Lesezeit ca. 6 Min.

Happy ohne Kinder


Logo von myself
myself - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 12.01.2022

Freiheit statt Kinder: Business-Coachin Sabine Votteler, 56, und Berater Luk Smeyers, 62, lieben ihre Unabhängigkeit, ihre Jobs – und Mountainbike-Rennen

Sie sagt

Ich hatte nie den Wunsch, Kinder zu bekommen. Meine Eltern waren selbstständig, haben gern und viel gearbeitet, vielleicht war mir deshalb schon früh klar, dass man in seinem Job große Erfüllung finden kann. Ich war immer eine Macherin, wollte Dinge vorantreiben und bin in meiner Karriere aufgegangen. Außerdem wurde ich nie von meinen Eltern nach Enkelkindern gefragt oder von Freunden oder Bekannten auf das Thema angesprochen.

Wo andere sagen, mein Leben wäre öde ohne Kinder, würde ich sagen, mein Leben wäre öde mit Kindern. Als ich Luk kennenlernte, war ich 35. Wir hatten beide unsere Karriere, waren ständig auf Reisen und lebten an verschiedenen Orten. Am Anfang unserer Beziehung brach es aus ihm heraus, dass er ein Kind von mir wolle. ...

Artikelbild für den Artikel "Happy ohne Kinder" aus der Ausgabe 2/2022 von myself. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Seit 20 Jahren ein Paar: Sabine Votteler und Luk Smeyers.
Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von myself. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 2/2022 von Willkommen!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Willkommen!
Titelbild der Ausgabe 2/2022 von Horoskop. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Horoskop
Titelbild der Ausgabe 2/2022 von myself digital. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
myself digital
Titelbild der Ausgabe 2/2022 von Unsere Lieblinge im Februar. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Unsere Lieblinge im Februar
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Wir haben gut lachen
Vorheriger Artikel
Wir haben gut lachen
Kleine Seelentröster
Nächster Artikel
Kleine Seelentröster
Mehr Lesetipps

... Ich erschrak, zum Glück ist ihm klar geworden, dass das mehr ein Verliebtheitsref lex war als ein echter Wunsch. Meine Freiheit ist mir wichtiger als Kinder. Trotzdem mag ich sie. Ich bin leidenschaftlich gern Tante. Meine Nichte und ich haben ein sehr enges Verhältnis, sie erzählt mir Dinge, die sie ihrer Mutter nicht erzählen würde.

„Viele haben Angst, im Alter allein zu sein, aber ich denke, es gibt immer Wege, sich Gesellschaft zu suchen“

Ich bin dennoch froh, dass Sabine und ich trotz meines liebesblinden Vorschlags zu Beginn unserer Beziehung keine Kinder bekommen haben. Wir führen ein freies und wildes Leben.

Wenn mich jemand fragen würde, ob ich gern mehr Familienleben gehabt hätte, würde ich zurückfragen: warum? Ich habe eine tolle Beziehung, viele Abenteuer und bis heute großen Spaß an meinem Job. Mir fehlt nichts.

Fotografin Martina Klein, 56, und ihr Mann Thomas Scheidemann, 60, haben sich erst in ihren 40ern kennengelernt – zu spät für Kinder, fanden sie

Sie sagt

Ich war schon früher kein Mädchen, das mit Puppenwagen herumgelaufen ist. Haus, Garten, zwei Kinder – das stand nie oben auf meiner Prioritätenliste. Ich wollte die Welt sehen. Was aber nicht heißt, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, Kinder zu bekommen. Aber es müssen ja auch Timing und Partner stimmen. Bei meiner ersten Ehe war ich Anfang 30, und wir haben es zwar drauf ankommen lassen, aber nicht gezielt darauf hin gearbeitet. Im Nachhinein bin ich froh, dass es nicht geklappt hat, wir haben uns kurze Zeit später getrennt.

Als ich Thomas kennenlernte, war er 48 und ich 43 – zu alt für Kinder, fanden wir. Wir sagen aber oft, dass wir uns im nächsten Leben einfach früher kennenlernen, drei Kinder kriegen und einen Hof kaufen. Wehmütig bin ich trotzdem nicht. Es wäre einfach ein anderes Leben gewesen, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Uns ist weder langweilig, noch fehlt uns der Sinn. Im Moment renovieren wir zusammen ein Haus, ein spannender Neuanfang, der uns aus der Komfortzone rausholt.

„Haus, Garten, zwei Kinder – das stand nie oben auf meiner Prioritätenliste“

Ich habe nie verstanden, dass man Kinderlosigkeit per se als Schicksalsschlag betrachtet oder als emotionale Leerstelle. Ich habe zum Beispiel einige Jahre bei der Tafel gearbeitet und empfand das als eine sehr bereichernde Tätigkeit.

Er sagt

Ich hatte eine glückliche Kindheit und wollte immer Vater werden. Lange Zeit stand aber mein Job an erster Stelle, und ich habe nur oberf lächliche Beziehungen geführt. Meine erste Frau brachte ein Kind mit in die Ehe, zu dem ich bis heute engen Kontakt habe. Wir hätten gern noch ein zweites dazubekommen, aber es hat nicht geklappt. Drei Jahre später haben wir uns getrennt.

