy End für Dark Sunshine


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 12.07.2021

DOSSIER

Artikelbild für den Artikel "Happy End für Dark Sunshine" aus der Ausgabe 80/2021 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Die Geschichte von Dark Sunshine offenbart: Die Besitzerin eines Pferdes ist nicht automatisch auch die Eigentümerin.

Am Ende darf der schwarzbraune Wallach sein Rentnerdasein so genießen, wie es sich seine Eigentümerin vorgestellt hat: leichte Arbeit, aber keinen Turniersport mehr. Bis das geklärt war, mussten zwei Gerichte bemüht werden.

DER FALL

Birgit Lehmann*, eine erfolgreiche Dressurreiterin, kauft einen vielversprechenden dreijährigen Hengst, den sie für höhere Aufgaben weiter ausbilden will. Dark Sunshine, so heißt der junge Hoffnungsträger, entpuppt sich als allzu hengstig und deswegen schwer zu handhaben. Birgit Lehmann entschließt sich zur Kastration. Wahrscheinlich infolge des Eingriffs verliert der nunmehr Wallach seine Gehlust und bewegt sich wie ein Ataktiker, das heißt wie ein Pferd, das einen Schaden im Bereich der Wirbelsäule hat. Für den höheren Dressursport ist er nicht mehr geeignet, aber er kann noch leicht geritten werden.

Eine Angestellte des ...

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... Stalls, Anne Schuhmann, bittet Birgit Lehmann, Dark Sunshine als Beistellpferd mit nach Süddeutschland nehmen zu dürfen. Dort kommt sie her und sie möchte in ihre alte Heimat zurückkehren. Birgit Lehmann willigt ein, mit der Maßgabe, dass das Pferd keine Turniere mehr gehen darf. Sie lässt den Wallach bei der FN als Turnierpferd sperren, die Eigentumsurkunde behält sie, der Pferdepass geht mit nach Süddeutschland.

DER BRIEF VON DER FN BRINGT ES ZU TAGE

Im Jahr 2019 bekommt Birgit Lehmann einen Brief von einer Simone Becker, in dem sie aufgefordert wird, die FN-Sperre aufzuheben. Becker stellt sich als Eigentümerin des Pferdes vor. Sie habe Dark Sunshine von Katja Wolters gekauft, der Betreiberin des Stalls, in dem Anne Schuhmann das Pferd eingestellt hat. Der waren die Kosten aus dem Ruder gelaufen, sie hatte eine Reitbeteiligung mit Simone Becker abgemacht. Anne Schuhmann, der Dark Sunshine von der Eigentümerin Birgit Lehmann anvertraut worden war, erfährt von dem Verkauf erst durch den Brief, in dem Lehmann aufgefordert wird, die FN-Sperre aufzuheben. Sie fällt aus allen Wolken.

Simone Becker sieht sich nunmehr als rechtmäßige Eigentümerin von Dark Sunshine, schließlich habe sie ihn gutgläubig von Katja Wolters erworben, ohne zu ahnen, dass der das Pferd gar nicht gehört.

BÜRGERLICHES GESETZBUCH (BGB)

§ 932 Gutgläubiger Erwerb vom Nichtberechtigten

(1) Durch eine nach § 929 erfolgte Veräußerung wird der Erwerber auch dann Eigentümer, wenn die Sache nicht dem Veräußerer gehört, es sei denn, dass er zu der Zeit, zu der er nach diesen Vorschriften das Eigentum erwerben würde, nicht in gutem Glauben ist. In dem Falle des § 929 Satz 2 gilt dies jedoch nur dann, wenn der Erwerber den Besitz von dem Veräußerer erlangt hatte. (2) Der Erwerber ist nicht in gutem Glauben, wenn ihm bekannt oder infolge grober Fahrlässigkeit unbekannt ist, dass die Sache nicht dem Veräußerer gehört.

§ 1006 Eigentumsvermutung für Besitzer

(1) Zugunsten des Besitzers einer beweglichen Sache wird vermutet, dass er Eigentümer der Sache sei. Dies gilt jedoch nicht einem früheren Besitzer gegenüber, dem die Sache gestohlen worden, verloren gegangen oder sonst abhanden gekommen ist, es sei denn, dass es sich um Geld oder Inhaberpapiere handelt. (2) Zugunsten eines früheren Besitzers wird vermutet, dass er während der Dauer seines Besitzes Eigentümer der Sache gewesen sei.

Der Fall geht vor Gericht, Birgit Lehmann möchte Dark Sunshine zurückhaben, um ganz sicher zu gehen, dass er – schon aus tierschützerischen Gründen – nicht mehr für den Turniersport trainiert wird.

Den Prozess vor dem Landgericht Stuttgart verliert Birgit Lehmann, mit der Begründung, die Käuferin Simone Becker habe das Pferd gutgläubig erworben. Sie habe nicht wissen können, dass Dark Sunshine gar nicht das Eigentum von Katja Wolters war. Damit gibt sich Birgit Lehmann nicht zufrieden und geht in Berufung. Diesmal nimmt der Richter des Oberlandesgerichts Stuttgart Simone Becker die Gutgläubigkeit nicht ab und zwar allein aufgrund einer Bemerkung von Stallbetreiberin Wolters bei der Verkaufsverhandlung, sie müsse noch mal Rücksprache halten. Dem hätte Becker entnehmen können, dass Wolters gar nicht die Eigentümerin des Pferdes war, sie konnte Dark Sunshine also gar nicht gutgläubig kaufen.

Am Ende einigt man sich auf einen Vergleich. Dark Sunshine darf bei Simone Becker bleiben, die, wie sie sagte, inzwischen sehr an dem Wallach hängt und bereits 30.000 Euro Tierarztkosten für ihn aufgewendet hat. Birgit Lehmann bleibt Eigentümerin des Pferdes. Sie behält die Eigentumsurkunde, die FN-Sperre als Turnierpferd bleibt bestehen.

Auch wenn es am Ende für Dark Sunshine gut ausging, bleiben eine Menge Fragen offen. „Wie etwa können Sponsoren, die einem Reiter ein Pferd anvertrauen, sicher gehen, dass es nicht ohne ihre Zustimmung verkauft wird und der Käufer sich auf Gutgläubigkeit berufen kann?“ fragt Birgit Lehmann.

Gabriele Pochhammer

DR. DIETRICH PLEWA,

Rechtsvertreter der Klägerin im geschilderten Fall, außerdem internationaler Fünf-Sterne-Dressurrichter

PASS BEHALTEN

„Solche Auseinandersetzungen sind nicht ungewöhnlich, wir haben sie des öfteren bei Ehescheidungen oder Trennungen.

Dann verkauft auf einmal der eine Partner das Pferd ohne Wissen und Zustimmung des anderen. Um auszuschließen, dass ein Pferd ohne Zustimmung des Eigentümers verkauft wird, sollte man den Pferdepass am besten bei sich behalten. Er gehört zwar zum Pferd, wird aber nur notwendig bei Transporten etc. Ohne Equidenpass kann das Pferd nicht den Besitzer wechseln. Wird das Pferd in einen entfernteren Stall zur Ausbildung gegeben, wo es auch Turniere besucht, ist das schon schwieriger. Da sollte man einen entsprechenden Vertrag schließen.“