Dass Martina und ich uns erst so spät kennengelernt haben, bedaure ich. Wir passen so gut zusammen, dass wir sicher auch prima Eltern geworden wären. Gleichzeitig fanden wir, dass ein Baby in unserem Alter eine Aufgabe wäre, der wir uns nicht mehr gewachsen fühlten. Ich könnte wahrscheinlich kein entspannter Vater mehr sein, ich würde mein Kind keinen Baum hinauf klettern lassen. Auch wenn ich manchmal sentimental werde, denke ich nie, dass uns etwas fehlt. Im Gegenteil, wir sind beide so vielseitig interessiert und genießen unsere Freiheit – wir schaffen es ja nicht mal, uns eine Katze oder einen Hund anzuschaffen. Es hat schon alles seinen Sinn so.

Romy, 47, und Alex, 38, Leberling versuchten fünf Jahre lang, ein Baby zu bekommen. Heute helfen sie anderen Paaren mit Kinderwunsch

Sie sagt

Ich wollte immer Kinder haben, nur eilig hatte ich es nicht. Als ich Alex kennenlernte, war ich schon 36 und wusste, jetzt wird es langsam Zeit. Wir setzten die Pille ab, aber nichts passierte. Nach zwei Jahren machten wir den ersten Termin in einer Kinderwunschklinik aus. Wir probierten alles Mögliche aus, bei einer künstlichen Befruchtung war für uns aber Schluss. Die Erfolgsquote stand für uns nicht im Verhältnis zu den Belastungen. Nach fünf Jahren haben wir einen Schlussstrich unter das Thema gezogen. Natürlich hätten wir es weiter drauf anlegen können, aber die Entscheidung hat uns befreit, sie gab uns die Kontrolle über unser Leben zurück.

Wir haben jeder eine Collage gebastelt mit Wünschen und Träumen für ein Leben ohne Kinder und festgestellt: Da ist ganz viel dabei, das zusammenpasst und uns euphorisch stimmt. Wir haben uns selbstständig gemacht und sind aus dem Reihenhaus, das auf Familie ausgelegt war, ausgezogen, um die Hälfte des Jahres auf Ibiza zu leben. Die Freiheit und die Zeit, die wir heute für Dinge haben, die uns erfüllen, gehören zu den großen Pluspunkten unseres Lebens. Wir können neue Sportarten oder Musikinstrumente ausprobieren und beruf liche Wagnisse eingehen. Und dass wir über unsere Beratung Zukunftsglück so viel von unseren eigenen Erfahrungen weitergeben können, gibt mir einen tiefen Sinn im Leben.

Heute kann ich sagen, dass mich der unerfüllte Kinderwunsch zu einem reiferen, glücklichen Menschen gemacht hat. Ich habe gelernt, dass es möglich ist, trotz Schmerz ein gutes Leben zu leben. Diese Erkenntnis hat mich befreit und stark gemacht für alles, was noch kommen mag.

Er sagt

Für mich war die Entscheidung, mit Romy Kinder zu kriegen, eine Riesensache. Ich bin ja neun Jahre jünger. Gleichzeitig wusste ich: Sie ist die Richtige. Wir hatten von Anfang an eine tiefe Verbindung. Dass es nicht klappen könnte, habe ich gar nicht in Erwägung gezogen. Und obwohl ich mit dem Wissen aufgewachsen bin, dass auch Männer schwach sein dürfen, war es für mich hart, dass meine Zeugungsfähigkeit infrage gestellt wurde. Das Spermiogramm war zum Glück in Ordnung – es konnte uns am Ende niemand genau sagen, warum es nicht klappt –, ich weiß aber nicht, ob ich so offen über unsere Geschichte reden könnte, wenn es an mir gelegen hätte. Das zeigt, wie tief das Stereotyp des potenten Mannes sitzt.

„Dass das mit Kindern nicht klappen könnte, habe ich nie in Erwägung gezogen“

Umso wichtiger und sinnstiftender erlebe ich heute unsere Arbeit mit den Paaren. Alle unangenehmen Gefühle und Gedanken zuzulassen und miteinander zu besprechen hat Romy mir beigebracht. Zwar ist sie manchmal pessimistischer und zögerlicher als ich, aber dass Lösungsorientiertheit nicht alles ist, habe ich durch sie gelernt. Es hat mich aus der Rolle des Retters befreit. Als sie mich fragte, ob ich mich trennen und es lieber mit einer jüngeren Frau versuchen wollte, fand ich das absurd. Aber mir ist in diesem Gespräch auch klar geworden, dass eine tiefe, vertraute Beziehung für mich an erster Stelle steht. Ein Kind ist ein zusätzliches Geschenk, aber nicht der Kern einer Beziehung. Als wir das Thema beendet hatten, gab es genug, was wir uns an Lebensglück vorstellen konnten. Es war toll zu sagen: Komm, jetzt machen wir alles, was wir uns mit Kindern nie getraut hätten. Manchmal merke ich, dass uns andere um unser unabhängiges Leben beneiden. Aber alles hat seinen Preis. Wir sind durch viel Leid gegangen, und jede Entscheidung für das eine ist eine Entscheidung gegen etwas anderes.

Es gibt immer noch Momente, vor allem in der Weihnachtszeit, in denen ich traurig bin, keine Kinder zu haben. Aber ich habe gelernt, das zuzulassen und als Teil meines Lebens zu akzeptieren.